Am Sonntag waren sich alle Wetter-Apps einig: zum ersten Mal in diesem Urlaub war von morgens an ‚Bettwetter‘ angekündigt… den ganzen Tag Regen.
Regen und Gewitter hatten bereits in der Nacht begonnen und wollten auch am Tag nicht enden. Aber den ganzen Tag im Zimmer zu verbringen ist auch nicht unbedingt unseres – zumindest wenn das Wetter nicht einmal für den Balkon einlädt. Um also nicht den ganzen Tag nur im Zimmer zu verbringen, haben wir uns wenigstens zum Essen nach draußen begeben und dazu unseren Ausflug geplant. Wir entschlossen in Richtung Villach und dann vorbei am Ossiachersee und Feldkirchen nach Himmelberg zum Forellenhof Pluch zu fahren. Seit ich das erste Mal vor vielen Jahren mit Jörg seine Mutter in Kärnten besucht habe, gehört eine gebratene Forelle beim Forellenhof Pluch, hoch oben am Berg gelegen, immer zum Ausflugsprogramm dazu! Da es von Hermagor aus ein Stück zu fahren ist, wollten wir es eigentlich mit einem Ausflug zum Ossiacher See verbinden. Allerdings hat der Hof momentan nur von Freitag bis Sonntag auf. So machten wir uns trotz der andauernden Regenprognosen auf den Weg – auch wenn es vielleicht nichts mit dem Spaziergang am See werden sollte.
Nahe am Forellenhof gelegen entspringt die Tiebel und da wir bis zur reservierten Uhrzeit des Tisches noch etwas Zeit hatten, sind wir den Weg zur Tiebelquelle gelaufen. Zig kleine Bachläufe suchten sich ihren Weg durch den Wald. Fast mystisch stieg hier und da Feuchtigkeit auf, als wenn der Boden dampfen würde. Wohin man ging, überall tauchte wieder ein neuer Zufluss auf – und es plätscherte und gurgelte irgendwie recht laut um uns herum. Es war ein feuchtes, aber sehr schönes Erlebnis. Am Waldeingang machte sich trotz des kühlen und nassen Wetters ein süßlicher Duft von Himbeeren bemerkbar bevor wir die ersten überhaupt erblickten. Das habe ich so auch selten erlebt! So wurden wir mit vielen leckten, wildenwachsenden Himbeeren belohnt, die wir uns haben schmecken lassen.
Als die Zeit zum Essen gekommen war liefen wir zum Hof und wurden auch dieses Jahr nicht enttäuscht. Wir ließen uns sowohl die Fritattensuppe als auch anschließend die gebratene Forelle mit Salat schmecken! Wirklich ein Genuss und wie hatte ich gesagt, als Jörg sagte, er hätte dieses Jahr mal wieder das Gefühl nach Kärnten zu müssen? Neben vielem anderen ist diese Forelle allein immer wieder einen Besuch in Kärnten wert! 🙂
P.S. Das Wetter blieb auch den restlichen Tag trüb und nass, so dass wir auf einen weiteren Spaziergang am See verzichteten.
Ja, auch in Kärnten gibt es Regen und es kann kalt werden. 😬 Letzten Samstag sind wir umgezogen in die neue Unterkunft, an dem Tag sollte es regnen, was es morgens auch etwas tat. Bis zum Mittag war es dann aber so warm geworden, dass wir zum Pressegger See gefahren sind, um dort möglichst etwas zum Mittagessen zu bekommen. Auf dem Parkplatz vom Strandbad mussten wir erstmal die langen Hosen gegen kurze tauschen und die Jacken auf die Rückbank des Autos verbannen. Mittlerweile bedienen wir uns zwar vier verschiedener Wetter-Apps – für diese Gegend hier kannst du die jedoch getrost vergessen. Jede zeigt anderes Wetter und zuletzt ist es hier in den Tälern doch immer ganz anders und man muss auf alles vorbereitet sein.
Wie entscheidet die ‚Reiseleitung’?!Für Lienz in Osttirol waren die Aussichten am Montag durchwachsen, aber durchaus besser als in Hermmagor angesagt – also das Frühstück gemütlich ausklingen lassen und los. Die Fahrt geht das Gailtal entlang, dann über den Gailbergsattel und Oberdrauburg bis nach Lienz. Nach einer etwas angespannten Parkplatzsuche sind wir bei strahlendem Sonnenschein durch die Altstadtstraßen und die Fußgängerzone flaniert. Irgendwie ist man schnell gefangen von liebevoll gestalteten Hausfassaden mit viel Blumenschmuck und fühlt sich wohl und willkommen. Wir laufen vorbei an netten kleinen Geschäften (mal nicht die typischen Läden, die man bei uns überall findet) und entlang an Blumenrabatten, Palmen, Kakteen, Zitronen- und Feigenbäumen.
Etwas abseits der Hauptwege ist es plötzlich ganz still und wir beschließen uns in einer netten Pizzeria verköstigen zu lassen, deren Außengastronomie unter großen Sonnenschirmen entlang einer Mauer aus Felssteinen aufgestellt ist. Salat, Pizzabrot und Pizza sind hervorragend und das schon fast obligatorische ‚Hollerwasser‘ (Hollundersaft wahlweise mit Wasser oder Soda angeboten) schmeckt auch. Die Portionen sind so groß, dass wir uns für den Abend die Reste mitnehmen. 😏
Wir kommen auf dem Rückweg zum Auto an der Isel vorbei, ein in ein steinernes Bett verlegter Fluß, der ziemlich schnell und unruhig daher kommt. Hier könnte man sicherlich raften oder Kanu fahren. Ich stelle mir meinen Freund Bodo vor, der zuhause in Deutschland Drachenbootrennen z.B. auf der Ruhr fährt. Selbst bei ‚Vollgas‘ würden die wohl schnell rückwärts aus dem Ort gespült werden. 😊 Hinter dem Ort fließt die viel kleinere Drau in die Isel, die quasi genau an der Stelle ihren Namen einbüßt und als Drau weiter in Richtung Kärnten fließt. Das ist gegebenenfalls noch ein Plan von uns: Auto stehen lassen und mit dem Rad die Drau entlang Richtung Villach und dann die Gail hinauf zurück in Richtung Hermagor – mal wie im Vorjahr mit Gepäck und Zelt. 👍🏻
Der Rückweg führt uns über Greifenburg, den Weißensee lassen wir heute – im wahrsten Sinne des Wortes – links liegen und fahren über den Kreuzberg zurück ins Gitschtal wo unsere Pension liegt. Dort angekommen hören wir: es hat nicht geregnet, jedoch bewölkt war es den ganzen Tag. Und dann, noch während wir reden, fallen die ersten Tropfen…
Alles richtig gemacht, ein Tag mit schönen Eindrücken klingt auf unserem kleinen Balkon mit den Resten unserer Mittagsmahlzeit und dem Rest vom Rotwein aus, den wir von unserer letzten Hauswirtin als Erinnerung mitbekommen haben. Das Geräusch des Regens lullt uns später zum Schlaf ein – gute Nacht an alle… 💤
Anja hat es ja thematisiert, der Grund warum wir hier in Österreich sind ist der, dass ich wieder den Drang hatte meine alte Heimat zu sehen. Ganz komisch, aber irgendwie kann ich mich dem nicht entziehen, obwohl ‚unser Haus’ nach dem Tod meines Stiefvaters einem Parkplatz weichen musste und ich außer zu zwei oder drei Schulkollegen keine persönlichen Verbindungen mehr zu Hermagor habe – abgesehen von Erinnerungen.
