Es geht weiter Richtung Süden

(AR) Unsere Nacht im Hotel in Karlsruhe empfanden wir zwiespältig. War das Zimmer auch sehr neu und modern gemacht und alles soweit sauber und in Ordnung, war es im Dachgeschoss gelegen und somit SEHR warm. Nein, wir wollen nicht nörgeln und es gibt Schlimmeres. Dennoch wäre eine Klimaanlage fein gewesen. Immerhin gab es jedoch einen Ventilator, der dann auch die gesamte Nacht lief bei offenem Fenster. Nicht gerade energiesparend, aber das ging nicht anders. Dann lieber – wie auch so oft im Zelt – Ohrstöpsel rein, um das Gesurre nicht zu hören. Morgens war die Temperatur ganz angenehm und wir konnten nach einem sehr stark zeitlich abgekürzten Frühstück, denn auch da gab es scheinbar keine Klimatisierung, in den Tag starten.

Nach unserer vorabendlichen Tour durch Karlsruhe schloss sich morgens nochmals kleinen Runde an, bevor es dann weiter nach Durlach ging, einem sehr hübschen kleinen Stadtteil von Karlsruhe. Die meisten werden Durlach wahrscheinlich nur durch die Staumeldungen kennen, was wir später bei unserer Weiterfahrt durchaus bestätigen konnten (aber nicht, dass jetzt wirklich jemand denkt, wir wäre auf der Autobahn mit den Rädern unterwegs 😉 ). Nach der Besichtigungstour und einem gemütlichen Kaffee bzw. einer Limo beschlossen wir uns erstmal weiter in den Süden auf den Weg zumachen. Es soll erstmal durch den Schwarzwald bis nach Freiburg gehen und dann vielleicht über Straßburg in Richtung Deutsche Weinstraße – mal sehen, ob wir dort ankommen oder doch auch nochmal die Route wechseln.

(Ju) Die Landschaft stellte sich so völlig anders dar, als wir es bisher gesehen hatten. Die Hügel rückten immer näher heran und vorbei an Mais- und Getreidefeldern ging es über die jeweils recht ansehnlichen Städtchen Ettlingen und Rastatt bis zu unserem Campingplatz außerhalb von Rastatt im Ortsteil Plittersburg. Kurz vor der Ankunft machten wir noch Halt und gönnten uns ein Eis in der angesagtesten (und wahrscheinlich auch einzigen) Eisdiele des Ortes. Danke, Birgitta, für den Tipp! Unser Platz für die Nacht lag direkt an einem kleinen See. An diesem lauen Sommerabend haben wir es uns nicht nehmen lassen, BEIDE im See zu schwimmen. Als wir begannen unser Zelt aufzubauen, wurden wir direkt von einem netten Nachbarn mit einem riesigen Schweinesteak und 2 Bratwürsten versorgt. Wir sollten uns nicht genieren, die Sachen müssten einfach weg. Oh man, haben wir so verhungert ausgesehen?! Egal – das erste Stück Fleisch nach über drei Wochen. Und was soll ich sagen – es war ein absoluter Genuss, obwohl wir beide nicht so gerne Schwein essen.

Beim Aufbau des Zeltes ist dann leider eine der Zeltstangen etwas beschädigt worden. Wir haben es (bisher) mit starkem Gewebeklebeband sichern können; mal sehen wie lange es hält.

Morgens haben wir uns dann (für unsere Verhältnisse früh) auf den weiteren Weg gemacht. Baden-Baden war der erste Anlaufpunkt des Tages und gleichzeitig auch für uns der Einstieg in die Hügelketten des Schwarzwaldes. Teilweise langgezogene Steigungen und viel zu kurze Abfahrten danach. Selbst wenn es dann mal länger begab geht, machen Richtungswechsel oder „Vorfahrtgewähren-Schilder“ die Ausnutzung des Schwunges unmöglich. Der Ort Baden-Baden ist wirklich sehenswert, auch wenn weder ein Ahhh- , noch ein Ohhh-Effekt eingetreten ist.

Weiter ging es jetzt bergauf, bergab durch große Obstplantagen und vorbei an großen Wiesenflächen, auf denen sich viele Weißstörche ihre Mahlzeiten suchten. Und da unser Weg jetzt ein wenig entlang der Badischen Weinstraße führt, sind auch immer mehr Weinberge an den Hängen sichtbar. In Bühl stoppten wir, um unsere Vorräte etwas zu ergänzen, und kauften uns beide eine fertig zusammengestellte Box mit Salat und anderen Zutaten. Schnelle Küche sozusagen, verspeist auf der nächsten Treppe in einem Hauseingang in Ermangelung einer freien Parkbank – völlig Coronakonform. Schon während des Essens ergoogelte die Reiseleitung unser Schlafquartier, einen schnuckeligen Campingplatz direkt an einem Bach unter vielen Bäumen und mit wenig Betrieb.

Und vielleicht bleiben wir gleich zwei Nächte, machen die für morgen angedachte Tour nach Gengenbach im Kinzigtal mal ohne unser ‚Schöner Wohnen‘ Equipment.

Radläden und andere Radgeschichten

(AR) Auf unserer Tour hat uns auch schon der eine oder andere Besuch in einem Fahrradladen begleitet. Ziemlich am Anfang riss bei meinem Rad hinten der Spritzschutz ab, so dass die Gepäcktaschen und auch der Hintermann bei zu dichtem Fahren Dreck abbekamen. Die Lasche war ausgerissen, so dass es keinen Sinn machte sie irgendwie wieder dranzubasteln. Beim zweiten oder dritten Laden auf der Strecke (wir waren inzwischen in Lübeck angekommen) wurden wir fündig und – wie bereits beschrieben – brachten die Mitarbeiter des Ladens das auch gleich an und stellten auch ein Tütchen mit Ersatzschrauben zusammen.

Schon vor der Fahrt hatte sich Jörg mit dem Thema Ledersattel fürs Rad interessiert und bei jeder Gelegenheit fragte er in den Läden nach, um sich die Vor- und Nachteile erläutern zu lassen. Die Entscheidungsfindung für so etwas „nice to have“ ist aber unterwegs nicht so einfach zumal sich auch die Frage ergibt, was man mit dem alten tut.

