Seit Montagnachmittag sind wir nun inzwischen in Nürnberg und am Dienstag wollten wir weiter in Richtung Norden fahren. Am Montag war es noch halbwegs trocken, so dass wir nach dem Check-in im Hotel noch einen Stadtbummel machten. Für Dienstag war allerdings nochmals Regen angesagt und so entschieden wir spät abends im Bett einfach noch um eine Nacht im Hotel zu verlängern. Wir hatten ein modernes gemütliches Zimmer mit Boxspringbett und einem großen Duschbad, was keine 50€ die Nacht kostete. Die Alternative bei Dauerregen wäre gewesen mit der Regionalbahn nochmals ein Stück Weg zurückzulegen. Aber wozu eigentlich hetzten? Wir kennen Nürnberg beide nicht wirklich und insbesondere schien die Altstadt doch einiges Sehenswertes zu bieten. Wir haben nicht lange gezögert und uns für die Verlängerung in Nürnberg entschieden.
Dienstag war es anfangs trocken, aber im Laufe des Tages gab es immer wieder heftigen und anhaltenden Regen. Wir erkundeten so gut es ging einen Teil der Stadt u.a. mit einem Blick über die Stadt von der oberhalb liegenden Kaiserburg aus. Allerdings macht Sightseeing bei diesem Wetter nicht so richtig Spaß, zumal ja gerade erst die Regentage in München hinter uns lagen. Letzten Endes wurde es mehr eine Shoppingtour – allerdings auch hier ohne Erfolg bei den ins Auge gefassten Stühlen. Aber auch das hatten wir lange nicht und empfanden es durchaus nicht als Zeitverschwendung. Natürlich kauften wir auch ein paar ‚echte Nürnberger Elisen-Lebkuchen‘ – und schnabulierten diese. Es war ja schließlich gerade der 1. September! Und was soll ich euch sagen: sie schmecken genauso lecker wie zu Hause zu Weihnachten 😏! Für Mittwoch gab die Wettervorhersage dann trockenes Wetter an, so dass wir uns in Richtung Bamberg auf den Weg machen wollten…
Aber es kam mal wieder anders. Das Wetter war morgens zwar noch ziemlich grau aber trocken und an der Prognose hatte sich auch nichts geändert – eigentlich völlig in Ordnung um wieder aufs Rad zu steigen. Jedoch lagen wir im Bett und konnten uns irgendwie nicht so recht aufraffen alles zusammenzupacken. Mal wieder einen faulen Tag, einfach so auf dem Sofa bzw. alternativ auf dem Hotelbett? Den Tag einfach mal etwas langsamer angehen lassen und die Eindrücke verdauen? Und in Nürnberg war gleichzeitig noch so viel unentdeckt. ‚Wir können ja zumindest nochmal schauen, ob wir das Zimmer für den Preis nochmal verlängern können..?!?‘ Gesagt getan, keine zehn Minuten später war alles geklärt und wir drehten uns noch einmal für eine Stunde in unserem gemütlichen Bett um!
Natürlich verbrachten wir danach nicht den ganzen Tag im Bett bzw. auf dem Sofa, sondern begaben uns weiter auf Entdeckungstour. Die eigenen Entdeckungen ergänzten wir durch eine 2-stündige sehr interessante Altstadtführung (neben uns hat nur noch ein weiteres Ehepaar daran teilgenommen) sowie eine interessante Führung durch die Kasematten, die alten Wehranlagen in den Burgmauern – auch an dieser Führung nahm neben uns nur eine dreiköpfige Familie teil. Beide Führungen haben sich gut ergänzt und die Geschichte Nürnbergs lebendiger gemacht. Aber ein wichtiges und doch auch sehr präsentes Thema der Stadt hatten wir dann bis zum Abendessen nicht geschafft: das Reichsparteitaggelände der Nazi-Zeit, welches etwas außerhalb liegt und auch recht groß ist. Unser Stadtführer hatte es uns schon in Worten und Bildern (er macht nämlich auch dort Führungen) so sehr ans Herz gelegt auf jeden Fall noch mit den Rädern hinzufahren. Wir könnten das morgen vor der Weiterfahrt ansehen und dann die Tagesetappe einfach nach hinten raus schon früher beenden oder…
Ihr ahnt es schon: wir entschieden uns unseren Aufenthalt wieder um einen weiteren Tag zu verlängern! Ich denke nicht, dass es uns so gehen wird wie in ‚Täglich grüßt das Murmeltier‘, zumal wir ja zum Glück bisher doch immer deutlich andere Tage hier in Nürnberg erlebt haben. Aber wie lange es uns hier nun schlussendlich halten wird? Wir geben lieber keine Prognose ab! 🙂
Die Frauenkirche
Die Henkerbrücke
Auch Nachts was ‚für‘s Auge‘
Ältestes und längstes Fachwerkhaus
Älteste Kettenstegbrücke Kontinentaleuropas in der Altstadt
Blick über die Pegnitz auf die Stadt
Wasser allgegenwärtig…
Ein Turm der Kaiserburg, das Wahrzeichen der Stadt
Wir verbrachten die Zeit von Freitagnachmittag bis Montagvormittag in München. Wir durften bei Iris, Thomas und Sarah übernachten, deren Gastfreundschaft wir wirklich geschätzt haben. Wir hatten den Luxus eines eigenen großen Zimmers (da kann manches Hotel nicht mithalten) mit Toilette und Waschbecken – und herrlich flauschige Handtücher! Solche hatten wir auf der ganzen Fahrt bisher nicht und haben es sehr genossen. Unsere Mikrofaserhandtücher sind praktisch und nehmen wenig Platz weg, aber ein gutes Gefühl beim Abtrocken hat man damit nicht wirklich. In den Hotels und Pensionen unterwegs sind die Handtücher mal dünner und mal dicker, aber die kuschelig dicken bei Iris, schienen der Perwoll – Reklame entsprungen. Vielen Dank an dieser Stelle für die wirklich herzliche Gastfreundschaft.
Am Freitagabend war schon alles zum Grillen vorbereitet; auch die drei hatten damit gerechnet, dass der Regen etwas später beginnen sollte. Aber es gibt ja ein Vordach bei der Eingangstür, welches Thomas bei seiner Aufgabe geschützt hat, während Jörg ihm Gesellschaft leistete. Als Spezialität gab es ‚Ochsenfetzen‘, hauchdünne, besonders marinierte Fleischscheiben vom Ochsen, die nur ganz kurz auf dem Grill liegen – wirklich ein Genuss! Wir quasselten viel und gerade bei Iris und mir wurde es abends länger…
Am Samstag machten Jörg und ich uns auf den Weg München etwas näher zu erkunden. Bei Jörg ist der letzte längere Besuch ca. 40 Jahre her und ich war die letzten Jahre immer mal dort, bin aber auch immer wieder nur an den üblichen Punkten vorbeigekommen. Aufgrund des Regens entschieden wir mit den Öffentlichen – und ausgestattet neben unseren Regenjacken mit geliehenen Regenschirmen – in die Stadt zu fahren und den Rädern eine Pause in der trockenen Garage zu gönnen. Unsere Sightseeingtour startete am Marienplatz und führte uns u.a. über das Rathaus, die Frauenkirche, die Kirche St. Peter, den Odeonsplatz, am Hofgarten vorbei zum Univiertel und wieder in Richtung City zum Isartor. Dort kehrten wir bei Globetrotter ein, um unser Equipment doch um zwei bestimmte Campingstühle der Firma Helinox zu erweitern. Abweichend von der Angabe im Internet, hatten sie nur die etwas schwereren, aber damit auch etwas höheren Stühle. Auf Nachfrage scannte die Verkäuferin in der Abteilung das Preisschild und aufgrund des geringeren Preises als die eigentlich ausgeguckten Stühle, entschieden wir diese trotzdem zu nehmen, auch wenn es bei dem mittlerweile kühleren und regnerischen Wetter fraglich ist, wie viel wir wohl in den restlichen Wochen des ersten Teils unseres Sabbaticals überhaupt noch zelten würden… Aber für nächstes Jahr werden sie ja sowieso benötigt, denn die Entscheidung in diese Richtung ist gefallen. Also stellten wir uns in die lange Schlage im Kassenbereich an, waren etwas genervt von den beiden hinter uns, die uns doch immer wieder auf die Pelle rückten weil sie so fasziniert von den Angeboten im Wartebereich zu sein schienen. Irgendwann waren wir dran und zufrieden, dass die Warterei jetzt, aber vor allem auch das Essen auf dem Boden neben unserem Gugelhupf bald sein Ende haben sollte! ‚Welchen Preis haben Sie gerade gesagt? Das kann nicht stimmen. Ihre Kollegin oben hat einen genannt, der pro Stuhl 20€ günstiger ist.‘ sagten wir. Es ist und bleibt ein Rätsel, weshalb in einem und demselben Laden, aber vor allem auch beim Scannen von einem und demselben Etikett unterschiedliche Preise angezeigt werden. Wir entschieden uns dann gegen die Stühle, da es ja im Grunde nicht die waren, die wir eigentlich wollten und der Preisunterschied uns dann einfach zu dem uns genannten zu groß, zu den von uns favorisierten zu gering war. Schweren Herzens ließen wir die Objekte der Begierde dann doch im Laden, aber auch etwas aus Prinzip, um so ein Geschäftsgebaren nicht zu unterstützen. Also werden wir weiter auf die Jagd nach ‚unseren Komfortmöbeln‘ gehen!
