Von Lochem in Richtung Nordhorn

Der gestrige Abend war kurz – sehr kurz… Schon vor 22 Uhr hatte uns der Schlaf übermannt – falls man das heute überhaupt so schreiben darf und man/Frau das Wort nicht auch irgendwie gendern muss 😳. Dafür waren wir morgens schon recht früh unterwegs – aus unserer Sicht. Wir haben uns das Frühstück im Hotel gespart und den örtlichen Bäcker in Lochem aufgesucht. Unsere belegten Brötchen haben wir anhand der Bilder ausgesucht, vermischt mit dem, was wir aus der Beschreibung zu verstehen glaubten. Anstelle von Rührei was wir unabhängig beide erwarteten (wir bestellten zwei völlig verschiedene Brötchen), bekam ich Eiersalat und Anja warme Hähnchenstreifen als Belag. Niederländisch ist leider nicht jedermanns Sache. 🤭

Wir sind ja mittlerweile Meister darin unsere Pläne den ‚Gegebenheiten‘ anzupassen. Die im Navi gespeicherte Wegstrecke dient der groben Ausrichtung der Stecke, aber dieses Teil hat keine Augen und wird nicht von so vielen schönen Ausblicken und Ansichten abgelenkt, auf die wir als Menschen zum Glück reagieren können. Keinen Plan zu haben ist so toll und eröffnet Möglichkeiten, die man sonst nie erfahren bzw. erlebt hätte.

Wir fuhren in Richtung Goor, irgendwie sollte auf dem Weg der Twentekanaal sein, wir suchten jedoch vergebens. Als sich dann inmitten der Wiese, kurz vor den sich dahinter abhebenden Bäumen die Decksaufbauten eines kleinen Frachters ihren Weg durch das Grün bahnten wussten wir – da muss er sein 👍🏻. Schon irgendwie ein absurder Anblick, wenn ein Schiff einsam durch die Wiese tuckert.

Ab Goor sind wir dann durch Zufall auf einen tollen Radweg gestoßen. Etwas Abseits der eigentlichen Rute, die heute laut dem Navi recht viel entlang der doch gut befahrenen Nationalstraße führen sollte. Ein perfekt asphaltierter Weg mitten auf einer Art Deich, die den Kanal in seinem Bett hielt, herrlich umrahmt von Bäumen und Schilf. Ist schon toll das Gefühl schönere Wege zu finden als ein schlaues Navi. Zeitweise hätte man uns das breite Grinsen sicher wohl aus dem Gesicht meißeln müssen, wenn es jemanden gestört hätte. Wir sind beseelt jeder unseren Gedanken nachgegangen – wortlos, einfach mal nur für sich sein, aber das gemeinsam. (Der Satz braucht ggf. etwas bis… 😏)

Fertigsalat aus dem Supermarkt war heute unser Mittagessen, allerdings gab es den ganz gemütlich auf einer Bank direkt im Park hinter ‚De Oude Kerk‘ von Borne. Herrlich ruhig, angenehm halbschattig durch die Bäume. Die Zeit wurde auch genutzt für ein Telefonat mit Anjas Mutter, die am Vormittag an der Hand operiert worden ist – gute Besserung auf diesem Weg nochmal.

Um euch nicht gar so zu langweilen mit Storys über frischen Matjes mit Zwiebeln, Eis, Cappuccino, Tee und Croissant für das leibliche Wohl und tollen (Vorstadt)häusern oder Kasteels und Gärten, einem neugierigen Reh und und und… könnte ich euch die Frage stellen ‚Warum hatte heute fast jeder Hinz und Kunz eine Oranje-Fahne an seinem Haus hängen?!‘ Zudem hingen an einigen der Fahnenmasten auch noch Rucksäcke oder Tücher am dazugehörigen Zaun. Welche Bedeutung das wohl hat?! 🤔 Ich habe eine Vermutung, aber gegoogelt habe ich bisher nicht danach. Tja, die sind schon ein lustiges Völkchen, die Niederländer.

Die Nacht haben wir im Hotel verbracht — mit Blick auf eine Pferdekoppel und direkt neben einem Campingplatz, den wir aber beide irgendwie gar nicht auf der Karte gesehen hatten. Ootmarsum lag so gar nicht auf dem Weg, dafür war das Zimmer (im Gegensatz zu dem am eigentlich geplanten Zielpunkt Nordhorn) noch bezahlbar und – Anja bot sich spontan die Möglichkeit, ihr Geschick im Umgang mit Kommot, unserem digitalen Stecken(um)planer unter Beweis zu stellen. Grobes Ziel der nächsten Etappe ist die Ems – fragt sich nur, an welcher Stelle wir auf den gleichnamigen Radweg treffen, dem wir dann erstmal Richtung Emden folgen wollen.

Für die, die sich noch daran erinnern können, wie lange ich Anja mit dem Thema ‚Die richtige Sattestütze’ gegen Schmerzen an diversen Körperteilen genervt habe, die dürfen sich demnächst auf eine im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib ‚erfahrene‘ Geschichte zum Thema ‚Alles was für‘n Arsch‘ freuen. Alle anderen, die dem Thema nicht so zugeneigt sind, können das dann geflissentlich ignorieren. 😏

Jetzt wünschen euch allen erstmal ein schönes Wochenende!

Der Start in Elten

Duisburg morgens um 8 Uhr: leichter Regen.

Etwas später als ursprünglich gedacht, ist das Auto dann doch bei bewölktem, aber trockenem Wetter mit all unseren Radtaschen gefüllt und die Räder auf dem Fahrradträger aufgeladen. Es geht los! Auf der Autobahn dann irgendwann Regen. Nein, kein Sprühregen, ordentlicher Regen. Wer hat den bestellt? Angekommen in Elten ist es aber zum Glück trocken und wir werden auch den ganzen restlichen Tag verschont, kommen aber durchaus an der einen oder anderen nassen Stelle vorbei, wo es kurz vor unserem Eintreffen ordentlich geschüttet haben muss – so kann es bleiben.

Nach einem kurzen Plausch mit Kaffee & Tee bei Anne & Gerrit geht es recht schnell ans Bepacken der Räder; schließlich wollten wir ja heute noch ein paar Kilometer radeln. Also Taschen raus aus dem Auto und ran an die Räder… Hatten wir immer schon so viel Gepäck auf den Rädern dabei?!?

