Lübeck wurde angefahren…

Sonne – Regen – Sonne – Wolkenbruch – Niesel mit und ohne Sonne. Irgendwie gerade Aprilwetter hier.

(Ju) Den ganzen Tag trieb oder bremste uns der Wind auf der Strecke von Mölln nach Lübeck. Und wenn es viel Wind gibt, ändern sich natürlich auch die Wetterverhältnisse entsprechend schnell, sodass wir mit der situativen Anpassung der Kleidung schon recht viel Zeit verbracht haben. Auf offener Strecke den Wind mal von hintern eingefangen, beschleunigen selbst vollgepackte Lastenesel wie unsere ganz ordentlich. Der hoffentlich für die gesamte Strecke ausreichend geladene Akku nimmt dem Gegenwind ein wenig den Schrecken, während Seitenwind, wie er oftmals recht böig bei Lücken im Bewuchs neben der Strecke vorkommt, unsere gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Wir versuchen, unsere Radstrecken nicht unbedingt nach festen schon bestehenden Radrouten zu fahren, sondern wir wählen oft Teilstrecken durch Wald und Feld. Nicht immer die beste Wahl bei Wind, läuft man doch erheblich Gefahr, mal abrupt bremsen zu müssen, weil Äste oder Bäume den Weg verlegen. Ein weiteres Problem ergibt sich durch alle Arten von weichem Untergrund, da nicht nur das Vorankommen beschwerlicher wird, dem wir gegebenenfalls durch Erhöhung der Akkuleistung entgegenwirken können, sondern weil ein so bepacktes Rad bei solchem Untergrund die Fahrdynamik eines Karussells besitzt, und gleichzeitig wie ein wilder Mustang versucht, dich aus dem Sattel zu katapultieren.

Trotz der Wetterkapriolen gibt es vieles am Rande der Strecke, was schon sehr beeindruckend ist. Landschaftsbilder wie man sie aus der Toskana kennt, weite sanfte Hügel wie in Mecklenburg, ein wenig Niederrhein, alles sieht man auf den einzelnen Strecken. Das war es was ich mir vorgestellt habe – einfach die Schönheiten genießen, ganz ohne sich in einen Flieger setzen zu müssen.

Ratzeburg war unser erster Anlaufpunkt des Tages. Dort haben wir Station gemacht und uns den Ort ein wenig angesehen. Vor der Weiterfahrt noch kurz ein Fischbrötchen verzehrt – nicht, dass ich noch schlechte Laune bekomme. Entlang des Ratzeburger Sees, übergehend in lange Wald- und Feldpassagen, fuhren wir direkt bis nach Lübeck. Ich hatte meine neue Brille dort zur Filiale einer nicht weiter zu benennenden Optikerkette schicken lassen, da sie entgegen aller Versprechungen vor unserem Starttermin nicht mehr fertig geworden war. Daher führte uns der Weg schnurstracks in die Einkaufszone. Die neue Brille im Gepäck ging es noch zum Outdoor-Laden. Zwei kleine und leichte Stühle sollten es sein, die uns auf den Zeltplätzen das Sitzen (und für mich auch das Aufstehen) etwas komfortabler machen sollen. Was uns gefiel und zusagte, war preislich gesehen aber in Bereichen, die noch einige Nächte der reiflichen Überlegung nach sich ziehen werden. Ging ja bisher auch ohne…

Highlight des Abends – der Zeltplatz in Lübeck läuft im ‚Normalbetrieb‘, nimmt aber in diesem Jahr keine Zelte auf. Wie doof ist das denn bitte!?!? Diese dusseligen Wohnmobile können doch überall, wir armen geschundenen Radfahrer sind doch viel bedürftiger was Service anbelangt. Für mich war es keine Option noch fünfzehn Kilometer zum nächsten Zeltplatz zu fahren, um die Strecke am nächsten Morgen wieder zurück zu fahren, da wir ja Lübeck bisher gar nicht wirklich gesehen hatten. Die Lösung war eine weitere Nacht in einem Hotel. Diesmal suchten wir beide, und wir haben uns für das Hotel Niu Rig entschieden. Preislich gesehen im günstigsten Bereich, aber wie wir später feststellten, echt ein super Treffer – modern, sauber, ruhig.

Leider war das ‚einfache‘ Zimmer, was eigentlich von uns online über das Netz gebucht wurde aus irgendwelchen Gründen nicht vermietbar, daher mussten wir (zum selben Preis) das größere Zimmer nehmen. Wir kamen uns vor wie Hans im Glück. Zum Gepäcktransport konnte ich jetzt auch mal einen der typischen Wägelchen nutzen, womit in den vornehmen Hütten (die mit den vielen Sternen) der Page das Gepäck schon mal aufs Zimmer fährt. Auch wenn ich selbst der Page war, ich fand’s toll – alles in einem Rutsch auf dem Zimmer, kein ewiges Gerenne. Praktisch auch, wir haben die Gelegenheit direkt genutzt und abends noch einen Waschtag eingeläutet. Schlau muss man sein…

Faul vom Tagwerk lagen wir dann gemütlich vor der Glotze – Kinoabend sozusagen. Was fehlte waren Cola & Popcorn. Vielleicht hat die nette Frau an der Rezeption ja wenigstens ein paar Erdnüsse zu bieten. Fragen kostet nichts… Die Antwort kam prompt, wie aus der Pistole geschossen: ,Nein‘! Das wohl nachfolgende ‚aber‘ habe ich schon gar nicht mehr gehört, da die Gute noch weiter redend im Hinterzimmer verschwand. Nur Sekunden später hielt sie mir eine Kiste unter die Nase. Nehmen sie was, ruhig auch zwei oder drei Sachen, ist Promotion-Kram und nachmittags erst reingekommen. Ich hätte sie knutschen können, besann mich aber meiner Erziehung und beließ es bei einem ehrlich gemeinten ‚Danke vielmals!’. Die Auswahl zwischen Chips, Zwiebelringen und zig Sorten Süßkram war leicht. Zweifach Chips und ein Leckerli in süß und schnell wieder ab aufs Bett. Muss ich noch was sagen?!?!