In Syke bzw. Bremen brauchten wir dringend Ersatz für die abgenutzten Bremsbelege, kauften gleich für beide Räder noch welche auf Vorrat und hatten uns ja auch mit anderen Kleinteilen ausgestattet, die in einer Tüte bereits verpackt in Duisburg nicht den Weg in die Taschen gefunden hatten. Somit gibt Jörgs Rad inzwischen, nachdem mal ‚nachgeölt’ wurde, auch wesentlich weniger Geräusche von sich. Und ich kann bei längeren Abfahrten entspannt bremsen ohne Bedenken haben zu müssen, dass wir irgendwo in der Pampa auf einem Berg sitzen und nicht mehr sicher runterkommen ohne vernünftige Bremsbeläge. Also alles tutti!

Inzwischen ist im Laufe der Zeit und der Gespräche die Entscheidung eher gegen einen Ledersattel gefallen – zumindest aktuell bzw. wurde zugunsten der Anschaffung einer Parallelogramm-Sattelstütze zurückgestellt, die den Rücken etwas mehr entlasten soll. Wir planen zwar nicht unsere Route nach potentiellen Radläden, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, wird auch den ortsansässigen Fahrradläden ein Besuch abgestattet. Denn leider – auch wenn diese Entscheidung grundsätzlich gefallen ist – gibt es diese Sattelstütze (denn es soll schon eine ganz bestimmte sein) bisher nicht in der passenden Größe und eine Bestellung macht aufgrund unserer Durchreise keinen Sinn. Aber so haben wir immer mal wieder Gründe uns auch andere Bereiche der Städte anzusehen, die nicht unbedingt in der direkten City liegen. Nach dem wir bereits auch den einen oder anderen Fahrradladen in Speyer kennen, sind wir nun gestern in Karlsruhe erfolgreich gewesen! Nun hat Jörg die gewünschte Parallelogramm-Sattelstütze und auf den ersten gefahrenen Kilometern hat sie die Erwartungen erfüllt, und somit hätte jetzt erstmal die Suche nach Radläden ein Ende…hatte ich zumindest gedacht.

Die Sattelstütze hat Jörg dann direkt ausgetauscht und in Durlach, unserem nächsten Wegpunkt nach Karlsruhe, musste der Sattel noch 1-2 mal nachjustiert werden. Jörg ist kräftig, aber dass er so….wie auch immer. Beim zweiten Mal knackte es beim Aufdrehen der Schraube. „MIST!!“ hörte ich nur. Die Schraube war abgedreht und gerade dieser Durchmesser natürlich NICHT in unserem Sortiment. Was soll ich sagen, der nächste Besuch im Fahrradladen stand an, aber wir wurden auch schnell fündig. Für die Zwischenzeit wurde die kaputte Schraube mit der aus Jörgs Rückspiegels überbrückt, da es sich dabei um den gleichen Gewindedurchmesser handelte, wie von Jörg messerscharf erkannt. Selbstredend, dass sich nun auch von diesen Schrauben noch welche in Reserve mit auf Tour begeben!

Abgesehen davon ist noch die Schraube des Hebels zur Feststellung der Federgabel abhanden gekommen, für die im Radladen jedoch kein Ersatz angeboten werden konnte – aber das werden wir wohl auch im nächsten Baumarkt bekommen ;-). Ach ja, und hatte ich schon berichtet, dass an Jörgs Rad die Kette abgesprungen war?! Er sagte am Tag zuvor schon, dass die Kette irgendwie etwas locker sei. Als wir dann am Sonntagnachmittag durch den Stadtwald von Karlsruhe fuhren und dort „mal eben schnell“ den Weg wechseln wollten, fuhren wir über ein kleines Stück Wiese; so ein wenig querfeldein – und die Kette sprang ab. Das konnten wir allerdings relativ schnell reparieren, auch wenn es mit Abpacken der hinteren Taschen verbunden war und ich allein vermutlich doch eher aufgeschmissen gewesen wäre.

Ich werde berichten, wie es diesbezüglich weitergeht – auch wenn ich natürlich hoffe, dass wir vor größeren Pannen verschont werden.

Unsere Zeit in Speyer und unser weiterer Weg in den Süden

(AR) Dass wir uns von Anfang an auf unserer kleinen Zeltwiese im Norden von Speyer zwischen See und Pferdchen wohlfühlten, hatte ich bereits geschrieben. Am Vormittag in der City von Speyer angekommen, stellten wir wie üblich die Räder ab und machten unseren Stadtbummel zu Fuß.

Bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen führte unser erster Weg zum Dom, immerhin Welkulturerbe. Er wirkt spätromanisch-frühgotisch gebaut und damit ungemein groß, hoch und doch so enorm mächtig. Aber er ist eigentlich keiner Epoche richtig zuzuordnen, da in den verschiedenen Jahrhunderten immer wieder an- und umgebaut wurde. Er ist wirklich sehr beeindruckend!

Die Fußgängerzone, der sich an den Dom anschließenden Maximilianstraße (der „Maxi“), läd zum Bummeln und Verweilen ein. Man merkt, dass man inzwischen in den eher wärmeren Gefilden Deutschlands ist, da hier viele große Oleander in Kübeln die Straße säumen (dies sollten wir auch später noch in Karlsruhe bewundern können). Aufgrund der vielen hübschen kleinen, recht ähnlichen Häuschen und der verschiedenen Sehenswürdigkeiten neben dem Dom, meinten wir eigentlich auch in der Altstadt von Steyer zu sein, bis uns ein Wegweiser darauf aufmerksam machte, dass es einen noch älteren Teil der Stadt geben musste. Neugierig gemacht, folgten wir dem Schild und kamen zum Fischmarkt, den heute eine entsprechende Skulptur eines Fisches ziert. Zusätzlich gab es in der Tat noch ein paar älter anmutende Häuschen und eine alte Ruine zu sehen. Insgesamt gesehen können wir einen Besuch der Stadt auf jeden Fall empfehlen.

(Tipp) Wer gerne besonderen Kaffee trinkt, der sollte auf jeden Fall Springers Kaffeemanufaktur (im Kornmarkt) besuchen! Und bitte – nicht einfach nur einen Kaffee bestellen, sondern sich beraten lassen, welche der vielen Kaffeesorten am ehesten dem eigenen Geschmack entspricht.