Alles verstaut, „Tschüss“ gesagt und dann ging es wirklich los! Der Plan für die nächsten Tage: erstmal ein Stück quer durch die Niederlande fahren um dann bei Lingen auf die Ems zu treffen und an dieser entlang in Richtung Nordsee. Also los geht es gegen 12:30 Uhr! Nach knapp 3 km passieren wir auch schon die Grenze. Wir fahren an Wiesen und Feldern durch kleine Orte und gefühlt hat jeder 3. hinterm Hause 2-3 Pferde zu stehen und jeder 6. gleich noch einen kleinen ordentlichen abgezogen Reitplatz hinten dran…

Der erste Stopp ist nach einer guten Stunde Doetinchem. Typisch holländisch anzusehen mit einer Fußgängerzone rund um die Kirche und verschiedenen kleinen Cafés und Restaurants. Das Frühstück ist eine Weile her, so dass es neben dem üblichen Cappuccino für Jörg auch etwas zu essen für uns gibt. Danach kann es dann gut gestärkt weitergehen. Eins fällt auch wirklich gleich auf: die Fahrradewege sind wirklich super ausgebaut, breit und in der Regel von der Straße getrennt. Auch an den Kreuzungen bleibt oft alles voneinander getrennt mit eigenen Verkehrsschildern und Ampeln und nicht selten haben die Radfahrer auch Vorfahrt – wirklich ein entspanntes Radeln. So geht es dann weiter durch Wiesen und Wälder, über kleine Flußläufe, an oft hübschen kleinen und größeren Anwesen vorbei bis wir bei einem kleinen Schloss in Ruurlo vorbeikommen. Und da ist es wieder „Warte, hast du das gesehen? Ich glaube wir sollten uns das etwas genauer ansehen!“ Gesagt, getan, gedreht und eine Runde durch den Park und um das Anwesen herum. Es gibt sogar eine kleine Seilfähre über das Wasser! Sehr herzig 😀! Ins ansässige Museum gehen wir jedoch nicht, sondern setzen unsere Fahrt fort, denn wir wollen heute noch bis nach Lochem fahren.

Es bleibt zwar trotz Bewölkung trocken, aber relativ frisch und vor allem windig – wir haben das Gefühl bereits jetzt auf die Nordsee eingestimmt zu werden! Einmal mehr sind wir froh bei dem ganzen Gepäck und dem Wind von vorne die E-Bikes zu haben und etwas Unterstützung anfordern zu können.

Am Ende des Tages entscheiden wir uns nach knapp 50 km auch ob des Wetters, für eine Nacht in einem kleinen Hotel im Ferienpark bei Lochem. Zufrieden krabbeln wir nach einem kleinen Absacker im hoteleigenen Restaurant in unser Bett.

Auf zur letzten Etappe des Sabbaticals!

Ja, da sind wir wieder – und es geht auf zur letzten Etappe unserer ehemals als 6-monatige Auszeit geplanten Fahrradtour! Aus verschiedenen Gründen, aber insbesondere aufgrund von C… haben wir die 6 Monate auf nun 3 Jahre verteilt und jeweils noch etwas Urlaub angehangen! Klar, das ist anders als geplant, aber man kann sich auch an einen quasi regelmäßig freien Sommer gewöhnen 😉

Dieses Jahr wollen wir es nochmal mit dem Norden versuchen, den wir ja vor zwei Jahren fast fluchtartig von Fehmarn aus aufgrund des vielen Regens verlassen haben. Dieses Mal beginnen wir in Elten, einem Ortsteil von Emmerich am Rhein, direkt an der Grenze zu den Niederlanden. Dort parkt Jörgs Auto bei seiner Tochter Anne und für uns geht es direkt von da aus per Rad in Richtung Norden.

Was wir nach 2 Jahren festgestellt haben, bei der Deutschen Bahn hat sich etwas zum positiven verändert. Was war das damals in München für uns, aber auch für die DB-Mitarbeiter für eine Qual, jede Zugverbindung einzeln zu prüfen – immer auf der Suche nach freien Fahrradplätzen. Inzwischen kann man in der DB-App explizit VERFÜGBARE Fahrradstellplätze (zB für 2 Fahrräder) bei Fernverbindungen anzeigen lassen und diese auch wirklich bis zum Ende durchbuchen!! Wir konnten es fast nicht glauben! Aber so konnte ich die Verbindung Berlin-Duisburg für mich inklusive Fahrradstellplatz wie üblich innerhalb von wenigen Minuten buchen.

Und so bin ich dann am 6.7.22 die ersten 15 km zum Hauptbahnhof geradelt und dann mit meinem Rad zum ersten Mal ICE gefahren 😀. Ein kleines Goddi hielt die Bahn aber dennoch bereit: sie haben den Zug spontan ohne irgendeine Info in umgekehrter Wagenreihung fahren lassen… Wer das schon mal erlebt hat, weiß was das für ein Gerenne auf dem Bahnsteig ist. Einmal von ganz vorne nach ganz hinten wechseln und das noch mit bepackten Rad. Was war ich froh nicht schon alle Taschen abgepackt zu haben, um einen zügigen Einstieg zu ermöglichen (denn man kann kaum ein Rad mit Radtaschen die zwei Stufen in den ICE reinhiefen). Aber gut, irgendeine Challenge braucht man wohl immer bei der Bahn. Mit knapp fünf Minuten Verspätung war ich am Nachmittag dann quasi pünktlich in Duisburg!

Nach einem entspannten Abendessen im Mezzomar an der Regattastrecke in Duisburg-Wedau wurden dann nochmal die Packtaschen neu gepackt und der letzte Rest für den nächsten Tag organisiert.

So kann es dann also heute losgehen und wer mag, kann uns gerne für die nächsten sieben Wochen wieder ein Stück begleiten! Wir sind gespannt, was uns dieses Jahr wieder erwartet.

Südtirol

(AR) Am kommenden Tag wurde das Auto wieder voll beladen und wir verließen Hermagor für dieses Jahr. Da Jörgs Stiefvater im Lesachtal geboren worden war, Jörg in der Kindheit nie bewusst dort war und auch unsere Wirtsleute uns den Weg zwar als länger, aber auch landschaftlich besonders reizvoll empfohlen haben, wählten wir diese Strecke in Richtung Südtirol. In der Regel führt die Hauptstraße durch ein Tal ja an der Talsohle entlang – nicht aber hier. Dieses Mal ging es in etwa halber Berghöhe über eine oft steile und recht kurvenreiche schmal Straße durch das wunderschöne Tal. Aber ganz ehrlich: wohnen wollte ich hier nicht! Immer diese eine Straße in die eine oder andere Richtung durchs Tal um irgendwo anders hinzukommen auf dieser schmalen Straße… das wäre sicher nicht mein Fall, zumal wir bestimmt hinsichtlich der reinen Fahrzeit knapp eine Stunde durchs Tal unterwegs waren.