Am nächsten Morgen sind wir dann nochmals in die City gefahren. Es wurde ein recht sonniger Tag in Lübeck. Ein wenig kreuz und quer durch den äußeren Bereich der Altstadt, was teils recht mühsam und auch etwas nervig durch das Kopfsteinpflaster war, welches uns und die Räder ziemlich durchgeschüttelt hat. Wir suchten ein ‚nettes‘ Café für unser Frühstück und wurden auch fündig. Irgendwie war es dann schon fast Mittagszeit, als wir damit fertig waren. Wir stellten die Räder am Ratskeller ab und wollten in die Marienkirche. Offen war sie, aber man muss Eintritt zahlen (2€ pro Erw.) um sich alles ansehen zu können. Wir haben es gemacht und der Einsatz hat sich gelohnt, denn kaum 5 Minuten später begann eine vom derzeitigen Pastor Pfeifer geleitete Führung, die äußerst interessant war. Man merkte richtig wie er dafür brannte, sein vielfältiges Wissen über die Kirche, die Verbindungen zur Bibelgeschichte und zu den Besonderheiten der Lübecker Bevölkerung über die Jahrhunderte hinweg an uns weiterzugeben. Fast eineinhalb Stunden dauerte die Führung und keine Minute davon war verschwendete Zeit.

Ohne Lübecker Marzipan wollten wir die Stadt anschließend nicht verlassen und besuchten natürlich auch den Tempel der süßen Sünde, ließen uns Marzipantee, Kaffee und eine überdimensionale Marzipankartoffel schmecken und mit einem Täfelchen Marzipan-Schokolade ‚für unterwegs‘ in der Lenkertasche verließen wir den Laden und suchten noch eine Fahrradwerkstadt auf. Ein neuer Spritzschutz für die hinteren Bleche wurde montiert, da ohne diesen Schutz der gesamte Bereich des Gepäckträgers immer völlig verdreckt war. Noch ein paar Schräubchen, Unterlegscheiben, Muttern und Befestigungsbänder eingepackt (ich hatte mein extra mit Bedacht gepacktes Notfallpack zuhause vergessen) und dann ging es in Richtung Scharbeutz, wo wir unser Zelt für die Nacht aufschlagen wollten. Es taten sich mal wieder die Schleusen auf und das ging quasi bis zum Timmendorfer Strand so weiter. Jetzt sind wir in Scharbeutz auf einem netten Campingplatz und freuen uns auf die 75 km in Richtung Fehmarn. Die Wettervorhersage ist gar nicht schlecht – bisher… 😉

Ein Besuch bei Till Eulenspiegel

(AR) Für Sonntag war Wind vorhergesagt. Zwar nicht unbedingt Regen, aber eben Wind – das konnte ja lustig werden, hatte ich schon am Abend zuvor gedacht. Also machten wir uns nach dem Frühstück wieder auf den Weg. Der Himmel war wolkenverhangen, mal heller, mal dunkler grau und der Wind weht schon recht kräftig.

Die erste Stecke führte mit dem Radweg an einer Bundesstraße entlang und als ob das nicht schon genug wäre mit dem Wind zusammen, fing es dann auch noch an zu regnen… das hatte so nicht in der Wetter-App gestanden! Also zum zweiten Mal die komplette Regenmontur an. Es war zwar nicht kalt, aber wir wollten auch nicht komplett nass werden.

Als wir in Lauenburg ankamen, wo wir die Elbe kreuzten, war es aber auch zum Glück schon wieder vorbei. Insgesamt war der Tag aber immer wieder davon geprägt, dass wir anhielten um die Wind-bzw. Regenjacke an oder auszuziehen oder später die dünne Fleecejacke aus- oder anzuziehen.

Der Weg führte uns hauptsächlich am Elbe-Lübeck-Kanal entlang, was landschaftlich wirklich sehr schön und entspannend war. Der Wind blies zeitweise wirklich recht kräftig, aber wir hatten insofern Glück, da er nur ganz selten direkt von vorne kam. Es war somit schlussendlich weniger anstrengend, als ich es befürchtet hatte. Auch die schöne Umgebung trug dazu bei, dass der Wind als nicht so störend empfunden wurde. Als städtischen Abschluss haben wir heute Mölln gewählt, die Stadt, in der Till Eulenspiegel seinen Schabernack mit den Bewohnern und der Obrigkeit getrieben hat. Etwas außerhalb haben wir dann im außerordentlich schön gelegenen Hotel Waldhof ein Zimmer genommen – ja, es ist Sonntag und wir haben uns mal wieder eine Nacht im Hotel und einen schönen Abend im Restaurant gegönnt. 😉

Von Celle über Uelzen nach Lüneburg

(AR) Nach unserem Kultur- bzw. Besichtigungstag im wirklich schönen Celle und der anschließenden Nacht bei Michael, schwangen wir uns mit den getrockneten Zeltutensilien wieder auf die Räder – heute in Richtung Uelzen.