Zuletzt war ich 2019 mit Anja, meinen Kindern, den Enkeln und dem Schwiegersohn hier. Jedes meiner Kinder hat aus der eigenen Kindheit, in der sie oft hier im Urlaub bzw. bei meiner Mutter zu Besuch waren, ganz eigene Erinnerungen an die verschiedenen Örtlichkeiten hier, an bestimmte Getränke, an Vorlieben das Essen betreffend. Bei den Ekelkindern steht seit dem Besuch am Weißensee ein Mutsprung vom Geländer der einzigen Seebrücke auf der ‚Will ich unbedingt machen‘-Agenda – die nächste Generation ist sozusagen ‚angefixt‘. 😏
Der Sonnenhof Jury in Jadersdorf ist für dieses Jahr unsere Unterkunft und ein Glücksgriff. Wir haben ein neu renoviertes und ausgestattetes Zimmer mit einem großen Badezimmer und einer noch größeren Terrasse, die wir uns mit einem netten niederländischen Paar so um die achtzig teilen. Auch sie sind auf einer Tour zu den Orten, die sie vor Jahren schon besucht haben.
Unsere Vermieterin ist nur wenige Jahre älter als ich und kennt ganz viele Leute, die auch mir noch von früher in Erinnerung sind. Hermagor hatte früher 3000 Einwohner, da kannte jeder jeden und sie kennt jeden Ort zu dem man kann – aber eben aus aktueller Sicht und nicht nur aus den Erinnerungen wie ich. Wir reden viel mit ihr über alles mögliche und so verknüpft sich ‚früher‘ mit heute.
Da wir jetzt ja mit dem Auto UND den Rädern unterwegs sind, lerne ich die Umgebung nochmal ganz anders kennen. Wir fahren über Wege, die früher zu Fuss nicht meine waren. Mit dem Auto hoch zur Eggeralm, da das Auto abgestellt und die ca. 4 km zur Dellacheralm mit dem Rad vorbei an Rindern und Pferden, die sich dort frei bewegen. Einige Kilometer den Berg weiter rauf, da gibt es noch eine Alm und den Gipfel des Poludnig. Anja wollte zuerst lieber laufen anstelle ständig bergauf zu strampeln (immerhin eine Stecke von 12,5 km), aber wir haben es dann doch mit dem Rad probiert – und geschafft, auch wenn uns trotz Motor zwischenzeitlich die Puste fast ausgegangen ist. Belohnt wurde der Einsatz mit einer leckeren Bretteljause und auf der anschließenden Abfahrt mit dem Zusammentreffen mit unseren ersten freilaufenden Murmeltieren, die uns aufrecht auf dem Po sitzend beobachteten und, wenn wir zu nah herankamen, blitzartig in ihren gegrabenen Gängen verschwanden. Sowas zu sehen ist schon ein Glücksgefühl.
Den Tag darauf sind wir mit dem Auto ins Gailtal nach Kötschach-Mauten gefahren. Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr darunter vorgestellt, aber der Ort war mit dem Rad schnell umrundet und eigentlich war nur rund um die alte Kirche etwas ‚Altstadtflair‘ zu spüren. Aber ein tolles Freibad haben sie – zumindest von außen betrachtet. Kurzerhand legten wir uns als neues Ziel die Forellenstation Zerza in der Nähe von Jenig fest. Da sollte es leckere Forellen frisch zubereitet geben und mit knapp 22 Kilometer Strecke an der Gail entlang, sollte das gut bis 13:30 Uhr zu schaffen sein, früh genug um in Ruhe zu essen, denn um 14:30 Uhr machen die dort den Laden dicht. Es war warm unterwegs, aber es war toll zu fahren. Teils auf dem Deich, der die Gail entlangführt, teils auf der schmalen alten löchrigen Landstraße durch urige Dörfer und die Forelle, die wir dann bekamen, war jeden gefahrenen Meter wert. Da werden wir sicher nächste Woche nochmal hinfahren, dann aber von Grünburg aus.
Na, was fällt euch auf? Habt ihr schön aufgepasst und die richtigen Schlüsse gezogen? Nächste Woche wollten wir entweder eine mehrtägige Rundtour starten, oder ggf weiterfahren nach Südtirol. Dieser ‚Plan‘ ist zumindest erdtmal Geschichte. Wenn hier Regen ankommt, kommt der immer aus Süd-Westen von Italien. Warum sollen wir dem Regen jetzt auch noch entgegenfahren??? Da im Sonnenhof Jury leider nichts frei war für die nächste Zeit, haben wir mit Hilfe unserer Vermieterin eine neue Bleibe in Grünburg, einige Kilometer näher an Hermagor gefunden. Zu meinem Erstaunen (ich dachte wir verlängern vielleicht bis nächsten Mittwoch oder Donnerstag) hat Anja sich für weitere neun Nächte in der anderen Pension entschieden – mir soll es nur Recht sein. 👍🏻
Um Sitzhöcker und Popo mal etwas zu schonen, haben wir am Freitag eine Wanderung durch die Weißenbachklamm direkt in der Nähe unserer Unterkunft gemacht. Auch mal schön, wenn du nur aus dem Haus, rüber zur Brücke gehen musst und schon bist du auf dem passenden und wenigstens halbwegs gut ausgeschilderten Weg in Richtung Schlucht. War es auf dem hinführendem Weg noch fast unerträglich warm, war es in der Schlucht angenehmen kühl. Das Wasser in Verbindung mit den Bäumen machte die Kletterei entlang des Weißenbaches und im oberen Teil durch das ausgetrocknete Bachbett sehr angenehm erträglich. Über den ein oder anderen schmalen Balken balancierend und über mehr oder weniger lange Holzleitern dem Wasserlauf folgend – an manchen Stellen brauchte es schon etwas Geschick und Angstfreiheit. Der Weg zurück führte dann über Forstwege und kleine Klettersteige bis fast vor unsere Pension. Schön war‘s… 😏
Und damit ihr mal seht, wie hart wir ‚unentwegt’ am Blog arbeiten…
Nachdem wir uns in München noch auf einen ausgiebigen Plausch mit Iris und Thomas im Biergarten getroffen hatten, ging es am nächsten Morgen weiter in Richtung Österreich… scheinbar gemeinsam mit allen anderen, die zurzeit Urlaub haben. Was für eine Fahrt – wenn man das überhaupt als Fahrt bezeichnen kann! Gefühlt sind wir die Hälfte der Kilometer im Schritttempo gefahren…na ja, aber wenn wir eben meinen, dass wir am Samstag fahren müssen, wo ALLE fahren, sind wir selbst schuld. 😏 Zwischendurch hatten wir die Überlegung eine längere Pause z.B. in Salzburg zu machen, was wir jedoch in Anbetracht des angekündigten Starkregens und Gewitters verwarfen. Außerdem darf man zur Ferienzeit die Autobahn in Österreich eigentlich auch nur verlassen, wenn man dort in der Region eine Übernachtung gebucht hat… also Augen zu und durch!
Irgendwann am Nachmittag war es dann geschafft – wir hatten die rund 320 km in sage und schreibe knapp 7 Stunden geschafft! Aber das ist beim Anblick der herrlichen Landschaft mit Bergen, grünen Wiesen, Seen und kleinen Flüssen ganz schnell vergessen!
Abends waren wir direkt essen im Lerchenhof, einem Hotelrestaurant eines ehemaligen Schulkollegen von Jörg. Bei einem Plausch zwischendrin wurden die wichtigsten Neuigkeiten ausgetauscht und wir aßen – wie dort üblich – sehr lecker. Gebratene Forelle auf Currygemüse und anschließend noch eine Palatschinke… mmmh! Zumindest mein Cousin Jörg und Familie könnten das vermutlich bestätigen, die letztes Jahr bei deren Urlaub am Weißensee auch auf unserem Empfehlung hin dort essen waren.