Zwischendurch machten wir einen Stopp, da von den Bergen wieder mal unheimlich viele Paragleiter herab schwebten und auf einer Wiese in einem kleinen Bergdorf landeten. Diese Landungen wollten wir uns mal aus der Nähe ansehen. Also erst noch einen ‚Verlängerten Braunen‘ (kommt dem hiesigen Kaffee ziemlich nah) für Jörg und einen Tee für mich auf einer Sonnenterasse, wo die Paragleiter quasi über uns hinweg flogen und dann spazierten wir zur Landewiese. Bei einem Teil der Gleitschirmflieger handelte es sich scheinbar um Flugschüler, die von einem Coach per Funk Anweisungen für das Landemanöver bekamen. Es ist immer wieder spannend anzusehen wie die Schirme lautlos um einen herum gleiten! Ich hatte ja vor vielen Jahren mal einen sogenannten Tandemflug gemacht und bin immer noch begeistert davon. Hier in den Bergen ist das Paragleiten irgendwie  vergleichbar mit dem Kitesurfen an der See – schon sehr schön anzuschauen.

Dann ging es weiter durch das inzwischen breiter werdende Tal und kurz darauf überquerten wir die Grenze nach Italien und waren in Südtirol. Für die Einreise musste vorher eine elektronische Einreiseanmeldung aufgrund der Pandemie erfolgen – das hatte ich bereits am Tag vorher erledigt. Von de Theorie her soll man das immer (elektronisch) bei sich haben, falls mal jemand fragt… uns hat keiner gefragt. Abgesehen davon wurden wir in Italien kein einziges Mal nach einer Impfung oder einem Test gefragt geschweige denn, dass wir uns irgendwo hätten registrieren müssen oder können. Allerdings ist das Tragen der MNB verbreiteter als wiederum in Österreich.

Nach Überquerung der Grenze fuhren wir durch das Pustatal und dann weiter in Richtung Süden. In Klausen hatten wir für vier Nächte unser unser Quartier gebucht. Klausen war unter anderen ein Tipp vom Doppelkopffreund Jörg und seiner Frau Anja (ja, die gleiche Namenskonstellation wie bei uns). Die beiden hatten wir noch vor unserer Abfahrt nach Südtirol befragt. Sie hatten dort schon oft Urlaube verbracht und auf die Tipps der beiden ist immer Verlass! Danke dafür nochmal!

(JU) Das ausgesuchte Hotel war komplett neu renoviert, besaß einen Saunabereich sowie Freizeiträume und als besonderes Schmankerl zwei Whirlpools oben auf der Dachterrasse. Praktisch waren auch die Pizzeria und Bar direkt im Haus. Allerdings gab es noch den kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Nachteil der Ortsdurchfahrt direkt vor dem Haus, welche gepaart mit dem Geräuschpegel der bis 1:00 Uhr morgens geöffneten Außengastronomie ein Schlafen bei geöffneten Fenster unmöglich machte. Wie gut, dass wir uns schon so an unsere Ohrenstöpsel gewöhnt haben. 😏

Der Ort Klausen, den wir noch am Abend erkundeten, ist mit einem wunderschönen Ortskern und den vielen kleinen Gassen voller Leben wirklich positiv zu erwähnen. Die für die Gegend typischen ‚Schlutzkrapfen‘, kleine Teigtaschen gefüllt mit Spinat und Frischkäse schmeckten uns besonders gut.

Aber auch das nur ca. 13 km entfernte Brixen, wo uns die morgendliche Radtour hinführte, reiht sich nahtlos ein in die schön anzusehenden Innenstädte. Wesentlich größer als Klausen, lädt dieser Ort ebenfalls mit einer tollen Altstadt und vielen Straßencafés und kleinen Geschäften zum Bummeln und Verweilen ein.

Es war schon Nachmittag geworden als wir, von der Radtour nach Brixen längst wieder zurück, mit dem Auto in Richtung Bozen fuhren. Großstadt und trotzdem sehr heimelig, wir fühlten uns sofort sehr wohl. Da wo auch die Einheimischen verweilen, setzen wir uns zu einem kleinen fruchtigen Aperitif und ‚schauten Leute‘. Das kostenlos dazu gereichte Gebäck, Fischpaste und Oliven schmeckten toll und auch unser Spaziergang durch die vielen kleinen, bunten Gassen und vorbei an den kleinen Geschäften unter den Arkaden… Südtirol hatte uns gefangen. Wie gut, dass wir uns entschieden hatten uns noch diesen abendlichen, kurzen Überblick zu verschaffen, denn somit war klar: Bozen wird sicherlich nochmals unser Ziel sein in den nächsten Tagen.

Am nächsten Tag stand Meran auf dem Plan, aber der Wochenendstau durch an- und abreisende Urlauber verstopfte die Hauptverkehrsadern im Tal. So landeten wir durch eine spontane Planänderung in Oberbozen (auch ein ‚Doppelkopf-Jörg-Tipp‘). Die Wegstrecke dorthin war wieder mal nur was für magenresistente Bergziegen und gekennzeichnet von Straßen, wo zwei Autos nur an speziellen ‚Ausweichstellen‘ aneinander vorbeifahren können. Bezeichnenderweise trafen wir, endlich dort oben angekommen, auf eine Herde Alpakas und Lamas, mit denen man an einer Wanderung teilnehmen konnte. Wir entschieden uns nach einer Runde durch das Bergdorf aber weder für die Lamas, noch für die historische Eisenbahn mit der man am Berg entlang bis zum nächsten Ort fahren konnte, sondern für eine Godelbahn, mit der man für 10 € pro Person eine Hin- und Rückfahrt nach Bozen buchen konnte. So genossen wir einen Blick von oben über die Umgebung, insbesondere auch auf die Dolomiten und auf Bozen. Wie ließen die Stadt und ihr Treiben abermals auf uns wirken bevor des dann wieder zurück auf den Berg ging. Wir waren zufrieden mit unserer Planänderung!

(AR) Tagsdarauf ging es dann doch noch in Richtung Meran. Es war zwar für den Nachmittag Regen und Gewitter angesagt, aber bis dahin wollten wir die Zeit nutzen. Die Altstadt von Meran ist trotz ähnlicher Arkaden wie in Bozen dennoch ganz anders als Bozen und Brixen. Teilweise etwas weitläufiger und insbesondere durch die breite (Kur-)Promenade am Fluss entlang mit den vielen mediterranen Bepflanzungen einfach anders. Ich wollte unbedingt mal diesen Ort sehen, wo meine Oma, kurz bevor ich damals das Licht der Welt erblicken sollte, einen Schlaganfall erlitten hatte, der sie infolge bis zu ihrem Tod rund 10 Jahre ans Bett gebunden hatte. Irgendwie zog uns dieser Ort trotz seiner teilweise sehr schönen Jugendstilelemente und Bepflanzungen nicht so in seinen Bann, wie es die anderen Orte getan hatten – warum auch immer.