Das Wetter war mit ca. 20°C und einem Sonne-Wolken-Mix prima zum Radeln geeignet. Einen ausgewiesenen Fern- oder Wanderradweg gibt es von Celle nach Uelzen nicht, daher mussten wir uns etwas von Ort zu Ort über die regional ausgewiesenen Radwege unseren Weg suchen. Diesen hatten wir uns vorher über die App Komoot geplant und uns dann entsprechend navigieren lassen.

Es ging über Wälder und Felder durch kleinere und größere Dörfer, die mehr oder auch etwas weniger belebt waren. Es war ein Radeltag, wie man sich das so wünscht. Für die Pausen unterwegs haben wir uns eine Bäckerei in Hermannburg ausgesucht, wo es wirklich leckeren Kuchen, Tee und Cappuccino gab. Sie hatte ein vielfältiges und ansprechendes Angebot, so dass die Entscheidung schwerfiel. Frisch gestärkt ging es dann weiter, aber nicht ohne schnell noch eines der leckeren Brote zu kaufen und in den Packtaschen zu verstauen.

Am späteren Nachmittag dann noch ein Stopp vor Uelzen in einem „Natur pur“ Café direkt an einer kleinen Gärtnerei. Wir waren schon fast vorbei und Jörg fragte, ob wir nicht mal schauen wollten… wir hatten inzwischen so 70 km in den Beinen und mir war eigentlich mehr danach in Uelzen ankommen zu wollen… na ja, aber es hatte wirklich einladend ausgesehen. Mit diesen Gedanken im Kopf sagte ich dann „Ja, wir können ja mal kurz schauen“. Was soll ich sagen, „mein Mann“ hatte mal wieder den richtigen Riecher. Es war ein sehr individueller Gartenbereich, liebevoll und passend geschmückt und angelegt. Während wir im Café saßen, bin ich dann meiner liebgewonnenen Nebentätigkeit als Reiseverkehrskauffrau, wie Jörg das ja nennt, nachgekommen und habe einen Campingplatz etwas nördlich von Uelzen für die nächste Nacht für uns gebucht. Mit der Cafébetreiberin kamen wir über die im Garten verteilten Skulpturen ins Gespräch als sie uns eine sehr leckere selbstgemachte Gemüsesuppe, mit extra vielen frischen Kräutern wie sie betonte, brachte. Die Suppe war äußerst lecker und schmackhaft, so dass es gut gestärkt auf die nächsten Kilometer ging.

In Uelzen angekommen sind wir einmal durch die Innenstadt geradelt, über die wir allerdings nichts interessantes zu berichten finden, und natürlich am Hundertwasser-Bahnhof vorbei zum nächsten Supermarkt, um noch etwas für den Salat am Abend sowie Obst und Joghurt für das Müsli am nächsten Morgen zu kaufen.

Dann ging es noch die letzten 8 km zum Campingplatz Uehlenköper-Kamp – ein kleiner, feiner Platz, sehr ökologisch mit Naturschwimmbad, Bioladen, Gehegen mit Kaninchen und Minischweinen und, und, und… Also, wenn ihr kleine Kinder habt und mal Urlaub in dieser Gegend machen wollt, ist das wirklich sehr zu empfehlen! Es steht sogar an der Zeltwiese ein Herd zur kostenlosen Benutzung bereit.

Am nächsten Morgen weckte mich Jörg um halb acht, damit wir vor dem ersten Regenschauer, das Zelt trocken verpacken konnten. Gesagt, getan. In Windeseile packten wir alles zusammen und stellten erfreut fest, dass wir inzwischen sehr vertraut mit unserem Equipment sind und die Handgriffe ganz gut sitzen – aber was ist das Hartes in der Zeltplane beim Zusammenrollen?!? Mist, meine Brille! Also alles noch mal auseinander, Brille raus und neu zusammenrollen. Die Brille hat alles zum Glück gut überstanden.

Dann ging es nach dem Duschen und dem anschließenden Frühstück – der Regenschauer hatte uns übrigens netterweise doch ausgelassen – weiter in Richtung Lüneburg. Die Strecke zum Ilmenauradweg schnell überbrückt, konnten wir dann recht entspannt dem ausgeschilderten Weg folgen. Der Weg führte uns durch Bad Bevensen, wo meine Eltern in den letzten Jahren auch mal Urlaub gemacht hatten, über Kloster Meining, was leider wegen Corona geschlossen war, über Bienenbüttel nach Lüneburg.

In Bad Bevensen haben wir auf dem Markt einen frisch geräucherten Saibling gekauft, den Jörg eigentlich gemeinsam mit mir direkt auf der nächsten Bank entgräten und essen wollte. Zum Leidwesen von Jörg kam es nicht dazu, da ich der Meinung war, das Frühstück war noch nicht lange genug her und ich dementsprechend noch keinen Appetit hatte… und wo ich doch eigentlich hätte wissen müssen, was Männer glücklich macht – und im umgekehrten Fall eben auch nicht.

In Lüneburg angekommen haben wir einen ausgedehnten Stadtbummel durch dieses wirklich sehr schön anzusehende Städtchen gemacht. Die Fachwerkhäuser, gekoppelt mit dem nordischen Einschlag der Hansestädte verbunden… wirklich sehr schön! Wir sind gefühlt durch jede kleine Gasse gegangen bis es dann doch Zeit war, sich in Richtung Campingplatz auf den Weg zu machen, der noch rund 11 km außerhalb der Stadt am Reihersee lag.