Der weitere Weg führte uns durch das Gartenviertel sowie über den alten, mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Südfriedhof, der sehr ‚naturnah’ bewachsen ist und seine ganz eigene verwunschene Atmosphäre hat. Dort liegen viele regional, aber auch überregional bekannte Menschen begraben, jedoch ließ das Wetter und unsere knurrenden Mägen es nicht zu, dass wir uns auf eine längere Suche nach ihren Gräbern begaben. Zudem waren wir mit unseren drei Gastgebern zum Essen im Paulaner Bräuhaus verabredet. Dort ergriffen wir dann die Gelegenheit uns zumindest mit der Einladung zum Essen etwas für die Gastfreundschaft zu revanchieren. Mit Sarah hatte ich mal wieder jemanden mit dem ich über die Pferdeleidenschaft fachsimpeln konnte, da sie diesen tollen Tieren auch verfallen ist und seit 1 1/2 Jahren auch schon Reitunterricht nehmen darf. Natürlich habe ich sie, aber auch ihre Eltern nach Berlin eingeladen, damit sie auch Mary mal persönlich kennenlernen kann.
Der Regen im Süden sollte die nächsten Tage anhalten, so stellte sich die Frage, wohin es nach München mit unserer Fahrradtour weitergehen sollte, denn auf eine erneute Wasserschlacht waren wir nicht scharf. Eigentlich hatten wir in Erwägung gezogen nach München doch noch etwas im Süden zu bleiben und uns in Richtung Oberammergau / Garmisch auf den Weg zu machen. Andererseits war ja auch eine ‚Vorgabe‘ dort zu fahren, wo es trocken war. Also orientieren wir uns wieder etwas gegen Norden; Hannover kam mal wieder ins Gespräch und es gibt auch 1x täglich eine durchgehende IC Verbindung von München aus – also online buchen – so dachten wir. Bis zum ‚jetzt bezahlen‘ – Button ging alles glatt, wir konnten sogar auch unsere Gutscheine einlösen, drückten den Button und… ‚Die Buchung ist mit den Fahradtickets nicht möglich‘. Können die das nicht irgendwo vorher anzeigen?!? Ich weiß, dass es in anderen Buchungsvorgängen schon früher angezeigt wurde, aber erst dann, wenn man sich durch diesen langen Buchungsprozess durchgequält hat – wirklich ärgerlich! Abgesehen davon hatten wir ja, glaube ich, schon früher mal unser Unverständnis darüber geäußert, warum man nicht einfach nach Verbindungen mit freien Fahradstellplätzen suchen kann. Also führte unser erster Weg am Sonntagvormittag ins DB-Reisezentrum am Hauptbahnhof. Die arme Kundenberaterin suchte auf unseren Wunsch hin, die nächste Möglichkeit für uns und die Räder nach Hannover. Es ist wirklich unverständlich, dass nicht mal bei denen im Programm eine entsprechende Abfragemöglichkeit besteht. Liebe Deutsche Bahn, die Info ist doch in der Datenbank vorhanden und es kann doch nicht so kompliziert sein, eine entsprechende Abfrage einzubauen – gerade in heutigen Zeiten und wenn schon nicht für eure Kunden, dann doch wenigstens für eure Mitarbeiter! Das Ergebnis nach geschlagenen 15 – 20 Minuten: „Sie können am 12.9.2020 mit den Rädern fahren…“ Wir haben ungläubig gelacht und uns für ihre Bemühungen bedankt, sie kann ja auch nichts dafür. Etwas frustriert zogen wir von dannen und machten unseren zweiten Sightseeing-Tag über den alten botanischen Garten, den Stachus, die Kirche St. Michael, über den Viktualienmarkt, an der Isar in Richtung Norden entlang bis zum Eisbach, wo die Wellenreiter bei jedem Wetter surfen. Das ist wirklich toll anzusehen, wie die auf dem schmalen Bach mit ihren Brettern hin und her tanzen.
Anschließend fuhren wir mit Bahn und Bus zum Schloss Nymphenburg, wo Iris und Sarah wieder zu uns stießen. Wir spazierten noch eine Weile durch den Schlossgarten bevor wir dann in eine Osteria einkehrten, wo es wirklich ausgefallene und sehr leckere Pizzen gab. Das war wirklich kein Vergleich in Hinsicht Preis-Leistung zu Jörgs und meiner Mittagspause in einem Restaurant am Hofgarten am Tag zuvor. Dort waren die Speisen deutlich hochpreisiger, aber qualitativ war es das nicht wert gewesen. Aber die Pizzen hier waren wirklich toll und ausgefallen hinsichtlich ihrem Belag, aber auch zum Beispiel hinsichtlich des Teigs, wo Pizzen aus alten ‚Urmehlen‘ im Steinofen gebacken wurden.
Wir entschieden uns im Laufe des Tages dafür, am nächsten Tag mit der Regionalbahn zumindest ein erstes Stück in Richtung Norden zu fahren. Die Wahl fiel auf Nürnberg. Es gab eine durchgehende Linie, die mehrmals am Tag fuhr und dort wollen wir dann entscheiden, wann und wohin es dann weiter geht. Sollte der Regen doch etwas nachlassen, könnten wir mit dem Rad weiter oder doch noch eine weitere Strecke mit der RB fahren. Mal sehen wie es sich entwickelt!
Trotz des vielen Regens, der allerdings zwischendurch auch immer mal Pausen gemacht hat – insbesondere am Sonntag – haben wir bei unseren Stadtbummeln insgesamt rund 28 km zu Fuß zurückgelegt und einen doch sehr viel intensiveren und umfassenderen Überblick über die Stadt bekommen. Natürlich hätten wir den Regen auch in den verschiedenen Museen überbrücken können, was aber gerade in Corona-Zeiten nicht so spontan möglich ist und wir die frische Luft doch auch vorziehen. So verließen wir nach einem gemütlichen Frühstück die sehr gemütliche, private ‚Pension‘, wie Sarah es nannte, und machten uns mit den wieder gepackten Rädern auf in Richtung Bahnhof um nach Nürnberg zu fahren.
Rathaus München und Marienstatue
Turm altes Rathaus
Brunnen am Viktualienmarkt zur Erinnerung an Liesel Karlstadt
(AR & Ju) ‚Man soll bleiben, wo es schön ist‘, sagt man glaube ich. Also entschieden wir uns bis zum Ende der Woche auf dem kleinen, feinen Zeltplatz am Wörthsee zu bleiben. Morgens gingen wir schwimmen und zum Frühstück konnten bei Bedarf am Kiosk /Restaurant auch frische Brötchen und / oder Kaffee und Tee gekauft werden. Sowieso konnte man quasi zwischen 7 und 22 Uhr dort die eine oder andere Kleinigkeit zu essen oder zu trinken erwerben, was wir insbesondere am Abend für ein Radler oder einen Hugo nutzten.
Für Mittwoch war Wind angesagt, im Norden Deutschlands mehr als im Süden, aber es sollte besonders bei uns auf jeden Fall sonnig bleiben. Also wollten wir abwarten wie es sich so entwickelte. Für den Tag hatten wir uns mit Iris und Thomas sowie ihrer Tochter Sarah aus München für ein Treffen verabredet. Mit Iris hatte ich damals in Berlin nach dem Studium angefangen zu arbeiten bis sie wieder zurück nach München ging. Die drei kamen zu uns auf den Campingplatz und wir beratschlagten, was wir machen wollten bei dem Wetter. Einfach bei uns an der Liegewiese bleiben, schwimmen, quasseln, SUP (Stand Up Paddling) fahren… oder eine kleine Wanderung von Herrschingen aus zum Kloster Andechs oder bei uns um den See laufen. Es gab viele Möglichkeiten. Schlussendlich fuhren mit ihrem Auto nach Herrschingen am Ammersee, wo Thomas den tollen Wind bei herrlichem Sonnenschein zum Surfen nutzen wollte und wir anderen gingen spazieren. Der Wind blies sehr kräftig; stärker als ich es ursprünglich erwartet hatte. Man hatte wirklich Nord- bzw. Ostsee-Feeling am Ammersee in Bayern! Die Wind- und Kite-Surfer rasten und flogen über den See, was toll anzusehen war. Es war das zweite Mal nach Fehmarn auf unserer Tour, dass wir fasziniert diesem Schauspiel zusahen. Die Boote vor Anker in der Bucht tanzten notgedrungen auf den Wellen und wir fragten uns, ob die Leute an Bord des Dampfers über den Ammersee wohl seekrank wurden. Jörg und ich machten uns zwischendurch auch so unsere Gedanken über unseren kleinen grünen Gugelhupf. Ob er wohl noch an Ort und Stelle stand und alles gut überstand?! Jörg hatte natürlich alle Heringe gut im Boden verankert, aber hielten die auch bei diesem Wind, der immer noch etwas doller zu werden schien? Wir hofften darauf, dass unsere netten Zeltnachbarn ggf. tätig werden würden… Wir spazierten durch den Ort, setzten uns in ein Café um windgeschützt Eis und Kuchen zu essen und entschieden dann, doch nicht den ganzen Weg bis zum Kloster Andechs zu machen. Wir gingen zurück, sammelten den zufriedenen, aber geschafften Thomas beim Surfen wieder ein und fuhren zurück zu unserem Gugelhupf… und natürlich stand er noch! Hier war es etwas weniger Windexponiert und insgesamt ließ der Wind zum Nachmittag nach. Wir gingen gemeinsam schwimmen und im Biergarten ein Grundstück weiter noch lecker essen. Es war ein sehr schöner gemeinsamer Tag und die drei luden uns ein, wenn wir nach München kommen wollten doch gerne bei ihnen zu übernachten. Wir freuten uns über die Einladung und so verabredeten wir uns für Freitag in München, was für uns noch den Vorteil hatte, dem für das Wochenende angesagten Dauerregen insoweit zu entgehen, dass wir nicht im Zelt schlafen müssten.