Am nächsten Tag machten wir uns auf zur ersten Tour mit den Rädern. Von unserer Pension in Jadersdorf ging es durchs Gitschtal hinauf nach Weißbriach, dann talabwärts nach Hermagor und wieder zurück. Der Radweg führte in weiten Teilen an der kleinen Gössering entlang. Der Weg war zeitweise asphaltiert, aber dann auch geschottert. An einem längeren steilen Stück des Weges musste ich an unseren Weg vom Wörthsee nach München denken, als wir von dem Weg abwichen, den Thomas uns empfohlen hatte… als es einen kleinen schmalen geschotterten Weg hinaufging, wo die Räder unserer Bikes trotz reichlich ‚Kampfgewicht‘ durch das Gepäck durchdrehten und unsere Kraft auch nicht ausreichte. So einen Wegabschnitt gab es hier auch – zumindest fühlte es sich so an, was jedoch auch ein Stück weit an unserer etwas mangelhaften Kondition liegen könnte. Das letzte Stück des steilen Abschnitts mussten wir daher zu Fuß absolvieren.
Am Montag wählten wir eine etwas entspanntere Radelstrecke an der Drau entlang von Villach bis nach Wernberg und wieder zurück. Auch auf dieser Strecke mussten wir dann zwar einen etwas steileren Anstieg bewältigen, was jedoch insbesondere aufgrund des Asphalts deutlich einfacher war! In Wernberg angekommen, machten wir eine Mittagspause bei Fruhmann – auch eine Anlaufstelle bei jedem Besuch in der alten Heimat! Die Kärntner Kasnudeln sind hier einfach die Besten!
Auf dem Weg zurück zum Auto machten wir noch einen kurzen Stopp zum Stadtbummel durch Villach und gönnten uns noch eine Kugel Eis bzw. einen Kaffee. Als dunkle Wolken aufzogen, beeilten wir uns zum Auto zurückzukommen. Zwar waren die in den letzten Tagen immer wieder angesagten Gewitter bisher ausgeblieben, aber jetzt sah es wirklich nach Regen aus… Zum Glück ging der Starkregen erst runter, als wir bereits wieder im Auto auf dem Rückweg nach Hermagor waren. Dann allerdings so stark, dass man lieber deutlich langsamer als erlaubt fuhr!
Wieder zurück im Gitschtal ließ der Regen nach und wir machten noch einen Abstecher zur Bäckerei Kandolf, die einem anderen Schulkollegen von Jörg gehört. Auch dort gab es ein großes Hallo, dass Jörg endlich mal wieder da war. Wir plauderten eine Weile über dies und das, wobei das für mich manchmal schwierig ist, dem Inhalt aufgrund des Kärntner Dialekts zu folgen. 😏 Dazu muss gesagt werden, dass Jörg spätestens in Österreich, aber zeitweise auch schon in Bayern, komplett in den Kärntner Dialekt wechselt! Ich weiß noch sehr genau wie mir der Mund offen stehen blieb als wir zum ersten Mal gemeinsam seine Mutter in Kärnten besucht hatten und einen Bekannten trafen. Sofort fing Jörg an Dialekt zu sprechen und ich vestand gefühlt von einer Sekunde zur anderen kein Wort mehr. 😏 Mir war zwar klar gewesen, dass er 7 Jahre seiner Kindheit/Jugend in Hermagor gelebt hatte, aber die sprachlichen Zusammenhänge hatte ich mir vorher nicht klar gemacht. Inzwischen bin ich daran gewöhnt und mag den Dialekt sehr gern!
Blick auf HermagorAm kleinen Wasserfall in St. LorenzEntlang der Gössering630 Höhenmeter, nicht schlecht für die 1. TourBlick auf den Silbersee in WernbergBlumenbeet im Kloster WernbergGartenterrasse im Kloster WernbergKasnudelnAusblick von unserer Terrasse
Man glaubt es kaum, aber seit Donnerstag, den 22. Juli 2021 sind wir wieder unterwegs!
Dieses Jahr jedoch aufgrund verschiedener Randbedingungen mit einem etwas anderen Konzept. Wir nehmen dieses Mal die Räder auf dem Auto mit und haben aber auch alles andere dabei. Wir können so den Radelbereich etwas schneller wechseln, können aber auch das Auto stehen lassen, um Touren über ein paar Tage mit dem Rad zu machen. Es sind vom ursprünglichen Sabbatical noch 3 Monate „übrig“, wovon wir dieses Jahr jedoch nur 1,5 Monate nehmen und noch knapp zwei Wochen Urlaub dranhängen, so dass wir also knapp zwei Monate frei haben. Wir sind gespannt, was wir dieses Jahr erleben werden und freuen uns wieder sehr auf die gemeinsame Zeit!
Vielleicht fragt sich ja der eine oder andere, was aus dem Wunsch nach den leichten Campingstühlen geworden ist – die sind natürlich inzwischen zum Gepäck dazugekommen und ein praktischer kleiner, leichter Tisch auch! Auch haben die Räder neue Ketten und zumindest teilweise nochmal neue Bremsbeläge bekommen. Das mit der Reduzierung des Gepäcks war allerdings nicht so einfach, da die Versuchung noch dies und das im Auto mitzunehmen doch um einiges größer ist als sich auf den Platz in den Packtaschen der Räder zu beschränken…
Wie ist nun der grobe Plan für dieses Jahr?!? Im Grunde hat sich nicht viel daran geändert keinen festen Plan haben zu wollen, aber der Anfang muss ja erstmal wieder überlegt werden. So sind wir dieses Jahr zuerst in Richtung Süden unterweg. Jörgs alte Heimat Kärnten hat in den letzten Wochen mal wieder laut gerufen 😉 Somit sind wir gerade mit einem Zwischenstopp in Ingolstadt und München auf dem Weg nach Hermagor in Kärnten unterwegs. Dort haben wir dann für eine Woche ein Zimmer in einer kleinen Pension gebucht und schauen dann, wo es uns weiter hintreibt!
Wir werden euch hier auch wieder auf dem Laufenden halten – allerdings vermutlich nicht ganz so regelmäßig und ausführlich. Aber mal sehen… 😉
Wir freuen uns zumindest wieder unterwegs zu sein!
Den Nachmittag und frühen Abend verbrachten wir in Würzburgs Innenstadt. Wir schlenderten durch die Innenstadt, die wir bereits von unserem Besuch im letzten Jahr schon recht gut kannten, vorbei an der Alten Brücke, dem Dom sowie dem Marktplatz mit der Mariekapelle, was wirklich ganz schön ist (nicht zu vergessen die über allem thronende Würzburg, zu der wir allerdings nicht noch einmal gelaufen sind) – aber das ist dann eigentlich auch schon alles schön anzusehende. Zumindest haben wir erneut festgestellt, dass uns diese Stadt nicht so wirklich in ihren Bann gezogen hat im Vergleich zu anderen Orten, die wir auf unserer Tour besucht haben.
Am nächsten Morgen war es dann also soweit. Wir bepackten ein vorerst letztes Mal unsere Räder vor dem Hotel und machten uns auf den kurzen Weg zum Bahnhof, wo wir noch einen Tee bzw. Cappuccino tranken und uns mit Brötchen für den Zug versorgten – zwei Äpfel hatten wir noch von den ‚Probierbäumen’ am Vortag. Im Hotel hatten wir auf das zubuchbare ‚To Go-Frühstück‘ verzichtet und wählten lieber selbst, was wir unterwegs essen wollten.