Als Abschluss machten wir noch eine etwas größere Runde mit dem Rad durch die Stadt am Rhein und entschieden uns den Nachmittag aufgrund des schönen Wetters am See zu verbringen. Da bei uns am Campingplatz ein kleines privates Fest gefeiert wurde und ‚unser’ Seezugang für die Kinder der Gäste irgendwie mit eingebunden war, fuhren wir zu einem ca. 2 km entfernten See, um dort den Nachmittag am und im Wasser zu verbringen… langsam nimmt unsere Reise wirklich Urlaubscharakter an!

Am nächsten Vormittag ging es dann weiter in Richtung Süden. Dieses mal hatten wir uns für ein Stück des Rheinradwegs in Richtung Karlsruhe entschieden. Ging es anfangs noch durch ein paar kleine Dörfer, kamen wir alsbald auch wieder zu den Rheinauen und genossen die Fahrt direkt am Rhein entlang, der hier ganz anders aussah als die uns gewohnten und liebgewonnenden Anblicke des Niederrheins.

Auf der Strecke querten wir nun auch bereits zum inzwischen vierten Mal seit Mannheim den Rhein und pendeln somit in schöner Regelmäßigkeit zwischen Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg hin und her. Mal geht es über Brücken oder, wie heute, mal wieder mit der Fähre, was mich auch immer an die Fähre in Orsoy am Niederrhein erinnert – auch wenn es natürlich überall anders viele Fähren gibt; selbst in Berlin.

Im nördlichen Stadtwald von Karlsruhe angekommen, an einem kleinen Wasserlauf entspannt dahinradelnd, fragte Jörg, ob es nicht toll wäre, ein kleines Picknick abzuhalten. Ich bejahte und wie von Zauberhand stand um die nächste Wegbiegung eine Bank im Schatten, die uns einlud uns auf ihr niederzulassen. Es war einfach herrlich! Wir schnabulierten das eine oder andere aus unseren Satteltaschen und beratschlagten, ob wir – angesichts der erst weiter entfernten Campingmöglichkeiten – nur einen kurzen Stopp in Karlsruhe einlegen wollten oder uns für einen etwas längeren Aufenthalt und damit verbunden auch für ein Hotelzimmer entscheiden sollten. Nur soviel vorweg: wir haben uns für das Zimmer entschieden. 😉

Die Pfalz ruft – und wir folgen…

(Ju) Nach einer kurzen Verabschiedung am Morgen (alle außer uns mussten ja arbeiten oder zur Schule) packten wir unser Gepäck auf die Räder und mit der Bahn ging es von Syke über Bremen und dann mit dem IC nach Heidelberg. Mittags, kurz nach 12 Uhr fuhren wir in Duisburg ein, wo ich normalerweise ausgestiegen wäre, aber jetzt war das Ziel ja ein anderes. Trotzdem komisch, wenn man so nah an seinem sonstigen Lebensmittelpunkt vorbeifährt. Mit der für uns Bahnfahrer schon als pünktlich bezeichneten Verspätung von 15 bis 20 Minuten erreichten wir Mannheim. Man merkte sofort den Temperaturunterschied zum Norden.

Wir stellten irgendwo die Räder ab und durchquerten die Stadt, waren aber nirgendwo so richtig begeistert – mit Ausnahme des Wasserturms und der drumherum angeordneten Parkanlage mit den Springbrunnen. Allerdings soll es spannende und geschichtsträchtige Dinge zu sehen geben, wie wir später lernen sollten, als wir in Heidelberg waren. Aber was soll‘s, man kann eh nicht alles sehen und behalten, was in der kurzen Abfolge unseres Weges auf uns einprasselt.

Gegen Abend strampelten wir noch einige Kilometer und schlugen unser Zeltlager auf einem Campingplatz in den Rheinauen südlich von Ludwigshafen auf. Und in der Nacht, wer sollte es glauben, holte uns irgendein Regenfeld wieder ein. Morgens gelang es uns mit viel Trockenwischerei die Zeltteile wenigstens halbwegs trocken einzupacken und wir radelten (bei leichtem Dauerregen, aber der war wenigstens warm) bis nach Heidelberg. Zeltplätze gibt es da wenige, aber wir schafften es doch tatsächlich für 39€ in einem tollen, modernen Hotel ganz nahe der Altstadt zu übernachten. Wir genossen noch ein wenig das Flair der Stadt, wirklich sehenswert – sicherlich noch mehr, wenn die Sonne dazu lachen würde. Abends im Hotel konnten wir in der großen Dusche die Zeltplane zum Trocknen aufhängen. An diversen anderen Stellen platzierten wir das, was der ad hoc gestartete Waschtag so mit sich brachte und schlummerten ruhig bis zum Morgen.

(AR) Aufgesattelt und in die Stadt ging es nach einem gemütlichen Frühstück im Bett. Gab es doch auf dem Zimmer einen Wasserkocher sowie Tee und Kaffee zur freien Bedienung – und alles andere hatten wir ja sowieso dabei.

Hatten wir am Tag zuvor die Altstadt mit ihren wesentlichen Eigenschaften bereits am Tag zuvor abgelaufen, führte unser erster Weg zum Philosophenweg auf der gegenüberliegenden Seite des Neckars und der Altstadt. Wir strampelten, mit zwei Zwischenstopps zum Luftholen (von wegen alles easy mit E-Bikes), mit den voll bepackten Rädern die Anhöhe bis zum Aussichtspunkt hinauf. Was für ein herrlicher Blick! Und was soll ich sagen – der Tag hatte uns mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen empfangen! Bei der dann folgenden genauso steilen Abfahrt, wurden die Bremsen sehr gefordert – und ich war froh, dass Jörg vorgeschlagen hatte auch für mein Rad Ersatzbremsbelege zu kaufen, die wir nun im Gepäck hatten.