Den Donnerstag verbrachten wir im Wesentlichen entspannt bei uns am Campingplatz. Wir schrieben etwas am Block weiter, Jörg pflegte mal wieder die Fahrradkette und dank unserer Zeltnachbarn konnten wir mal Stand Up Paddling ausprobieren, was wegen der angenehmen Breite des SUP (sie nutzen das mit ihren beiden Kindern quasi als autonome Badeplattform) selbst für uns Anfänger recht einfach zu bewerkstelligen war. Ansonsten fuhren wir noch ‚kurz‘ zum Einkaufen ins nächste geschäftemäßig erschlossene Dorf, um unsere Vorräte etwas aufzufüllen, was letztendlich mal eben 22 km Sightseeing-Tour vorbei am Pilsensee und zurück quer durch die Hügel ausmachte. Abends gab es dann eine Gemüsepfanne von unserer eigenen Kochstelle und das mittlerweile obligatorische Feierabendradler auf der Kiosk-Terrasse mit Blick auf den See.
Am Freitag haben wir noch einmal die Möglichkeit genutzt das herrliche Wasser zu einer morgendlichen Schwimmrunde zu nutzen und dann begonnen den Gugelhupf zu verpacken. Die Sonne hatte den Morgentau auf den Planen schnell getrocknet und wir haben die Unterlegplane mal im See einer gründlichen Reinigung unterzogen. Während wir gefrühstückten, hatte auch diese noch Zeit um wieder abzutrocknen. Vor der Abfahrt nochmals einen Sprung ins Wasser, die nassen Sachen hinten auf den Taschen befestigt, damit der Fahrtwind die Trocknung übernehmen konnte.
Wir strampelten los in Richtung Starnberg. Die erste starke Steigung direkt am Beginn der Tour fiel gar nicht so schwer und als sie geschafft war, wurden wir mit dem tollen Blick über diese schöne Landschaft belohnt. Mal über kaum befahrene Landstraßen, mal über mehr oder weniger gute Radwege durch Wald und Felder sind wir fast an Starnberg vorbeigeradelt. Wir beschlossen wenigstens zum See zu fahren und nach Möglichkeit dort eine Kleinigkeit zu essen. Weißwürschtel mit Brez‘n und süßem Senf, Cola und ein ‚Russ‘ (Weisbierradler) und das alles bei einem tollen Blick auf den Starnberger See – was wollte man sich schöneres vorstellen für eine Pause. Allerdings mahnte die Uhr, wegen der angesagten Gewitter und Regenfälle doch ein wenig zu Eile – nicht ganz unbegründet wie sich später herausstellen sollte.
Thomas hatte uns morgens noch Streckenpunkte durchgegeben, die Anja dann über unsere Navigations-App Komoot zu einer Tour hat ausarbeiten lassen. OK, es war ein rot markiertes Stück dabei, was immer auf viel Steigung oder schwierigen Untergrund hinweist, aber versuchen kann man es ja. Was uns erwartete war steil, schmal UND schwierig vom Untergrund. Was noch relativ breit begann wandelte sich bald zu einem Pfad auf dem Trail-Biker wohl ihre Freude ausleben können, wo Tourenesel wie wir aber nicht mal mehr umdrehen konnten, ohne das Rad mitsamt Gepäck in den Dreck zu werfen. Augen zu und durch hieß es und dank der eingebauten elektrischen Schiebehilfe kamen wir auch irgendwann auf einem schönen breiten Feldweg wieder aus dem Waldstück heraus und wurden von einer Herde Pferdchen, die gleich neugierig an den Zaun kam begrüßt. Und da war dann bei Anja gleich alle Anstrengung vergessen. Was das ‚Nase streicheln‘ von Pferden so alles bewirkt…
Irgendwann zweigte der Weg wieder in den Wald ab und wir starteten unseren zweiten Teil der Geländegängigkeitsprüfung unserer Räder. Es kam die Frage auf, ob da wirklich Tourenrad und nicht Mountainbike in der APP angegeben war bei der Planung. Wir begegneten Bikern und Wanderern – zwischen staunenden bis hin zu ‚die sind total bescheuert‘ Blicken, sprachen die Augen Bände. Irgendwie verständlich, aber ich würde ja auch nicht auf einer Motocross-Strecke ’nen VW-Bulli mit Dachgepäckträger erwarten. Wir lächelten das einfach weg und taten so, als ob das unsere Standardstrecken wären – nur keine Schwäche zeigen. Als wir dann endlich das Flüsschen Würm erreichten, dem wir weiter in Richtung München folgen wollten, waren wir echt froh – auch dass das alles unfallfrei abgelaufen war. Die nächsten Kilometer waren eine echte Erholung und man hatte mal wieder dieses Gefühl – ‚Wie geil… – das ist so toll zu erleben.‘ Es machte wieder bewusst, wie richtig die Entscheidung zu diesem Sabbatical war.
Unser Ziel bei Iris, Thomas und Sarah erreichten wir, auch wenn es mittlerweile etwas zu regnen begonnen hatte (übrigens 2 Stunden früher als die Wetter-APP angab) noch rechtzeitig. Wir wurden herzlich empfangen, stellten unsere Räder ab und fanden gerade noch halbwegs die Zeit die Taschen abzunehmen und schon mal unter den Dachüberstand zu stellen, da prasselte es schon heftigst auf die Stadt hernieder. Wie schön, wenn man dabei das Rad in die Garage schieben kann und daran denkt, wie doof es wäre, wenn man jetzt nicht schon am heutigen Ziel angekommen wäre. 😏
Inzwischen haben wir seit Dienstag einen schönen kleinen Campingplatz direkt am Wörthsee bezogen. Der uns zugewiese Stellplatz für den Gugelhupf ist zwar nicht sehr groß, hat aber einen Stromanschluss und ist in erster Reihe zum See gelegen… herrlich! Der See ist eher steinig, aber dafür sehr schön klar – hier gehen wir momentan morgens nach dem Aufstehen als erstes im See schwimmen. Aber der Reihe nach wie wir hierhin gekommen sind.
Von Augsburg aus radelten wir den Lech entlang Richtung Süden. Nach unserem Start in Augsburg stellte ich fest, dass das morgens schon mal kurzfristig aufgefallene Schleifen an meinem Rad zunahm; ich hatte fast den Eindruck als müsste ich gegen einen Widerstand antreten. Na, toll, nun schienen die Bremsbeläge wirklich abgefahren zu sein… Aber wir hatten ja in Günzburg bereits neue, nun passende gekauft. Also hielten wir nach rund 10 km wieder mitten in der Pampa an, um den Bremsbelag zu wechseln. Ich hatte zugesehen als Jörg das vor ein paar Tagen schon einmal alles auseinandergenommen hatte, um dann festzustellen, dass man uns die falschen Beläge verkauft hatte. Nun wagte ich mich selbst dran – natürlich immer unter Jörgs wachsamen Augen – also bloß alles richtig machen 😉 . Erst die beiden Inbuss-Schrauben lösen, dann die Bremsbacken vorsichtig wieder auseinanderdrücken um die Bremszylinder in die Stellung zu bringen, damit die neuen Beläge genügend Platz finden, den Splint von der Halteklammer der Bremsbeläge ziehen und die Klammer mit Bremsbelägen herausnehmen. Teil 1 der Operation war erledigt; nun noch alles wieder zusammenflicken… Es kam der spannende Moment, ob die neuen Bremsbeläge mit der neuen Klammer wirklich passen?!? Erst hakte es etwas, aber nein, es stand wirklich die gleiche Bezeichnung drauf und als ich es dann in einem leicht veränderten Winkel nochmals in die Bremse einschob, rutschte es wie gebuttert rein! Nun den neuen Splint durchschieben, umbiegen und die Bremse wieder am Rahmen mit den Inbuss-Schrauben befestigen. Geschafft! Und mein ‚Lehrmeister‘ war mehr als zufrieden 🙂 . Nun noch etwas den Weg hoch- und runterradeln dabei die Bremse permanent leicht schleifen lassen und zwischendurch auf 30 km/h beschleunigen und wieder abbremsen, um die Bremse einzufahren. Dann konnten die hinteren Taschen wieder aufgepackt werden und die Fahrt konnte ohne weiteres Schleifen fortgesetzt werden. Irgendwie ein gutes Gefühl, dass ich das selbst gemacht habe!
Der Lech mutet in vielen Bereichen wie ein Gebirgsfluss an. Die Uferböschung ist recht steinig und teilweise etwas felsig, oft eher flacher, aber es gibt auch Bereiche, die zu Seen aufgestaut sind, oder mal schmaler und mal breiter sind. Wir kamen an verschiedenen Staustufen vorbei und der Weg führte uns auch immer mal wieder von einer Fluss-Seite zur anderen. Es war eine recht entspannte Fahrt und am frühen Nachmittag erreichten wir Landsberg am Lech. Die perfekte Zeit für eine Pause und um etwas zu essen. Irgendwie nahm uns diese kleine, hübsche Stadt in ihren Bann und wir beschlossen, nicht direkt zum Ammersee weiterzufahren, sondern eine Nacht hier zu verbringen. Der nahegelegene Campingplatz hatte nicht wirklich gute Bewertungen, so dass wir ein kleines Hotel in der Stadt vorzogen. Somit hatten wir am Abend noch Zeit einen etwas größeren Stadtbummel zu machen und ein Eis an der von einer Freundin empfohlenen Eisdiele zu schlecken (Danke Iris!). Lecker!
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es dann weiter durch die Wiesen, Felder und Wälder – und somit nicht mehr am Lech entlang – in Richtung Ammersee. Und wieder hatte sich die Landschaft verändert. Sanfte, teils bewaldete Hügel und immer wieder Futtermais. Stand dieser etliche Kilometer vorher noch eingerahmt von vielen Getreidefeldern, waren es jetzt große Flächen mit Heuwiesen, und zwischendrin immer wieder kleine Baumgruppen die Schatten spendeten. Zudem sah man vereinzelt wieder Weideflächen mit Rindern, die wir zwischendurch doch etwas vermisst hatten. Es ist immer wieder imposant, wenn man die Voralpen erreicht und das Alpenpanorama im Hintergrund so eines Sees zu sehen ist. Am Ammersee angekommen machten wir eine Pause, genossen den Ausblick und aßen ein paar Kleinigkeiten aus unsere Provianttasche. Um den nördlichen Bereich des Ammersees herum führte uns dann der Weg durch kleine Orte bis zum Wörthsee, an dem wir an der Westseite entlang bis zur Süd-Ost-Seite zum direkt am See liegenden, anvisierten Campingplatz fuhren. Und wir hatten mal wieder ein schönes Fleckchen Erde ausgesucht, das zum Verweilen einlud. Und wer von euch gerne campt und einen sauberen Platz direkt mit Seezugang sucht, der wäre hier bestens aufgehoben.