Dann ging es auch schon zum Gleis 11, von wo unsere Regionalbahn nach Frankfurt am Main fuhr. Der Aufzug zum Gleis war groß genug damit jeweils ein bepacktes Rad gut hineinpasste. Im Zug war es um 10:30 Uhr relativ leer, so dass es eine entspannte und ruhige Zugfahrt wurde. In Frankfurt war der Umstieg von einem zum anderen Zug ohne Hektik möglich und auch ohne Aufzugnutzung, da es sich hier um einen Kopfbahnhof handelt und sich alle Gleise auf einer Ebene befinden. Der letzte Umstieg erfolgte dann in Koblenz. Inzwischen war es rund 15 Uhr und der Bahnsteig wimmelte vor Leuten… Ab zum Aufzug – auch wieder entspannt mit jeweils einem bepackten Drahtesel – und den Bahnsteig wechseln. Wir waren froh, dass der Zug hier einsetzte, so dass wir auch hier trotz des einsetzenden Berufsverkehrs problemlos für uns und die Räder Platz fanden. Prima, jetzt nur noch bis Duisburg und dann die paar Kilometer nach Hause radeln – endlich etwas bewegen nach dem ganzen Tag im Zug.
Aber es wurde nochmal spannend zwischendurch. Der Zug hielt immer mal kurz an, fuhr dann weiter, stoppte wieder. So hangelten wir uns von Bahnhof zu Bahnhof, aber ohne dass irgendetwas Informatives dazu durchgesagt wurde. Bis kurz vor Köln sammelten sich rund 20 Minuten Verspätung an – was uns aber im Grunde nicht störte, denn die Räder standen gut und wir hatten einen ordentlichen Sitzplatz – und der Zug wurde natürlich inzwischen recht voll um diese Uhrzeit. Dann kam die Durchsage, dass der vordere Zugteil – in dem saßen wir – in Köln Deutz abgehängt wird, da er defekt sei und in die Werkstatt müsste… Es sollten doch bitte alle in den hinteren Zugteil umsteigen und es wurde dafür die Station Hauptbahnhof empfohlen. Bingo! Da hat man ja mit so einem bepackten Drahtesel die A….karte gezogen. Ihr könnt euch sicher bestens vorstellen wie das aussah und was das für ein Gerenne auf dem vollen Bahnsteig war. Und mittendrin auch noch wir mit unseren voll bepackten Fahrrädern an einem Freitagnachmittag auf dem Kölner Hauptbahnhof…! Aber man glaubt es kaum, wir haben noch ein halbwegs sinnvolles Plätzchen gefunden, zwar halb im Gang und weit weg von ‚gemütlich sitzen’, aber der Zugbegleiter hat in Bezug auf die Räder, die nun fast völlig den Weg versperrten, ein Auge zugedrückt. In Köln Deutz wurde es dann zum Glück doch noch wieder etwas leerer, da ein anderer RE mit quasi ähnlicher Strecke auf dem Nebengleis stand und gesagt wurde, dass dieser früher weiterfährt, da unser Zug durchs Abkoppeln noch etwas mehr Verspätung bekommen würde. Also sind viele umgestiegen, so dass es leerer wurde, aber losgefahren ist dann doch unser Zug früher – ein bisschen Glück muss man dann doch wieder haben ;-).
In Duisburg angekommen ging es dann das kurze Stück vom Bahnhof durch die Stadt bis wir dann schon wieder am Stadion und der Regattabahn vorbei an der ‚grünen Lunge‘ von Duisburg ankamen und vor Jörgs Wohnung standen. Vertraut und doch auch völlig unwirklich. Nun waren wir also wieder daheim: gemütlich wie immer und die „gute Fee“ hatte den Kühlschrank etwas befüllt und sogar noch einen leckeren Topf Kürbissuppe für uns vorbereitet! Auch gute Feen wissen scheinbar was Männer glücklich macht – und Frauen meistens auch ;-). Wir waren nun also zu Hause (was sich allerdings noch nicht so anfühlte und vermutlich auch noch ein paar Tage braucht) und der erste Teil des Sabbaticals ist damit für uns beendet; auch wenn Anja noch nach Berlin zurück muss und es noch ein paar Tage hin ist bis wir wieder fürs Büro tätig werden müssen.
Was nehmen wir aus der Zeit mit…
Wir haben diese Zeit in vielerlei Hinsicht immer wieder aufs Neue genossen. Dazu gehören in erster Linie die Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten bekannten und unbekannten Menschen. Dazu kommen die ganz vielen mal mehr mal weniger beeindruckenden Dinge die wir sehen und erleben durften, aber auch die insgesamt rund 2700 Kilometer, die wir auf dem Fahrradsattel gesessen haben – bei Wind, Regen und Sonne. Wir wussten vorher ja auch nicht, ob wir nicht irgendwann vielleicht keine Lust mehr zum Radeln haben würden, ob wir zwischendurch mal größere Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden haben würden, wie es für uns ist, 7 Tage die Woche, 24 Stunden, rund um die Uhr zusammen zu sein…
Jetzt können wir sagen, dass wir immer wieder sehr gerne aufs Rad gestiegen sind, wir nicht das Bedürfnis zwischendurch hatten zwingend eine Pause zu Hause einlegen zu müssen und vor allem haben wir die gemeinsame Zeit sehr genossen ohne irgendwelche großen Meinungsverschiedenheiten; ganz im Gegenteil.
Aus diesen Gründen freuen wir uns schon jetzt auf das nächste Jahr, dass wir dann hoffentlich eine ähnliche Zeit noch einmal erleben dürfen. Aber es ist keine Frage, ob wir noch einmal mit dem Rad unterwegs sein werden, und auch das Zelt wird in jedem Fall wieder mit von der Partie sein!
Ein paar Änderungen/Anpassungen wird es sicherlich geben, z. B. werden wir von Anfang an die Besuche in etwaigen sehenswerten Städten zeitlich etwas entspannter gestalten und auch zwischendurch immer wieder länger an aus unserer Sicht schönen Orten verweilen anstatt jeden Tag packen und weiterreisen zu ‚müssen’. Wir werden ganz sicher bis dahin die leichten, kleinen Campingstühle ergattert haben – vielleicht auch mit dem dazugehörigen Tisch. Nach Möglichkeit werden wir auch unsere Auswahl an Kleidung und sonstigen Dingen etwas überdenken um möglichst keine Sachen spazieren zu fahren, die bis zum Ende der drei Monate nicht getragen werden. 🥴 Auch der Vorbereitung der Räder werden wir noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen. Vorsorglich werden bis dahin bestimmt an beiden Rädern neue Mäntel und Schläuche, neue Bremsbeläge und neue Ketten angebaut. Zudem sollen die bereits fast 10 Jahre alten hinteren Packtaschen erneuert werden. Wir lassen uns überraschen, wie die Firma auf die Reklamation unserer Fronttaschen reagiert. Mittlerweile hat auch eine von Anjas Taschen eine aufgeplatzte Naht. Wie gesagt, die alten Taschen sind vom selben Hersteller und leben immer noch.
Und, sofern es dann auch wieder sinnvoller möglich ist, werden wir vielleicht doch auch den einen oder anderen Grenzübertritt machen. Aber wer weiß schon, was morgen geschweige denn nächstes Jahr sein wird – von daher hoffen wir einfach erstmal, dass wir nächstes Jahr auch unseren 2. Teil des Sabbatical in ganz ähnlicher Art und Weise wahrnehmen können! In diesem Sinne ist an dieser Stelle erstmal Schluss und wir melden uns rechtzeitig bevor es weiter geht und ihr uns wieder ein Stück begleiten könnt wenn ihr wollt.
Wir bedanken uns nochmal beide ganz herzlich bei all diejenigen, die uns in der Zeit unterstützt haben. Die einen durch ihre aus unserer Sicht nicht selbstverständliche Gastfreundschaft, die anderen durch das positive Feedback auf unsere Beiträge, was uns natürlich ermutigt hat weiter zu schreiben und unsere oftmals sehr persönliche Sicht der Erlebnisse und Gefühle wiederzugeben.