Es war ein langer und abwechslungsreicher Tag mit trockenem Wetter. Erst als wir unser Zelt aufbauten, fing es an zu regnen. Also sind wir kurzentschlossen erstmal rüber in den Gaststättenbereich des Platzes und haben dort direkt Anschuss an Dauercamper aus Hamburg bekommen. Nach zwei Flaschen Astra für Jörg und einem Radler für mich, ging der Aufbau des Zeltes recht zügig vonstatten. Erst jetzt war endlich der Zeitpunkt gekommen, wo der Tag mit dem Verspeisen des geräucherten Fisches im Zelt beendet wurde.

Celle ist eine Reise wert…

(Ju) Was hat sich Anja nach der Wasserschlacht vom Vortag Gedanken gemacht. Was, wenn der ganze Aufwand sich gar nicht wirklich gelohnt hat, wenn Celle sich ähnlich ‚spannend‘ wie Gifhorn zeigt? Klar, als begeisterte Reiterin ist natürlich das dort beheimatete Landgestüt immer ein Anziehungspunkt und meistens ist ja mein Interesse auch da, aber NUR deshalb und nicht noch anderes Interessantes…

Ganz ehrlich, die restlichen 20 km von unserem Hotel über das sehr sehenswerte Kloster Wienhausen (ein Tipp von einer kurzen Begegnung unterwegs) bis Celle haben wir nach einer angenehmen Nacht sowie einem guten Frühstück im Nu hinter uns gebracht. An einer Stelle waren wir uns nicht sicher wo es sinnvoll weitergeht, prompt spricht uns ein älterer Herr an, ob und wie er uns denn gegebenenfalls helfen kann. Irgendwie sind hier alle total offen und freundlich – ähnlich den Rheinländern. Was soll ich sagen, der gute Mann zählte über 80 Lenze, äußerte sich nicht abfällig zu den E-Bikes, aber dafür fühlte er sich noch zu jung, da würde er später mal drüber nachdenken – wenn er alt ist. Anscheinend fit wie ein Turnschuh, bemerkte er ganz nebenbei, dass er tägliche 50 km Strecke auf dem Rad radelt und das noch lange so beibehalten wollte. ‚Bleibt gesund und viel Spaß auf der Tour‘ rief er uns noch zu und radelte dann seines Weges.

Wir erreichten die Innenstadt von Celle und waren erschlagen von dieser enormen Anzahl von Fachwerkhäusern. Echt ein toller Anblick, wenn man nicht gerade auf Bauhaus-Architektur oder irgendwelche Prachtbauten von Schinkel & Co steht und nicht zugänglich dafür ist, wo Holzbock und Borkenkäfer liebend gerne ihre Heimstatt einrichten.

Unser erster Weg führt uns zu ‚Lenas Rostlaube‘. Kein Fahrradladen, aber ein nettes Café kaum 20 m entfernt von unserem ‚Stellplatz‘ für die Räder. Der Cappuccino war super, Anjas Tee auch und dann ging es auch schon zu Fuß durch die Stadt zum Schloss. Da parkte gerade die kleine Touristen-Bahn und für 7 Euro sind wir eine Dreiviertelstunde durch die Gegend kutschiert worden und haben Dinge gezeigt und Informationen erzählt bekommen die interessant, aber auch teilweise schnell vergänglich waren. Es war nicht langweilig in Celle – und ich würde durchaus nochmals hinfahren. Danke Dany, dass du Anja diesen Floh ins Ohr gesetzt hast!

Kennt jemand 1NiteTent?! Falls nicht geht es euch so wie mir, bevor ‚meine Reiseleitung‘ mich in dieses Geheimnis eingeweiht hat. Das ist eine Internetseite, auf der Leute z.B. einen Stellplatz als mögliche Alternative zum Zeltplatz anbieten. Das kann der eigene Garten, die Streuobstwiese aber auch mal die Gartenlaube sein. Einfach erklärt – Couchsurfing für draußen.

‚Zufällig‘ gab es so jemanden auch in Celle und nach einer kurzfristigen Anfrage per Mail und einem klärenden Anruf war klar, wir bleiben über Nacht im Ort. Als wir vor dem Haus standen um zu klingeln, war mir bereits klar wer hier wohnt. Der Vorgarten war sehr ‚naturnah‘ und das entweder aus Überzeugung (also ist der Hausherr ökologisch orientiert), oder aus ‚fehlenden Möglichkeiten‘, was den Mann für mich eher Richtung der 90 Lebensjahre brachte. Die Tür wird auf Anjas klingeln hin geöffnet und wir lernen Michael kennen. Nett, offen und durchaus auf ‚gesund‘ eingestellt. Er engagiert sich ehrenamtlich im Bereich Food-Sharing, Refill Celle bzw. Deutschland (Geschäfte, die jedermann Trinkwasser für mitgebrachte Flaschen bei Bedarf zur Verfügung stellen) und noch in anderen Bereichen, macht Musik und steht unter anderem auf Frank Zappas Mucke. Habe ich in der Jugend auch gehört, aber die damalige Art des heutigen Headbanging sah bei mir wegen der elterlich vorgeschriebenen Kurzhaarfrisur gar nicht so cool aus wie bei anderen. Michael wäre den Anforderungen aber noch heute gewachsen 😉

Was wir geboten bekommen für die Nacht ist die Luxusvariante – das Zelt darf im Gartenhaus trocknen, wir dürfen im Gästezimmer im Haus schlafen – nett muss man sein, Schwein muss man haben. Abends noch ein gemeinsames Schwätzchen, morgens bekommen wir vor der Weiterfahrt ein leckeres Frühstück mit ordentlich starkem Kaffee für mich und einem Tee für Anja kredenzt. Mann glücklich… 😉

Wir strampeln vom Hof – Uelzen ist das Ziel, aber den Dank an dich, Micheal, für das uns entgegengebrachte Vertrauen und für die nette und aus unserer Sicht nicht selbstverständliche Bewirtung, lassen wir gerne in Celle.