(AR) Am Samstagmorgen war es wie angekündigt bewölkt, aber trocken und es hatte nicht so viel Morgentau wie am Vortag, so dass wir den Gugelhupf ohne großen Aufwand einpacken konnten. Das hatten wir allerdings doch lieber vor dem Duschen und Frühstückten erledigt, da die Wetterprognose Regen angesagt hatte, aber vielleicht würde es ja knapp an uns vorbeiziehen?! Aber nein, als wir in den letzten Zügen beim Frühstück mit frischen Brötchen noch gemütlich am geliehenen Tisch von den Nachbarn saßen, fing es dann doch an zu tröpfeln… Okay, dann mal schnell die letzten Dinge einpacken und die Räder aufsatteln. Was soll ich sagen, nach kurzer Zeit gingen die Schleusen komplett auf und es gab einen regelrechten Wolkenbruch. Die Sachen hatten wir soweit verstaut und waren auch direkt in unsere Regenutensilien geschlüpft, aber bei dieser Regenintensität machte es keinen Sinn loszufahren. Wir stellten uns anfangs im Wald am Zeltplatz unter, wo die Bäume noch ganz gut den Regen abhielten. Binnen kurzer Zeit war der ausgefahrene Schotterweg, der den Zeltplatz entlang führte fast wie ein kleiner Bachlauf, denn so viel Wasser auf einmal konnte nirgendwo versickern. Oh man, Regen ist ja schön und gut, aber musste es gleich so viel sein?!? Nach ca. 20 Min war auch unser Plätzchen im Wald völlig durchnässt und wir suchten für uns und die Räder Schutz an der Rezeption des Platzes, wo auch der Sanitärbereich und das Restaurant waren. Wir studierten minütlich die Wetterprognosen in den verschiedenen Apps und das Regenradar… Das sah nicht gut aus und sollte sich scheinbar wirklich auch den ganzen Tag hier in der Region so hinziehen. ‚Nina‘ die deutschlandweite Warn-App meldete auch noch Starkregen sowie Gewitter – eigentlich wollten wir solche Tage gemütlich in irgendeinem Hotelbett beim Fernsehen verbringen… Also was tun? Das Beamen wie beim Raumschiff Enterprise hat sich ja leider doch noch nicht so richtig etabliert. Nennt uns Weicheier, aber wir entschieden, die geplante Tagesetappe von rund 40 km nach Augsburg mit dem Zug von Günzburg aus zurückzulegen. Nach Günzburg waren es nur 10 km und der Zug fuhr jede Stunde. Sobald der Regen etwas nachließ machten wir uns auf den Weg. Vorher hatten wir noch die Möglichkeit meinem, am Tag zuvor geflickten, Vorderradreifen mit einem Kompressor vom Campingplatz den richtigen Druck zu verpassen, was mit der kleinen Handpumpe die wir dabei haben, nur bis zu einem gewissen Grad möglich ist. Dann ging es los zum Bahnhof. Der Weg führte uns unter anderem wieder am Fahrradladen von vor zwei Tagen vorbei, so dass wir gleich auch noch die für mein Rad passenden Bremsbeläge kauften. Am Bahnhof angekommen noch eben die Karten kaufen… Aber wie bekommt man Tickets fürs Rad aus diesem Kasten?!? Über die Bahn-App ging es gar nicht und am Automaten suchten wir uns dumm und dusselig. Und die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges wurde immer knapper und wir waren noch nicht auf dem richtigen Bahnsteig! So, egal jetzt, dann müssten wir im Zug fragen, was die Fahrt für die Räder kostet und entsprechend bezahlen – in der Hoffnung, dass uns kein Versäumniszuschlag berechnet wird. Schnell zum Aufzug (zum Glück zumindest so groß, dass 1 Rad einschließlich Gepäck hineinpasste) runter, rüber, rauf und ab in den bereits bereitstehenden Zug. Geschafft – und wir waren nicht die einzigen Radler, die sich entschieden hatten, heute die Bahn zu nutzen. Die Fahrradtickets könnten wir dann übrigens ohne Aufschlag bei der netten DB-Zugbegleiterin erwerben.
Auch in Augsburg angekommen regnete es wie fast durchgehend die gesamte Bahnstrecke. Für die Nächte in Augsburg hatten wir uns bereits am Tag zuvor für ein zentrales, günstiges, aber sehr modernes Hotel mit einem vernünftig großen Zimmer entschieden. Als es gegen 17:30 Uhr aufhörte zu regnen und sich auch die Sonne nochmal etwas zeigte, machten wir uns zu einem ersten Stadtbummel auf, den wir uns mit einem leckeren Cocktail-ToGo versüßten. Inzwischen hatte ich gelesen, dass die Augsburger Puppenkiste aufgrund der geltenden Coronabestimmungen leider den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen hat – weder die Bühne noch das Museum. Von daher müssen die lieben Begleiter aus Kindertagen auf einen persönlichen Besuch durch uns verzichten… Aber vielleicht ist das ja auch ein Grund, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederzukommen.
Am nächsten Vormittag setzten wir unseren Stadtbummel fort. Der Weg führte uns entlang der Stadtmauer mit ihren verschiedenen Toren u.a. durch das Jakobertor in Richtung Fuggerei. Die Fuggerei ist die älteste, noch heute bewohnte Sozialbausiedlung der Welt aus dem Jahr 1521. Als wir dort ankamen, sollte 10 Min später eine Führung starten, was wir gerne nutzten. Die Frau, die die Führung machte, arbeitet bei der Fuggerstiftung, die u.a. für dieses Wohnprojekt zuständig ist. Sie wusste sehr viel Interessantes kurzweilig zu erzählen und brachte uns die Personen wie Jakob Fugger den Reichen und seinen Neffen Anton, aber auch die grobe Familiengeschichte dazu näher. Man kann in der Siedlung, die 64 Wohnungen umfasst, auch in drei Wohnungen hinein, die als Museum sehr anschaulich umgebaut sind. Man muss schon sagen, dass das bis heute ein sehr soziales und vermutlich einzigartiges Wohnprojekt ist. Natürlich muss man bestimmte Voraussetzungen (man muss Bürger der Stadt Augsburg, bedürftig und katholisch sein) erfüllen, um von der Stiftung ausgewählt zu werden. Seit damals bis heute muss wohl umgerechnet der gleiche Betrag für die Kaltmiete aufgebracht werden. Damals war 1 Gulden (was heute umgerechnet 88 Cent sein sollen) für die Kaltmiete im Jahr aufzubringen sowie zusätzlich monatlich die Nebenkosten, wobei die Heizkosten insbesondere heute wohl den Hauptteil ausmachen. Alles andere wird von Stiftungsgeldern getragen – wozu natürlich auch unsere Eintritts- und Führungsgeld beitragen. Aber gerade solch ein Projekt unterstütze ich wirklich gern! Neben den Museumswohnungen ist auch noch ein Luftschutzbunker zu besichtigen. Alles ist wirklich sehr anschaulich dargestellt und man kann sich annähernd in die Zeit versetzten. Ich konnte in der Schule dem Geschichtsunterricht nur bedingt etwas abgewinnen… es waren immer nur irgendwelche Jahreszahlen, die aber so wenig mit konkreten Personen, Schicksalen und Erlebnissen verbunden wurden… und dann kam noch die nicht wirklich fesselnde Vortragsweise meiner Lehrer hinzu. Ich weiß noch, dass wir im Geschichtsunterricht auf dem Kant-Gymnasium bei Herrn Blaschke immer mehr damit beschäftigt waren seine ‚Ähms‘ zu zählen als auf den Inhalt zu achten. Ich bedauere es manchmal schon, dass es damals keiner geschafft hat, mein wirkliches Interesse für Geschichte zu wecken.
Die Führung ging etwas mehr als eine Stunde und zur Mittagszeit war die Siedlung gut besucht, auch wenn an der Führung selbst nur eine überschaubare Personenanzahl teilgenommen hatte. Die Eintrittskarten waren den ganzen Tag gültig – somit konnten wir dann erstmal weiter die Stadt erkunden, um am Abend noch einmal wieder zu kommen, wenn es hoffentlich in den Museumswohnungen etwas leerer war. Somit bummelten wir zur und durch die Altstadt, zum Rathausplatz mit Rathaus und Perlachturm, zum Dom, durch das untere Lechviertel, wo der Lech über drei verschiedene Kanäle durch die Gassen fließt und und und… Augsburg ist sehr vom Wasser geprägt mit den verschiedenen Wasserkanälen in und um die Altstadt herum sowie den verschiedenen Brunnen, wie z.B. dem Herkules-Brunnen. Das Wassermangementsystem der Stadt Augsburg gehört übrigens seit 2019 zum UNESCO-Welterbe. Leider sind aufgrund der Corona-Situation hierzu nur eingeschränkt Infos vor Ort zu erhalten gewesen, aber man kann einiges nachlesen. Vermutlich hätten wir noch einen Tag länger in Augsburg verbracht, wenn die Puppenkiste und auch das „Erlebnismuseum der Fugger und Welser“ am Montag offen gehabt hätten; und auch die Römer, die in dieser Stadt ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben, sind bisher noch zu kurz gekommen. Somit gibt es genügend Gründe dieser interessanten Stadt zu einem späteren Zeitpunkt nochmals einen Besuch abzustatten. Uns hat Augsburg zumindest sehr gut gefallen, so dass wir auch für diese Stadt durchaus einen Besuch empfehlen können!
