Endlich Strand!

Nach Büsum geht es weiter und wir statten dem Eidersperrwerk, das gerade teilweise saniert wird, einen Besuch ab. Die Autos können durch das Bauwerk fahren und die Radfahrer sowie Fußgänger oben drüber gehen. Es ist schon recht eindrucksvoll, wie die Eider bei einer Sturmflut der Nordsee geschützt wird. Wir setzen unseren Weg südlich der Eider in Richtung Tönning fort, legen aber einen Stopp bei einem sehr zu empfehlenden Hofcafé – dem Koog-Café – ein, wo man quasi direkt nebenan einen schönen Landen finden kann, der neben Pflanzen auch allerlei Schönes für die Wohnungs- und Gartendeko, aber auch viele Leckereien aus dem Umland anbietet.
Im Café haben die Qual der Wahl zwischen einer frischen Gemüsequiche, einer Suppe sowie diversen, äußerst lecker aussehenden Torten und Kuchen. Wir entscheiden uns beide für die Quiche – und bereuen es nicht! Dazu bekommt Jörg endlich mal wieder einen ‚sehr leckeren’ Cappuccino und für mich eine hausgemachte Schorle aus Apfel, Limette und Ingwer.

Nach einem Blick aufs Regenradar brechen wir notgedrungen schneller auf als wir eigentlich wollen. Wir wollen nicht allzu nass werden, aber der kleinen Stadt Tönning doch auch noch einen Besuch abstatten. Uns gefällt das kleine, alte Örtchen mit dem hübschen Hafen. Aber auch hier bleibt aufgrund der Vorhersage für lange anhaltenden Regen nicht viel Zeit, aber wer mal in der Nähe ist und nicht so wetterabhängig wie wir, ein Besuch lohnt sich.
Wir radeln weiter in Richtung Welt! Knapp 20 Minuten bevor wir endlich einmal ‚Weltbürger‘ werden, fängt es doch schon an zu regnen – also Regenjacke an, denn sonst ist es durch den Luftzug zu unangenehm auf der Haut und wir schalten die Motorunterstützung mal auf ‚Turbo‘, damit es noch etwas flotter durch den Regen geht. Dann erreichen wir das Örtchen Welt und unseren Gasthof, wo wir uns trockenlegen und abends noch vorzüglich für relativ kleines Geld essen können.

Nachdem wir abends durch den anhaltenden Regen in den Schlaf geprasselt wurden, geht es am nächsten Morgen gut ausgeruht und mit einem leckeren Frühstück im Bauch nur ein paar Kilometer weiter nach St. Peter-Ording. Dort erreichen wir endlich den langersehnten langen Sandstrand mit den für den Ort typischen Stelzenhäusern am Strand und auch ein paar Dünen!! HERRLICH – endlich warmer weicher Sand unter den Füßen anstelle von Schlick! Natürlich weiß man, was einen bei der deutschen Nordsee erwartet, aber wenn man die holländische Nordsee kennt, vermisst man trotzdem auch richtigen Sandstrand und Dünen 😉. Aber hier ist nun alles beisammen und auch die Sonne scheint! Wir genießen den ersten richtigen Strandspaziergang trotz des Windes und Anja kann endliche ihre Füße ins Wasser stecken 😉. Wir zelten zwei Tage auf einem nahegelegenen Ferienbauernhof und wären gerne auch noch länger geblieben – auch wenn wir uns ohne Kinder im Altern zwischen 2 – 12 Jahren fast etwas fehl am Platz fühlen. Aber Anja hat sich dann beim nachmittäglichen Ponyreiten als Unterstützung beim Führen der Ponys engagiert. Diese waren zwar um einiges kleiner als ihr eigens Pferd ‚Mary’, aber mal wieder Pferdeluft ganz aus der Nähe – wer will sich das entgehen lassen?! 😏 Neben den Ponys gab es auch einen Esel, Ziegen, Schafe, Rinder, Kaninchen, Meerschweine, Hühner, Hunde und Katzen, eine große Spielscheune, einen GoKart-Fuhrpark, einen Aufenthaltsraum mit holzbefeuertem Pizzaofen und keine Ahnung, was wir alles nicht gesehen haben! Wirklich ein tolles kleines Familienparadies für Leute mit Kindern, der mit viel Liebe und Leidenschaft geführt ist!
Wir genießen die Tage am Meer und insbesondere Sankt Peter-Ording Dorf gefällt uns ausgesprochen gut, da es etwas ruhiger und beschaulicher ist als St.Peter-Ording Bad mit Therme und Seebrücke. Dennoch war trotz Sonne der Wind zu kalt um sich in die Fluten stürzen zu wollen…

Das liebe Equipment

Von Brunsbüttel führte uns unser Weg über Friedrichskoog – bis auf die dort ansässige Seehundstation und den Strandbereich eher uninteressant – bis nach Büsum, wo es uns zum ersten Mal in diesem Jahr passierte, dass es kein freies Plätzchen mehr für Radelnde mit einem Zelt gab. Nun gut, nochmal telefonieren und ein Campingplatz 3 km weiter hat dann doch noch ein Plätzchen für uns – die paar Kilometer machen es dann auch nicht mehr aus. Der Platz ist auch gleich hinterm Deich, aber um ein Vielfaches größer als die, die wir bisher gewöhnt sind und die Zeltwiese finden wir am hintersten Ende. Es ist relativ spät geworden, so dass wir abends nur Kleinigkeiten von unterwegs verspeisen. Als wir uns später ins Zelt zurückziehen gibt es irgendwie komische, ungewohnte Geräusche. Was ist das? Wir liegen ruhig auf unseren Isomatten und es knistert, pfeift leise knarzt und dann ein lauetes PLOPP und Jörg hat eine Beule in seiner Isomatte! Das Knistern und zischen geht weiter – und wieder PLOPP. Anscheinend haben sich in der Isomatte die Klebeverbindungen zwischen dem formgebenden Schaumstoff und der Matratzenauflage gelöst. So wächst bald eine unangenehme Beule zwischen Lenden- und Schulterblattbereich. ‚Prinz auf der Erbse‘ wäre harmlos dagegen! Wir, besonders aber Anja, kommen kaum noch aus dem Lachen raus, würde es nicht doch eine unangenehme bevorstehende Nacht vermuten lassen, denn heute Abend können wir an der Situation nichts ändern. Eine Reparatur ist nicht möglich und eine Alternative finden wir nicht mal eben mitten in der Nacht. Es ist eh fraglich, ob wir hier in der Umgebung überhaupt Ersatz finden. Der Blick ins Internet, wo sich denn eventuell ein Laden mit entsprechendem Ersatzequipment befinden könnte, stimmt für einen Freitagabend nicht gerade zuversichtlich. Einen einzigen finden wir, aber online sind da Isomatten ausverkauft, aber die neue Lieferung ist angekündigt, schlummert wahrscheinlich in irgendeinem Container in irgendeinem Hafen und wartet darauf entladen zu werden. Corona lässt grüßen… Aber wir versuchen so gut wie möglich erstmal zu schlafen.

Nach dem Frühstück und einer kurzen Befragung des Platzwartes nach entsprechenden Outdoor- und Campingläden in Büsum, die jedoch nicht so ergiebig ist wie erhofft, machen wir uns auf die Suche. Um es kurz zu machen, Jörg schläft seit ein paar Tagen auf einer 8,90€ teuren Luftmatratze, ca. 20 cm höher als Anja. Passt vom Platz her genau in die Verpackung der alten Isomatte, wiegt dafür etwas eineinhalb Kilo mehr – die elektrische Luftpumpe für 6,90€ nicht mit berücksichtigt, die das Aufpumpen auf eine erträgliche Zeit reduziert. Jörgs Argument – die kannst du zur Not auch als Fön benutzen. 😏 Alles zusammen erstanden bei ‚Action‘. Kein Outdoorladen, aber der Laden für alle Fälle👍🏻.