Start mit Dauerregen

(AR) Die Wetterprognose ab dem frühen Mittwochmorgen sah nicht so günstig aus. Es sollte bereits nachts und morgens etwas nieseln und im Laufe des Tages zeitweise auch stärker. Was tun? Noch einen Tag und eine Nacht auf dem Zeltplatz bleiben, in Wolfsburg in eine Pension umziehen oder sollten wir uns auf den Weg machen in der Hoffnung, dass es eher beim Nieselregen bleibt? Wir entschieden, auf das Frühstück im Freien zu verzichten und erstmal das Zelt abzubauen, da es gerade aufhörte zu nieseln. Somit hatten wir uns recht schnell gegen die erste Option, eine weitere Nacht im Zelt, entschieden.

Als die Räder wieder voll bepackt waren und es auch bis dahin nur nieselte, entschieden wir uns, unsere erste Etappe in Richtung Celle zu beginnen…Wolfsburg – Celle ist ungefähr eine Strecke von 80 km mit dem Rad. Jetzt konnten die neu erworbenen Regenutensilien ihre Qualität beweisen. 

Nachdem wir Wolfsburg den Rücken gekehrt hatten, und gleich unseren ersten Hügel erklimmen mussten – wohlbemerkt im Regen – kamen wir durch den nächsten Ort auf unserem Weg: Fallersleben. Ja, das ist dort, wo Hoffmann von Fallersleben lebte und wo es unter anderem auch ein Museum über ihn und sein Leben geben soll. Wir machten in der sehr schönen Innenstadt mit seinen Fachwerkhäusern Pause und holten in einer kleinen Bäckrei unser Frühstück nach – inzwischen war es 11:30 Uhr geworden. Und man glaubt es kaum, es hörte auf zu regnen. Auch wenn das Regenradar prophezeite, dass das nicht allzu lange anhalten sollte.

Dann ging es weiter in Richtung Gifhorn und pünktlich, als wir wieder auf den Rädern saßen, ging es auch mit dem Regen weiter als ob er nur auf unsere Weiterfahrt gewartet hätte. Wir mussten eigentlich nur dem Allerradweg folgen. Allerdings war der in auch diesem Bereich sehr schlecht beschildert. Wir hatten zwar am Abend zuvor das Navi mit den Daten gefüttert, allerdings sieht man bei Regen mit Tropfen auf dem Display als auch auf der Brille nicht immer so gut, so dass sich das eine oder andere Wendemanöver notwendig wurde. Und es regnete. Mal mehr mal weniger, aber es regnete. Trotzdem waren wir guter Dinge, waren uns aber einig, dass wir bei dem Wetter nicht zwingend die gesamte Strecke bis nach Celle fahren müssten. Aber mal sehen, wie lange wir noch Lust hatten zu fahren.

In Gifhorn angekommen, rief der nächste Kaffee nach Jörg und ich trank einen warmen Ingwertee – konnte nicht schaden bei dem Wetter. Und was soll ich sagen? Wiederum konnten wir unseren Stadtbummel im Trocknen machen und uns mal wieder unserer Regenbekleidung entledigen. Festzustellen war, dass ich von innen etwas feucht am Rücken war, da die Regensachen nicht atmungsaktiv sind, aber das hielt sich in Grenzen und war schnell wieder getrocknet. Die Hose war trocken. Das hatte ich nicht erwartet, da ich sonst eher zu den ‚Schönwetterradlern‘ gehöre und mit diesen Utensilien nicht so vertraut bin.

Der Weg nach Celle aus Sicht von Jörg

(Ju) Der Weg nach Celle liegt eigentlich nicht unbedingt auf dem Weg nach Lüneburg, aber Anja hat sich schlau gemacht und diesen Ort als sehenswert auserkoren. Sind ja nur 80 Kilometer Fahrtweg und den kleinen Schlenker muss die ‚Freiheit ohne Plan‘ schon möglich machen.

Am Vortag hatten uns die Wetteraussichten allerdings 98 Prozent Regenwahrscheinlichkeit für den gesamten Tag angezeigt. Wir haben uns Gedanken über einen weiteren Tag in Wolfsburg gemacht, aber morgens war es dann doch halbwegs trocken, so dass wir ‚Küche-Diele-Bad‘ in die Taschen verpackt haben und, mit den Regenklamotten im Anschlag, entlang des Allerradweges in Richtung Celle starteten.

Liebe Wolfsburger Obrigkeit – die Beschilderung des Allerradweges ist eine Katastrophe!!! Außer Volkswagen auf vier Rädern gibt es auch Zeitgenossen mit Fahrrädern, die sich über deutlich erkennbare Wegweiser zu Radrouten freuen würden. Wir irrten hin und her und haben bestimmt den doppelten Weg vorbei an fehlenden Sehenswürdigkeiten gemacht, bevor wir irgendwann nach einer ordentlichen Steigung plötzlich einen tollen Blick über Wolfsburg hatten. Hätten wir mal ein Bild gemacht – es wäre so ziemlich der letzte dokumentierte Nachweis über ‚wenig Wasser von oben‘ gewesen.