(Ju) Wir hatten uns auf dem Weg nach Ulm für ein Hotel entschieden, da wir ringsum keinen passenden Zeltplatz gefunden haben. Ich hätte mir in den Hintern beißen können, denn ich hatte 2 Tage vorher ein super bewertetes Hotel gefunden, wo wir für 49 Euro pro Nacht hätten unterkommen können. Aber, da wir ja eigentlich viel zelten wollten, habe ich erstmal per Mail eine Anfrage an den örtlichen Ruderclub gestellt, die auch Zeltmöglichkeiten zur Verfügung stellen – aber man musste per Kontaktformular anfragen. Am nächsten Tag gegen Mittag war immer noch keine Antwort da. Also lieber doch das Hotel buchen. Ich traute meinen Augen nicht, denn plötzlich kostete das Zimmer gleich 30 Euro pro Nacht mehr. Hätte ich doch einfach mal gebucht und nicht auf den Zeltplatz gehofft.
Wir haben natürlich noch ein günstigeres Zimmer in einem anderen ‚Hotel‘ bekommen, allerdings war es ein Ibis Budget Hotel. Was soll ich sagen – ich nenne meine eigene Wohnung, die insgesamt mal gerade 40 Quadratmeter umfasst, gerne mal ‚Wohnklo mit Kombidusche‘ aber für das Zimmer was wir hier bekamen, war selbst dieser Ausdruck noch geschmeichelt. Waschbecken neben dem Bett, die Duschtür führte direkt ins Zimmer, hatte aber anstelle des Griffs eine große Öffnung in der Glasscheibe, sodass man immer schön aufpassen musste, wo das Wasser gerade hin spritzt, damit nicht das Zimmer unter Wasser steht. Die Toilette war dagegen fast geräumig, konnte aber wegen der stehenden Luft gleichzeitig als Saunakabine durchgehen, aber immerhin hatte sie eine separate Tür. Und wenn man sich dann mal niedergelassen hatte, musste man immer irgendwie in Bewegung bleiben oder zumindest winken, damit das Männchen im Bewegungsmelder wusste – Licht muss noch angeschaltet bleiben. Klar, grundsätzlich hatten wir mehr Platz als im Zelt, aber…
Die Stadt Ulm ist wirklich sehenswert. Schon der Weg an der Donau entlang war wie eine Promenade ausgebaut und führt komplett durch die ganze Stadt. Einfach irgendwann rechts durch eines der alten Tore, schon waren wir in der Innenstadt. Viel Fußgängerzone, mehrere Fahrradstraßen, im Großen und Ganzen alles recht gut zu erradeln. Allerdings haben wir die zwei Tage, die wir in Ulm waren, das Rad eher in der Hotelgarage stehen lassen und haben die Stadt zu Fuß erkundet. Toll war die Besichtigung im Ulmer Münster, das mir wegen seiner hellen und einladenden Lichtverhältnisse total gefallen hat und wo es zurzeit mittags um 12 Uhr eine halbe Stunde Andacht mit Orgelmusik gibt. Was für ein toller Klang – irgendwie gleich mit Gänsehaut am ganzen Körper verbunden. Von ernsten bis beschwingten Tönen, von ganz sanft und leise bis zum lauten Spiel aller Orgelpfeifen, die den Körper gefühlt mit in Schwingung versetzen, alles war dabei. Das alte Rathaus ist so reichlich bemalt und verziert und man findet unzählige schön gearbeitete und mit Figuren bestückte Brunnen. Allerdings mussten wir außer Sehenswürdigkeiten zu besuchen auch ‚normale‘ Sachen erledigen, was uns in den ersten Waschsalon der Tour geführt hat. In einem Rutsch drei Maschinen Wäsche waschen und trocknen und das alles in eineinhalb Stunden – schon praktisch.
Wie Anja noch gar nicht unter Radläden und andere Radgeschichten erwähnt hatte, gähnte in Donauwörth morgens plötzlich ein Loch in einer meiner vorderen Radtaschen. Genauer gesagt, hat sich eine komplette Seitennaht der heutzutage ja nur noch verschweißten Taschen in Wohlgefallen aufgelöst. Vorteil – da passt jetzt plötzlich extrem viel rein, allerdings muss man ggf. viel nachkaufen, was sich durch die Lücke verabschiedet, was bei mir allerdings nicht der Fall war. Die Hotelmanagerin hat morgens mit Gewebeklebeband ausgeholfen – wenigstens eine vorübergehende Hilfsmaßnahme. Auf der Fahrt nach Ulm hatte sich dann meine notdürftig geflickte Tasche wieder einem gewissen Auflösungsprozess unterzogen. Zum Glück habe ich nichts verloren, und konnte das Ganze mit viel (zwischendurch sicherheitshalber neu beschafften Klebeband) beheben. Dabei ging es jetzt nicht mehr um ‚schön reparieren‘, sondern um ‚das muss durchhalten‘ bis Ulm. Insgeheim hatte ich es bereits als sinnvoll erachtet mir direkt zwei neue Taschen zu kaufen und mal wieder ein Paket nach Hause zu schicken, um nach dem Sabbatical die Reklamation in Angriff zu nehmen. Ein Mann ein Wort, Ulm hielt den passenden Laden bereit, beide Fronttaschen sind neu und alles wieder wasserdicht.
Am nächsten Morgen haben wir gepackt, eben das Paket mit den Radtaschen sowie den nicht mehr als benötigt erachteten Schuhen zur Post gebracht und sind dann gegen 12 Uhr los. Eigentliche die perfekte Zeit nochmal die Orgel spielen zu hören, aber wir entschieden uns beide für ein leckeres Eis.
Eigentlich auf dem Weg zu Urmel, Jim Knopf und Co endete der Tag für uns nach knapp 40 km auf einem schönen Campingplatz mitten im Wald an einem Natursee, auf dem wir auch den nächsten Tag noch verweilen wollten, um der angesagten Hitze zu entgehen. Das Thema Radläden etc. fand auf dem Weg dorthin in Günzburg seine Fortsetzung. Für Anjas Rad sollte es ein neuer Schlauch für vorne sein, da an den Tankstellen für diesen Reifen permanenter Luftmangel angezeigt wurde, und ich habe mir einen neuen und stabilen Radständer gegönnt, nachdem mein Rad nur noch mit Hilfe eines Holzkeiles halbwegs stabil zum Stand kam. Bei der Reparatur des Schlauches unterzog ich auch den Bremsen an Anjas Rad einer Kontrolle – die neuen, bereits in Bremen vom fachkundigen Personal rausgesuchten ‚passenden‘ Beläge sollten zum Einsatz kommen, passten allerdings nicht. Oh man, das kommt davon, wenn Fachleute was raussuchen und den Kunden augenverdrehend genervt anschauen, der interessiert nachfragt, warum gerade die es sein sollen und woran man das erkennt, dass das die richtigen sind. Fazit – Anja muss noch bis Augsburg mit den fast komplett abgefahrenen Belägen fahren und wir haben zweifach Beläge der Marke Shimano (GS03S) inklusive Federn und Splinte abzugeben. Genaue Beschreibung dazu stellt Anja sicher als Bild ein, interessierte dürfen sich gerne melden. Bei Mehrfachmeldungen entscheidet das Los. 🤪 Der Austausch des Mantels wurde zur klassischen Vorführung dessen, worauf man achten sollte, wenn man einen Schlauch wechselt. Obwohl ich den Mantel untersucht hatte, hatte ich wohl einen Dorn übersehen, der im Mantel steckte und somit den neuen Schlauch direkt an derselben Stelle ‚gelocht‘ hat, wie es der inzwischen gefickte ‚alte’ schon war. Sicher wird Anja, sollte sie selbst mal in eine solche Notlage geraten, diesen Fehler nicht machen.
Den heißen Tag haben wir im Schatten der Bäume sitzend gut überstanden. Die netten Dauercamper von nebenan haben uns mit 2 Campingstühlen und sogar einem kleinen Tisch ausgeholfen und so konnten wir unsere Nudeln mit Pesto mal ‚normal‘ genießen. Ich frage mich, was fanden die Römer so bequem daran im Liegen zu futtern, wie es auf vielen Bildern so zu sehen ist. Für das nächste Jahr sind mit Sicherheit 2 leichte und kleine Stühle mit auf Tour und als Tisch wird mir schon was einfallen.
(AR) Wie Jörg bereits beschrieben hat, gab es gute Gründe den Wörnitz-Radweg ‚gen Süden zu nehmen. Vor zwei Jahren waren wir ihn von Donauwörth bis zur Quelle geradelt und somit ergaben sich nun teilweise ganz andere Blickwinkel. An manchen Stellen hätten wir schwören können, dass der Weg damals anders verlaufen war. Ich war mir auch gar nicht mehr sicher, ob wir den Weg damals über Komoot selbst zusammengestückelt hatten oder ob wir, wie dieses Mal, der Ausschilderung gefolgt waren. An andere Orte bzw. andere Stellen konnten wir uns hingegen sehr gut erinnern wie zum Beispiel an das Freibad an der Wörnitz kurz hinter bzw. dieses Mal kurz vor Oettingen. Vielleicht kennt ja der eine oder andere auch das gelbliche Getränk mit weißer Krone aus dieser Stadt.
Wir genossen es, die sich im weiten Tal immer wieder dahinschlängelnde Wörnitz zu begleiten, sie größer werden zu sehen und dabei durch viel Natur zu radeln. Einen Halt machten wir kurz nach unserer Nacht in Ruffenhofen am ‚Limeseum‘. Ein Museum, das zum einen im Rahmen einer Ausstellung und zum anderen in einem großen Parkähnlichen Areal das Wirken und Leben der Römer am Limes darstellt. Es war recht wenig los an diesem Vormittag und so begaben wir uns in die interessante und auch mit Film- und Tonaufnahmen sehr anschaulich gemachte Römerzeit. Wie schon berichtet, hat uns dieses Thema ja bereits des Öfteren auf unserer Reise tangiert, so dass wir die Gelegenheit für eine Auffrischung nutzen wollten – denn reisen soll ja auch bilden, sagt man zumindest so, und dem möchten natürlich auch wir gerecht werden.