‚Hausarbeit‘ und Seele baumeln – das innere Gleichgewicht

Der Campingplatz in Brunsbüttel ist klein, gemütlich und irgendwie familiär – auch wenn es für Viele nur ein Durchgangsplatz für eine Nacht ist. Zumal Brunsbüttel nun auch nicht gerade der Nabel der Welt ist 😉.
Wir bleiben schlussendlich 3 Nächte und nutzen die Zeit um Wäsche zu waschen, zu faulenzen und zum Blick an die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe.
Das ist schon beeindruckend wie drei doch sehr große Pötte, teils inklusive der Bugsierschiffe bzw. Schlepper in eine Schleusenkammer passen! Zwei nebeneinander und eins noch hinten dran. Aufgrund der Größe der Schleuse dauert so ein Vorgang dann schon mal zwischen 45 – 60 Minuten. Und dennoch bringt es eine deutliche Zeitersparnis gegenüber einer Umfahrung rund um Dänemark.
Übrigens – direkt am Zugang zum Ausssichtsbereich auf den Schleusenbereich steht ein Fischwagen, an dem wir das bisher leckerste Fischrötchen unserer Reise gegessen haben. Warmes Dinkel-Brötchen, Hering, Zwiebeln und Krautsalat – mhhh… 🫠
Ansonsten hat Brunsbüttel noch ein hübsch anzusehendes historisches Viertel mit Häusern rund um eine alte Kirche angesiedelt. Das ist allerdings nicht mit einer üblichen Altstadt zu vergleichen, da bis auf ein italienisches Restaurant, ein Hotel mit Restaurant (in beiden haben wir leckeres Essen bekommen) und eine einfache Kneipe keine weiteren Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten vorhanden sind. Hier steht auch das älteste Haus von Brunsbüttel, welches zurzeit restauriert wird und wieder in neuen Glanz gemäß den alten Zeiten erstrahlen soll.

Das Wäschewaschen nimmt aufgrund der kleinen Maschinengröße etwas mehr Zeit in Anspruch als angedacht – aber wir haben ja keine Eile. Die Angaben/Infos zur Vorgehensweise bei der Benutzung sind nur noch nicht so ausgereift. Man kann nur 1€-Stücke einwerfen, dann hat man für 1 Stunde Strom. Wie lange die jeweiligen Programme allerdings dauern, weiß man nicht. Wir entscheiden uns beim ersten Durchgang für ein normales 40°C Programm und das dauert natürlich… Nach einer Stunde geht die Maschine einfach aus. Und nun? Einfach Geld nachwerfen und weiter geht’s – knapp über 2 Stunden. 😳 Die nächsten Wäschen machen wir mit dem Expressprogramm 40°C was nur ca. 40 Minuten dauert. Das passt ganz gut, denn wirklich dreckig sind die Sachen ja nicht, eher nur verschwitzt. Danach wird alles noch durch den Trockner geschleust, da das Wetter auch keine zügige Trocknungsmöglichkeit verspricht. Aber wir haben Zeit und es gibt in der Hütte mit der Waschmaschine auch Sitzgelegenheiten und einen Tisch, sowie ein kleines Angebot an Spielen und Lesemöglichkeiten. So vertreiben wir uns die Zeit und spielen UNO, lesen Infobroschüren und suchen schon mal ein paar schöne Hofläden oder Cafés auf unserem weiteren Weg gen Norden raus. Zwischendurch beobachten wir auch die Schwalbenvierlinge im Nest über der Eingangstür, die mal eng aneinandergekuschelt im Nest sitzen, mal alle mit Mama zum Ausflug unterwegs sind und anscheinend eigentlich alle kurz vor dem Auszug stehen. So nah haben wir sowas noch nicht beobachten können.

Der Campingplatz liegt direkt am Deich auf dem auch Schafe weiden. Es sind schon lustige Zeitgenossen! Angefasst möchten sie bitte nicht werden, aber interessiert schauen tun sie. Und das oft zu hörende MÄH gibt es in den verschiedenen Varianten – manchmal auch so energisch, laut und dunkel, dass man selbst fast versucht ist besser stramm zu stehen 😀. Wildschafe machen wohl eigentlich keine Geräusche, aber in Verbindung mit dem Menschen soll es sowohl Hunger oder Unwohlsein oder einfach soziale Kommunikation in der Herde ausmachen. Z.B. ruft die Mutter die Lämmer zum trinken und dann rennen oft zwei um die Wette, um dort – nach einer Runde um Mama – gleichzeitig anzudocken. Sehr lustig! Oder wie andere erwachsene Schafe die Vorderbeine auf halber Höhe (beim Pferd heißt es Kapalgelenk) einkicken und darauf grasend vorwärts robben und mit den Hinterbeinen schieben. Auch sehr lustig! Auch suchen sich die Schafe alle möglichen Gegenstände (Bank, Zaun, Gatter…) um sich das juckende Fell zu kratzen; teilweise mit einer Intensität und Ausdauer, dass man schmunzeln muss.
Aber man sieht leider auch immer wieder mal Schafe, die deutlich lahmen und ein Bein immer wieder entlasten. Das ist wohl leider so, wenn die vielen Tiere oft auf den Deichen längere Zeit sich selbst überlassen sind. Wenn wir durch die Deichbereich mit den Rädern unterwegs sind liegen oder stehen viele Schafe immer auf oder dicht neben dem Weg. Wir fahren echt langsam und bemühen uns mit so viel Abstand wie möglich durch die vielen Schafe zu schlängeln. Manche bleiben total entspannt liegen oder stehen ohne auch nur das Ohr zu bewegen, andere springen trotz großem Abstand hektisch auf und zur Seite und rennen am besten noch ein paar Meter zu einem anderen Kollegen um Schutz zu suchen. Manchmal hat man schon den Eindruck etwas zu stören.
Auch haben wir uns schon gefragt, was die aufgesprühte bunte Farbe auf den Tieren zu bedeuten hat – es markiert in der Regel den Besitzer. Das auf dem Foto beschriebene Stempelkissen ist uns hingegen noch nicht aufgefallen 😉.

Regen und Wind

Am Morgen in Cuxhaven ist es sonnig und warm, so dass es kaum zu glauben ist, dass es spätestens zum Nachmittag regnen soll.
So verlassen wir doch etwas später als geplant den Campingplatz, bekommen sogar noch ein Abschiedsgeschenk – zum ersten Mal soweit wir uns erinnern. Das Abschiedschiedsgeschenk ist eine Dose Fisch von Appel-Feinkost, noch versehen mit einem Einkaufsgutschein für den entsprechenden Laden in Cuxhaven!
Kaum runter vom Platz geht es, wer würde es anders erwarten, weiter den Deich entlang. Einen Blick auf die Elbmündung und einen kurzen Besuch im Zentrum von Cuxhaven, dann geht es eine Strecke die Elbe aufwärts, denn wir brauchen ja eine Möglichkeit selbige zu überqueren. Die direkte Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel ist zum Ende des Jahres 2021 eingestellt worden. Aber selbst wenn sie noch bestünde, wir haben uns (anscheinend stillschweigend) die Aufgabe gestellt die GESAMTE Küstenlinie zu fahren, so dass wir erst die nächste Möglichkeit zu einer Überfahrt zwischen Wischhafen und Glückstadt nutzen wollen.