In Fallersleben, als wir uns unter dem Vordach der Dorfbäckerei zwischen den einheimischen Tratschweibern zum ersten Kaffee des Tages niedergelassen und uns der dortigen Brötchenvielfalt gewidmet haben, lugte doch tatsächlich die Sonne mal raus und machte Hoffnung auf einen doch noch angenehmen Weg entlang des Allerradweges zum nächsten Etappenziel Gifhorn.

By the way – warum dieser Radweg diesen Namen trägt, ist mir ein Rätsel. Elbe, Donau, Altmühltal, alles Radwege, benannt nach den Flüssen an denen es sich gut radeln lässt. Was wir gerade zu sehen bekommen ist mal hier ein wenig Fluss, mal zig Kilometer weiter durch Wald und Flur mal wieder eine Brücke (mit Fluss darunter) und sonst nichts.

Zu Gifhorn gibt es ehrlich gesagt nicht viel zu erzählen. Hätten wir es nicht besucht, hätten wir sicher nichts verpasst ist meine Meinung dazu. Und dann müssen wir noch eine Notbremsung vollführen. Nimmt uns doch ausgerechnet ein Radfahrer gar nicht wahr als er einfach abbiegt, ohne mal nach links zu sehen. An der nächsten Ampel habe ich ihn dann darauf angesprochen wie es sich denn so mit der eingebauten Vorfahrt so leben lässt. Als er unser Gepäck sieht, ist es ihm schon peinlich, gerade ‚Genossen‘ so ausgebremst zu haben. Schon am Rad konnte man erkennen, dass er selber das Rad liebt und Biker durch und durch ist. Puristisch anmutend, aber nur feinste Teile waren daran verbaut, der echte Ledersattel schon entsprechend eingefahren und ‚durchgeritten‘. Längere Zeit haben wir uns dann zu dritt unterhalten, Erfahrungen ausgetauscht, Tipps zur besten Streckenführung in Richtung Lüneburg aufgenommen und uns dann weiter auf den Weg gemacht. Es erübrigt sich zu bemerken, dass just zu dieser Zeit der Regen wieder zugenommen hat.

Irgendwann war es dann so schlimm, dass wir unsere Zeltunterlage ausgepackt und über uns gestülpt haben, so platzte es von oben auf uns herab. Unter der Plane beschäftigte sich Anja (jetzt als Reiseverkehrskauffrau tätig) damit, für uns ein Zimmer in nächster Nähe zu organisieren, zumal Nina, die allgemeine WarnApp vor starken Gewittern direkt über uns warnte.

Da fühlt man sich schon ziemlich klein und auch sehr unwohl, wenn man derart den Gewalten der Natur ausgesetzt ist. Als Duisburger eigentlich an Regen gewöhnt und grundsätzlich eine rheinische Frohnatur, ist irgendwann der Punkt erreicht, wo es selbst mir die gute Laune und die positive Einstellung verhagelt.

Nach ca. 45 Minuten konnten wir weiter, die Zusage über ein Doppelzimmer in nur sechs Kilometern Entfernung im Hinterkopf. Wie froh waren wir, als wir allen Schmutz von den Taschen und Klamotten beseitigt, frisch geduscht vor der Portion Spare-Rips saßen und endlich essen durften. Ein Glas Wein dazu – ihr wisst schon… Mann glücklich… (Frau aber auch) 😉

Celle muss halt noch warten, sind aber auch nur noch 20 Kilometer, was für eine Pobacke nach dem Frühstück.

Die ersten Nächte im Zelt

(AR) Jörg und ich waren bis letzten Montag noch nie gemeinsam Zelten. Also auch in dieser Hinsicht ein Abenteuer. Was für uns allerdings klar ist, wenn es passt, dann zelten wir, aber nicht um jeden Preis bzw. nicht bei jedem Wetter. Für uns ist es eine Alternative, da 6 bzw. 3 Monate in Hotels oder Pensionen zu schlafen doch etwas auf den Geldbeutel geht.

Nach dem wir unser Zelt am Nachmittag aufgebaut und häuslich eingerichtet hatten, waren wir zufrieden und sahen der Nacht gespannt entgegen.

Wir unterhielten uns abends noch länger mit unseren „Bulli“-Nachbarn bis alles um uns rum bereits in den Kojen verschwunden war. Dann kletterten auch wir in unser Zelt zum Schlafen. Tagsüber hatten wir festgestellt, dass der Campingplatz recht ruhig und gemütlich war, obwohl hinter dem Mittellandkanal auch die Bahnstrecke Duisburg – Berlin verlief. Nun schien die Bahntrasse dichter dran zu sein oder der Güterverkehr war einfach lauter als der Personenverkehr?!? Aber auch so gab es ‚auf einmal‘ eine Unmenge von Geräuschen…Ohrstöpsel hatten wir natürlich mit, aber in welcher der jeweils vier bzw. fünf Gepäcktaschen konnten die wohl stecken? Diese schon für die Nacht parat zu legen, daran hatte keiner von uns gedacht.

Jörg war inzwischen eingeschlafen (zumindest wohl kurzfristig), so dass ich dann nicht so viel Unruhe verbreiten wollte. Dann nahm ich das Handy und die Kopfhörer und ließ mich mit einem Hörbuch als Alternative zu den Umweltgeräuschen in den Schlaf geleiten. Die kleinen InEar-Kopfhörer halten allerdings nicht die ganze Nacht, so dass ich zwischendurch immer mal das eine oder andere mitbekam bis dann um kurz nach 4 Uhr morgens die Vögel den Tag begrüßten… was für eine Nacht. Und das, wo ich schon nachmittags zu Jörg sagte, dass ich das Gefühl hätte, die ganze Anspannung der letzten Tage und Wochen würde scheinbar gerade abfallen, da ich mich hundemüde fühlen würde.