Auf unserem weiteren Weg trafen wir, wie auch schon in mehreren anderen Gegenden im Süden, unerwartet viele Störche an. Unsere Gastgeber in Ruffenhofen bestätigten uns, dass das mit den vielen Störchen erst in den letzten Jahren wieder der Fall sei. Viele Jahre hätte es wohl in Bayern keine oder nur sehr wenige Störche gegeben. Wenn wir Störche in größerer Anzahl sehen, dann müssen wir immer an unsere Radtour vor ein paar Jahren an der Oder denken, wo wir damals unglaublich viele Störche gesehen hatten.
Wir kamen durch verschiedene kleine und größere Dörfer bis die Wörnitz schlussendlich bei Donauwörth in die Donau fließt. Wir wussten ja, dass wir in Donauwörth schon einmal gewesen waren – aber zumindest ich hatte nicht mehr so ein konkretes Bild vor Augen. Ich wusste jedoch, dass es mir ganz gut gefallen hatte… traurig eigentlich, dass man dann trotzdem manches nicht mehr im Kopf parat hat. Nun ja, wir näherten uns also der Innenstadt und auf einmal wusste ich, dass ich genau diesen Weg schon mal entlang gefahren war. Dann noch um zwei Ecken und auf einmal war alles wieder da! In der Touristeninfo hatten sie uns damals so nett geholfen, dort drüben hatten wir gegessen und in jenem Hotel gegenüber der Kirche hatten wir übernachtet… Nur die Kirche hatte tatsächlich die ganze Nacht zu jeder vollen und halben Stunde geläutet9. Das war echt nervig!! Und damals waren wir nicht mit Ohrstöpseln ausgerüstet. Was waren wir froh, dass wir dieses Mal dort nicht wieder übernachteten!
Am nächsten Morgen schien es sich einregnen zu wollen. Was waren wir froh der Vorhersage vertraut zu haben und ein Zimmer (allerdings mal wieder oben am Berg) genommen zu haben. Kurz überlegten wir auch, ob wir verlängern sollten, aber ach was – es sollte auch bald trockener werden. Auch dabei behielt die Wetter-App recht. Es wurde grundsätzlich etwas trockner, aber der Tag war geprägt davon, die gerade richtige Bekleidungsvariante zu finden für eine immer wechselnde Kombination aus Regen, Sonne und Wind…. Die kurzen Hosen waren okay, aber obenrum wurde stark variiert: kurzärmelig mit oder ohne Regenjacke oder doch lieber die dünne langärmelige Bluse übers T-Shirt, denn der Wind war zeitweise kühl?! Kam die Sonne wieder raus, war das aber schnell zu warm. Dann das Langärmelige wieder aus und nur die recht windundurchlässige Weste wieder übers Shirt… Ein fast endloses Spiel, dass viel Zeit und Nerven kostete. Eine lustige Situation hingegen war an diesem Tag unser Treffen mit einem Schäfer und seiner Herde, die an einer Stelle den Weg querte. Wir stellten uns an die Seite des Radweges, an der wir vermeintlich nicht störten… jedoch sahen das die nachfolgenden Schafe scheinbar etwas anders und waren durch unseren Anblick etwas verwirrt. Sie liefen und sprangen laut blöckend um uns herum oder auch zwischen uns durch, da wir einen Abstand von 2 – 3 m hatten. Sie hopsten etwas unbeholfen zwischen uns durch – was lustig, aber zeitweise etwas seltsam war, von den Schafen fast umgerannt zu werden. Wir hatten das Gefühl nicht nur dabei, sondern direkt mittendrin zu sein!
Aber wo ging es jetzt eigentlich hin?!? Als nächstes Ziel hatten wir uns – oder vielleicht auch eher ich uns – Ulm ausgesucht. In Ulm waren wir beide noch nicht und ich hatte gelesen, dass das auch eine ganz schöne Stadt sein soll. Hinzu kommt aber auch, dass ich mal in der 7. oder 8. Klasse eine Mitschülerin Hanna hatte, die ursprünglich aus Ulm kam. Wir verstanden uns ganz gut und die lebendigste Erinnerung ist, dass wir gemeinsam eine Forelle für den Bio-Unterricht sezieren mussten und darüber ein Referat halten. Ich weiß gar nicht, ob so etwas heute noch in der Schule zulässig ist!?! Hanna hat nach ein paar wenigen Jahren die Schule verlassen und wir haben uns aus den Augen verloren. Die Geschichte mit Hanna hat natürlich nicht den Ausschlag für dieses Ziel gegeben, aber ich muss momentan oft daran denken. Ich habe die Bilder der Forellen-Aktion in der Küche unserer alten Wohnung in der Maulbeerallee eher präsent vor Augen – einschließlich meines Papas, der immer um uns rum war, um uns tatkräftig zu unterstützen :-).
Ulm sollte es nun also werden und es war recht bequem über einen Teil des Donau-Radweges von Donauwörth aus zu erreichen. Die Donau ist, wie die Wörnitz, auch eine alte Bekannte von Jörg und mir. An der Donau sind wir von Passau nach Wien geradelt. Das war die erste Radtour wieder für uns nach Jörgs Herzinfarkt. Damals noch ohne E-bikes und mit vielen Gedanken zwischendurch von uns beiden, ob wir uns da vielleicht zu früh zu viel vorgenommen hatten… Es ging alles gut und wir sind glücklich in Wien angekommen. Aber bestimmte Situationen und / oder Gefühle sind auch heute noch manchmal präsent.
Dem Stück Donau zwischen Passau und Wien hatten wir vor zwei Jahren das Stück zwischen Kehlheim (dort fließt die Altmühl in die Donau) und Donauwörth hinzugefügt und nun ergänzten wir vorerst noch den Abschnitt von Donauwörth nach Ulm. Der Weg führte uns oft direkt an der Donau entlang, die an einigen Abschnitten in den letzten Jahren sehr schön an der Uferböschung renaturiert worden ist. Die Stecke führte zwar auch durch kleinere Orte, war jedoch überwiegend sehr naturnah und es ging durch Wälder und an kleineren ausgebaggerten Kiesseen vorbei. Wäre es wärmer gewesen, hätten wir gerne auch die eine oder andere Badepause in den durchaus verlockend anzusehenden Seen gemacht, aber bei der aktuellen Wetterlage, war uns nicht danach. Nach unserem nächtlichen Zwischenstopp in Dilligen war es zwar grundsätzlich wärmer und trockener, aber trotzdem noch nicht zum Baden einladend. Immer wieder zogen dunkle Wolken auf und der Himmel grummelte ordentlich…. Zum Glück immer in ausreichender Entfernung und wir wurden auch nur einmal kurz nass. Wir stellten uns lieber ein paar Minuten unter als schon wieder die Regenjacken rauszuholen; wir waren gut in der Zeit, so dass wir uns diese zusätzliche Pause ‚erlauben‘ konnten. Wir erreichten Ulm somit nach zwei Tagen radeln an unserer alten Bekannten der Donau entlang und werden von hier aus am Donnerstag erst wieder weiterfahren.
Manchmal ist man nicht nur dabei, sondern mitten drin!
(Ju) Wir haben unseren ‚Forellenhof‘ am Donnerstag verlassen, sind mit dem Zug nach Bad Mergentheim gefahren und von da aus am Nachmittag in einer kleinen Wasserschlacht bis nach Rothenburg o.d. Tauber geradelt. Die Stadt kannten wir bereits als Start und Ziel für unsere Tour durch das Altmühltal vor zwei Jahren und wo es schön ist, da kann man auch mehrfach hinfahren.
Zwei Übernachtungen hatten wir gebucht, wollten den angesagten Gewittern entgehen und die Möglichkeit nutzen, uns dem Flair der Stadt nochmals hinzugeben, wobei zwar auch viele Besucher in der Stadt sind, aber im Vergleich zu unserem letzten Besuch alles doch echt entspannt war. Corona ist natürlich auch da ein Thema, aber wie wir gehört haben, gibt es schon lange keinen ‚aktiven‘ Betroffenen mehr dort.
Ein Tag ‚Stadtleben‘ war ausreichend; es geht weiter in Richtung Ulm. Möglichst wenig Höhenmeter und möglichst schöne Landschaft, das war die Wunschvorgabe für diesen Teil der Tour und da gibt es eigentlich nur einen passenden Weg, nämlich den Wörnitz-Radweg. Kennt ja sicherlich jeder – fährt aber kaum jemand lang, wie wir aus eigener Erfahrung berichten können. Auf etwa 65 km ging es auf der heutigen Tour erst zur Quelle der Wörnitz, ins hochgelegene (was auch sonst) Schillingsfürst, wo sie ‚völlig naturbelassen‘ ihren Ursprung in einem Metallröhrchen findet und sich dann in eine Steinschale ergießt. So stellt man sich das Quellgebiet eines Flusses doch vor, oder? Von dort aus fuhren wir durch kleine Dörfer und Städte, der schnell größer werdenden Namensgeberin des Radweges folgend. Kennt es jemand von euch, wenn man über eine Landstraße fährt und Kilometer für Kilometer kommt dir kein Auto, kein Fahrrad, kein Nichts entgegen?! Selbst in den Dörfern sieht es so aus, wie ich mir das in einer Geisterstadt vorstelle, aber selbst Geisten und Gespenstern wäre da wohl zu wenig los. Anja hätte tatsächlich fast eine Feldmaus überfahren, die just genau die Sekunde des Nachmittags nutzen wollte die Straße zu queren, als Anja da entlang fuhr. Sie glaubt sogar den entsetzten und angstvoll erschreckten Blick der Maus gesehen zu haben, als das Reifenprofil sich ihr deutlich sichtbar näherte. Die Mathematiker unter euch dürfen sich jetzt mal Gedanken machen, wie hoch wohl die Wahrscheinlichkeit für Feldmäuse ist, gerade auf diese Art tragisch aus dem Leben zu scheiden. Allerdings kannte diese Maus sich anscheinend aus, drehte spontan um, verschwand wieder im Acker und wird es vielleicht morgen mit der Überquerung nochmals versuchen.