So erkundeten wir anschließend noch ein paar kleinere Ort in der Umgebung, gleichzeitig auf der Suche nach einem Restaurant was eine durchgehend geöffnete Küche zu bieten hatte, wurden aber nirgendwo fündig. So machten wir uns, auch aufgrund des beginnenden Regens wieder auf den Rückweg, um unsere wunderbaren Tage in Südtiol in unserem gemütlichen kleinen Ort Klausen, bei dem uns bereits bekannten Restaurant und traditionellen Speisen ausklingen zu lassen.

Die letzten Stunden in Hermagor

Nach der Ankunft in der Pension mussten wir erstmal Bericht erstatten über unsere Tour und die Erlebnisse und die Rückkehr mit einem von der ‚Hausherrin‘ spendierten Schnaps begießen. Der Schlaf kam danach schnell und die Nacht war relativ gut bis gegen acht Uhr. Das Frühstück wartete und wir freuten uns auf den gedeckten Tisch mit den vielen regionalen Leckereien, die wir uns schmecken ließen.

Danach war erstmal einiges zu organisieren. Mit dem stark lädierten Mantel wollte ich nicht die nächsten Kilometer weiterfahren. Also ab zum Händler des Vertrauens und gleich mal zwei neue Mäntel mitgenommen. Ich hatte mich am Abend zuvor noch schlau gemacht welchen Typ Mantel man von welcher Firma sinnvoll am Rad verbauen sollte, um eine gute Balance zwischen robust und langlebig, ausreichend Grip für asphaltierte und auch steinige Schotterpisten sowie einem möglichst geringen Rollwiderstand zu finden. Den Verkäufer auf meine entsprechende Auswahl angesprochen bekam ich die Antwort „Jå, den hätt i a gern zum verkaafen!“ Um das hin und her abzukürzen – ich entschied mich spontan für das einzig vorrätige Modell, welches in der von mir benötigten Größe überhaupt erhältlich war. Das ging schnell im Vergleich zur Recherche in der Nacht. 🙄 Männer sind halt spontan und entscheidungsfreudig. 👍🏻

Das mit diesem Einkauf der zeitliche Ablauf des gesamten Nachmittages bereits vorgegeben war, konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ahnen. Angespornt vom Kauf der Ersatzteile gingen wir dann auch gleich den Kauf eines neuen Fahrradhelmes für mich an, nachdem der alte Helm bei genauerer Betrachtung einen durchgehenden Riss in der Struktur aufwies und somit nicht mehr verkehrssicher war. Auch da konnte der Händler helfen und wir einigten uns auf einen Kaufpreis, mit dem beide Parteien gut leben konnten. Ein wenig handeln und feilschen wird ja wohl erlaubt sein.

Nach schnellem Wechsel der neu erworbenen Ersatzteile an meinem Vorderrad, das Fiasko beim Einbau des Hinterradreifens nur in Strichpunkten:

Problem 1: Reifenprofil zu hoch, dadurch Platz zum Schutzblech zu klein. Problem 2: die Nabenschaltung hat sich (durch meine eigene Blödheit) in mehreren Teilen von der Radnabe gelöst, fraglich wie das Puzzle jemals wieder zusammenpasst. Lösungsansätze zu Problem 1: Innen laufendes Kabel für Rücklicht von innen nach außen auf das Schutzblech verlegen, Abstandshalter vom Schutzblech entfernen, dafür Rahmenschloss aus- und wieder einbauen, da sonst die Schraube nicht erreichbar gewesen wäre. Ergebnis – zufriedenstellend, Reifen schleift nicht mehr.

Lösungsansatz zu Problem 2: Hinsetzen, tief Luft holen, erstmal ’ne Beruhigungs- und Konzentrationszigarette rauchen. Ach nee, ich rauche ja schon über sechs Jahre nicht mehr… 🤗 Also muß eine Konzentrationsphase und der technische Sachverstand gepaart mit männlicher Logik ausreichen. 🥴Irgendwann hat der Zusammenbau geklappt und die Gänge ließen sich sogar alle schalten, allerdings läuft das Rad bis jetzt nicht zu 100% frei, da muss ich nochmal ran.

Zeitlich hat es dann so gepasst, dass wir noch soeben pünktlich den bestellten Tisch beim Gasthaus Waldemar auf dem Guggenberg in Beschlag nehmen konnten. Nach dem Regen des letzen Tages bot sich für uns eine extreme Weitsicht. Wir konnten über 100 Kilometer weit bis zu den Karawanken sehen, denen wir, noch 2 Tage zuvor, in St. Margareten schon recht nah waren. Hermagor und der Presseggersee lagen uns quasi zu Füßen. Das von uns bestellte Essen war sehr lecker und der Nougatknödel für Anja und der kleine Kaiserschmarrn für mich, setzten als Nachtisch noch ein I-Tüpfelchen auf unseren letzen Abend in Österreich. Frisch gestärkt können wir dann morgen in unser nächstes Abenteuer starten – Südtirol wir kommen.

Wir verlassen die Drau

Wie bereits beschrieben, sah die Wetterlage mit der Aussicht auf viel Regen und Gewitter in den kommenden beiden Tagen nicht so berühmt aus und auch die Suche nach einer Unterkunft – egal ob Zeltplatz oder Zimmer – war nicht erfolgreich und bis nach Slowenien rein, wollten wir sowieso nicht unbedingt. So entschieden wir uns, die Drau nicht weiterzuverfolgen.

Am Montagmorgen hatte sich die Prognose insofern verändert, dass es erst später zu regnen beginnen sollte. Somit konnten wir doch recht entspannt das Zelt trocken einpacken und frühstücken. Aber was soll ich sagen, kaum hatten wir die Räder wieder voll beladen, kamen die ersten Regentropfen vom Himmel – die waren gar nicht angekündigt gewesen! Aber was soll’s, wir waren fertig und bald darauf hörte es auch wieder auf.

Es ging zurück nach Ferlach an der Drau entlang, dann über das Fluss-Kraftwerk und den Berg hinauf in Richtung Klagenfurt. Es waren ca. 100 Höhenmeter über eine relativ kurze Strecke zu erklimmen – aber wir haben uns gemeinsam mit den Drahteseln wacker geschlagen. Das Belastungs-EKG wäre sicher zufrieden mit uns gewesen!

Wir hatten Klagenfurt gerade erreicht, da klirrte es, es gab einen Knall und ein pfffffffffffff – und Jörg fuhr auf der Felge seines Vorderrades. Oh man, auch das noch! Der dunkle Himmel ließ auch den nächsten Regen vermuten…. Also schnell zur Tankstelle in Sichtweite geschoben und – mal eben – den Schlauch geflickt und gewechselt unter dem schützenden Dach der Tankstelle.