Herzlichen Dank fürs Lesen und ‚Begleiten‘, bleibt gesund und uns gewogen… Anja & Jörg
(Ju) Ich werde jetzt erstmal die Zeit nutzen unseren eigenen Blog zu lesen und mich sicher darüber wundern, wo wir überall waren und wann was war. Ich habe irgendwann aufgehört das alles behalten zu können, da immer wieder so viel Neues auf mich eingeprasselt ist, dass ich einmal sogar morgens gar nicht sagen konnte wo ich gerade bin. Ich kann nur eines 100%ig sagen – ich bin froh, dass ich diesen ‚Traum’ in der Art und Weise leben durfte.
(Ju) Einerseits sind wir gefühlt schon eine Ewigkeit unterwegs, andererseits gibt es immer wieder neue Eindrücke und wir stehen vor Situationen, die wir bisher nicht erlebt haben, was uns das Gefühl gibt immer noch am Anfang der Tour zu stehen. Noch heute Morgen haben wir breit grinsend auf dem Rad gesessen, als wir mitten durch den Steigerwald fuhren und uns immer noch an den schönen Blumen und Pflanzen, an dem ein oder anderen über und über mit Früchten beladenen Obstbaum und dem sich wieder deutlich ändernden Landschaftsbild erfreuen konnten.
Und dann wird einem wieder bewusst wie privilegiert wir sind, dies alles erleben zu dürfen und mit wieviel Dankbarkeit verbunden diese Zeit bisher genossen werden konnte. Ich denke an meine Eltern, die ebenso wie Anjas Papa immer mal wieder von ihren Reisen mit dem Rad früher erzählt haben ‚als es noch nichts gab‘, wo man nicht wie wir zwischendurch mit dem Zug gefahren ist, sondern wo es noch üblich war per Anhalter auf Lastwagen mitgenommen zu werden – heute gar nicht mehr vorstellbar, zumindest nicht in unseren Breitengraden. Ich denke aber auch an meine Schwester, die so früh verstorben ist und die sicher ihre Freude daran gehabt hätte so etwas auch zu erleben. Und weil ich ja bekennender Warmduscher und ein Weichei bin, kommen mir auch schon mal die Tränen hoch – aber eher in positivem Sinne – Erinnerungen und Freude, das alles verbinden zu können.
Genug der Sentimentalitäten… Wir radelten bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen von 25°C quer durch den Steigerwald dem Main entgegen. Weinreben bestimmten auf einmal wieder die Landschaft und zwischendurch Maisfelder und große Felder mit mittlerweile völlig eingetrockneten Sonnenblumen. Ringsum sahen wir immer wieder große Erntemaschinen, die in kürzester Zeit aus einem Maisfeld einen kahlen Acker machen und unzählige Trecker mit Anhängern, die die gesamten gehäckselten Pflanzen zu riesigen Mieten aufschütten woraus im Winter, mittlerweile vergoren und als Silage bezeichnet, das Viehfutter entnommen wird. Zu Beginn unserer Tour waren die Maispflanzen oft noch relativ klein, jetzt sehen wir zu wie geerntet wird. Ebenso ist es beim Wein, denn wo vor zweieinhalb Monaten nur die Ansätze der Trauben oder die noch relativ kleinen Beeren an den Weinstöcken sichtbar waren, hängen heute deutlich sichtbar rote oder grüne Trauben, teilweise erntereif, teilweise doch noch recht sauer. Aber es werden immer mehr Weinberge, in denen man das geschäftige Treiben der Ernte sieht. Und auf fast jedem Wochenmarkt gibt es schon den ersten Federweißen und Zwiebelkuchen – bekanntlich beides durchaus ‚durchschlagend‘ was die Darmtätigkeit anbelangt. Da hast du nicht nur beim Essen und Trinken was von 😏. Vorsichtshalber haben wir bisher Abstand genommen von dieser Versuchung – man muss ja nichts herausfordern.
An dem Tag ging es nur noch ein kurzes Stück direkt am Main entlang bis zu unserem gebuchten Hotel in Eisenheim, einem kleinen Örtchen direkt am Ufer gelegen. Geschichtlich ist als Wichtigstes anzusehen, dass von hier aus wohl der erste eigentlich aus Österreich stammende Silvaner nach Castell gebracht wurde, hier also die Herkunft der ‚deutschen’ Traube angesiedelt werden muss. Und sonst …? Na ja – ein weiterer Ort von vielen… 😏.
Das familiengeführte Hotel war gleichzeitig eines der örtlichen Wirtshäuser, den ganzen Abend gut besucht und anscheinend sehr beliebt bei den Einheimischen. Das ist ja immer ein gutes Zeichen, denn wenn es dort nicht passt – wo dann. Das Zimmer sauber und ordentlich, jeder Schritt wurde vom Holzfußboden mit knarzenden Geräuschen begleitet. Uns hat es nicht gestört, denn nach einem hervorragenden Essen, leckerem Wein und einem Schnäpschen als ‚Absacker‘ hatten wir die nötige Bettschwere erreicht und schliefen mit Vorfreude auf den nächsten Tag ein.
Am nächsten Morgen ging es einfach immer weiter den Mainradweg entlang durch kleine Dörfer und die wunderschönen Mainauen. Wie so oft haben wir viele andere Radfahrer getroffen, es ist eine beliebte Art Urlaub zu machen – seit Corona ganz besonders. Und wieder war es so, dass man schnell ins Gespräch kam und viele Tipps für Orte oder Sehenswürdigkeiten bekommen hat, die man aus den verschiedensten Gründen unbedingt anfahren ‚muss’, was wir ja oftmals dann in unsere Routen spontan eingeplant haben, wenn sie nicht sowieso schon enthalten waren. Wir erreichten die Mainschleife und genossen den Blick auf den Main von der Vogelsburg aus, wo eine Gaststätte zum Verweilen einlud. Weit ging der Blick über das Land und man konnte genau sehen, wie sich das Flussbett seinen verschlungenen Weg gesucht hatte. Wir gönnten uns einen Saft bzw. Cappuccino und dann ging es erstmal runter ins Tal bis nach Volkach, wo wir allerdings nur einen kurzen Abstecher durch die Altstadt machten und erst ein paar Kilometer später in Nordheim eine Möglichkeit zur Stärkung in einem ruhigen kleinen Gasthof suchten. Matjes mit Kartoffeln und Dipp – hört sich nicht traditionell Fränkisch an, war aber (vielleicht gerade deshalb) mal wieder extrem lecker. Zudem habe ich über die Zeit mal wieder Gefallen daran gefunden, eines der meist leckeren Biere der Region zu trinken. Eigentlich trinke ich nie Bier – außer im Urlaub. 🙄
Abends waren wir, wie die ganze letzte Zeit, mal wieder in einem größeren Hotel untergekommen und hatten eine ruhige und entspannte Zeit. Aber der nächste Morgen begegnete uns mit Regenwetter. Sollte so denn wirklich unser letzter ‚richtiger‘ Fahrradtag aussehen?! Wir hatten in den letzten Tagen beschlossen für dieses Jahr das Ende der Fahrradtour einzuleiten. Wir hatten uns entschlossen am Freitag von Würzburg mit Nahverkehrszügen nach Duisburg zu fahren, da wir noch meine Kinder und eine Freundin meiner Mutter treffen wollten, bevor Anja dann irgendwann hoffentlich einen durchgehenden Zug nach Berlin buchen kann, in dem sie auch das Rad mitnehmen kann. Somit machte der Regen am Morgen den Anschein, als würde es so enden wie es begonnen hatte – Regenjacke und Regenhose inklusive.