Am Himmel ziehen immer wieder mal dunkle Wolken entlang, auch wenn es eigentlich sonnig bleibt. Ab und an kommen auch mal ein paar Tropfen gefallen, aber im Grunde nicht der Rede wert. So radeln wir dem Tagesziel in Wischhafen entgegen. Natürlich auch mal mit einem kurzen Stopp hier und einer kleinen Pause dort. Um 16 Uhr, pünktlich der Vorhersage gemäß Jörgs Wetter-App geht es dann wirklich mit dem Regen los. Der Himmel hat sich inzwischen komplett zugezogen und die Farbe der Wolken lässt ahnen, dass das nicht nur ein kurzer Schauer wird. Erst überlegen wir abzuwarten, aber da stehen wir wohl noch eine Weile und einige Kilometer bis zum Hotel liegen auch noch vor uns. So halten wir an und ziehen Regenjacken und -hosen an. Es soll ja alles mal genutzt werden und zum sinnvollen Einsatz kommen, wenn wir die Sachen schon mitschleppen. Im Regen zieht sich die Strecke ganz schön oder eben auch nicht so schön, aber wir strampeln unermüdlich weiter.
Immerhin gibt es an der Strecke verschiedene ansehnliche Landhäuser und riesige Scheuenen – sogenannte Hallenhäuser -, die auch im Dauerregen wunderschön anzusehen sind! Bilder zu machen lohnt sich bei diesem Wetter allerdings leider nicht. Wir merken auch, dass wir uns in Richtung Altes Land begeben an den großen Obst-Plantagen; insbesondere Äpfel werden hier angebaut. So nehmen wir trotz des Regens einiges wahr und sind aber dennoch froh, dass es wenige Kilometer vor unserem Tagesziel – einem Landgasthof – wieder aufhört mit der Feuchtigkeit von oben. Zumindest für den Moment. Wieder einmal haben wir die richtige Wahl für die kommende Nacht getroffen.

Dienstagmorgen nieselt es noch etwas, der Himmel ist grau und es ist windig. Ordentlich windig und es ist – natürlich kein Rückenwind. Zumindest lichten sich die Wolken nach kurzer Zeit und es ist den restlich Tag trocken. So geht es mit der Fähre von Wischhafen über die Elbe nach Glückstadt.

Anfangs sind wir doch etwas enttäuscht von dem Örtchen, von dem wir so viel Interessantes gelesen hatten, aber am kleinen Hafen können wir dann doch noch ein paar positivere Eindrücke verbuchen bevor es, nun wieder die Elbe abwärts, aber immer noch gegen den Wind in Richtung Nordseeküste geht. Allerdings wird es sonniger 😏. Gegenwind – das ist trotz der E-Bikes kein Spaß – zumal wir ja auch immer versuchen mit so wenig Motorunterstützung wie möglich zu radeln. Aber heute ist es echt zäh und im Grunde völlig egal, ob wir vor oder hinter dem Deich radeln – der Wind kommt mit ca. 30 km/h daher (so die Angaben in einer Wetter-App). Dennoch halten wir gut gelaunt das eine oder andere Schwätzchen mit ‚Leidensgenossen’ oder mehr oder weniger mitleidig oder neidisch dreinschauenden Einheimischen am Wegesrand und haben durchaus noch den Blick für die ‚Pötte‘ auf der Elbe sowie auf die mittlerweile stillgelegten Atomkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel.
Zum Thema Wind haben wir übrigens hier eine schöne Beschreibung gefunden: Wind wird hier erst dann Wind genannt, wenn die Schafe auf dem Deich keine Locken mehr haben 🫣. Hmm – ganz viele Schafe sind allerdings gerade frisch geschoren – bleibt uns doch nur unser eigenes Empfinden.

In Brunsbüttel queren wir mit einer kostenfreien Fähre des WSA (Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes des Bundes) den Nord-Ostsee-Kanal und kommen kurz darauf an unserem kleinen Campingplatz an. Die kostenfreie Nutzung aller Fähren geht bereits auf eine Verordnung von Kaiser Wilhelm I zurück unter dem der Bau des Kanals begann bis 1949 hieß der Kanal auch Kaiser-Wilhelm-Janal und wurde erst aufgrund des Wunsches der Alliierten in Nord-Ostsee-Kanal (NOK) umbenannt.

Viele Kilometer sind es nicht gewesen, aber dennoch wissen wir sehr wohl, was wir heute in den Beinen haben.
Wir sind froh, als wir den kleinen aber feinen Campingplatz direkt hinter dem Deich erreichen und unser Gugelhupf, dieses mal mit zusätzlichen Sturmleinen gesichert, sich alsbald tapfer den Böen entgegenstellt.

Abkühlung

Mit dem leckeren und umfangreichen Frühstück in der Mühle überbrücken wir bis ca 13 Uhr den Regen, der mal schwächer und mal kräftiger als anhaltender Landregen daherkommt. Jörgs Wetter-App behält recht und gegen 12:30 Uhr wird es heller und dann hört der Regen ganz auf. Wir bezahlen und fahren 2 km entgegen der eigentlichen Route um in einem Hofladen ganz in der Nähe eine Rindersalami mit Fenchel sowie einen körnigen Frischkäse mit Datteln und Curry zu kaufen, die uns beim Frühstück so gut geschmeckt hatten. Danach geht es weiter Richtung Norden. Burhave ist das nächste Ziel. Für den Tag und die kommende Nacht sind weiter Regenschauer angesagt und so entscheiden wir uns nur für ein paar Kilometer und eine weitere Nacht in einer festen Unterkunft.

Wir fahren wie gehabt an Wiesen und Feldern vorbei, sehen Getreide, Mais, abgeblühten Raps, Kühe und Schafe sowie natürlich Windräder. Manche Schilder in diesem Zusammenhang sollte man nicht außer acht lassen 😉 Landschaftlich ist es nicht wirklich abwechslungsreich und so radeln wir ohne „Aha-Momente“ bis nach Burhave.

Burhave ist ein kleiner Ort direkt an der Nordsee. Das Wetter hält soweit und es gibt zum ersten Mal wirklich etwas Strand und Watt! Also schnell Schuhe aus und rein. Der Untergrund ist hier recht unterschiedlich weich oder fest und teilweise auch mit tieferen Gräben durchzogen. Wer nicht aufpasst, steckt schnell mal bis zum Knie im Schlick und das ist schon ein sehr komisches Gefühl wenn man so feststeckt und kämpfen muss, um sich wieder frei bewegen zu können. Da steckt sicherlich der eine oder andere Schuh im Boden 😏. So sind wir eine Weile unterwegs und überbrücken die Zeit bis wir im Hotel einchecken können. Um uns herum ziehen immer wieder dunkle Regenwolken und über dem nahegelegenen Bremerhaven scheint ein ordentliches Gewitter runterzugegen. Es hat sich deutlich abgekühlt, ist aber angenehm frisch, nicht zu kalt. Abends gehen wir sehr lecker Fisch essen. Es ist gar nicht mal so preiswert, aber es gibt auch einmal andere Kreationen anstatt von Salzkartoffeln/Pommes und Salat zum Fisch. Anjas Rotbarsch wird mit Kartoffelstampf und Spitzkohl serviert und zusätzlich gibt es einen kleinen Gurkensalat. Gnocchi, Spinat und grünen Spargel mit einer sehr leckeren Sauce zieren den Fisch bei Jörg. Zurück im Hotel angekommen setzt auch pünktlich der Regen wieder ein – mal wieder alles richtig gemacht!