Anschließend ging es wieder in die Altstadt zum Kornmarkt, wo wir unsere Räder parkten und uns mit der Bergbahn zum Schloss hoch bringen ließen. Nach der Anstrengung mit dem Rad zuvor, wollten wir es hier etwas ruhiger angehen lassen; denn wer hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass die Belastung mit dem Berg zuvor – und das ist eine trotz E-bike! – für Jörg wieder möglich ist. Für das Schloss oder besser die Schlossruine hatten wir eine Führung gebucht. Die Dame erzählte uns viel über die verschiedenen Kurfürsten, die hier gelebt und gewirkt hatten, welche Liebesbeziehungen eine Rolle gespielt hatten und was von wem neu gebaut bzw. wann was zerstört worden war. Zusätzlich erfuhren wir aber auch noch etwas über die verschiedenen Sehenwürdigkeiten von Heidelberg, aber auch wie das Schloß in Mannheim und Schwetzingen damit zusammenhängen. Die 330 Stufen wieder zurück in die Altstadt ließen wir uns natürlich nicht nehmen, schon alleine um leckere Maultaschen und Salat zu uns nehmen und das Treiben in der Fußgängerzone zu beobachten. Wir waren übrigens nur mit kurzen Hosen sowie T-Shirts ausgestattet… haben es sogar gewagt, selbst die Regenjacken am Fahrrad zu lassen ;-). Es ist mal wie ein wirklich schöner „Touristen-Sommertag“. Ich möchte mir allerdings nicht vorstellen wie es hier zugeht, wenn nicht gerade die aktuelle Pandemie-Situation ist; in den Straßen wimmelte es auch so schon vor Menschen, aber die Führung im Schloß fand in einer sehr kleinen Gruppe mit entsprechendem Abstand und Mund-Nase-Bedeckung statt.

Wir bummelten noch durch die wirklich hübschen kleinen Gassen und statteten der Heiliggeistkirche noch einen Besuch ab, die für eine lange Zeit im Innern baulich geteilt war, um sowohl protestantische als auch katholische Gottesdienste abhalten zu können. Anschließend schwangen wir uns wieder auf unsere Räder und machten uns auf in Richtung Speyer, wo wir abends auf einem sehr schönen kleinen Campingplatz ankamen. Idealer geht es kaum: sehr klein und familiär, direkt am See, sehr gute Infrastruktur und Pferde im Stall…was will Frau mehr 😉 und somit haben wir gleich mal um eine weitere Nacht verlängert!

Syke und Bremen

(Ju) Der neue Tag empfing uns mit Sonnenschein und einem extra für uns vorbereiteten Frühstückstisch. Außer uns war niemand mehr im Haus, denn die anderen mussten arbeiten bzw. zur Schule. Grundsätzlich wollten wir, auf einer in unserer Navigations-App bereits ausgearbeiteten Route, über die kleinen Dörfer, an einer Wassermühle vorbei und dann auf dem Deich entlang der Weserauen mit den Rädern nach Bremen fahren und der Stadt mal wieder einen Besuch abstatten. Allerdings war direkt nach meiner ersten Bremsung klar, da ist etwas nicht in Ordnung mit der Vorderradbremse an meinem Rad. Und tatsächlich, da hatte sich die eine Seite des Bremsbelages an der Scheibenbremse in Wohlgefallen aufgelöst. Anscheinend ist die Belastung durch das Gesamtgewicht doch größer als vermutet, denn vor dem Start in Duisburg war alles noch im grünen Bereich. Wir beschlossen kurzerhand ‚mal eben‘ einen der drei Radläden von Syke anzufahren um für Ersatz zu sorgen, gegebenenfalls die Beläge dort direkt wechseln zu lassen. „Das sind so hochwertige Bremsen, sowas hat hier in der Stadt niemand an seinem Fahrrad und das werden sie auch nirgendwo hier auf die Schnelle bekommen. Kann ich bestellen, aber reparieren könnte ich frühestens nächste Woche, auch wenn Sie nur auf der Durchreise sind.“ Diese Sätze waren weder sonderlich freundlich, noch irgendwie besonders mitfühlend für unsere missliche Lage ausgesprochen worden. Lieber Gott, bitte lasse nie was an die Räder kommen, was nicht selber vor Ort von mir repariert werden kann, fuhr es mir durch den Kopf. Nach dem zweiten Laden gaben wir auf (der dritte macht sowieso erst um 14 Uhr auf) und beschlossen trotzdem nach Bremen zu fahren und hofften dort auf ein Fahrradgeschäft mit größerer Auswahl. Fazit: Wir wurden fündig, haben direkt für beide Räder vorgesorgt und gleich auch noch einen eventuellen Riss der Kette bedacht. Sicher ist sicher… Abends habe ich dann noch alles repariert, so dass es ich guter Dinge bin, nun wieder sicher mit sämtlichen Gepäck reisen zu können.

(AR) Nach unserem Großeinkauf beim Fahrradladen, um für die nächsten eventuellen Pannen vorbereitet zu sein (Frau hat dazu ja immer deutlich weniger Schreckensbilder im Kopf und ist somit deutlich entspannter), fuhren wir in die Altstadt von Bremen. Wir parkten unsere Räder zentral am Markt beim Dom und schlenderten bei schönem Sommerwetter durch die Altstadt und insbesondere durch das Schnoorviertel mit den kleinen verwinkelten Gassen und Häuschen. Zwischendurch ließen wir uns zu einem kleinen Imbiss nieder und probierten die Bremer Spezialität „Knipp“ – wobei es sich um eine gebratene Grützwurst handelte. Es war schmackhaft gewürzt, aber wie sagte Jörg so schön, dass schmeckt nach allem und nichts und im Grunde kann man nichts wirklich rausschmecken. Und ja, so war es auch. Unser Weg führte uns auch noch an der Weserpromenade vorbei und wir genossen das unaufgeregte nordische, nicht überfüllte Treiben.

Am Dienstag wollten wir dann die ländliche Gegend rund um Syke mit dem Fahrad erkunden und eventuell auch dem örtlichen Kreismuseum noch einen Besuch abstatten. Man glaubt es kaum, aber es fing dann am späten Vormittag mal wieder an zu regnen… nicht wirklich doll, aber angesichts der sehr gemütlichen Unterkunft und da wir ja nicht zwingend raus mussten, haben wir dann doch lieber etwas „gewohnt“. Ich habe mich nochmal etwas hingelegt, um vielleicht auch meine Kopfschmerzen loszuwerden, und Jörg hat sich um das Wohl der Räder gekümmert, den Dreck der letzten Tage entfernt, die Ketten gesäubert und neu gefettet und Ähnliches. Somit können wir nun also wieder mit frischen Rädern starten. Später haben wir uns dann doch noch kurz in die Innenstadt von Syke und ins Kreismuseum begeben, da das Wetter auch am Nachmittag nicht zu einer längeren Radtour eingeladen hat. Das Museum hatten wir fast für uns alleine und haben uns über die landwirtschaftliche und handwerkliche Geschichte der letzten Jahrhunderte informiert.