Aber da die Strecke nach Würzburg nur überschauliche 35 Kilometer betrug, haben wir die anderen Radler erstmal ziehen lassen, die morgens in aller Herrgottsfrühe schon weitermüssen, damit sie ihr nächstes Ziel erreichen. Im Regen aufpacken und in Regenklamotten los (als wir gerade zum Frühstück gingen!) – nicht für uns. Zumal, die WetterApp sagte gar nichts von Regen… Wir haben erstmal in Ruhe gefrühstückt, und danach unser mittlerweile eingespieltes ‚Nachfrühstücksprogramm‘ gestartet und siehe da, es hörte just in dem Moment auf zu regnen, als wir eh unser Zimmer räumen mussten. So lässt es sich doch entspannt wieder aufpacken und losfahren. Sonne muss ja nicht unbedingt sein.
Wir genossen nochmal die Kilometer auf dem Rad, bemerkten wie schön es sein kann ‚wortlos‘ hinter- bzw. nebeneinander fahren zu können auch ohne musikalische Untermalung dabei. Uns sind viele Pärchen begegnet, die anscheinend während der Fahrt ihre Bluetooth-Lautsprecher testen mussten, eines sogar war ausgestattet mit einer Gegensprechanlage, wie man es gelegentlich bei Motorradfahrern sieht. Muss man sowas haben – auf dem Fahrrad?! Gemeinsam miteinander schweigen können und sich dabei nicht unwohl fühlen – auch eine Erkenntnis, die wir BEIDE durchaus als positiv erachten. 😊
Wir versorgten uns zwischendurch mit Vitaminen von verschiedenen ‚Probierbäumen‘, eine Errungenschaft der Würzburger Verwaltung, die wir bisher sonst nirgendwo gefunden hatten. So konnte man wenigstens für die Äpfel, Birnen und Pflaumen nicht der Beschaffungskriminalität angeklagt werden, aber es nahm natürlich auch die Spannung des ‚erwischt werden’s‘. Nun waren also auch endlich die Birnen und Äpfel reif, die uns bereits seit mehreren Wochen in tollen Farben anstrahlten – jedoch bisher jeder Probierversuch nur einen ‚säuerlichen‘ Gesichtsausdruck hervorrief. Jetzt hingegen waren sie sehr schmackhaft und es war nur die Kunst noch ein Objekt der Begierde zu erreichen, da die unteren Bereiche bereits ‚abprobiert‘ waren.
Dann waren die letzten Kilometer gefahren, Würzburg war erreicht. Wie schon auf unserer Reise im Vorjahr hatten wir dasselbe Hotel gebucht. Ein letztes Mal die Räder unterstellen, das Gepäck im Hotel abstellen – ab morgen wird alles wieder irgendwie anders.
Der Silvaner und seine Herkunft
süße Trauben..
Auf dem Vogelsberg…
Mainschleife von der Vogelsburg aus gesehen…
Ein Seitenarm des Main
Probierbäume
Und an alle, die diesen Blog verfolgen: macht Euch schon mal Gedanken darüber, wie ihr demnächst die Zeiten sinnvoll nutzt, die ihr bisher zum Lesen unserer Zeilen eingesetzt habt. Wir müssen uns ja schließlich auch einfallen lassen, was man abends im Bett liegend anderes machen kann als Euch zu unterhalten. 😇
Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht, in der wir gut geschlafen haben, fuhren wir mit den Rädern ins 4 km entfernte Bamberg. Frühstück hätten wir extra dazu buchen können… ihr könnt euch vermutlich vorstellen wie froh wir waren, das nicht getan zu haben.
Wir radelten also auf gut Glück in die Innenstadt und landeten in der Nähe vom Rathaus im Café ‚Zweite Heimat‘. Das Frühstück welches wir dort bekamen war äußerst lecker! Es gab u.a. Porridge, vegetarische Pasten und leckeren Wurst- und Käseaufschnitt, der mal nicht ‚0-8-15‘ war wie in so vielen Cafés oder Restaurants. Wirklich lecker! So konnte der Tag weitergehen. Gut gestärkt machten wir uns, wie so oft, erstmal auf eigene Faust auf den Weg durch die Stadt, um uns einen Eindruck zu verschaffen und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen.
Bamberg hat ja im Grunde drei Bereiche: die Bergstadt mit Dom, Residenz und Kloster, die Inselstadt mit seinen vielen Läden und Restaurants sowie die Gartenstadt, wo auch heute noch Gemüse und Samen angebaut bzw. verkauft werden. Die Stadtteile gehen relativ unbemerkt von einem Bereich in den anderen über und sind dennoch sehr unterschiedlich – und das Wasser ist allgegenwärtig als rechter und linker Arm der Regnitz sowie als Main-Donau-Kanal. Wir begannen unseren Fußmarsch in, oder besser zur Bergstadt und bekamen so gleich zu Anfang einen schönen Ausblick über diese noch heute etwas mittelalterlich anmutende Stadt! Wir hatten eine tolle Weitsicht und insbesondere auch über die teilweise arg krummen und schiefen Dächer der Stadt! Es sind wirklich tolle und imposante mittelalterliche Bauten, die später äußerlich in Barock ‚umgewandelt‘ wurden, um zu zeigen, dass man (stein)reich war und (vermeintlich) mit Stein bauen konnte. Das hatten wir mittlerweile gelernt – viel Stein, viel Reichtum. Nein, jetzt bitte nicht denken, dass dafür die schönen Fachwerkhäuser platt gemacht und neue Steinhäuser gebaut wurden. Es wurden ’nur‘ die Fachwerkwände überputzt und man bekam Steuererleichterungen, wenn man zusätzlich möglichst viele Fenster eingebaut hat. Ganz ehrlich, dass erinnert mich irgendwie an heutige KfW-Kredite u.ä. für energetische Sanierungen. Wenn man damals ergänzend noch eine heilige Figur (wobei manche den Begriff ‚heilig’ sehr frei auslegten) an die Fassade anbringen ließ, wurden nochmal weniger Steuern fällig… Die Stadtoberen fanden also auch damals schon Wege und Mittel die Stadt nach ihrem Gusto umzugestalten, so dass es Reichtum und Macht darstellte sowie auch Vorteile beim Handeln ergab.
Es sind im Wesentlichen die seit dem Mittelalter unveränderten Wegführungen durch die Stadt sowie die alten Gebäude, was im Weltkulturerbe der Stadt festgeschrieben ist. Bei manchen Häusern geht das sogar so weit, dass auch das Mobiliar zum Kulturerbe gehört und keinesfalls verändert werden darf. Es ist wirklich spannend mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen! Man kann schnell die verputzten Fachwerkhäuser von den echten Steinbauten unterscheiden aufgrund der Schiefheit der Wände sowie der (eventuell nicht vorhandenen) Rechtwinkligkeit und Anordnung der Fenster. Total spannend!
Die Gärtnerstadt hat mich, hinsichtlich der Höhe und Anordnung der Häuser, etwas an das Weberviertel in Potsdam erinnert. Durch die geschlossenen Häuserfronten wirkte alles zugebaut und man konnte die eigentlichen Gärtnereiflächen gar nicht erkennen – auch wenn auf dem Stadtplan große Freiflächen hinter den Häusern dargestellt waren. Diese Flächen waren anscheinend nur durch große Tore zu erreichen, waren aber halt nicht frei zugänglich Wir waren in diesen Stadtbereich mit den Rädern gefahren und konnten so einen größeren Bereich erkunden, der aber irgendwie wenig Eindruck auf uns machte.