Morgens führt uns der Weg dann an der Küste entlang nach Bremerhaven. Seit der Regen begonnen hat, ist es wieder deutlich kühler geworden. Kaum 20°C – es wird also eher wieder mit langer Hose und langärmlig gefahren. Wir machen von der anderen Seite der Weser Bilder der Skyline von Bremerhaven, wo wir u.a. auch das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff“ liegen sehen. Nach einer weiteren kurzen Radstrecke setzen wir mit der Fähre über die Weser und sind auch schon mitten in der Stadt. Es ist recht voll und wir schauen uns vor allem die langen inselartig vorgelagerten Hafenanlagen an. Der Tipp mit dem Auswandererhaus von Birgit kam leider zu spät. Wie wir auch unterwegs von anderen Radlern hörten, ist das wohl ein wirklich tolles Museum. Sollte es uns nochmal irgendwann nach Bremerhaven verschlagen, werden wir das sicher nachholen.

Später fahren wir weiter zu unserem nächsten Campingplatz am Kransberger See, wo wir die kommenden zwei Nächte verbringen. Es ist ein Familiencampingplatz, der allerlei für die Kinder, aber denn noch auch eine ruhigere Ecke für den kleinen grünen Gugelhupf bietet. Aufgrund des Wetters, was zwar trocken ist und fürs radeln völlig ausreicht, ist es nicht so, dass es Anja ins Wasser zieht – und das will schon was heißen 😉. Samstagabend ist „Flowerpower-Oldie-Party“, deren Musik wir am Zelt genießen. Nachdem wir leckere Knoblauchbrote mit Krautsalat – wie auch bereits am Abend vorher – gegessen haben, liegen diese Anja heute arg im Magen, so dass die Party ohne uns stattfindet.

Am „Pausentag“ geht’s dann für uns nur bis nach Nordholz ins dortige AERONAUTIKUM dem Luftschiff- und Marinefliegermuseum. Es ist gut gemacht und wir erfahren durchaus auch Neues darüber, in welchem Maße Luftschiffe gebaut und vor allem auch im ersten Weltkrieg eingesetzt worden sind, aber auch über den Luxus, der auf den Personenflügen geboten worden ist. Wirklich interessant!

Nach den beiden Nächten am Kransberger See geht es für uns weiter nach Cuxhaven. Auf dem Weg liegt ein kleiner sehr umfangreicher Hofladen, der mit der Kasse des Vertrauens 24/7 geöffnet hat. Von Obst und Gemüse über Eier, Milchprodukte und Wurst, werden auch Kuchen, Brot und Gewürze angeboten. Was will man sich für eine kleine Pause mehr wünschen?!? Wir kommen aufgrund der bepackten Räder auch mal wieder ins Gespräch, wo es denn hingehen soll und wo wir denn herkommen…. Dabei gibt es natürlich auch immer den Austausch was der- bzw. diejenigen selbst auch noch machen oder gemacht haben. Das sind doch auch immer wieder für uns spannende und interessante Gespräche, die manchmal auch neue Ideen für die nächsten Strecken oder auch ggf. für sinnvolles Equipment bringen 😉.

Am südwestlichen Ende von Cuxhaven, im Ortsteil Sahlenburg kommen wir an einen längeren Sandstrandabschnitt mit einer scheinbar unendlichen Weite ins Watt. Was da alles los ist und wie viele Menschen dort im Watt laufen – unglaublich! Auch eine große Anzahl Reiter ist dort, die weiter draußen ihre Pferde durchs Watt galoppieren lassen, aber es fahren auch an die 8 Pferdewagen auf einem grob mit Reißigbündeln markierten Weg durchs Watt um die Touristen von der und zur Insel Neuwerk samt deren Gepäck zu befördern! Ein ungewöhnlicher Anblick. Im Grunde könnten die Touristen natürlich auch in einer längeren Wanderung selbst zur Insel laufen. Wir genießen die Zeit am Stand mit einem ausgiebigen Spaziergang und entscheiden uns dann für einen neuen Campingplatz ein paar Kilometer weiter.

Hitzetage

Hier oben an der Nordsee sind Temperaturen über 30°C eher die Ausnahme, aber aufgrund des doch immer leichten bis stärkeren Luftzugs relativ gut auszuhalten. So machen wir uns trotz der Wärme von 31°C wieder auf den Weg von unserem schnuckeligen kleinen Campingplatz. Es sollen allerdings nur rund 35 km bis zum nächsten Campingplatz an einem kleinen See werden. In Wittmund und Jever machen wir jeweils eine Pause im Schattenplätzchen.
In der Fußgängerzone von Wittmund gibt es die „hands of fame“ also die Handabdrücke von berühmten Persönlichkeiten aus Politik, Sport und Fernsehen. Mit so etwas rechnet man hier „auf dem Land“ nicht wirklich, aber es sind eine ganze Menge von Handabdrücken in das Pflaster eingelassen.
Wenn wir schon mal in Jever sind, lassen wir uns natürlich einen Blick auf die Brauerei nicht entgehen – verzichten allerdings bei der Wärme auf ein quasi direkt gezapftes Bier oder Radler – ist ja auch noch recht früh am Tag. 😏
Auch das Schloss in Jever mit dem dazugehörigen Schlossgarten ist hübsch anzusehen und die Erfrischungsgetränke im schattigen Garten geradezu eine Wucht – auch wenn es „nur“ eine Apfelsaftschorle und ein Eiskaffee sind 😉.
Jever ist wirklich ein hübsches kleines Städtchen, dem man durchaus einen Besuch abstatten sollte, wenn man in der Nähe ist. Für uns geht es von da aus noch die letzten paar Kilometer zum Campingplatz.

Der Platz ist größer als erwartet und die Sanitäranlagen in Zeltnähe sind gerade im Umbau. Irgendwie alles nicht sooooo ansprechend, aber die Abkühlung im See ist toll und  bei der Schwüle willkommen! Eine junge Frau aus Osnabrück mit ihrem Hund, die wir vom vorherigen Zeltplatz in Carolinensiel bereits kennen, treffen wir hier wieder – lustige Zufälle gibt es manchmal! Am nächsten Morgen packen wir das Zelt so früh wie noch nie in diesem Jahr, bereits in praller Sonne wieder zusammen um weiter zu fahren. Aufgrund der Wärme schon am frühen Morgen frühstücken wir bei einem Bäcker im Ort im Schatten und dann geht es frisch gestärkt in Richtung Wilhelmshaven.

Die Innenstadt von Wilhelmshaven ist nicht sonderlich ansprechend, aber der Südstrand mit seiner Promenade und dem schmalen Strand lädt ein, die Füße etwas in der Nordsee zu kühlen.  Dann noch ein kurzer Bilck von außen auf das Deutsche Marinemuseum – eigentlich besteht Interesse sich solche Schiffe mal direkt an Bord anzusehen – aber bei über 33°C im Schatten zieht uns nichts auf den von Sonne erhitzten Stahl. Lieber eine kühle Rhabarberschorle  im Schatten, die Wasserflaschen am Waschbecken nochmals aufgefüllt und dann machen wir uns auf den Weg. Immerhin stehen heute doch insgesamt 60 km auf dem Plan.
Rund um den Jadebusen bis zu einer Mühle in Seefeld auf der Halbinsel Butjardingen. Wir haben für die kommende Nacht ein Zimmer gebucht aufgrund des angekündigten Regens und der folgenden Abkühlung.