An beiden Abenden haben wir nett mit Kerstin und Jörg sowie zeitweise auch Tim zusammengesessen und geschnackt, wie die Norddeutschen sagen. Wir haben viel gelacht und auch wirklich mal Zeit gehabt, etwas mehr vom Leben des jeweils anderen zu erfahren. Gerade das Tim so aktiv interessiert war an vielen Dingen und sich darüber mit uns ausgetauscht hat, fanden wir positiv.

Wir hoffen, den Alltag ‚auf dem Dorf‘ nicht zu sehr durcheinander gebracht zu haben und wenn doch, dann hoffentlich nur im positiven Sinne. 😉

Wir hatten wirklich eine sehr schöne Zeit in Syke. „Ich freue mich sehr, dass wir ein Teil eurer Reise sein durften!“ sagte Kerstin zum Abschied, worüber wir uns sehr gefreut haben und was wir nur zurückgeben können, denn dem ist nichts hinzuzufügen.

Die liebe Verwandtschaft!

(AR) Da waren wir nun also doch noch glücklich bei der lieben Verwandtschaft in Syke nach einem kurzen Anruf untergekommen, obwohl wir uns ja eigentlich schon im letzten Fehmarnbeitrag entschuldigt hatten, dass wir jetzt dann doch erstmal nicht kämen… manchmal kommt es eben doch anders als gedacht 😉

Wir haben uns wirklich sehr über die Spontanität und die herzliche Aufname gefreut. Wir hatten eigentlich nur einen Stellplatz für unser Zelt im Garten angefragt, durften dann aber natürlich gerne das Gästezimmer nutzen – so ein richtiges Bett ist doch auch zwischendurch immer mal wieder etwas sehr Feines – auch wenn wir uns sehr wohl in unserem Zelt fühlen! Im Garten wird momentan ein sehr ausgeklügeltes Bewässerung angelegt, so dass es für das Zelt ggf. nass wird. Diesem ausgesprochen überlegt angelegten Netz von größeren und kleineren Sprengradien der Bewässerungsdüsen und den verschiedenen Kreisläufen konnten – oder soll ich eher sagten – mussten wir uns immer mal wieder mit voller Begeisterung widmen und dem Hausherren unsere volle Anerkennung dafür zeigen. Aber ohne Scherz, das war wie alles andere an Haus und Garten bis ins Detail geplant und ausgemessen und aus unserer Sicht präzise umgesetzt. Aber so war mein Cousin Jörg schon immer. Alles genau ausdenken, planen, aufzeichnen und umsetzten. Nichts wird dem Zufall überlassen oder erst beim Arbeiten umgesetzt, sondern alles erst auf dem Papier vorbereitet. Er hat sich beim Bewässerungssystem vorerst für eine manuelle Variante entschieden – aber ich könnte mir vorstellen, dass sein Sohn Tim das vielleicht in ein paar Jahren doch auch in eine programmierte Variante umsetzt. Er hat jetzt schon den Part übernommen, die Steuerung sämtlicher Schalter im Haus für die verschiedenen Lichtvarianten und Rollläden zu programmieren. Vorausschauend hatten Jörg und Kerstin sich schon beim Hausbau für den Einbau einer gesonderten Datenleitung in allen Kabelsträngen entschieden, ohne klare Vorstellungen zur späteren Nutzung zu haben.

Kerstin, die gute Seele im Haus, hat uns kulinarisch verwöhnt. Auch wenn sie und Jörg zur Arbeit mussten, konnten wir nach dem Ausschlafen frühstücken und sollten uns an allem frei bedienen. Das, was wir vielleicht nicht auf Anhieb finden würden, war bereits sichtbar hingestellt. Wir sollten, und haben uns wirklich wie zu Hause gefühlt – auch hier nochmals unseren herzlichsten Dank dafür! Schlussendlich werden wir bis Mittwochmorgen bleiben. Natürlich hätten wir auch noch irgendwo anders übernachten können, aber wir wurden so herzlich und freundlich empfangen und aufgenommen, dass wir wirklich das Gefühl hatten bzw. noch haben willkommen zu sein. Dienstagabend laden wir Kerstin, Tim und Jörg dann noch ins „erste Haus am Platze“ zum Essen ein. Dort werden traditionell von den Dreien wohl kleinere und größere Feierlichkeiten begangen, wie wir auf unsere Syker Sightseeingtour mit Guide Jörg erfahren durften.

Diese Sightseeingtour startete gleich Sonntagabend bei unserer Ankunft am Bahnhof Syke. Dort erwartete uns bereits das Empfangskomitee Tim & Jörg. Vom Bahnhof ging es beim über die Stadtgrenze hinaus bekannten Warenhaus Nessmann vorbei in die weitläufige Fußgängerzone mit diversen Geschäften (besonders hervorgehoben wurden von Guide Jörg die zwei Hörgeräteläden, die verschiedenen Banken, der Fahrradladen sowie das Schuhgeschäft, in dem seine Mutter bzw. meine Tante Renate jedes Jahr mindestens ein paar Schuhe kauft. Dann ging es weiter zur Kreisverwaltung, zur Kirche, der örtlichen Ansammlung verschiedenster Feinkost-Lebensmittelläden und zum Rathaus. Abgeschlossen wurde die Sightseeingtour mit dem ländlichen Bereich einschließlich der stadtweit bekannten Ranch, zu der bzw. an der vorbei von der Familie regelmäßige Spaziergänge unternommen werden. Es ist immer wieder schön zu erleben, wie Menschen für die Gegend, in der sie wohnen und wo sie sich heimisch fühlen, brennen!

Wir wechseln vom Norden in Richtung Süden…

(Ju) Wie schon angedeutet, wollten wir unser Revier in den Süden verlegen, der Sonne entgegen und waren erstmal in die nächstbeste Bahn in Richtung Lübeck geklettert.

Wie schön, wenn man eine bereits bekannte Strecke nochmals aus einer anderen Perspektive zu sehen bekommt. Zudem sind wir froh, dass wir nicht mehr die doch ordentliche Steigung hoch zur Fehmarn-Sundbrücke erstrampeln mussten. Noch einmal ein Blick zurück auf eine wirklich tolle Insel.