Bei so viel Wasser in der Stadt mit verschiedenen Flussarmen gibt es auch bei den Bambergern einen Bereich, der ‚Kleinvenedig‘ genannt wird. Wir hatten so etwas wie ein mit Kanälen durchzogenes Areal mit Häusern, so wie in der Nähe vom Stößensee in Spandau erwartet, wo Jörg und ich mal mit Kanus durchgepaddelt sind. Aber hier war es ‚nur‘ eine Reihe von Fachwerkhäusern, ehemalige Fischerhäuser, die am Wasser stehen und vom anderen Flussufer bestaunt werden können. Na ja, trotzdem ein schöner Hingucker und ein beliebtes Fotomotiv, vor allem wenn so toll die Sonne scheint wie bei uns. Heute kann man zum Teil auch Ferienwohnungen darin mieten – und die sind sicher gar nicht mal so preiswert. 😏
Unser Rundgang gefiel uns gut, so dass wir uns entschieden, am nächsten Tag bei einer ‚professionellen’ Stadtführung mehr über die Stadt erfahren zu wollen. Aber wo sollten wir dann Montagabend übernachten? In einem anderen Hotel in der Stadt oder nachmittags noch weiterfahren?!? Eine weitere Nacht in der ‚Notunterkunft‘ schied auf jeden Fall aus! Nach Sondierung der Lage durch die amtliche Reiseleitung wurde der Vorschlag unterbreitet, nach der offiziellen kulturellen Weiterbildung auch noch etwas für die körperliche Ertüchtigung auf dem Rad zu tun und noch eine Strecke von ca. 25 km am Main entlang zu radeln (Die Regnitz und der Main-Donau-Kanal münden nämlich nördlich von Bamberg in den Main, den wir an dieser Stelle noch nicht kennen.). Der Vorschlag wurde als gut befunden und so buchten wir dort ein Zimmer in einem kleine Landgasthof – es konnte nur besser werden!
Wir verbrachten auch die zweite gebuchte Nacht in Hallstadt ohne weitere Vorkommnisse, hatten aber vorher bei unserer Wahl der Pizzeria in Hallstadt abermals nicht so viel Glück. Für Bruscetta und 2 Portionen Nudeln warteten wir in einem im Grunde leeren Landen fast eine geschlagene Stunde… Andererseits gingen jedoch diverse bestellte und dann abgeholte Pizzen über den Tresen. Die Bedienung entschuldigte sich bei unserer Kritik, aber den Chef, der wohl in der Küche stand, schien das nicht zu interessieren. Somit wird uns Hallstadt ganz sicher nie wiedersehen.
Die Stadtführung am nächsten Tag war geballtes Wissen in etwas mehr als zwei Stunden. Unser Guide sprang teilweise etwas mit den verschiedenen Zeiten, Orten und Zusammenhängen hin und her, so dass man zeitweise – als jemand wie wir, ohne die jeweiligen Hintergründe immer im Detail zu kennen – etwas Schwierigkeiten hatte zu folgen. Obwohl unser Stadtführer nicht gebürtig aus ‚Båmbersch’ stammte, machte der extreme ‚frängische’ Dialekt zusätzliche ‚Brobleme’, man musste ‚scho arch uffbasse’ um nicht an der Sprachbarriere zu scheitern. Wie gut, dass wir vor einem Schaufenster schon vorher einen kleinen Kurs fränkischer Mundart absolviert hatten. Stand doch da auf einen Einkaufs-Stoffbeutel gedruckt: ‚Mei annere Täsch is vom Lui Widdong!‘, das hatte sich irgendwie eingebrannt. Aber trotzdem war, was wir erklärt bekamen sehr interessant und wir nahmen das eine und andere mit.
Nach einem Cappuccino für Jörg und einem Tee für mich, erneut im Café ‚Zweite Heimat‘, holten wir unsere Räder und kehrten Bamberg bei herrlichem Wetter den Rücken und fuhren in Richtung Main. Entspannte Kilometer am Wasser entlang mit einem kurzen Abstecher zu einem Vogelbeobachtungsturm mit tollem Blick über die Mainauen. Zum späten Nachmittag kamen wir dann in dem gebuchten Landgasthof an und waren sehr beruhigt, wieder einmal die richtige Wahl getroffen zu haben. Aber nicht nur das Zimmer entsprach unseren Vorstellungen, es gab auch im Restaurant, wo anscheinend auch viele Einheimische essen, sehr leckere regionale Speisen UND Getränke, so dass wir es uns an diesem Abend gut gehen ließen, bevor wir zufrieden ins Bett verschwanden.
(AR) Wir verließen am Freitag dann doch unsere liebgewonnene Unterkunft in Nürnberg und es ging wieder auf Tour – grobe Richtung Bamberg. Auf das Frühstück im Hotel hatten wir – wie auch in den letzten Tagen – verzichtet. Beim Check-in hatte die Mitarbeiterin auf unsere Nachfrage zur Qualität des extra zu bezahlenden Frühstücks leise abgeraten. Also machten wir uns auf ins ca. 10 km entfernte Fürth. Auch wenn wir in der Innenstadt frühstückten, haben wir auf dem Weg nichts gesehen, was unsere Aufmerksamkeit in dieser Stadt gefesselt hätte. Wir steckten jedoch auch nicht viel Energie in die Suche nach schönen Ecken, sondern wir setzten unsere Fahrt fort, wobei wir doch noch an einem Viertel mit ein paar schön aussehenden Fachwerkhäusern vorbei kamen. Von Nürnberg nach Fürth waren wir parallel zur Pegnitz gefahren, die in Fürth in die Regnitz mündete und an deren Ufer wir nun weiter fuhren. Es war ein entspanntes Radeln durch breite Wiesen in Sichtweite des Flusses und am Horizont rückten nach und nach die Ausläufer vom Steigerwald ins Blickfeld. Die Sonne lachte vom Himmel und wir genossen es wieder so vor uns hin zu radeln.
Als nächster größerer Ort lag Erlangen am Wegesrand und wir beschlossen, die Radkilometer hier für diesen Tag zu beenden, um die Stadt etwas genauer zu erkunden und auf uns wirken zu lassen. Viele Studenten, großer sichtbarer Einfluss von Siemens, ein schöner Botanischer Garten, das Schloss (heute von der Uni genutzt) einschließlich Schlossgarten mitten in der Stadt und eine ganz hübsche Innenstadt mit recht vielen Cafés und Restaurants. Es war ein schöner Stadtbummel – wenn auch nicht mit lauter „Oh’s“ und „Ah’s“ verbunden. Wir ließen den Abend in einer kleinen, feinen Trattoria bei einem Glas Wein ausklingen und machten uns dann auf den Weg zurück zum Hotel.
Unser Fazit zu Fürth und Erlangen: Fürth muss man nicht auf seine Reiseliste setzen und auch keinen Stopp einplanen – auch wenn uns die eine oder andere besonders schöne Ecke vielleicht bei unserer Durchreise entgangen sein sollte. Für Erlangens Innenstadt lohnt sich durchaus mal ein Abstecher von der Autobahn für eine etwas längere Pause.