Dann ging es weiter zur bereits bekannten Innenstadt von Klagenfurt, denn inzwischen meldeten sich unsere Mägen – aber wie üblich etwas nach der gängigen Mittagszeit. Als Großstädter kann man es ja sowieso nicht verstehen, dass es Orte gibt, wo nicht jederzeit eine warme Mahlzeit zu bekommen ist. Aber wie man nach den langen Schließzeiten aufgrund der Pandemie einen Betrieb, bei dem wir neulich noch hervorragend gegessen hatten, in Betriebsferien zur Hochsaison schicken kann, ist uns nicht verständlich. Aber gut, das Wetter klarte auf und wir fuhren raus zum Wörthersee. Wir wollten es wagten, die neulich begonnene Strecke am See fortzusetzen (die wir ja aufgrund der abgefahrenen Bremsen abgebrochen hatten). Zuvor gab es jedoch am See eine kleine Pizzeria, die durchgehend warme Küche hatte, und so ließen wir uns beide noch einen Teller Pasta schmecken. Frisch gestärkt ging es dann über Pörtschach und Velden bis zu unserem Tagesziel Wernberg – dort hatten wir in derselben kleinen Frühstückspension wie vor ein paar Tage, ein Zimmer ergattert.  Rund um den Wörthersee waren nur Zimmer zu Preisen zu bekommen, die wir nicht gewillt waren zu zahlen – und da sprechen wir von hohen dreistelligen und vierstelligen Preisen pro Nacht!!

Kurz vor Velden machten wir noch einen kurzen Stopp bei einem sehr ansprechenden modernen, kleinen Café am alten Kraftwerk. Noch einen Verlängerten Braunen für den Herrn und einen alkoholfreien Hugo für die Dame, einen kurzen Blick ins Schaukraftwerk und dann ging es auf die restlichen Kilometer an diesem Tag. Wir hatten uns für den Panoramaweg (und nicht für den Drauweg) entschieden. Nach dem lebhaften Treiben in Velden, ging es immer etwas bergan an Wiesen entlang und durch kleine Dörfer. So erreichten wir die Pension gegen Abend als die Wolken am Himmel immer dichter und dunkler wurden… gegen 22:30 Uhr fing dann das Gewitter mit kräftigem Regen und vielen Wetterleuchten an – was waren wir froh im gemütlichen Bett zu liegen!!

Am nächsten Morgen war es deutlich kühler, aber es war trocken und die Sonne setze sich gegen die Wolken durch. Nun ging es aber doch noch einmal den Berg hinunter zur Drau, da wir nicht so viel an der Straße und durch Villach fahren wollten. Noch vor dem Stadtzentrum kamen wir an den Punkt, wo die Gail in die Drau fließt und bogen dort auf den Gailtal-Radweg ab. Es war eine schöne Strecke am Fluss entlang. Irgendwann ging es auch etwas weiter von der Gail weg und ein paar Höhenmeter rauf. Dann kamen Gitterroste und kurze Zeit später fanden wir uns an einer kleinen Alm wieder. Ein paar Kühe, Ziegen und eine Unmenge von Rädern – alle wollten eine kleine Stärkung bei Lissy’s Alm! Es war auch wirklich die einzige weit und breit! Mit einem Brot gestärkt ging’s weiter durchs Bärengebiet – aber wir sind zum Glück dann doch keinem in freier Wildbahn begegnet! Wir radelten Kilometer um Kilometer und genossen den Blick aufs Tal und die Berge – es war herrlich anzusehen und die Temperaturen waren super um eine längere Strecke zu fahren.

Irgendwann kamen wir zu dem Punkt am Radweg an dem wir vor rund zwei Wochen aus der anderen Richtung kommend umgedreht waren. Den Rest der Strecke zurück nach Hermagor kannten wir also schon und freuten uns noch auf ein Stück von „Omas Apfelstrudel“ im Gartenlokal in Voderberg! „Tut mir leid, der ging die letzten Tage so gut weg, die Oma backt gerade erst neuen, der dann noch von Villach aus hergebracht werden muss…“ Oh nein, da hatten wir uns so gefreut… alternativ nahmen wir einen Joghurt mit Obst. Aber was soll ich sagen: kurz bevor wir weiter wollten, kam die Oma mit dem frisch gebackenen Apfelstrudel! Den konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen und so teilten wir uns noch ein Stück – ich kann euch sagen, es war die Sünde wert!

Die letzten Kilometer gingen fast wie von selbst, aber der Motor musste noch geschont werden, da ja noch der doch recht kräftige Anstieg bis zur Unterkunft bei Familie Jost, wo das Auto stand, zu bewältigen war…. im Nachhinein war es dann aber gar nicht so schlimm wie befürchtet – oder sollten wir inzwischen doch auch etwas besser trainiert sein?!?

Nach 72 km erreichten wir unser Ziel und freuten uns auf nochmal zwei Nächte bei der netten Familie mit dem Hund, den Eseln, Hühnern und Gänsen.

Von Wernberg nach St. Margareten

Nach einer langen und erholsamen Nacht ging es am Samstag bei über 30°C wieder zur Drau und an dieser entlang weiter in Richtung slowenische Grenze. Was eine erholsame Nacht trotz des warmen Wetters so ausmachen kann! Es ging immer mal wieder rauf und runter aber es fühlte sich nicht so anstrengend wie am Tag zuvor an. Wir genossen die sich immer wieder verändernde Landschaft. Die Drau wurde immer mal wieder zu größeren Seen aufgestaut und hat türkisschimmerndes, jedoch nicht so richtig klares Wasser. Man sieht viele Vögel, Enten und Schwäne schwimmen und immer wieder sehr viel Totholz aus dem Wasser ragen. Die Berge werden auf der Nordseite eher flacher wobei man manchmal in Verbindung mit den Bäumen und Pflanzen ringsum den Eindruck hat, man könnte auch in Kroatien sein, fühlt sich wie in einer Winnetou Verfilmung, halt nur auf einem Drahtesel.