Auf der Fahrt hatten wir uns darauf verständigt, dass wir beide gerne die Pfalz erradeln wollten und haben uns dafür Mannheim als Startpunkt auserkoren. In der Pfalz waren wir beide noch nicht und sehenswerte Anlaufstellen gibt es dort ja reichlich.

Mit dieser Information im Kopf trafen wir dann auf den Bahnbeamten im DB-Reisezentrum in Lübeck und artikulierten unsere Anfrage zu den Zugverbindungen (die meine persönliche Reiseleitung natürlich schon vorher per App eruiert hatte). „Mit den Rädern, und dann noch mit der Menge an Gepäck, das wird nichts mehr in dieser Woche. Wir haben Sommerferien, alle sind mit den Rädern unterwegs; das hätten Sie verbuchen müssen.“ plautzte der Mitarbeiter raus und seine Kollegin legte noch mit der Zusatzinformation nach, dass sie angehalten wären, gar keine Stellplätze mehr für Fahrräder zu buchen, denn es wäre schließlich Corona und somit viel zu voll.

Auf Anjas Einwand hin, dass das Buchen der Karten am Tag zuvor per Internet noch möglich gewesen wäre, reagierte er mit „Ich könnte ja mal nachschauen im Computer…“. Es folgte ein Hin und Her, womit wir jetzt niemanden langweilen wollten. Eine Kaffee- bzw. Kakaopause zwischendurch nutzten wir dazu Plan B auszuarbeiten, und dank der Bereitschaft von Anjas Cousin und dessen Familie, uns spontan Asyl zu gewähren, tauschten wir Plan A und Plan B aus und starteten den zweiten Versuch, jetzt bei der Kollegin, da ‚unser‘ Bahnmitarbeiter anscheinend vorsichtshalber seinen Schalter geschlossen und sich selbst vom Acker gemacht hatte. Der Kauf des -Quer durchs Land- Tickets nebst Radtickets für unseren Spontanbesuch in Syke bei Bremen war schnell getätigt (zumindest aus Sicht von Bahnbediensteten), die Fahrkarten für den IC nach Mannheim als durchgehenden Zug von Bremen inklusive Fahrradstellplätze (was ja angeblich gar nicht möglich war) für den Mittwoch dauerte schon etwas länger, was sich an den mittlerweile nicht mehr zu überhörenden Unmutsäußerungen der wartenden Meute vor der Eingangstür deutlich ablesen ließ. Zum Glück führte uns der Ausgang (dank Corona) um die Meute herum und wir konnten uns sowie unsere Räder brav schiebend Richtung Bahnsteig bewegen.

Natürlich gibt es in den Zügen immer mal wieder Gerangel unter den Radreisenden wegen der doch recht geringen Stellflächen für Räder, aber grundsätzlich sind wir mit 2 Umstiegen gut in Syke angekommen, wo ein mit Rädern ausgestattetes Vater & Sohn Begrüßungskomitee auf uns wartete und uns über die wichtigsten Wegpunkte der Stadt Syke und des näheren Umfeldes zum Ziel begleitete, wo die Frau des Hauses (wahrscheinlich fleißige Leserin unseres Blogs und dadurch klar informiert, was wichtig ist für glückliche Männer) mit einer randvoll gefüllten Lecker-Schmecker-Pfanne, frischem Salat und leckerem Wein auf uns wartete. Es war ein sehr schöner Abend und wir fühlten uns sehr angenommen und angekommen.

Und als I-Tüpfelchen oben auf… Wir dürfen in einem richtigen (Fachwerk-)Haus, in einem richtigen Bett und mit richtiger Bettwäsche schlafen! Was für ’ne noble Herberge, was für eine nette Familie. 😉

Auf Fehmarn gibt es auch Sonne!

(AR) Wir hatten ja schon fast nicht mehr damit gerechnet, aber für den Samstag änderte die Wetter-App auch nicht kurzfristig das Programm. Es sollte wirklich trocken bleiben und recht sonnig werden! Aber um uns nicht zu sehr zu verwöhnen, wurde es mit einer ordentlichen steifen Briese garniert. Aber das störte uns nicht so sehr, waren wir doch froh, dass es trocken war.

Der Wind fing bereits am Abend an und bei maximal vorausgesagten 13°C in der Nacht – ich glaube es war noch kühler – war es zum ersten Mal recht frisch, so dass wir die Schlafsäcke wirklich bis über die Köpfe zogen. Eigentlich sollen diese eine Wohlfühltemperatur bis zu -5°C haben. Jörg, der in der Windeinflugschneise lag und für mich den Windschutz darstellte, zog es vor sich nachts etwas Langes im Schlafsack anzuziehen. Und dass, wo er sonst immer derjenige von uns ist, der es nachts weniger warm braucht. Eigentlich war uns der Schlafsack vom Verkäufer empfohlen worden, weil es Frauen ja immer etwas wärmer mögen…

Nach dem Frühstück sattelten wir unsere bisher (toi toi toi) verlässlichen Drahtesel, um nun endlich am dritten Tag die Insel im etwas größeren Radius zu erkunden. Ein weiteres Mal war ich froh, dass wir mit den E-Bikes unterwegs waren und somit dem Wind etwas entgegen zu setzen hatten. Sobald wie möglich entfernten wir uns von der Hauptstraße und fuhren durch die kleineren Orte. Wir radelten quasi im Uhrzeigersinn über die Insel und das erste Etappenziel war Orth. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der ersten Mühle auf unserer Reise vorbei, obwohl wir auch schon vorher zeitweise an der Mühlenstraße entlanggeradelt waren. Das dazugehörige Museum war wegen Corona zurzeit geschlossen. Dennoch gab es auch draußen das eine oder andere zu sehen.

Dann erreichten wir nach ein paar weiteren Kilometern, kurz vor Orth, wieder die Küste. An diesem Bereich war der Wind besonders heftig und so gab es dort eine Unmenge an Kitesurfern zu sehen, wie sie über das Wasser schnellten und lange Sprünge in der Luft vollführten. Der Wind war eben des einen Leid und des anderen Freud‘. Es war toll anzusehen – auch wenn wir, trotz der Sonne, dick in unsere Windjacken eingepackt waren.