Nach einem Zwischenstopp in Dinkelsbühl wird es später und wir suchen eine Möglichkeit zu übernachten. Brauchwasser hatten wir unterwegs an der LKW-Waschanlage bereits im Kanister gebunkert, aber das Trinkwasser ging zur Neige. Entweder wir übernachten irgendwo im Zelt, oder wir suchen uns ein Zimmer. Oh man, selbst auf den kleinsten Dörfern rufen die Preise für eine Nacht auf, da haben wir in anderen ‚Metropolen‘ schon für den halben Preis genächtigt. Aber wird schon – wir versuchen erstmal Trinkwasser zu ‚erbetteln‘ und fahren fröhlich lächelnd auf einen Garagenhof auf dem zwei Männer sich anscheinend um drei Kinder kümmern. Im Gegensatz zu unserem ersten Versuch ein Dorf vorher, wo unsere Bitte nach Wasser von einem älteren Herren mit den Worten „Des geht nemma, de Tia is schoh zua’gsperrt.“ abgelehnt wurde. Hmm – hat der gute Herr wirklich verstanden worum es geht, oder will er uns möglichst schnell loswerden? Ist es hier die Gegend, wo man dürstende Vagabunden wie wir es sind einfach vor die Hunde gehen lässt? Vom Alter her könnte es aber an der vielleicht geschonten Batterie im Hörgerät gelegen haben – im Zweifel für den Angeklagten – es waren sicher die Sprachbarrieren. 😏
Zurück zum Garagenhof… Wir haben natürlich unsere Wasserflaschen gefüllt bekommen, während Anja die uns schon vertrauten Fragen beantwortet. Und plötzlich kommt irgendwann noch die Schwiegertochter dazu, später dann noch die Mutter. Typisch ländlicher 3-Generationen-Familienverband, aber in 2 Häusern. Kurz und gut, wir wurden eingeladen unseren grünen Gugelhupf hinter dem Haus aufzubauen, oder gleich in einem der Vorzelte der drei Wohnwagen zu schlafen, die von vorne nicht einsehbar, auf einer Wiese hinter dem Haus mit freiem Blick auf die Felder und die Wörnitz standen. Wir konnten unser Glück kaum fassen – sanitäre Anlagen standen auch zur Verfügung – und sie sahen besser aus, als auf den meisten Campingplätzen. ALLE Familienmitglieder haben mitgeholfen für uns alles für den Abend und die Nacht ‚schön‘ zu machen. Campingtisch (einschließlich einer Kerze als Lichtquelle und für die passende Stimmung) und Stühle wurden aufgestellt und von den Kindern nochmals gereinigt, die Frauen machten Vorzelthausputz und wir Männer führten ‚Fachgespräche‘.
Mit einem geschenkten kalten Radler für jeden, einem besonderen, mit alten Mehlsorten gebackenen Brot noch vom Bäcker in Wertheim, Käse, Schinken und den im Kloster Bronnbach erstandenen Waldhonig aus der Region ließen wir den Abend ausklingen, genossen den weiten Blick ins Gelände und den Sonnenuntergang. Schnell schlafen, denn morgens um acht wollte man uns schon frischen Kaffee und das Teewasser kredenzen. Den Gedanken an ein sicherlich mückenfreies Zelt schob ich nachts zur Seite, da man nicht nein sagt, wenn man so ein nettes und gut gemeintes Angebot bekommt – aber den Mücken nehme ich es krumm, dass sie unsere Lage so schamlos ausgenutzt haben.
Wir kletterten morgens aus dem Zelt – Frühstück war da! Die versprochenen Getränke sowie Kuchen hatten den Weg zu uns gefunden und wir hatten nichts davon mitbekommen. Kurz später kamen die Kinder zur Verabschiedung. Wir mussten abends noch versprechen nicht zu fahren, ohne ihren Abschiedsgruß entgegenzunehmen. Sie schauten noch interessiert zu, wie man so viel Geraffel überhaupt wieder am Rad verstaut bekommt, dann war es auch schon Zeit in Richtig Donauwörth zu starten. Wir verabschieden uns von den anderen und wurden direkt herzlich eingeladen einzukehren, wenn wir wieder mal in der Nähe wären. Es wäre schon ein ungewöhnliches Ereignis für sie gewesen und für die Kinder fast ein aufregendes Abenteuer mit so ‚Weltenbummlern’ auf dem Hof. Wie offen und nett manche Menschen doch sind – wir werden uns sicher gerne an diese besondere Begegnung erinnern.
(AR) Nun sind wir seit Samstagabend hier auf dem Campingplatz an der Tauber und heute ist schon Mittwoch – und auch heute werden wir unseren schönen Platz hier noch nicht verlassen. Es sind immer noch über 30°C und spätestens ab mittags gleicht der Luftzug auf dem Rad einem auf Hitze-Stufe 2 gestellten Fön. Stattdessen genießen wie die Ruhe, haben netten Platznachbarn um uns rum, die auch ein paar Tage länger hier bleiben, und die Tauber, sehr geeignet für eine willkommene Abkühlung, ist nur 20 m entfernt von unserem Zelt. Viel besser geht es nicht! Man kann zu jeder Tageszeit rings ums Zelt je nach Wunsch einen Sonnen- bzw. bei den aktuellen Temperaturen doch eher einen Schattenplatz wählen. Wenn es zu warm wird, gehen wir zur Einstiegstelle an der Tauber und kühlen uns ab. Abkühlen im wahrsten Sinne des Wortes! Die Tauber ist echt frisch – wenn man drin ist, ist es auch gut, aber selbst ich, die doch eher mal ins kühle Nass geht, brauche immer einen Moment bis ich komplett eingetaucht bin – aber wir haben doch auch das Gefühl, man gewöhnt sich etwas daran. In dem Zusammenhang staune ich ja wirklich über Jörg, der von sich selbst sagt, er sei ein Warmduscher. Er geht in die Tauber – auch wenn es noch einen Moment länger dauert als bei mir und er meist auch schneller wieder raus ist. Es kommt sogar vor, dass er selbst eine Abkühlung vorschlägt – und das heißt schon was 😉 ! Wenn man hinterher wieder raus ist, ist man wirklich herrlich erfrischt und hält es wieder gut eine Weile bei den Temperaturen aus! Allerdings kommt immer wieder die Frage hoch, warum die Tauber eigentlich so kalt ist, da sie weder eine hohe Fließgeschwindigkeit hat noch besonders breit ist. Sie ist hier jedoch mit 4 – 6 m Tiefe quasi genauso tief wie breit und auf einer großen Länge oft durch die Bäume beschattet, was vermutlich eher die Gründe sein werden, weshalb sie sich nicht so aufwärmt, wie beispielsweise der viel breitere Main.
Wir genießen es auch, nicht jeden Tag das Zelt ein- und an anderer Stelle wieder auszupacken, die Seele baumeln und das bereits Erlebte etwas Revue passieren zu lassen sowie eher nur kurze Ausflüge zur Essensorganisation zu unternehmen. Als wir am Samstag hier ankamen, wussten wir, dass der Campingplatz „Forelle“ heißt und eine Gaststätte hat. Wir gingen davon aus, dass der Name Programm war und freuten uns somit auf eine gebratene Forelle zum Abendessen. Fisch gibt es allerdings in der Gaststätte nicht (mehr), dafür jedoch sehr leckere Burger. Den spaßigen Platzwart darauf angesprochen sagte der: „Ich verstehe gar nicht, weshalb hier alle immer Forellen essen möchten. Im Restaurant ‚Zum Riesen‘ im Nachbarort gibt es auch keine Riesen und beim Restaurant ‚Zum Schwan‘ gibt es auch keine Schwäne zu essen!“. Dieser Logik kann man einfach nichts erwidern, sondern nur schmunzeln und sich vorerst auf einen der wirklich leckeren Burger einlassen. Eine andere Alternative hatten wir an dem Abend nicht mehr, da unsere Vorräte erschöpft waren und wir auch keinen weiteren Weg an diesem Tag mehr mit dem Rad machen wollten.
Das Thema ‚Vorräte‘ stellt uns ohne Kühlmöglichkeiten bei diesen Temperaturen sowieso auf eine Probe. Es muss immer nur in sehr kleinen Mengen eingekauft werden und so, dass sie uns nicht wegfließen oder schlecht werden. Butter oder Margarine gibt es seit Anfang unserer Tour konsequent nicht. Eher etwas Frischkäse, der sich auch ungekühlt so ca 3 Tage hält. Es geht natürlich auch besser Dauerwurst und Käse ohne viel Fett und auch hier nur Mengen, die spätestens am 3. Tag verbraucht sind. Von der Kaffeesahne ist Jörg inzwischen auf Milchpulver umgestiegen. Marmelade wird nur in kleinen Gläsern gekauft und auch immer nur mit einem gesonderten Löffel verwendet. Was sich wieder erwarten als gut haltbar bei der Wärme herausgestellt hat, ist übrigens Erdnussbutter. Ich hatte eigentlich vermutet, dass sie sich bei Hitze in ihre Bestandteile trennt – aber nein, die behält komplett ihre Konsistenz wie neu im Laden gekauft. Keine Ahnung, was da alles drin ist… Joghurt wird auch nur ein Becher gekauft, wenn es am nächsten Morgen frisches Obst mit Joghurt und ggf. mit Müsli geben soll. Letzteres hält sich natürlich genauso problemlos wie Knäckebrot im Gegensatz zu frischem Brot, was aber auch mal in kleinen Mengen sein muss. Auch für abends kaufen wir das benötigte Gemüse in homöopathischen Mengen. Somit ernähren wir uns im Grunde immer frisch oder gehen eben auch mal etwas essen.