Bei unserer Mittagspause in einem sehr angenehm schattigen kleinen Gartengasthaus überlegten wir noch einmal wie weit die Fahrt heute noch gehen soll. Ursprünglich wollten wir wegen der Wärme eher eine kürzere Strecke wählen, aber da es dann doch ganz gut lief, kamen ein paar Kilometer mehr in Frage. Feistritz im Rosental und Ferlach waren die beiden nächstgelegenen etwas größeren Dörfer und bei Feistritz sollte noch ein Zeltplatz direkt an der Drau bzw. am Drau-Radweg liegen, der bei Google auch recht positiv bewertet wurde. Also sollte es erstmal dort hingehen und wenn etwas frei wäre, würden wir vermutlich direkt bleiben. Gesagt, getan. Gut gestärkt ging es weiter auf unseren Drahteseln immer etwas auf und ab in Sichtweite der Drau. Was nicht in Sicht kam war der Zeltplatz oder ein entsprechendes Schild… Nach einer ganzen Weile befragten wir Google noch einmal – wir waren bereits mehrere Kilometer am vermeintlichen Campingplatz vorbei. Super… und der nächste Ort war inzwischen näher als der angedachte Campingplatz. Also radelten wir weiter. Ferlach war, wie die Karte vermuten ließ etwas größer, aber der Vorort in dem wir uns befanden dann doch auch irgendwie tot… Zwei Gasthöfe (einer davon ursprünglich auch mit einer Zeltmöglichkeit) hatten inzwischen geschlossen. (Wir haben unterwegs insgesamt mehrere kleine Gaststätten/Hotels gesehen, die keinen Betrieb mehr hatten – ob Pandemiebedingt lässt sich jedoch aber nicht sagen.) Das noch offene Gasthaus hatte kein Zimmer mehr frei und die anderen vermieteten nur Ferienwohnungen.

Okay, dann also die nächsten Kilometer weiter nach Ferlach. Was soll ich sagen, wir telefonierten alles ab – nichts zu bekommen. Der letzte Anruf galt dann wiederum einem Campingplatz weitere ca. 12 km entfernt….“Klar, kein Problem! Kommt vorbei, wir haben Platz!“ Also traten wir wieder in die Pedale und versicherten uns immer wieder mit Google Maps, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren.

Endlich angekommen fanden wir einen recht großen, aber sehr sauberen und netten Campingplatz vor. Sogar ein großer Schwimmteich sowie ein Restaurant war Teil des Platzes. Hinsichtlich des Preises klappte uns zwar erstmal die Kinnlade herunter, jedoch müssen wir sagen, dass der gerechtfertigt war! So moderne und gut durchdachte Saniertäreinrichtungen haben wir bisher noch nicht erlebt und die auch Sauberkeit war durch die mehrmals tägliche Reinigung unübertroffen. Zudem noch Waschmaschinen, Trockner, Mini-Club und Entertainment für die jüngere Generation, mehr kann man nicht erwarten.

So ist es sicher auch nicht verwunderlich, dass wir uns entschieden, den schwühlheißen Sonntag dort zu verbringen und einfach mal „Nichts“ zu tun! Herrlich! Wobei „Nichtstun“ natürlich auch nicht ganz stimmt, da wir uns mit der Frage beschäftigen mussten, wie es weitergehen soll.

Die Wetterlage sah mit der Aussicht auf viel Regen und Gewittern in den kommenden beiden Tagen nicht so erbaulich aus und auch die Quartierssuche schien nicht so einfach auf der nächsten Wegstrecke die Drau entlang und die Zeltplatzdichte nahm deutlich ab. Also was tun, wo das Wildcampen auch in Österreich nicht erlaubt ist?!

Noch während wir die verschiedenen Möglichkeiten durchsprechen, zog sich der Himmel nachmittags zu und es wurde windig und dunkel… viele Camper packen eilig ihre sieben Sachen zusammen und es war eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren… Und wir? Wir befragten das Regenradar, was plötzlich Regen und Gewitterzellen anzeigte, räumten alles zusammen und ins Zelt und spannten noch ein paar zusätzliche Zeltleinen. Dann krabbelten wir rein und harrten der Dinge die kommen würden. Dank eines guten WLAN Netzes streamten wir ausnahmsweise einen Film um uns die Zeit zu vertreiben. Schlussendlich regnete es etwas und Gewittergrollen war zu hören, aber das Wesentliche schien vorbeizuziehen! Hinterher war die Luft angenehm kühler, so dass wir noch einen sehr schönen Abend hatten!

Spittal – Milstättersee – Wernberg

(AR) Wir ließen unser Zelt zwei Nächte auf einem kleineren Durchgangs-Zeltplatz direkt an der Drau in Spittal stehen.

Am Donnerstag machten wir einen Ausflug nach Spittal sowie zum nahegelegenen Millstättersee. Wir umrundeten den See mit dem Rad, wobei wir uns die Nordseite hätten sparen können. Zwar kommt man dort durch die kleinen Urlaubsorte, allerdings führt der Radweg direkt an der viel befahrenen Hauptstraße entlang…wirklich kein Vergnügen und die schönen Ausblicke auf den See entschädigen nicht so richtig. Die Südseite hat zwar deutliche Steigungen, führt aber durch den Wald – etwas anstrengender, aber sehr schön! Zumal wir eine kleine, leere Badebucht fanden und uns im See eine Abkühlung gönnten – herrlich!

Ich war mit meinen Eltern 1987 bereits am Millstättersee im Urlaub und wir hatten auch meine Freundin Uli mit – ich musste allerdings feststellen, dass es keinen Wiedererkennungseffekt für mich gab. Liegt vielleicht auch daran, dass ich damals nach einer Woche Urlaub ins Krankenhaus musste, da mein Blinddarm unbedingt dort bleiben wollte 😉

(JU) Wir haben Spittal dann am Freitag, den 13. verlassen. Vom Campingplatz direkt über die Draubrücke und dann durch Wiesen und Felder am Fluss entlang in Richtung Villach. Irgendwie steckte uns die am Vortag gefahrene Strecke und zusätzlich noch eine durch laute ‚Nachbarn‘ sehr unruhige Nacht in den Knochen. Erst saßen nur die Frauen vor dem Wohnwagen und beaufsichtigten das Einschlafverhalten zweier von der Fahrt und den ungewohnten Umständen völlig überdrehter Kleinkinder. Von Geschichten über Schlafstörungen, Darmverstopfung und was die eine über das Verhalten anderer zu erzählen wusste – das Repertoire war vielfältig. Irgendwie konnte man einfach nicht ‚vorbeihören’. Die Herren der Schöpfung hatten sich im Gasthaus am Eingang des Platzes wohl ein bis drei Bierchen gegönnt, gesellten sich später noch dazu. Gegen 23:30 Uhr hatte Anja dann mal die Nase aus dem Zelt gehalten und die bayrischen Labertaschen um Ruhe gebeten, irgendwie hat es geholfen. Ab kurz vor sechs morgens übernahm dann der sich ständig lautstark streitende Nachwuchs das Feld. Kinder halt, da kann man ja nichts gegen sagen – und irgendwie kennt man das auch selber von früher. Ups, kommt da schon fast wieder etwas Mitleid für die armen Eltern auf?! 😏 Wenigstens in Ruhe frühstücken konnten wir, da waren die Nachbarn schon wieder auf dem Weg mit ihrem Campungwagen um an anderer Stelle jemanden völlig ungeniert die Nerven und den Schlaf zu rauben. 🥴