Von Wilhelmshaven aus geht es erstmal genau gegen den heißen und kräftigen Wind… Das ist wirklich kein Spaß – auch wenn wir wissen, dass wir dann auf der anderen Seite des Jadebusens auch entsprechend Rückenwind haben werden! Erstmal ist es echt anstrengend bei der Wärme 😞.

Am Ende des Tages werden wir jedoch mit einer wirklich tollen und preisgünstigen Unterkunft belohnt. Wir schlafen in einem Apartment direkt neben der Seefelder Mühle, die mit dem kleinen Laden und dem Café Restaurant wirklich einen Weg wert ist!  Wir sitzen in der Abendsonne und genießen erstmal ein wirklich schmackhaftes Abendessen. Zu dem Haus in dem wir schlafen gehört ein toll angelegter Garten, der zum verweilen einlädt und dort lassen wir auch noch einen Schluck des Eierlikörs schmecken, den wir noch im kleinen Mühlenlädchen gekauft haben. Für den nächsten Vormittag war Dauerregen angesagt und so kam es auch. Zum Glück hatten wir uns abends noch zum Frühstück im Mühlencafé angemeldet. Brot und  Marmelade aus eigener Herstellung, Wurst und Käse aus dem nahen Umland – einfach köstlich und gleichzeitig die Gelegenheit, die Regenzeit sozusagen ‚genussvoll‘ zu überbrücken.
Uns wird dieser idyllische Ort sicherlich lange in Erinnerung bleiben 😀.

Sielhopping

Der Holtriemer Hof lag etwa sieben Kilometer von Dornum entfernt in Nenndorf und bietet und neben einem ordentlichen Zimmer (allerdings mit einem etwas knarzenden Bett) abends auch noch leckeres Essen. Für so einen kleinen Ort ist das Restaurant abends echt gut besucht und die Qualität und der Geschmack der geboten wird, unterstreicht auch warum.
Die Nacht verbringen wir in einer Art komatösen Schlaf – wie bei diesem Teil des Sabbatical bereits des öfteren. Ich kann mich gar nicht entsinnen, ob das in den letzten Jahren auch annähernd so war.
Nach dem Frühstück bepacken wir die Räder wieder und los. Heute soll es (nur) ca. 35 Kilometer direkt an der Küste entlang zu einem kleinen Campingplatz gehen, den wir über Google gefunden haben. Zwar nicht direkt am Wasser, dafür aber nicht überlaufen. Laut der in Summe positiven Rezensionen wahrscheinlich wohl genau richtig für uns.

Aber erst fahren wir nochmals nach Dornum. Um elf Uhr beginnt ein Ritterfestes mit Heerlager und angekündigtem Mittelaltermarkt, gleichzeitig bietet sich aber nochmals die Möglichkeit, einen leckeren Ostfriesentee für zwei in dem schönen Café zu genießen.
Irgendwie sind wir wohl vom Vortag noch im Gedächtnis geblieben, die Bedienung hat uns sofort als ‚Wiederholungstäter‘ erkannt. Stellt sich die Frage WARUM?! Sind wir positiv aufgefallen oder gar negativ? Da sie sich auf ein länger andauerndes Schwätzchen mit uns einläßt und uns weiterhin freundlich bedient… anscheinend alles im positiv grünen Bereich.

Von Bogenschützen und Schwertkämpfern über Wahrsager und Gaukler, alles ist auf dem Mittelaltermarkt vertreten. An den Ständen gibt es allerlei zu kaufen – teils zur Zeit passend, oft in Handarbeit gefertigt. Im Innenhof des Schlosses, um das herum das Treiben stattfindet, riecht es nach dem Rauch aus der Esse des Schmiedes, aber auch nach allerlei Leckereien. Sauerkraut und Kassler und noch ein Crêpe mit Pflaumenmus sollen für uns das Finale einläuten, bevor wir wieder zu den Rädern gehen und uns aufmachen, die vielen Dörfer mit dem Namenszusatz ‚Siel‘ abzuklappern.

So geht es über Dorumersiel, Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel bis nach Carolinensiel zu unserem kleinen, feinen privaten Campingplatz. Wir buchen uns gleich für zwei Nächte ein und verlängern dann noch für eine weitere Nacht. Den ersten Tag nutzen wir zum mittlerweile dringend notwendigen Wäschewaschen, chillen und machen einen kurzen Ausflug ans Wasser und zum historischen Hafen.
Der „Strand“ – gepflasterte Promenade nach dem Sandfeld und Plaster bis ins Wasser – spricht uns nicht wirklich an, aber der kleine Hafen ist hübsch und lädt zum Verweilen ein. Aber man merkt an den Preisen in den Cafés und Restaurants deutlich, dass man an der Küste im Urlaubsgebiet ist 😉. Haben wir in Leer noch 4,90€ für einen Ostfriesentee für zwei Personen bezahlt, kostet jetzt der Tee pro Person 5,10€ – was für eine Preissteigerung. 🙄

Am nächsten Tag machen wir dann nach einem gemütlichen Frühstück eine Radtour von rund 60 km an der Küste entlang nach Schillig, Horumersiel und Hooksiel und radeln dann quer durchs Land wieder zurück. Es ist der erste Tag an dem die Luft deutlich wärmer ist, obwohl es Vormittag durchaus erstmal bewölkt ist. Es ist sehr angenehm zu fahren.

Siel bedeutet übrigens gemäß Wikipedia: Ein Siel ist ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich. Das Schließen erfolgt normalerweise durch höheren Druck bei höherem Wasserspiegel auf der Meerseite, das Öffnen durch höheren Druck von der Binnenseite bei niedrigem Wasserspiegel.
Durch diese Siele wird also eine automatische Entwässerung des Binnenlandes bei Ebbe erreicht, wobei bei Flut verhindert wird, dass das hinter dem Deich liegende Gelände voll Wasser läuft. Messerscharf haben wir geschlossen, dass das hier hauptsächlich an den Stellen passiert, an denen die Ortschaften das …siel auch im Namen tragen. Wenn dem nicht so ist, und wir völlig falsche Schlüsse gezogen haben – gerne über die Kommentarfunktion schlaumeiern. 😏

Die kleinen Örtchen haben aus unserer Sicht sehr unterschiedlichen Charme. Sind doch Greetsiel, Neuharlingersiel, Carolinensiel und Hooksiel sehr hübsch anzusehen und haben eine heimelige Atmosphäre, können wir den anderen Orten eher weniger abgewinnen. Aber die Geschmäcker sind ja so oder so unterschiedlich und es es schön, sich im Vorbeireisen einen Eindruck machen zu können um dann ggf. zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an bestimmte Orte zurückzukommen, oder das Bewusstsein zu bekommen „hier zieht mich nichts mehr hin“.