Gestern haben wir die längste Strecke von hieraus mit 30 km über Kloster Bronnbach weiter nach Burg Gamburg (die allerdings geschlossen war, was wir allerdings erst oben auf dem Berg angekommen feststellten… und es war steil kann ich euch sagen!) bis nach Tauberbischofsheim gemacht – und festgestellt, dass es uns eigentlich noch zu warm für längere Strecken ist, so dass wir doch frühestens am Donnerstag wirklich wieder eine vollbepackte Tagesetappe machen werden. Die Wetteraussichten behalten wir somit weiter fest im Blick.
Und genau diese Entscheidungsmöglichkeit ist es ja auch, was wir uns für diese Zeit gewünscht haben: grundsätzlich ein grobe Richtung zu haben, wo es hingehen soll, sich aber die Zeit dafür nehmen, die wir aus welchen Gründen auch immer dafür gerade benötigen. Keinem Zwang zu unterliegen mindestens xx km am Tag fahren oder einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit erreichen zu müssen. Denn der Weg ist immer noch das Ziel. Was dabei natürlich von enormem Vorteil ist, ist dass Jörg und ich in dieser Hinsicht ziemlich gleich ticken. Das haben wir zwar in den letzten Jahren während der gemeinsamen Urlaube bereits festgestellt, aber ob das über einen deutlich längeren Zeitraum auch so sein würde, war ja nicht klar. Umso besser, dass wir neulich erst wieder festgestellt haben, wie harmonisch und entspannt alles zwischen uns läuft und wie gerne wir diese Zeit gerade zusammen erleben und als wirklichen Luxus empfinden. Bis jetzt könnte es nicht besser gelaufen sein und wir sind gespannt, wie es weitergehen wird.
(Ju) Auf unserem Seecampingplatz in Kahl haben sich die Gänse an die am Vorabend via Lautsprecher ausgerufene Nachtruhe bis 6 Uhr gehalten und dann lautstark skandierend eine Platzrunde gedreht. Heute waren es die Kirchenglocken, die um diese Zeit die Gemeinde zum frühmorgendlichen, aus meiner Sicht eher nächtlichen Gottesdienst riefen. Ah, wir sind unverkennbar in Bayern gelandet, dachte ich so bei mir (was allerdings nicht stimmt, da wir uns in Baden-Württenberg befinden, allerdings direkt an der bayrischen Grenze), überlegte noch kurz ob ich dem Ruf folgen sollte, war aber dann während der Überlegungsphase wohl schon wieder eingeschlafen.
Radeln bei 34 Grad Lufttemperatur und sengender Sonne kostet Energie, aber ehrlich gesagt waren wir froh, wenn wir auf den Rädern sitzen konnten und unser eigener Fahrtwind uns Kühlung verschaffte. Der Helm schützt mein ‚hohes Knie’ auf dem Hinterkopf vor Sonnenbrand und ab und an scheppert es auch mal ganz ordentlich, wenn ich auf Kollisionskurs mit irgendwelchem fliegenden Getier bin. Die Lust auf Stadtrundgänge oder ähnliches hielt sich die letzten beiden Tage doch eher in Grenzen, obwohl wir ja beide ganz gerne irgendwelche Kirchen besichtigen und dort Kerzen aufstellen, uns aber auch interessiert an der Vielfalt architektonischer Besonderheiten zeigen.
Seligenstadt war nach Kahl die nächst größere Stadt und mit ihren vielen Fachwerkhäusern, einem Brunnen auf dem Marktplatz und einem großen Benediktinerkloster ein wirklich sehenswerter Ort. Stefan aus Lorsbach hatte uns bereits einen kleinen geschichtlichen Einblick in den Verlauf des Limes, römische Kastelle und Vorposten sowie die Barbaren erzählt, vor denen der Limes schützen sollte. Und auch in Seligenstadt begegnete uns dieses Thema wieder auf informativen Tafeln über die Geschichte der Stadt und ihrer Entstehung. Der Garten des Klosters ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Hier werden viele alte Sorten an Obstbäumen, Rosensorten und anderen Pflanzen gehegt und gepflegt, integriert in viele bienen- und schmetterlingsfreundliche Blühpflanzen.
Weiter ging es den Main entlang in Richtung Aschaffenburg. Erst wollten wir einfach nur weiter und, der Hitze geschuldet, mal keine aufgeheizten Häuserwände oder Plätze aufsuchen, aber dann hat der Anblick des Schlosses uns doch in seinen Bann gezogen und wir sind über eine Brücke direkt in der Altstadt gelandet. Was wir allerdings dringlichst brauchten war etwas Kühles zu trinken und ein süßes Leckerchen für mich. Direkt gegenüber einer großen Kirche, die Anja sofort als die erkannte, wo ihre ehemalige Arbeitskollegin Alexandra ihren Mann Manfred geheiratet hatte und sie als Gast eingeladen war, gab es eine Bäckerei, die unserer beider Wünsche sicherlich erfüllen konnte. Zwei kalte Flaschen Cola-Light sowie ein Obst- und ein Nussplunder landeten auf dem Tisch, begleitet von der Erkenntnis, wie unfreundlich so manche im Verkauf tätigen Beschäftigten doch sein bzw. auf Kunden wirken können. Da kommen sofort Gedanken an meine verstorbene Mutter auf, die als Filialleiterin und später Ausbildungsleiterin im Einzelhandel solche Mitarbeiter recht bestimmt ‚eingenordet‘ oder ‚auf den richtigen Weg‘ gebracht hätte – und das zu Recht. Egal, wir genossen das erfrischende Gefühl des kalten Getränkes und die wirklich leckeren Teilchen, bevor wir uns die Kirche von innen und einige Straßen der Altstadt von draußen ansahen und am Schloss landeten. Auch wirklich sehenswert, mit riesigen eisenbeschlagenen Holztoren und einem großen Innenhof. Da mag man sich gut vorstellen wie es zu früheren Zeiten hier wohl zugegangen ist und das nicht nur wohlgesonnene Leute vor diesen Toren standen. Und aktuell wird wieder ‚ausgegraben‘, denn man hat wohl irgendwelche noch weiter zurückreichende Funde auf dem Burggelände gemacht, die für die Nachwelt gesichert werden sollen, wodurch uns aber der Weg zum JETZT versperrt war. (Tja, den Satz muss man erstmal sacken lassen, ne?! 😏)
Genug geschwitzt und pausiert, es geht weiter und wir haben mal wieder das Problem einen passenden Campingplatz zu finden. Das Problem spitzt sich soweit zu, dass wir uns auch mit einem nicht so passenden Platz zufriedengeben hätten, eigentlich froh über jede Zusage eines Übernachtungsplatzes gewesen wären. Kurz und gut – wir haben unseren Tag in einem schönen und absolut ruhig gelegenen Hotel in Obernburg beendet, nachdem wir vorher noch sehr lecker bei einem gemütlichen ‚Italiener‘ gegessen hatten. Praktischerweise hatten die im Hotel einen großen Gepäckwagen zur nächtlichen Dauerausleihe und alles war in einem Rutsch auf dem großzügig geschnittenen Zimmer. Den Abend nutzen wir um mal wieder ein paar Wäscheteile zu waschen und ich habe noch die nach allen 500 bis 600 km fällige Revision der Sattelstütze erledigt. Die Nacht war erholsam und das morgendliche Frühstück unter freiem Himmel ausreichend und lecker. Die meisten Radler waren zu der Zeit schon weg, dadurch war es für uns sehr ruhig und entspannt – corona-technisch absolut unbedenklich.
Auf dem weiteren Weg in Richtung Wertheim sieht man so einige schöne Dörfer und alles ist, typisch bayrisch, rausgeputzt und aufgeräumt. Auf der Strecke trafen wir endlich mal ein Paar, welches genauso bepackt war wie wir. Jeder vier Packtaschen und zusätzlich einen Packsack hinten quer auf den Gepäckträger. UND – sie fuhren wie wir, den Radweg in ‚falscher‘ Richtung, also eher flussaufwärts. Ich konnte nicht anders, habe sie angesprochen und meiner Freude darüber Ausdruck gegeben, mal ‚Gleichgesinnte‘, sozusagen Seelenverwandte zu treffen. Schnell war aber klar – aus dem Rheinland kommen die nicht. ‚Wir haben aber keinen Motor‘ war das einzige was IHR entfuhr, ER hatte weder ein freundliches, noch ein müdes Lächeln für uns übrig. Ui – auf was für Spaßbremsen sind wir denn da getroffen?!? Im Ruhrpott nennt man solche Leute auch Schiffschaukelbremser und da gibt es nur eine Antwort drauf – Turbo einschalten und kurzfristig ‚Meter machen‘, den notwendigen Abstand zwischen sie und uns bringen, bevor uns noch jemand mit denen in Verbindung bringt. Also wenn die Spaß hatten, dann hätten sie das auch mal ihrem Gesicht erzählen sollen.
Clever wie wir waren, hatten wir an diesem Tag schon früh einen Campingplatz festgemacht, auf dem wir nächtigen wollten. So mussten es zwar fast 70 km Tagesetappe werden, aber wie gesagt – lieber mit tollen Eindrücken radeln (mittlerweile eingerahmt vom Odenwald zur rechten und dem Spessart zur linken Seite) als bei Windstille über das Wetter zu grübeln. Und was soll ich sagen, der Platz fürs Zelt liegt schattig unter Bäumen, das Wasser der Tauber ist schön kühl und wir fühlen uns wohl. Die nächsten drei Nächte sind gebucht und wir werden die Seele baumeln lassen. Wundert euch also nicht, wenn es weniger oder gar nichts zu lesen gibt die nächsten Tage – aber bleibt uns trotzdem gewogen und lasst euch von der Hitze nicht ärgern. 😏