Notbremsung, umdrehen, einkehren und sich wohlfühlen… Wir waren noch nicht weit von Spittal weg, da wären wir doch fast an diesem Idyll vorbeigefahren. So stellt man sich einen Hofladen vor – viele Leckereien in einem Umfeld welches perfekt in jeden ländlichen Heimatfilm passen würde. Wir kauften Joghurt und Nussschnecken, alles andere was Begehlichkeiten weckte, musste leider aus Platzmangel am Rad in den Regalen stehenbleiben. Unsere Einkäufe konnten wir uns am Tisch in dem angrenzenden netten Bauerngarten schmecken lassen und die Hofkatze genoss sowohl die Joghurtreste, als auch die ihr von Anja dargebrachten Streichel- und Krauleinheiten. Ich bin ja etwas vorsichtig bei fremden Tieren, gerade dann, wenn diese Krallen, Zähne oder Hörner haben. Fische find ich toll, aber mittlerweile auch eher im Ganzen gebraten auf dem Teller. 😇

Die Drau hatte sich verändert. Aus dem vormals schnell und stellenweise sehr quirlig fließenden Fluss in einem schmalen Bett war ein ruhiges Gewässer geworden, mittlerweile aber doppelt bis dreifach so breit. Waren im oberen Teil noch Raftingtouren angeboten worden und hatten sich nur geübte Kanufahrer ins Wasser gewagt, reicht es jetzt nur noch zur gemütlichen ‚Altherrentour‘ bei Kaffee und Kuchen.

Mittlerweile strampeln wir viel direkt neben der Schnellstraße entlang, sehen die auf hohen Pfeilern gebaute Autobahn, auf der sich urlaubshungrige ‚gen Süden die anderen in Richtung deutsche Grenze bewegen. Was geht es uns gut – wir haben Zeit, wir genießen die Langsamkeit, erfreuen uns an dem was wir zu sehen bekommen. Ok, bei über 30 Grad wäre so eine Klimaanlage natürlich was feines, aber der selbst erzeugte Fahrtwind ist auch nicht zu verachten. Bei Unterbergen, etwa 20 Kilometer vor Villach, machen wir kurz Rast an einer Seilfähre, die Fußgänger und Radfahrer vom einen zum anderen Ufer bringt. Einfach nur die Glocke läuten und abwarten. 🤗

Mittlerweile schon fast in Villach angekommen, haben wir Hunger und entschließen uns aufgrund der Zeit (natürlich macht sich der Hunger erst nach den mittäglichen Öffnungszeiten von Restaurantküchen bemerkbar) die Stadt auf dem kürzesten Weg zu durchqueren und bis Wernberg zu fahren. Unser Lieblingsgasthaus Fruhmann hat durchgehend warme Küche und ist seit je her immer eine gute Wahl, was alle meine Kinder bestätigen können. Wir genießen jeder unser Salatkörbchen mit Putenschnitzel nach Wiener Art und während wir uns wundern, wie trotz strahlendem Sonnenschein um uns herum die kleine Regenwolke sich durchkämpfen und immer größer werden, um uns etwas Abkühlung zu verschaffen.

Wir beschließen die Nacht im Ort zu verbringen und wie ich es von meiner ‚Reiseleiterin‘ gewohnt bin, organisiert sie ein entsprechendes Zimmer. Nichts gegen unseren kleinen grünen Gugelhupf, aber mal wieder ein richtiges Bett – eine Wohltat für die alternden Knochen…

Auf Rundtour

Wir haben die letzten Tage in Hermagor mit längeren und kürzeren Radtouren sowie mit dem Entspannen am und im – wenn auch recht kühlen – Presseggersee verbracht.

Seit Montag haben wir unser gemütliches Heim bei Familie Jost verlassen und sind mit den Rädern mit Sack und Pack auf der Rundreise unterwegs. Das Auto darf weiterhin bei Familie Jost stehen und wird vom Jagd- und Hofhund bewacht. Somit werden wir nochmal nach Hermagor zurückkehren.

Nun sind wir also unterwegs an der Drau. Wir wollten möglichst weit an der Quelle beginnen und haben daher die Möglichkeit genutzt, die Räder und uns vom Gailtal ins Drautal mit dem Bus über den Berg transportieren zu lassen. Wir sind aufgrund unserer Touristenkarte umsonst gefahren und die Räder durften nach vorheriger Anmeldung für 10,-€ insgesamt mitfahren.

So kamen wir also in Oberdrauburg an und beschlossen dort zwei Nächte auf dem Campingplatz zu bleiben. Zum einen um uns wieder etwas vertrauter mit dem Campingequiment zu machen und zum anderen um noch einmal zum schönen Städtchen Lienz zu fahren, welches drauaufwärts liegt und somit nicht auf unserem jetzt eigentlich geplanten Weg drauabwärts ggf. bis nach Slowenien.

Lienz hatte uns ja schon beim ersten Besuch gut gefallen, aber der nun folgende zweite Besuch hatte auch leider einen notwendigen Grund: eine (und wie wir im Nachhinein erschreckt feststellen müssen DREI) der nagelneuen Vaude-Radtaschen sind an der werkseitig geklebten Naht aufgegangen! Und das nach nicht mal einer Woche in Benutzung! 🥴 Da sich ein Kleben der kaputten Stelle mit Panzerklebeband bereits im vergangenen Jahr nicht als dauerhaft erwiesen hat, beschlossen wir uns mal wieder nach neuen Taschen umzusehen. Wie ärgerlich, zumal eine Reklamation bei Vaude zwar grundsätzlich neue Taschen bescheren wird, aber das nutzt wenig, wenn der Kassenzettel in Duisburg oder Berlin liegt… Also klapperten wir in Lienz zwei Sportgeschäfte ab und entschieden uns dieses Mal für Taschen des anderen großen Radtaschenherstellers Ortlieb. Die kaputten bzw. ‚alten’ Taschen werden wir auch weiter auf den Rädern mitnehmen, um sie dann wiederum bei Vaude zu beanstanden.

Abends auf dem Campingplatz unterhielten wir uns mit einem anderen Radler, der auch den Eindruck hat, dass – seitdem Vaude auf ein vermeintlich ökologischeres Material umgestellt hat – die Taschen nicht mehr so langlebig sind. Unsere allerersten Taschen haben uns acht Jahre begleitet und alle Nähte halten prima, nur an der ein oder anderen Stelle an der Standfläche ist das Material mittlerweile dünn und zwei drei kleine Löcher haben wir mit entsprechenden Reparaturaufklebern repariert – dauerhaft. Wodurch sich die Frage stellt, was ist wirklich ökologischer und vor allem nachhaltiger – wir plädieren für die alte, stabile und ‚unkaputtbare‘ Machart!