Nachdem wir das Schauspiel einige Zeit beobachtet hatten, fuhren wir weiter in Richtung Függe zum Leuchtturm. Diesen hätte man als einzigen Leuchtturm auf Fehmarn besichtigen können, was jedoch aufgrund der aktuellen Situation zu langen Wartezeiten führte, so dass wir darauf verzichteten. Stattdessen ließen wir uns in dem windstillen Garten zu Kaffee und Eis nieder.

Danach ging es über den Jimi Hendrix Gedenkstein – ja, so etwas gibt es anlässlich eines Festivals von 1970 – über ein paar kleinere Dörfer im Norden der Insel zum Niobe-Denkmal (zum Gedenken derer die vor langer Zeit mit Mann und Maus mit dem Schulschiff Niobe im Meer versunken sind) und zum Fährhafen Puttgarden, wo natürlich nicht viel zu sehen ist.

Inzwischen fuhren wir mit dem uns von vielen von Euch gewünschten Rückenwind, so dass es nicht mehr ganz so anstrengend war und wir die Gegend genießen konnten. Insgesamt waren es 80 km und ein sehr schöner, sonniger Tag, der uns mit dem Wetter auf Fehmarn doch einigermaßen wieder versöhnt hat. Zum Abschluss sind wir für einen letzten Kaffee in ein kleines Hofcafé mit Hofladen eingekehrt, wo wir noch ein paar Kleinigkeiten fürs Abendessen besorgt haben.

Allerdings war nach dem Abendessen die Hausarbeit noch nicht erledigt, da wir unbedingt noch die Möglichkeit des Wäschewaschens auf dem Campingplatz inkl. Trockner nutzen wollten. Das zog sich dann zwar noch etwas länger in den Abend hinein, war aber andererseits garniert mit etwas Livemusik, die auf dem Platz zum Besten gegeben wurde und am Strand verabschiedete sich der Tag mit herrlich farbigen kleinen Wolken…

Update: Sonntag 13:47 Uhr

Wir sitzen in der Bahn erstmal nach Lübeck. Wieder Wolken, Wind und Nieselregen – wir haben die Nase voll vom Norden, zumal Freunde aus dem Urlaub am Chiemsee nur über bestes Wetter und tollen Radtouren berichten. All den Verwandten, die wir eigentlich im Bereich um Bremen noch besuchen wollten – sorry, aber das muss warten. Wohin wir jetzt letztendlich fahren werden wissen wir selber nicht, der Plan wird sich aus den Möglichkeiten entwickeln. (Anm. Jörg) Die ‚Reiseleitung’ arbeitet schon wieder mit Hochdruck an der bestmöglichen und effizientesten Möglichkeit des Weiterkommens. 😉

Fehmarn – wie wir es erleben

(Ju) Der Tag wird im Zelt verbracht, denn pünktlich beim Frühstück öffnen sich die Schleusentore und bis nach 15 Uhr erleben wir Dauerregen. Danach schaffen wir es mal bis in die Stadt, wir müssen Nachschub für das leibliche Wohl heranschaffen und uns endlich mit meinem Doppelkopfkumpel Jörg treffen (wir waren lose zum Fischbrötchen verabredet), der zurzeit hier Urlaub macht mit seiner Familie nebst Schwager, Schwägerin und Nachwuchs. Wir treffen uns am Südstrand und haben uns mit allen draußen in ein Restaurant gesetzt, lecker gegessen und getrunken und über alles Mögliche gequatscht. Das Thema ‚Wetter‘ war keines mehr, denn Fehmarn zeigte sich von seiner angenehm sonnigen Seite. Obwohl – die haben doch tatsächlich während wir schön faul und trocken im Zelt lagen eine Radtour unternommen und dadurch einen Eindruck unserer letzten paar Tage bekommen.

Morgen werden wir sicher mehr von der Insel sehen, wollen mit den Rädern mal quer über die Insel – dachten wir…

Dauerregen, lange schlafen, Frühstück im Zelt zubereiten und dabei mit einem Schreck feststellen, dass es unter dem Zeltboden anscheinend schon extrem nass zu sein scheint. Also bauen wir das Zelt ab und stellen dabei fest, dass sich das Wasser zwischen unserer erst auf dem Boden ausgebreiteten Plane und dem eigentlichen Zeltboden gesammelt hat. Wir versuchen alles, soweit möglich, trocken zu legen, müssen dazu aber unsere Duschhandtücher nutzen – wer hat schon ’nen Aufnehmer beim kleinen Zelt dabei. Wir sind fast fertig, da fängt es schon wieder an, aber wir haben die Schnauze voll, schmeißen den ganzen Kram wieder ins Zelt, das Zelt auf die Plane und gehen erstmal ins Camping-Café. Wir können keine Zeltwand mehr sehen, wollen mal warm, trocken und gemütlich sitzen. Kaffee, Tee, Bratkartoffeln und Spiegelei – was soll ich sagen, alles ist gleich gar nicht mehr so schlimm.

Erst gegen 17 Uhr können wir es wagen uns um unser Abendessen zu kümmern, sprich – wir fahren nach Burg. Nach einem sehr leckeren und auch halbwegs gemütlichen Tee im Tee-Kontor (absoluter Tipp, wenn man Tee mag und leckere, große Kuchenstücke zu überraschend zivilen Preisen) führt uns der Weg in den Camping-Zubehör-Großmarkt. Wir kaufen ein Sonnensegel, welches wir auch als Regendach nutzen können.

Was für eine Wohltat, wir sitzen draußen auf einer Holzbank am Tisch und kochen, wir müssen aber nicht bei jedem Tröpfchen Wasser in unseren kleinen grünen Gugelhupf verschwinden. Ich beschäftige mich nochmals intensiver damit das Zelt zu trocknen, Anja kümmert sich weiter ums Essen. Die Jungs von nebenan, alles Abiturienten aus Bonn, sind unterwegs, was direkt die frechen Möwen auf den Plan ruft. Erstmal ’nen Haufen auf das schicke Auto, dann nehmen sie sich die gesammelten rumstehenden Mülltüten vor und verstreuen den Inhalt im Umfeld auf der Wiese. Wenn es schon nichts zu fressen gibt, dann machen sie wenigstens Dreck und Arbeit. Meinen Versuchen sie zu verscheuchen, begegneten sie mit Hartnäckigkeit. Kaum dreht man Ihnen den Rücken zu, sind sie wieder da. Was haben die Jungs daraus gelernt? Müll sammeln und trennen ist das eine, damit mal bis zum Container laufen das andere. Anja ruft, das Essen ist fertig! Ich lasse Möwe Möwe sein und freue mich auf Schmorgurke mit Bulgur sowie ein leckeres Tröpfchen Rosé dazu! Prost!