Moin, moin

Spätestens in Emden sind wir nun in Ostfriesland angekommen, wo ein freundlichers „Moin, moin“ schon fast als geschwätzig gilt 🙃.
Nach unserem Besuch in Emden stellen wir fest, dass es dafür nicht zwingend einen ganzen Tag braucht, aber was soll’s. Wir verlängerten morgens das Zimmer um eine Nacht und fuhren mit den Rädern in die Stadt rein. Eine Fußgängerzone, verschiedene kleine und große Lokale am Marktplatz, am Innenenhafen und in den Seitenstraßen. Allerdings vermissten wir eine typische Altstadt, aber Emden wurde im Krieg damals komplett zerstört, so dass bis auf ganz wenige Häuser alles neu aufgebaut worden ist. Wir schlossen die Räder an und bummelten durch die Straßen der Innenstadt und des Hafens entlang. Nett, aber auch irgendwie nicht viel mehr. Kulturelles Highlight an diesem Tag ist unser Besuch im „Otto Hus“. Interessant sind die gesammelten Auszeichnungen vom Bambi, über die Goldene Henne bis zum Bundesverdienstkreuz um nur einen kleinen Bruchteil zu nennen. Aber auch die vielen Fotografien mit anderen Stars und Sternchen aus Film-, Musik- und Sportszene sind sehenswert. Witzig anzusehen ist auch der Zusammenschnitt aus den verschiedenen Otto-Filmen oder Filmen, in denen er mitgespielt hat. Die Ausstellung ist nicht groß und bietet sicherlich nicht wirklich viel Neues, aber es ist trotzdem ganz schön sich ein Stückweit auch in die eigene Kinder- und Jugendzeit zurückzuversetzen.

Zurück im Hotel steht die erste diesjährige Fahrradreparatur an. Irgendetwas hatte an meinem Rad angefangen zu klappern – Jörg kümmert sich. Hat sich die Kette gelockert und schlägt nun auf unebener Strecke an den Kettenschutz? Hat sich irgendwo am Schutzblech eine Schraube gelöst? Oder hat sich wieder mal in der Automatikgangschaltung etwas gelöst oder ein Steinchen eingeklemmt? Schlussendlich wird als Übeltäter das Rahmenschloss ausgemacht, bei dem sich die Befestigungsschrauben gelöst hatten. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich noch die Kette gefettet und etwas nachgespannt und der Getränkehalter an Jörgs Rad nochmal besser platziert.

Am nächsten Morgen geht es weiter über den Außenhafen von Emden in Richtung Nordsee. Die Windräder sind ziemlich genau so ausgerichtet, dass wir sie von hinten sehen und was bedeutet das?!? Genau, der Wind kommt geradewegs auf uns zu… Na ja, wir haben es ja nicht eilig und so geht es gemächlich los. Gleich in Twixlum, auf der anderen Seite von Emden, legen wir einen Stopp bei einem kleinen Café mit eigener Käseherstellung ein, streicheln ein kleines Kälbchen und trinken gemütlich einen 2. Tee – okay, ein Stück Kuchen für zwei ist auch dabei, aber er sah einfach so verlockend selbstgemacht aus und ist auch super lecker!

Dann geht es weiter meist gegen den Wind über Wiesen und Felder bis wir am Nordseedeich ankommen! Im Wesentlichen fahren wir hinter dem Deich; davor würden wir heute vermutlich eher rückwärts unterwegs sein. Aber irgendwann erreichen wir auch endlich DEN Leuchtturm in Ostfriesland, den rot-gelben Pilsumer Leuchtturm, Ottos Leuchtturm. Unbeschmiert wäre er sicher noch ansehnlicherlich, aber warum sollte es hier anders als woanders sein?!

Nach einem kurzen Fotostopp geht es auch schon weiter. Immer noch den Wind meistens von vorne. Greetsiel ist dann einer der nächsten Orte, den wir durchqueren und der uns gut gefällt mit seinen alten Fischerhäusern, dem Straßenmusiker auf der kleinen steinernen Brücke am kleinen Hafen und den kleinen Lädchen. Sehr schön anzusehen, aber wir wollen noch ein paar Kilometer schaffen heute. Entlang des Störtebekerkanals geht es weiter in Richtung Norden, im wahrsten Sinne des Wortes.

Irgendwann ziehen graue Wolken auf. Mmhh, bis zum Campingplatz in Norddeich sind es noch einige Kilometer und der Wind hat sich ja noch nicht so recht verzogen. Was tun? Ein Schild „Wohnmobile 100 m“ bedeutet uns einen Weg rechtss rein. Ob da eventuell auch Platz für ein Zelt ist? Es ist ein Privatgrundstück und wir klingeln. Ja einer der Stellplätze ist frei, Strom und Wasser können wir auch nutzen, ach ja, und einen Brötchenservice würden sie auch anbieten. Sagt, getan, wir bleiben. Wir sind 15 € für alles zusammen los und der Regen beginnt – zum Glück nicht von langer Dauer und so können wir unseren Gugelhupf noch halbwegs trocken aufbauen bevor immer mal wieder ein Regenschauer vorbeischaut. Aber dank des Sonnen- ähh Regensegels, dass wir ja für ähnliche Zwecke vor 2 Jahren auf Fehmarn erstanden hatten und was natürlich auch wieder on Tour ist, können wir noch trocken sitzen und einen warmen Tee sowie einen kleinen Abendimbiss aus unseren Vorräten genießen. Recht früh verziehen wir und dann jedoch ins Zelt. Immerhin stehen wir dort windgeschützt und gut festgezurrt, so dass wir diesbezüglich keine Bedenken haben müssen.

Die Wetter-App hat mal wieder recht: kaum sind wir aus dem Zelt gekrabbelt und fürs Frühstück bereit, kommt der nächste Regen. Der Tee und die frischen Brötchen schmeckten trotzdem und wir sitzen trocken unter unserem Regensegel. Hatte ich schon erwähnt, was für tolle, leichte Campingstühle inkl. kleinem Tisch wir seit Ende unserer Tour 2020 unser Eigen nennen?!? Auch die sind in diesem Jahr wieder mit dabei und haben sich wirklich schon bezahlt gemacht! Wie toll ist es, nicht mehr zwingend auf dem Fußboden sitzen zu müssen! Überhaupt staunen wir schon manchmal, was sich so alles in den Fahrradtaschen verbirgt und wieviel Kram, das alles so ausgebreitet ist – aber zusammengepackt am Rad ist es dann doch alles gar nicht so schlimm 😉.

Irgendwann hört der Regen auch wieder auf und es soll bis zum Abend nur noch ein Schauer durchziehen. Wegen der Schauer am Abend und in der nöchsten Nacht haben wir uns bereits früh für ein „richtiges Zimmer“ für die kommende Nacht entschieden. Die Strecke führt uns über die Städtchen Norden und Norddeich wieder zum Deich und an ihm entlang. Dieses Mal allerdings zeitweise auch vor dem Deich. Es ist zwar nicht windstill, aber heute kommt der Wind häufig von hinten – so darf es bleiben! Zum Nachmittag wird dann der Wunsch nach einem gemütlichen Tee, Kaffee und vielleicht einem leckeren Stück Kuchen lauter. Aber wie das so oft ist, wenn man sich etwas wünscht: es lässt auf sich warten, so dass MANN schon fast etwas unleidlich wird 😉. Aber dann ein Schild „historische Altstadt Dornum“: hübsche, Häuschen, ein Wasserschloss und ein hübsches, kleines Café! Angehalten, Platz gesucht und leckeren Kuchen in der Sonne genossen! Danach haben gerade vor diesem kleinen Kaffee noch einen Arbeitskollegen von Jörg, seinen früheren Chef, getroffen – wie klein die Welt manchmal ist! Die restlichen Kilometer bis zum festen Schlafplatz waren danach nur noch ein Klacks.