Wie auch immer: nun sind wir also mit zwei froschgrünen, zu unserem Gugelhupf passenden Radtaschen unterwegs und hoffen, dass diese sich als langfristig dankbarere Begleiter auf unseren Touren beweisen! Drückt uns die Daumen.

Am Mittwoch ging es dann von Oberdrauburg bis nach Spittal an der Drau – mit relativ vielen Etappen bergauf und bergab, was wir bei einem Flussradweg eher nicht erwartet hatten. Aber die Wege waren in erster Linie asphaltiert oder geschottert, so dass man gut fahren konnte und wir hatten ja bei Bedarf die Unterstützung des Motors. In Höhe von Greifenburg blieben wir eine Weile stehen und bestaunten die vielen Gleitschirmflieger, die von den umliegenden Bergen schwebten. Toll anzusehen und es wirkte zeitweise wie ein Vogelschwarm! An anderer Stelle machten wir eine kleine Kneippkur mit den Füßen in der kühlen, schnellfließenden Drau.

Als wir Appetit verspürten war natürlich kilometerlang keine der vormals reichlich zu sehenden Radlerkneipen oder auch Buschenschenken wie man hier oft sagt, anzutreffen…. was tun?! Vielleicht erinnert ihr euch noch wie das mit dem ‚hungrigen Mann‘ im letzten Jahr war?! Zum Glück gab es dann aber kurze Zeit später am Wegesrand einen kleinen „Selbstbedienungshofladen“ auf einem Bauernhof und direkt daneben eine passende Sitzgelegenheit im Schatten! Was fehlte war ein gekühltes Radler oder irgendetwas trinkbares in für uns sinnvoller Größe (was sich bei einem kurzen Gespräch mit der Bäuerin wohl durch steuerliche und gewerberechtliche Gründe erklären lässt), denn Reste von einem zu kaufenden fünf Liter-Tetra Pak Apfelsaft wollten wir uns nicht aufs Rad binden. Aber das am Morgen übrig geblieben Croissant fand mit neu erworbenen Hauswürsteln, einem ‚normalen’ Naturjoghurt, einem Mangojoghurt aus Schafsmilch und zum Abschluss noch einem sehr leckeren Marilleneis in uns dankbare Abnehmer. Was für eine leckere Mahlzeit und danach ließen sich die übrigen Kilometer bis nach Spittal noch gut überbrücken.

Unter, über, in, mit und ohne Wolken

Dienstag machten wir uns auf den Weg Richtung Villach mit dem Ziel Dobratsch über die Villacher Alpenstraße. Mit 19,-€ Maut für die Straßenbenutzung ist der Weg nach oben zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber vom Tal aus auf über 2000 m hinauf zu laufen übersteigt derzeit unsere körperliche Fitness. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Parkplätze von denen man einen schönen Blick ins Tal, insbesondere über Villach, aber auch zum Ossiacher- und Faaker See bzw. zu den umliegenden Bergketten hat. Aufgrund der Wolken konnten wir mal mehr und auch mal weniger weit sehen. Erst waren die Wolken über uns, dann fuhren wir durch die Wolken und dann waren wir über den Wolken… ein immer wieder anders schöner Anblick!

Nachdem wir auf dem obersten Parkplatz angekommen waren, haben wir natürlich auch noch den Aufstieg von ca. 2 Stunden auf den höchsten Punkt des Dobratsch gemacht und auch der höchstgelegenen Wallfahrtskirche Europas einen Besuch abgestattet. Auf dem Weg dorthin ging es an Kühen, Pferden, Eseln und an den unterschiedlichsten bunten Pflanzen vorbei. Von weitem sieht alles irgendwie nur grün aus, aber je näher man kommt, desto bunter und vielfältiger ist es; wirklich schön!

Als wir uns nach einer kleinen Stärkung wieder auf den Rückweg machten, hatte es sich oben mit grauen Regenwolken zugezogen… wie gut, dass wir, sicherheitshalber mittlerweile auf jeglicher Tour dabei, unsere Regenjacken im Rucksack hatten! Abwärts liefen wir die erste halbe Stunde in leichtem Nieselregen, aber dann verzogen sich die grauen Wolken um uns herum wieder und wir konnten den Rest des Rückwegs wieder in der Sonne laufen. Es war wirklich ein schöner Ausflug und wir hatten das Gefühl, das etwas durchwachsene Wetter mal wieder optimal genutzt zu haben!

Am Mittwoch fiel die Wahl auf einen Ausflug nach Klagenfurt. Wir beschlossen die Räder mitzunehmen um später noch etwas am Wörthersee entlang zu radeln. Gesagt, getan. So fuhren wir also ein weiteres Mal das Gailtal entlang bis nach Villach bzw. an Villach vorbei bis nach Klagenfurt. Am Stadtrand ließen wir das Auto stehen und sattelten auf die Räder um. Am Lindwurm, dem wichtigsten Denkmal und Stadtwappentier der Stadt, stellten wir die Räder ab und bummelten durch die schöne Fußgängerzone – auch wenn gefühlt fast alle Touristen Kärntens sich heute dort versammelt hatten. Na ja, Abstand konnte man trotzdem halten bzw. im Zweifelsfall hat man ja eh immer seine Maske dabei, die wir dann auch durchaus nutzen. Wir schlenderten ausgiebig durch die Gassen. Die Wolken zogen auch zeitweise vermehrt und dunkel zu, aber es kamen keine Tropfen von oben herab.

Nach dem Stadtbummel führte uns unser Weg dann aber doch noch mit den Rädern an den Wörthersee und an ihm entlang in Richtung Pörtschach. Aber was war das für ein schleifendes Geräusch an Jörgs Hinterrad?!? Ich hatte das neulich schon mal bemerkt, aber da dachten wir noch irgendetwas hätte sich zwischen Schutzblech und Reifen verhakt. Aber jetzt? Wir schauten genauer und es schien, als wären die hinteren Bremsbeläge mal wieder hinüber… Wir fuhren noch etwas weiter, Jörg bremste jetzt noch vorausschauender fahrend nur noch mit der Vorderradbremse, aber als es trotzdem immer lauter wurde, entschieden wir uns zum Auto zurückzufahren, damit nicht womöglich auch die Bremsscheibe noch Schaden nimmt.

Auf unserem Weg in Richtung Gailttal wurde es immer dunkler und nass, hier schien es bereits deutlich länger geregnet zu haben – wir hatten mal wieder mit dem gewählten Tagesziel alles richtig gemacht!