Start mit Dauerregen

(AR) Die Wetterprognose ab dem frühen Mittwochmorgen sah nicht so günstig aus. Es sollte bereits nachts und morgens etwas nieseln und im Laufe des Tages zeitweise auch stärker. Was tun? Noch einen Tag und eine Nacht auf dem Zeltplatz bleiben, in Wolfsburg in eine Pension umziehen oder sollten wir uns auf den Weg machen in der Hoffnung, dass es eher beim Nieselregen bleibt? Wir entschieden, auf das Frühstück im Freien zu verzichten und erstmal das Zelt abzubauen, da es gerade aufhörte zu nieseln. Somit hatten wir uns recht schnell gegen die erste Option, eine weitere Nacht im Zelt, entschieden.

Als die Räder wieder voll bepackt waren und es auch bis dahin nur nieselte, entschieden wir uns, unsere erste Etappe in Richtung Celle zu beginnen…Wolfsburg – Celle ist ungefähr eine Strecke von 80 km mit dem Rad. Jetzt konnten die neu erworbenen Regenutensilien ihre Qualität beweisen. 

Nachdem wir Wolfsburg den Rücken gekehrt hatten, und gleich unseren ersten Hügel erklimmen mussten – wohlbemerkt im Regen – kamen wir durch den nächsten Ort auf unserem Weg: Fallersleben. Ja, das ist dort, wo Hoffmann von Fallersleben lebte und wo es unter anderem auch ein Museum über ihn und sein Leben geben soll. Wir machten in der sehr schönen Innenstadt mit seinen Fachwerkhäusern Pause und holten in einer kleinen Bäckrei unser Frühstück nach – inzwischen war es 11:30 Uhr geworden. Und man glaubt es kaum, es hörte auf zu regnen. Auch wenn das Regenradar prophezeite, dass das nicht allzu lange anhalten sollte.

Dann ging es weiter in Richtung Gifhorn und pünktlich, als wir wieder auf den Rädern saßen, ging es auch mit dem Regen weiter als ob er nur auf unsere Weiterfahrt gewartet hätte. Wir mussten eigentlich nur dem Allerradweg folgen. Allerdings war der in auch diesem Bereich sehr schlecht beschildert. Wir hatten zwar am Abend zuvor das Navi mit den Daten gefüttert, allerdings sieht man bei Regen mit Tropfen auf dem Display als auch auf der Brille nicht immer so gut, so dass sich das eine oder andere Wendemanöver notwendig wurde. Und es regnete. Mal mehr mal weniger, aber es regnete. Trotzdem waren wir guter Dinge, waren uns aber einig, dass wir bei dem Wetter nicht zwingend die gesamte Strecke bis nach Celle fahren müssten. Aber mal sehen, wie lange wir noch Lust hatten zu fahren.

In Gifhorn angekommen, rief der nächste Kaffee nach Jörg und ich trank einen warmen Ingwertee – konnte nicht schaden bei dem Wetter. Und was soll ich sagen? Wiederum konnten wir unseren Stadtbummel im Trocknen machen und uns mal wieder unserer Regenbekleidung entledigen. Festzustellen war, dass ich von innen etwas feucht am Rücken war, da die Regensachen nicht atmungsaktiv sind, aber das hielt sich in Grenzen und war schnell wieder getrocknet. Die Hose war trocken. Das hatte ich nicht erwartet, da ich sonst eher zu den ‚Schönwetterradlern‘ gehöre und mit diesen Utensilien nicht so vertraut bin.

Der Weg nach Celle aus Sicht von Jörg

(Ju) Der Weg nach Celle liegt eigentlich nicht unbedingt auf dem Weg nach Lüneburg, aber Anja hat sich schlau gemacht und diesen Ort als sehenswert auserkoren. Sind ja nur 80 Kilometer Fahrtweg und den kleinen Schlenker muss die ‚Freiheit ohne Plan‘ schon möglich machen.

Am Vortag hatten uns die Wetteraussichten allerdings 98 Prozent Regenwahrscheinlichkeit für den gesamten Tag angezeigt. Wir haben uns Gedanken über einen weiteren Tag in Wolfsburg gemacht, aber morgens war es dann doch halbwegs trocken, so dass wir ‚Küche-Diele-Bad‘ in die Taschen verpackt haben und, mit den Regenklamotten im Anschlag, entlang des Allerradweges in Richtung Celle starteten.

Liebe Wolfsburger Obrigkeit – die Beschilderung des Allerradweges ist eine Katastrophe!!! Außer Volkswagen auf vier Rädern gibt es auch Zeitgenossen mit Fahrrädern, die sich über deutlich erkennbare Wegweiser zu Radrouten freuen würden. Wir irrten hin und her und haben bestimmt den doppelten Weg vorbei an fehlenden Sehenswürdigkeiten gemacht, bevor wir irgendwann nach einer ordentlichen Steigung plötzlich einen tollen Blick über Wolfsburg hatten. Hätten wir mal ein Bild gemacht – es wäre so ziemlich der letzte dokumentierte Nachweis über ‚wenig Wasser von oben‘ gewesen.

