Fehmarn wir kommen!

(AR) Nach unserer Nacht auf dem Campingplatz in Scharbeutz ging es nach einem kleinen Frühstück mit Tee und Kaffee vom Gaskocher weiter in Richtung Fehmarn. Die Wettervorhersage sah immer noch recht gut aus – auch wenn die Wolken am Himmel doch anderes vermuten ließen. Aber was soll’s, wir, bzw. unsere Regenutensilien sind ja inzwischen Wasser erprobt. Somit zogen wir die Regen-/Windjacken doch lieber erstmal wieder an.

Der Weg führte uns nun im Wesentlichen an der Ostseeküste entlang durch die verschiedenen kleineren und größeren Orte wie Neustadt in Holstein, Kellenhusen, Dahme und Grömitz. Auf den meisten Wegen war es angenehm leer, aber auf den Radwegen in den Orten war es natürlich ziemlich voll, so dass wir uns an diesen Stellen entschieden, lieber andere Wege durch den Ort zu nehmen, um nicht so voll beladen in dem Gewusel fahren zu müssen.

Ich war zwar – nach Erzählungen meiner Eltern – mal als Kind in diesem Bereich an der Ostsee in Kellenhusen soweit ich das richtig im Kopf habe, aber danach eigentlich nicht mehr; außer an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Wo wir jetzt waren hatte ich eigentlich mehr „Bausünden“ aus den 70er Jahren erwartet und war dann doch sehr positiv überrascht, dass das doch alles nicht so hoch bebaute Orte sind. Dennoch hatte das, was wir im Wesentlichen beim Durchradeln gesehen haben, mal mehr und mal weniger Scharm – aber wo ist das nicht so?! In Grömitz machten wir eine kleine Fischbrötchen-Pause (Grüße an dieser Stelle an Tante Inge und Dany 😉 ) und stellten erfreut fest, dass es hier die erste öffentliche Ladestation auf unserer bisherigen Route für die E-Bike-Akkus gab! Nicht, dass wir die bis hierhin insgesamt etwa 480 km mit einer Akkuladung gefahren wären, aber bisher mussten wir die Akkus des nachts immer auf den Campingplätzen laden. Zum Glück sind diese auch inzwischen dafür ausgestattet, für Zelte Strom zur Verfügung zu stellen.

Wir sind auf unserem Weg durch abwechslungsreiche Natur gefahren vorbei an Feldern und kleinen Wäldchen, auf oder neben dem Deich, an Schafen und Rindern vorbei sowie mit und ohne Blick auf die Ostsee. Dabei war es – abgesehen vom Deich – sanft bis steiler hügelig. Es war wirklich sehr schön! Und wenn man doch irgendwann mal Duftbilder aufnehmen und verschicken könnte, wäre ich begeistert und hätte euch gerne daran teilhaben lassen.

Plötzlich eine Schrecksekunde, steht da auf einmal so ein blöder Poller mitten auf dem Weg! Wer hat den denn dahin gestellt, wo es sooo viel schöne Natur zu betrachten gibt?!? Jörg hatte ihn elegant umschifft und ich sah ihn zu spät, bremste scharf – hatte allerdings mit dem vielen Gepäck doch einen ziemlichen Bremsweg. Kurz vorher lenkte ich noch rechts vorbei, aber die Vorderradtasche blieb hängen und der Sturz war nicht mehr zu verhindern. Ist schon blöd, wenn man es kommen sieht und kaum mehr etwas machen kann. Wie ich es allerdings geschafft habe, nicht unter das umstürzende Rad zu geraten, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel! Irgendwie habe ich es also geschafft – vermutlich elegant wie ein Reh oder wie heißt das Tier mit dem grauen Rüssel? – rechtzeitig im Fall vom Rad zu springen. Somit lag also nur das Rad und ich stand unversehrt daneben – wenn auch mit einem kleinen Schrecken. Auch das Rad hat keinen Schaden genommen und so ging es nach kurzer technischer Überprüfung und dreimaligem besorgten Nachfragen von Jörg, der hinter sich nur einen heftigen ‚Rums’ gehört hatte, ob auch wirklich alles in Ordnung ist, weiter unseres Weges.

Zur Schönheit der Natur kam hinzu, dass es sich nach und nach aufklarte und es ein wirklich schöner Sonnentag wurde. Gemeinsam mit dem zeitweiligen Blick aufs Meer kam zum ersten Mal in diesen Tagen das Gefühl von „Sommerurlaub“ bei uns auf. Das einzige, was die Strecke von Zeit zu Zeit etwas erschwerte, war der Wind, der – typisch für die Küste – doch recht ordentlich blies. Und heute ziemlich oft direkt von vorne auf die Nase… in Verbindung mit den Hügeln, war das ab und an eine recht anstrengende Mischung, auch wenn wir immer mal den Motor dazu schalten konnten. Da kam auch zwischendurch mal der Gedanke hoch, doch nicht die gesamte Strecke bis Fehmarn nur mit dem Rad zu fahren, sondern doch eine kurze Strecke mit der Bahn zu überbrücken. Aber an einem passenden Bahnhof kamen wir nicht vorbei und nachdem wir irgendwann in der Ferne die Fehmarn-Sundbrücke sahen, war das Tagesziel doch wieder fest im Blick!

…und dann war es endlich soweit. Wir hatten die Brücke erreicht! Bei klar blauem Himmel, aber mächtig viel Wind fuhren wir auf einer abgetrennten Radspur über die Brücke! Wir mussten schon viel achtgeben und wenn jemand entgegen kam, musste eine Seite anhalten, weil der Weg recht schmal war.

Wir haben den doch fahrtechnisch recht anstrengenden Tag in Burg auf Fehmarn bei einer leckeren Portion Fisch ausklingen lassen, bevor wir uns am Südstrand auf dem Campingplatz häuslich in unserem Zelt eingerichtet haben.

Hier werden wir nun ein paar Tage bleiben, um die Insel zu erkunden und das hoffentlich etwas besser werdende Wetter zu genießen.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

3 Kommentare zu „Fehmarn wir kommen!

  1. Oh Ha- Anja, wie gut, daß Du Deinen Drahtesel mit einem Hechtsprung wie vom Pferd verlassen konntest… Plötzlich daneben stehen kommt mir irgendwie bekannt vor… Hatten wir das nicht vor Jahren auch einmal beim Springen ??? ;-))) Du siehst – früh übt sich !!!

    Passt auf Euch auf und relaxte Tage auf der Insel !!!
    Dany

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    1. Ja, liebe Dany, das hatten wir! 😉 wie das arme Flochen dann in der nächsten Ecke stand – etwas irritiert, dass sie ihr Reiterrlein verloren hatte 😉
      LG und jetzt geht es gleich weiter! Wir verlassen heute Fehmarn

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