Fehmarn wir kommen!

(AR) Nach unserer Nacht auf dem Campingplatz in Scharbeutz ging es nach einem kleinen Frühstück mit Tee und Kaffee vom Gaskocher weiter in Richtung Fehmarn. Die Wettervorhersage sah immer noch recht gut aus – auch wenn die Wolken am Himmel doch anderes vermuten ließen. Aber was soll’s, wir, bzw. unsere Regenutensilien sind ja inzwischen Wasser erprobt. Somit zogen wir die Regen-/Windjacken doch lieber erstmal wieder an.

Der Weg führte uns nun im Wesentlichen an der Ostseeküste entlang durch die verschiedenen kleineren und größeren Orte wie Neustadt in Holstein, Kellenhusen, Dahme und Grömitz. Auf den meisten Wegen war es angenehm leer, aber auf den Radwegen in den Orten war es natürlich ziemlich voll, so dass wir uns an diesen Stellen entschieden, lieber andere Wege durch den Ort zu nehmen, um nicht so voll beladen in dem Gewusel fahren zu müssen.

Ich war zwar – nach Erzählungen meiner Eltern – mal als Kind in diesem Bereich an der Ostsee in Kellenhusen soweit ich das richtig im Kopf habe, aber danach eigentlich nicht mehr; außer an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Wo wir jetzt waren hatte ich eigentlich mehr „Bausünden“ aus den 70er Jahren erwartet und war dann doch sehr positiv überrascht, dass das doch alles nicht so hoch bebaute Orte sind. Dennoch hatte das, was wir im Wesentlichen beim Durchradeln gesehen haben, mal mehr und mal weniger Scharm – aber wo ist das nicht so?! In Grömitz machten wir eine kleine Fischbrötchen-Pause (Grüße an dieser Stelle an Tante Inge und Dany 😉 ) und stellten erfreut fest, dass es hier die erste öffentliche Ladestation auf unserer bisherigen Route für die E-Bike-Akkus gab! Nicht, dass wir die bis hierhin insgesamt etwa 480 km mit einer Akkuladung gefahren wären, aber bisher mussten wir die Akkus des nachts immer auf den Campingplätzen laden. Zum Glück sind diese auch inzwischen dafür ausgestattet, für Zelte Strom zur Verfügung zu stellen.

Wir sind auf unserem Weg durch abwechslungsreiche Natur gefahren vorbei an Feldern und kleinen Wäldchen, auf oder neben dem Deich, an Schafen und Rindern vorbei sowie mit und ohne Blick auf die Ostsee. Dabei war es – abgesehen vom Deich – sanft bis steiler hügelig. Es war wirklich sehr schön! Und wenn man doch irgendwann mal Duftbilder aufnehmen und verschicken könnte, wäre ich begeistert und hätte euch gerne daran teilhaben lassen.

Plötzlich eine Schrecksekunde, steht da auf einmal so ein blöder Poller mitten auf dem Weg! Wer hat den denn dahin gestellt, wo es sooo viel schöne Natur zu betrachten gibt?!? Jörg hatte ihn elegant umschifft und ich sah ihn zu spät, bremste scharf – hatte allerdings mit dem vielen Gepäck doch einen ziemlichen Bremsweg. Kurz vorher lenkte ich noch rechts vorbei, aber die Vorderradtasche blieb hängen und der Sturz war nicht mehr zu verhindern. Ist schon blöd, wenn man es kommen sieht und kaum mehr etwas machen kann. Wie ich es allerdings geschafft habe, nicht unter das umstürzende Rad zu geraten, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel! Irgendwie habe ich es also geschafft – vermutlich elegant wie ein Reh oder wie heißt das Tier mit dem grauen Rüssel? – rechtzeitig im Fall vom Rad zu springen. Somit lag also nur das Rad und ich stand unversehrt daneben – wenn auch mit einem kleinen Schrecken. Auch das Rad hat keinen Schaden genommen und so ging es nach kurzer technischer Überprüfung und dreimaligem besorgten Nachfragen von Jörg, der hinter sich nur einen heftigen ‚Rums’ gehört hatte, ob auch wirklich alles in Ordnung ist, weiter unseres Weges.

Zur Schönheit der Natur kam hinzu, dass es sich nach und nach aufklarte und es ein wirklich schöner Sonnentag wurde. Gemeinsam mit dem zeitweiligen Blick aufs Meer kam zum ersten Mal in diesen Tagen das Gefühl von „Sommerurlaub“ bei uns auf. Das einzige, was die Strecke von Zeit zu Zeit etwas erschwerte, war der Wind, der – typisch für die Küste – doch recht ordentlich blies. Und heute ziemlich oft direkt von vorne auf die Nase… in Verbindung mit den Hügeln, war das ab und an eine recht anstrengende Mischung, auch wenn wir immer mal den Motor dazu schalten konnten. Da kam auch zwischendurch mal der Gedanke hoch, doch nicht die gesamte Strecke bis Fehmarn nur mit dem Rad zu fahren, sondern doch eine kurze Strecke mit der Bahn zu überbrücken. Aber an einem passenden Bahnhof kamen wir nicht vorbei und nachdem wir irgendwann in der Ferne die Fehmarn-Sundbrücke sahen, war das Tagesziel doch wieder fest im Blick!

…und dann war es endlich soweit. Wir hatten die Brücke erreicht! Bei klar blauem Himmel, aber mächtig viel Wind fuhren wir auf einer abgetrennten Radspur über die Brücke! Wir mussten schon viel achtgeben und wenn jemand entgegen kam, musste eine Seite anhalten, weil der Weg recht schmal war.

Wir haben den doch fahrtechnisch recht anstrengenden Tag in Burg auf Fehmarn bei einer leckeren Portion Fisch ausklingen lassen, bevor wir uns am Südstrand auf dem Campingplatz häuslich in unserem Zelt eingerichtet haben.

Hier werden wir nun ein paar Tage bleiben, um die Insel zu erkunden und das hoffentlich etwas besser werdende Wetter zu genießen.