In Fallersleben, als wir uns unter dem Vordach der Dorfbäckerei zwischen den einheimischen Tratschweibern zum ersten Kaffee des Tages niedergelassen und uns der dortigen Brötchenvielfalt gewidmet haben, lugte doch tatsächlich die Sonne mal raus und machte Hoffnung auf einen doch noch angenehmen Weg entlang des Allerradweges zum nächsten Etappenziel Gifhorn.

By the way – warum dieser Radweg diesen Namen trägt, ist mir ein Rätsel. Elbe, Donau, Altmühltal, alles Radwege, benannt nach den Flüssen an denen es sich gut radeln lässt. Was wir gerade zu sehen bekommen ist mal hier ein wenig Fluss, mal zig Kilometer weiter durch Wald und Flur mal wieder eine Brücke (mit Fluss darunter) und sonst nichts.

Zu Gifhorn gibt es ehrlich gesagt nicht viel zu erzählen. Hätten wir es nicht besucht, hätten wir sicher nichts verpasst ist meine Meinung dazu. Und dann müssen wir noch eine Notbremsung vollführen. Nimmt uns doch ausgerechnet ein Radfahrer gar nicht wahr als er einfach abbiegt, ohne mal nach links zu sehen. An der nächsten Ampel habe ich ihn dann darauf angesprochen wie es sich denn so mit der eingebauten Vorfahrt so leben lässt. Als er unser Gepäck sieht, ist es ihm schon peinlich, gerade ‚Genossen‘ so ausgebremst zu haben. Schon am Rad konnte man erkennen, dass er selber das Rad liebt und Biker durch und durch ist. Puristisch anmutend, aber nur feinste Teile waren daran verbaut, der echte Ledersattel schon entsprechend eingefahren und ‚durchgeritten‘. Längere Zeit haben wir uns dann zu dritt unterhalten, Erfahrungen ausgetauscht, Tipps zur besten Streckenführung in Richtung Lüneburg aufgenommen und uns dann weiter auf den Weg gemacht. Es erübrigt sich zu bemerken, dass just zu dieser Zeit der Regen wieder zugenommen hat.

Irgendwann war es dann so schlimm, dass wir unsere Zeltunterlage ausgepackt und über uns gestülpt haben, so platzte es von oben auf uns herab. Unter der Plane beschäftigte sich Anja (jetzt als Reiseverkehrskauffrau tätig) damit, für uns ein Zimmer in nächster Nähe zu organisieren, zumal Nina, die allgemeine WarnApp vor starken Gewittern direkt über uns warnte.

Da fühlt man sich schon ziemlich klein und auch sehr unwohl, wenn man derart den Gewalten der Natur ausgesetzt ist. Als Duisburger eigentlich an Regen gewöhnt und grundsätzlich eine rheinische Frohnatur, ist irgendwann der Punkt erreicht, wo es selbst mir die gute Laune und die positive Einstellung verhagelt.

Nach ca. 45 Minuten konnten wir weiter, die Zusage über ein Doppelzimmer in nur sechs Kilometern Entfernung im Hinterkopf. Wie froh waren wir, als wir allen Schmutz von den Taschen und Klamotten beseitigt, frisch geduscht vor der Portion Spare-Rips saßen und endlich essen durften. Ein Glas Wein dazu – ihr wisst schon… Mann glücklich… (Frau aber auch) 😉

Celle muss halt noch warten, sind aber auch nur noch 20 Kilometer, was für eine Pobacke nach dem Frühstück.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

5 Kommentare zu „Start mit Dauerregen

  1. Oh Mann, ihr habt aber auch wirklich Pech mit dem Wetter! Ich habe schon die ganze Zeit hier Zuhause gedacht, ob ihr mit dem Zelt schon weggeschwommen seid. Aber schlechtes Wetter und schlecht ausgeschilderte Wege und das ganze ohne Frühstück (vorallem ohne Kaffee!): ich hätte schon schlechte Laune!
    Hoffentlich wird das Wetter jetzt mal wieder besser. Es ist schließlich Sommer!
    LG aus Spandau, wo es relativ trocken ist. Eure Tina

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  2. Moin Moin aus der Heimat 🙂
    Drücke die Daumen, daß der Wettergott jetzt mal ein Einsehen hat- kann ja nur besser werden. Ich hoffe, Ihr hattet eine „schlafbare“ Nacht in der Pension – und ein sattes Frühstück ??? Einen schönen Tag für Euch, viel Spaß in der schönen Heide !!! LG Dany

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