Für die nächste Nacht suchten wir uns rechtzeitig die Ohrstöpsel aus den Taschen. Ich muss sagen, ich hatte bisher noch nie wirklich damit geschlafen, da es mich immer gestört hatte, mich selbst atmen zu hören. Was soll ich sagen, hier im Zelt, mitten in der Natur, war es eine prima Sache. Es war auf einmal so angenehm sich selbst beim Atmen zuhören zu können und recht schnell darüber einzuschlafen. Ich habe wunderbar und ohne viele Unterbrechungen geschlafen. Mit der richtigen Ausstattung ist also auch ein rechter entspannter Schlaf möglich! Mal sehen, ob das so bleibt 😉

Morgens gab es dann frische Brötchen, die wir tags zuvor bei der Rezeption geordert hatten und heißen Tee für mich, Espresso mit viel Milch für Jörg. Den Umgang mit dem Kocher haben wir mittlerweile drauf.

Es geht los! Wir treffen uns in Wolfsburg

(Ju) Um 7:45 Uhr sollte der Zug von Duisburg aus in Richtung Wolfsburg starten. Um 5 Uhr hielt mich nichts mehr im Bett. In aller Ruhe starten und den Rest in der Wohnung erledigen, dann das Rad aus dem Keller holen, Gepäck drauf und ganz locker die fünf Kilometer zum Bahnhof radeln. Irgendwie wurde es dann hinten raus doch ziemlich knapp mit der Zeit – zu entspannt und ruhig ist nicht immer der richtige Weg.

Kaum stehe ich mit all meinem Kram vor der Haustür, fallen die ersten Tropfen. Wird schon nicht so schlimm werden – einfach mal los. Nach einem Kilometer wurde aus den Tropfen doch ein Wolkenguss. Anhalten, Regensachen an, noch mehr Zeit vertrödeln, oder alternativ ‚Augen zu und durch‘?!?

Die Regenjacke war noch griffbereit, für die Regenhose fehlte der Einblick in die Excel-Tabelle. Wo war doch noch gleich was?

Im pünktlich startenden Zug habe ich dann meine Hose(n) zum trocknen aufgehängt.

Bei Anja ist alles wieder gewohnt strukturiert, wenn auch ungleich anstrengender. Viel Gepäck, viele Treppenstufen und auch der Weg zum Hauptbahnhof ist länger – aber die Sonne lacht vom Himmel. Die Strecke führt am Büro, wo sie noch freundlich ein paar Kollegen zuwinkt, die gerade draußen stehend ein ‚Rauchopfer‘ bringen, und an den Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbei. Drei Monate nicht ins Büro – irgendwie gefühlt ganz komisch, irgendwie spannend, aber definitiv auch ein gutes Gefühl!

Mit den bei der Bahn üblichen Problemen und einer Verspätung von einer halben Stunde bin ich quasi fast pünktlich in Wolfsburg angekommen. Nächstes Problem – Anja steht leider nicht am Mittellandkanal (so wie ich), und ich finde von meinem Ende des Bahnsteiges keinen direkten Weg in die Stadt. Aufzüge gibt es zwar im Bahnhof, aber an Radfahrer und dann noch an solche mit diversen Radtaschen, hat in Wolfsburg niemand denken können. Gepäck runter vom Rad, Fahrrad rein in den Aufzug, Gepäck nachholen und schon kann die Fahrt starten. Keine zehn Sekunden später alles nochmal – nur in umgekehrter Reihenfolge. Unten angekommen geht es NUR zum Mittellandkanal, leider die für mich falsche Richtung. Von da muss es doch auch einen Weg zum Haupteingang geben?!? Nach circa zweihundert Metern finde ich einen anderen Aufzug direkt neben einer Brücke, die im Verlauf auch über die Bahnlinien führt.

Perfekt – wir haben uns gefunden! Nach der Begrüßung starten wir mit dem, was Männer glücklich und zufrieden macht – wir gehen was essen. Gut gestärkt geht es dann in Richtung Zeltplatz, dessen Rezeption erst später öffnet. Die Zeit überbrücken wir mit einer kleinen Runde um den Allersee und, wie gewohnt, zieht es Anja ins Wasser – erstmal ’ne Runde schwimmen, bevor wir uns dann doch irgendwann dem Zeltaufbau widmen.

Das ging dann erstaunlich gut vonstatten und kurze Zeit später gab es heißen Tee und Kaffee vom Gaskocher, verbunden mit… ihr wisst schon – Männer glücklich…

Bis es Zeit war ins Bett zu gehen, haben uns ‚neue Nachbarn‘ damit belustigt, wie oft man ein Zelt auf und abbauen kann bis es endlich so steht, wie es der Designer vorgesehen hat. Anja hat natürlich, als Bauingenieurin absolut dafür qualifiziert, ihre Hilfe angeboten, aber just in dem Moment hatten sie das Problem selbst in den Griff bekommen.

Ein paar Handgriffe am Rad riefen dann unseren Nachbarn auf der anderen Seite auf den Plan. Selbst unterwegs mit einem alten VW-Bulli, konnte er mit ein paar kleinen Unterlegscheiben aus seiner ‚Reparaturbedarf‘-Abteilung aushelfen. Wie schön es doch ist, wenn sich aus solchen Begegnungen recht lange und spannende Gespräche ergeben.