Unsere Teilstrecke des EmsRadwegs

Aufgrund der weiterhin regnerischen Wettervorhersage beginnen wir früh damit unser Zelt abzubauen. So kann es noch etwas unter unserem großen überdachten Unterstand trocknen, während wir unser Frühstück genießen und den ganzen Kleinkram, ordentlich thematisch sortiert wieder in unseren Taschen verpacken.
Die Etappe für den heutigen Tag ist mit knapp 50 km relativ kurz, aber Wind und Wetter können auch wenige Kilometer recht anstrengend machen. Zum Glück stand zu der Etappe geschrieben, dass es ausreichend viele Einkehrmöglichkeiten geben soll. Hört sich also nach heißem Kaffee und ausreichend Futterage an, womit man Regengüsse sicher überbrücken kann.

Mit einem letzten Dank für die zuvorkommende Unterstützung an das Betreiberpaar des Campingplatzes staren wir zu unserem Einstiegspunkt auf den EmsRadweg.
Im Ort Haren dröhnt ein durchdringender Ton und Lautsprecheransagen – die Schule wird gerade evakuiert. Scheint aber ein Probealarm zu sein und wird von den Schüler:innen eher belustigt aufgenommen.
Ein paar Minuten später ist das schon vergessen und wir sind auf der passenden Radroute angekommen.

Nach wenigen Kilometern fängt es wieder an zu nieseln. Anhalten, Regenjacken an und für Anja auch die Regenhose und weiter geht’s. Vorbei an einem riesigen Pferdeferienhof mit an die 200 Ponys & Pferden. Uns sind alleine ca. 50 junge Mädels von einem Ausritt entgegen gekommen – unglaubliche Dimensionen! Fragt sich nur, ob sowas wirklich noch schön ist…

Unser nächster Halt ist dann das Hotelrestaurant Lathener Marsch. Warum gerade da? Na ja, so reichlich sind die Möglichkeiten bis dahin entgegen der Angaben in der Etappenbeschreibung dann doch nicht, aber hauptsächlich fühlen wir uns anhand der Optik der Örtlichkeit angesprochen. Fazit: Für jeden, der lecker was zwischen die Zähne bekommen möchte, ein echter Geheimtipp.
Ok, der Kellner ist ein wenig schrullig skurril, mit sprödem nordischen Humor, aber mit Hilfe von Notizzettel und Stift ist er in der Lage, drei verschiedene Gerichte passend der Küche zu melden und an den Tisch zu liefern. Für die zwei Getränke fragt er dann doch vorsichtshalber nochmal nach. 🥴
Die Pastinakencremesuppe schmeckt extrem lecker, Anja findet ihren Buchweizenpfannkuchen vom Geschmack ,gewöhnungsbedürftig‘ aber ganz gut, die Spaghetti Bolognese sind mit frisch geriebenen Parmesan geschmackvoll wie beim guten heimischen Italiener. Dazu gibt es selbstgemachten Zitronen/Minze-Eistee – auch zu empfehlen. So wird aus einem angedachten ‚kurzen Stopp‘ eine ausgiebige Mittagspause.

Dann ging es frisch gestärkt und ohne weiteren Regen die Ems entlang. Viele Wiesen, kleine Örtchen und in beide Richtungen sind andere Radler unterwegs. Da die Etappe ja nicht so lang und der Wind moderat ist, nutzten wir die Gegebenheiten für eine ‚Sprint-Etappe‘ und so kommen wir bereits am frühen Nachmittag in Papenburg an. Die Oberschenkel brennen ein wenig, aber ein gemütlicher Spaziergang entlang des schön gestalteten Kanals, eingerahmt von vielen Blumenkästen und -kübeln, liefert Abhilfe und ein späteres Abendessen rundet den Tag ab.

Am Morgen werden wir recht unsanft von Menschen mit benzinbetriebenen Laubbläsern und Freischneidern geweckt. Latschen da doch tatsächlich um viertel vor sieben ein paar Leute der Stadtreinigung, dezent orange gekleidet, durch die Innenstadt. Tageslosung: „Unser Dorf soll (lautstark) schöner werden.“
Hallo, liebe Stadtfuzzis und Tourismusplaner, Gäste gibt es in Papenburg um diese Jahres- und Uhrzeit wohl nicht?! Allein in unserer unmittelbarer Nähe sind allein 3 Hotels!
Na ja, nach einem sehr leckeren Frühstück mit Rührei, Obst, Joghurt und Brötchen mit Aufschnitt geht es aber für uns auch schon wieder los.

Raus aus der Stadt, einen kurzen Blick in Richtung Meyer Werft, wo die ganz großen Schiffe gebaut werden, zurzeit aber keines ausgeschifft im Außendock zu sehen ist, weiter die Ems entlang, wo wir den nächsten Stopp in dem hübschen, kleinen Städtchen Leer machen. Anfangs haben wir fast das Gefühl, dass es uns zu viel Gewusel, zu viele Menschen in der Fußgängerzone sind. Allerdings verläuft es sich in den kleineren, schönen Gassen der Altstadt dann doch etwas. In einem kleinen, feinen Antik Café nehmen wir unseren ersten richtigen Friesentee zu uns: Kluntjes in die Tasse, Tee darauf und ein paar Tröpfchen Sahne gegen den Uhrzeigersinn am Rand in den Tee geben – NICHT umrühren! So kann der Tee in drei Stufen genossen werden: 1. Tee mit Sahne (schmeckt irgendwie nach Karamell), 2. den Tee an sich und 3. den gesüßten Tee. Uns schmeckt es sehr lecker, so dass das wohl nicht der letzte hier in Ostrfriesland gewesen sein wird 😀. Auch beschließen wir, diesem Städtchen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal einen Besuch abzustatten.

Nun wechselt der EmsRadweg auf die andere Seite und wir fahren in erster Linie am Deich und immer wieder an Schafen und deren Weideflächen vorbei. Wenn es mal durch Dörfer geht, sind dort meistens kleine Entwässerungsgräben um die für uns teilweise riesig anmutenden Grundstücke mit teils parkähnlichen Gärten herum angelegt. Auf den Wiesen tummeln sich allerhand Federvieh, aber auch eine sich in der Sonne putzende kleine (leider fotoscheue) Bisamratte haben wir schon zu sehen bekommen.
Wir erreichen irgendwann Ditzum. Endlich, das erste Fischbrötchen so fast an der Küste – mmmhh, das schmeckt gleich nochmal besser! Wobei, Jörg bleiben die Happen fast im Hals stecken, als ich feststelle, gleich geht unsere Fähre auf die andere Emsseite – ansonsten erst in einer Stunde wieder! Also schnell runter mit Brötchen und Alsterwasser, in der Hektik viel zu viel bezahlt und ab zur Fähre. Geschafft! Dann noch ein nettes Pläuschchen auf der Fähre mit anderen Radlern aus dem Ruhrpott (Castrop-Rauxel), die seit 6 Tagen an der Ems unterwegs sind. Mit diesem Völkchen kommt man immer ins Gespräch 😉. Einer der drei ‚Jungrentner‘ hätte der Bruder des leider schon verstorbenen Comedian Dr. Ludger Stratmann sein können. Nicht nur optisch, sondern auch von der Stimme und den trockenen Kommentaren her quasi eine Wiedergeburt. 🤗

Für heute Nacht haben wir uns für ein Domizil in einem Landgasthotel kurz vor Emden entschieden. Da der nächste Campingplatz erst 15 km hinter Emden liegt, wir uns aber für die Stadt etwas mehr Zeit nehmen wollen, haben wir uns dafür entschieden, morgen einen entspannten Tag in Emden zu verbringen bevor es dann weitergeht. Das hotelansässige Restaurant hat heute gut an uns verdient. Nicht nur die Fischteller waren total lecker, auch Wein, Bier und Baileys waren nicht zu verachten, aber ob wir heute wirklich so viel geradelt waren, dass diese Rechnung kalorientechnisch zu Null aufgeht?!? 😬
Zumindest schlafen, werden wir vermutlich gut!