Bei der Abfahrt aus Erlangen am nächsten Morgen folgten wir dem Wasser weiter in Richtung Norden. Der Weg verlief mal an der Regnitz und mal am parallel verlaufenden Main-Donau-Kanal entlang. An der Regnitz fielen uns Wasserräder am Fluss mitten in den Wiesen auf, was mich etwas erstaunte. Etwas weiter des Weges erläuterte eine Tafel, dass diese Räder bereits 1413 urkundlich erwähnt worden sind und für die Bewässerung der Felder vom 1. Mai bis 30. September benutzt werden durften. Tagsüber waren es wieder angenehme Temperaturen, aber wenn die Sonne nachmittags tiefer stand wurde es recht schnell kühl und nachts war es schon empfindlich frisch. Somit wird unsere Campingplatz-Saison für dieses Jahr vermutlich beendet sein – aber wer weiß. Zumindest liegt unsere Hauptaugenmerk momentan nicht auf dieser Übernachtungsoption. 😏 Für Bamberg hätten wir das allerdings vielleicht doch noch einmal in Erwägung ziehen sollen…
Wir hatten uns aufgrund der Preisgestaltung in Bamberg für ein Hotel im angrenzenden Hallstadt entschieden. Die Bamberger rufen Zimmerpreise auf… fällt einem nichts zu ein. Aber letztes Jahr waren wohl über 6 Millionen Besucher in der Stadt, da kann man sich das auch erlauben – auch wenn man dieses Jahr nicht annährend diese Zahl erreichen wird. Also radelten wir direkt zum Hotel durch, das wir gleich für zwei Nächte gebucht hatten mit der Option einer weiteren Verlängerung, denn wir wollten etwas Zeit für Bamberg einplanen. Daher wollten wir abends Hallstadt einen kurzen Besuch abstatten und uns erst am kommenden Tag den Sehenswürdigkeiten von Bamberg widmen. Was soll ich sagen – das Hotel was uns erwartete untertraf alle unsere Erwartungen. Die sprachlich zugeordnet anscheinend aus Ostblockstaaten stammenden Männer die vor dem Hotel saßen, rauchten und Bier tranken, machten einen etwas seltsamen Eindruck und wirkten nich unbedingt sympathisch – aber gut, da kann man zur Not mit leben. Die Zugangsdaten hatten wir per E-Mail übermittelt bekommen, so konnten wir mit Zahlencodes die Eingangs- und die Zimmertür öffnen; die Rezeption war nur morgens zwischen 6 – 11 Uhr besetzt. Unser Zimmer lag im Souterrain (man könnte es auch Keller nennen) und war über einen müffelnden Flur zu erreichen, der alles andere als einladend aussah. Das Zimmer mit den neuen Möbeln und dem recht modernen Bad entsprach im Wesentlichen den Bildern im Internet und war grundsätzlich als sauber zu bezeichnen. Dennoch lagen vor dem Fenster – also für uns in Augenhöhe im Souterrain – auf dem Rasen Zigarettenkippen und alte Wasserflaschen rum und der Vorhang zum Verdunkeln hing nicht mit allen Rollen in der Schiene. Das muss man doch als Reinigungspersonal sehen und sich drum kümmern, oder!?! Für uns war es kein Ort zum Wohlfühlen. Sollten wir doch etwas anderes suchen? Stornieren ging nicht mehr kostenfrei und es war auch telefonisch keiner erreichbar, um ggf. ein anderes Zimmer zu bekommen… Also was tun?! Wir entschieden uns zum Bleiben und die Kröte zu schlucken – man kann auch nicht immer Glück mit der Unterkunft haben auf so einer langen Reise. Somit: Augen zu und durch.
Hallstadt an sich ist nicht sehr groß und da tobt auch nicht das Leben, aber bei der Kneipe am Fußballplatz haben wir abends noch lecker Fisch gegessen – bevor wir wieder in unsere ‚Notunterkunft‘ verschwunden sind. Beim Zubettgehen hofften wir auf eine ruhige Nacht und auf eine schöne Zeit in Bamberg, die für dieses Quartier etwas entschädigen konnte.
(Ju) „Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg“ lautet der Werbeslogan der Nürnberger Versicherung, wobei das natürlich gar nicht korrekt ist, da es sich eigentlich ja um drei Burgen handelt, wie wir gelernt haben. Aber darum sollte es an unserem nächsten Vormittag gar nicht gehen. Wir wollten uns dem Thema widmen, was man einerseits gerne meidet, was andererseits aber auch nie in Vergessenheit geraten sollte, als mahnendes Zeichen es nie wieder soweit kommen zu lassen. Wir besichtigten das Reichsparteitagsgelände mit einem der größten noch bestehenden Monumentalbauten aus der NS-Zeit.
Wie schon geschrieben, liegt das Gelände etwas außerhalb von Nürnberg, wo es vor der Errichtung der Bauten als Naherholungsgebiet diente. Wir sind auf Anraten unseres Stadtführers vom Vortag mit dem Rad hingefahren und haben erst gar nicht in Betracht gezogen die Ausstellung im Dokumentationszentrum anzusehen. Wir wollten ‚nur‘ das Gelände an sich besichtigen, wo allerdings auch überall Schau- und Informationstafeln zu den einzelnen Bauten zur Verfügung standen. Schon bei der Besichtigung der Burgen hatten wir von Weitem einen Blick auf die Kongresshalle werfen können, die trotz der ca. 5 km Luftlinie gut zu erkennen war. Aber jetzt, wo wir direkt davorstanden, wirkte dieses Projekt in seinem ganzen Größenwahn noch einschüchternder. Und als wir dann das Gebäude umfahren hatten und den dahinter liegenden Innenhof dieser Halle sahen – einfach nur beeindruckend. Fünfzigtausend Menschen sollten hier Platz finden, 70 Meter hoch sollten die Mauern werden und ein freitragendes Dach war geplant. Verwirklicht wurden nur neununddreißig Meter hohe Mauern und das Dach wurde nie gebaut, aber man kann trotzdem erahnen, wie selbst dieser unfertige Prunkbau zu damaliger Zeit auf die Menschen gewirkt haben muss.
Ein Stück weiter fuhren wir über den Bereich des Zeppelinfeldes, ein durch riesige Tribünenflächen begrenzter Bereich der ungefähr 12 Fußballfelder groß ist und zu Aufmärschen genutzt wurde. Heute ist das Gelände ein Teil des Norisrings, auf dem sowohl Motorrad- als auch Autorennen ausgetragen werden.
Eine Straße für Paraden in einer Länge von zwei Kilometern war geplant. Eine Strecke von eineinhalb Kilometer, belegt im Karo-Muster mit großen, zweifarbigen Waschbetonplatten, ist heute noch erhalten. Irgendwie fehlt nur noch die Siegessäule oder sowas wie der Arc de Triumph – zumindest gefühlt. Nach dem Krieg haben die Amis die Straße für ihre Zwecke umgenutzt und als Landebahn für ihre Flugzeuge und Hubschrauber benutzt.
Es gibt noch so viel was man zu dem Gelände erzählen könnte, aber wir können nur empfehlen, sich bei einem Besuch in Nürnberg mal ein Rad zu mieten und sich das mit eigenen Augen anzusehen. Bei passenden Wetter sicherlich ein beeindruckender und informativer Ausflug.
Wieder zurück in der Stadt haben wir uns, wie wir abends zuvor bereits beschlossen, bei ‚Bratwurst Röslein‘ eingefunden und Kaiserschmarr‘n gegessen. Bei dem Namen des Restaurants sollte man es kaum vermuten, aber die können viel mehr als Bratwurst. Neben dem schon leckeren Sauerbraten mit Lebkuchensauce und dem in der Gegend typische Schäufle am Vorabend, war das der leckerste Schmarr‘n, den wir je außerhalb von Österreich gegessen haben. Der Tipp des Kellners nur eine kleine Portion zu bestellen, falls man innerhalb der letzten zwei Tage etwas essbares bekommen hatte, war goldrichtig. Wir waren beide gesättigt bis zum nächsten Morgen.
Den nächsten Tag ging es dann von Nürnberg wirklich weiter. Es war schon fast komisch unsere Zimmerkarten nicht gegen neue auszutauschen, sondern wirklich ‚Ade‘ zu sagen.
Nächstes Ziel ist Bamberg – Weltkulturerbe und nach dem was wir bisher gelesen haben auf jeden Fall ein Anlaufpunkt, den man nicht auslassen durfte. Fürth und Erlangen liegen auf dem Weg – mal sehen was uns dort erwartet.