Schon der erste Tag macht Lust auf mehr.

…und dann kam das neue Coronavirus (Covid-19)…

Ab 1. April sollte es endlich losgehen! Es lagen sechs Monate vor uns, so dass wir keine Eile hatten direkt am 1. April zu starten, aber eine Woche später wollten wir dann auf jeden Fall auf dem Sattel sitzen und die Tour beginnen. Auch wenn wir ja nicht viel vorplanen wollten, musste doch zumindest der Startpunkt festgelegt werden und der sollte in Hannover sein – auf halber Strecke zwischen Duisburg und Berlin.

Und dann hörte und las man Anfang des Jahres von einem neuen, recht aggressiven Virus, das sich in China auszubreiten begann. Aber wie bei vielem, was einen nicht persönlich betrifft, bzw. was „irgendwo weit weg“ auf der Welt passiert, wurde das Virus zur Kenntnis, aber nicht als Bedrohung wahrgenommen. Die Berichte darüber nahmen immer mehr Platz in den Nachrichten ein und das Virus verbreitete sich über Chinas Grenzen hinaus. Erst als es in Italien ankam und dort viele tausend Menschen starben und alsbald die Krankenhäuser völlig überlastet waren, nahm man langsam für sich selbst eine Bedrohung war. Könnte das Virus, gegen das man bisher keine Medikamente geschweige denn einen Impfstoff hatte, und das teilweise sehr schwere Krankheitsverläufe erzeugte und zum Tod führte, auch in Deutschland diese Folgen haben?

Ende Februar waren wir noch, wie so viele, unterwegs im Kölner Karneval. Ja, ein paar zaghafte Gedanken hat man sich zu dieser Zeit zu möglichen Corona-Infektionen und somit einer eventuell kleinen Ansteckungsgefahr in Deutschland gemacht… aber Empfehlungen, diesen zu meiden gab es zu dieser Zeit nicht. Für andere war es die Zeit in den Skiurlaub zu starten… vielleicht auch nach Ischgl, das sich kurze Zeit später als DER Corona-Hotspot herausgestellt hat.

Dann ging auf einmal irgendwie alles sehr schnell und auch wenn man an eine schnelllebige Zeit leider gewöhnt ist, überschlugen sich dann doch in ungewohnter Weise die Ereignisse… viele Länder begannen ihre Grenzen zu schließen. Nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Es war und ist immer noch von einer weltweiten Pandemie die Rede und die Bundesregierung versuchte, deutsche Staatsbürger aus der gesamten Welt nach Deutschland zurückzuholen, sofern gewollt und auch noch möglich. Denn auch fast der gesamte Flug- und Reiseverkehr wurde eingestellt, da kaum mehr grenzüberschreitende Ein- bzw. Ausreisen möglich waren, aber auch innerhalb der Länder wurde der Flugverkehr deutlich reduziert, da von einem Tag auf den anderen im Grunde auch alle Dienst- und Privatreisen eingestellt wurden… Wer hätte sich so eine weltweite Einstellung des Flugverkehrs und des Handels vorstellen können?? Ganz sicher niemand. Die Welt stand gefühlt still.

Und nun?

Was konnten wir nun mit unseren mühsam angesparten freien Wochen und Monaten tun bzw. wie konnten wir diese nutzen? Beim Sabbatical handelt es sich um eine mit dem Arbeitgeber vertraglich festgelegte Zeit, die nicht einfach verschoben werden kann…

Natürlich gab es Überlegungen, was vielleicht alles im Vorfeld passieren könnte, was auch eventuell dazu führen kann, dass man die freie Zeit nicht oder zumindest nicht komplett so wie geplant nutzen können würde… Mal abgesehen davon, dass einem die eigene Gesundheit immer einen Strich durch die Rechnung machen kann, sind da auch noch die Eltern von Anja, die inzwischen ein stolzes Alter von über 80 Jahren erreicht haben, aber auch Anjas Schwester, der es gesundheitlich leider seit vielen Jahren nicht so gut geht… Aber dass einem ein neuartiger Virus so dermaßen in die Parade fährt, dass die ganze Welt still steht? Damit kann – oder sagen wir vielleicht besser: konnte – bis dahin keiner rechnen.

Aber was tun? War es vielleicht in diesen außergewöhnlichen Zeiten doch möglich es zu verschieben? Ein Versuch war es zumindest wert.

Also fragten wir jeweils bei unseren Arbeitgebern nach – und erhielten nach kurzem Hin und Her dann die Möglichkeit, die Freistellungszeit zu verschieben! Das war für uns nicht selbstverständlich, umso dankbarer waren und sind wir, dass sie es uns ermöglicht haben – herzlichen Dank auch an dieser Stelle dafür nochmals!
Nichts wäre blöder gewesen, als in der Zeit des kompletten Lockdowns untätig zu Hause sitzen zu müssen.

So vereinbarten wir, von Anfang April bis Ende Juni auf jeden Fall normal arbeiten zu gehen. Ende Mai wollten wir dann neu entscheiden, ob wir ab Juli zumindest 3 Monate – sozusagen als Teil 1 – die Freistellung in diesem Jahr wahrnehmen können.
Da sich inzwischen die Beschränkungen gelockert haben, starten wir -endlich- offiziell zum 1. Juli 2020 in drei Monate Abenteuerurlaub in Deutschland!

Die anderen drei Monate werden dann, hoffentlich uneingeschränkt, im Jahr 2021 wahrgenommen werden können.