Angekommen in Haren an der Ems

Sonntagvormittag, ca. 15°C, es regnet mal mehr und mal weniger… und wir sitzen unter einer Bedachung, das Zelt wenige Meter entfernt vor uns auf der Wiese. Aber der Reihe nach…

In Ootmarsum starteten wir nach einem leckeren Frühstück im Hotel. Von der am Berg – oder eher Hügel – gelegenen Unterkunft rollten die Räder die ersten 1 – 2 km quasi von alleine. Nach ein paar weiteren Kilometern wird der Radweg schmaler und ist auch nicht mehr in zwei einzelne Spuren markiert: man merkte sofort, wir haben die Grenze nach Deutschland überquert. Wir radelten durch viele Felder mal etwas an der Landstraße entlang, mal auf abseits gelegenen Radwegen. Das erste kleinere Dorf war Lage und dann folgte das größere Neuenhaus, wo ein erster Stopp für einen Cappuccino angedacht war. Der Ort ist auch verhältnismäßig groß, aber war doch irgendwie nicht so richtig belebt, eher tot…Viele leere Häuser und verwaiste Läden, wenige Menschen auf den Straßen, aber Autos waren unterwegs. Komisch, in den Niederlanden sind wir durch keinen einzigen solch tristen Ort gekommen. ‚Spiel mir das Lied vom Tod’, das Titellied aus dem gleichnamigen Film war deutlich im Hintergrund zu hören – auch nee, war doch nur der Wind.

Aus dem Cappuccino wurde nichts. 🤔 Erinnert irgendwie an unsere Touren durch den ‚tiefsten Osten’, wo wir mangels Einkaufsmöglichkeiten bei Privatleuten am Gartenzaun um Wasser betteln mussten. So radelten wir (noch) guter Dinge weiter.

Es ging durch eine Gegend in der irgendetwas aus der Erde gefördert zu werden schien… Öl?! Ja, in der Tat standen vereinzelt auf den Feldern kleine Förderpumpen und Warnschilder wiesen auf Probebohrungen für Öl hin. Texas in Niedersachsen – aber ohne J.R. Ewing, inmitten von Maisfeldern. Etwas später fuhren wir auch noch an der Aufbereitungsanlage von Exxon mobile vorbei. So etwas hatten wir hier irgendwie nicht erwartet, aber man lernt ja zum Glück nie aus!

Etwas später erreichten wir einen Bereich, wo man versucht das früher dort vorhandene Moor wieder zu beleben, aber in Zeiten des Klimawandels und mehrerer viel zu trockener Sommer auch in unseren Regionen, scheint das ein schwieriges bis aussichtsloses Unterfangen zu sein, denn von ‚Moor‘ gab es keine Spur. Eigentlich ist es aber als toller Anschauungsbereich gedacht, mit einem quer durchs ‚Moor’ gebauten Stegweg von ca. 2 km Länge. Als Fußweg gedacht, hätte sicher aber auch der eine oder andere Mountainbiker Spaß über die Holzplanken zu flitzen. Hoffentlich lohnt sich das viele Geld, was sicherlich in die Verwirklichung dieser Idee geflossen ist irgendwann und macht auch Sinn für die Natur. Vielleicht hätte man einen Kaffeeautomaten aufstellen sollen, dann hätten wir für Umsatz gesorgt und das Projekt damit unterstützt. So geht es leider ohne Kaffee oder ähnliches weiter. 🙄

Nächstes Etappenziel – Neugnadenfeld. Google sagt, es gibt ein Gasthaus und ein Steakhaus und eins von beiden wird schon offen haben. Falsch!!! Ein vor Ort befragter Einheimischer raunte: ,Das Gasthaus ist schon länger geschlossen und das Steakhaus ist auch zu.‘ Mehr muss man dazu nicht sagen… wieder wurden wir erinnert an unsere Radtour an der Oder entlang, wo ein Dorf leider auch ausgestorbener als das andere war und wir solche Aussagen, dass der Gasthof seit längerem geschlossen ist, des Öfteren gehört haben. Schade. Weiter ohne Kaffee… da wird langsam jemand unruhig. 😳

Inzwischen waren wir rund 3 Stunden auf dem Rad unterwegs und hatte ich schon erwähnt, dass es windig war?!? Wie für Radfahrer angemessen, blies der Wind kräftig, meistens von vorne, dafür zeigte sich wenigstens zeitweise die Sonne, aber ausgesprochen warm war es nicht. Ohne den blöden Wind wäre es prima Radelwetter. Aber gut, wir wissen dass wir im Norden unterwegs sind und sehen es sportlich als Einstimmung auf die Küste! Gelegentlich schaltete man ganz unauffällig mal vom Eco-Modus in den Sport-Modus – wir wollten ja die Kirche im Dorf lassen und uns nicht schon jetzt den Rest geben. 😏

Nach ein paar weiteren Kilometern kamen wir an einer Rasthütte vorbei und entschlossen uns, spontan ein Picknick mit unseren noch von zuhause mitgenommenen Vorräten zu machen. Es gab Knäckebrot, Käse und Marmelade, etwas aufgeschnittenen Kohlrabi und Obst. Wir ließen es uns gut gehen – auch ohne Cappuccino & Tee 😬, denn den Campingkocher holten wir nicht extra raus. Zudem war uns aufgefallen – das Kaffeepulver für den Espressokocher steht sicher verwahrt in zigfacher Auswahl in Duisburg. 😱 Aufgrund des Windes zogen wir es vor in der Hütte zu pausieren und nicht am Tisch draußen. Es war alles sehr liebevoll von der Gemeinde gestaltet. Es lagen sogar Polsterkissen auf den Holzbänken bereit und es gab auch eine Örtlichkeit mit dem schönen Namen „zum hockenden Weibe“ 😉. Ein Schild erläuterte Nutzen und Gönner der Örtlichkeit und bat um eine Spende bei Gefallen – na dem kamen wir doch sehr gerne nach, kam uns diese Hütte doch ausgesprochen entgegen!

Frisch gestärkt ging es motiviert auf die nächsten Kilometer dem Wind trotzend. Und schon querten wir mal wieder die Grenze zu den Niederlanden und irgendwie sah man es auch gleich am nächsten Örtchen, auch wenn wir hier jetzt gar nicht mehr nach einem Erfrischungspunkt Ausschau hielten. Irgendwann muss man sich einfach dem Schicksal ergeben. 🥺 Unser Tagesziel Haren (Ems) war nicht mehr so fern, aber wir hatten noch eine Strecke durch den Naturpark Bargerveener Moor vor uns. Landschaftlich toll, aber auch sehr eben ohne viele Bäume am Wegesrad. Ein super Radweg, aber Wind ohne Ende sobald wir in Richtung Norden unterwegs waren… Was waren wir froh, als es endlich wieder etwas mehr nach Osten ging und der Wind gefühlt gleich merklich nachließ!

Schließlich näherten wir uns Haren, fuhren vorbei am Baggerpark (an der Stelle liebe Grüße an die Jungs vom Doppelkopf) und steuerten erstmal einen Baumarkt (Fett für die Sattelstütze wurde gesucht) und dann den Großversorger an, wo es ‚aldi‘ günstigen Preise gibt, damit wir uns wieder besser selbst verköstigen können. Dann buchten wir eine Nacht auf dem örtlichen Campingplatz, bauten den grünen Gugelhupf auf und radelten ins Zentrum, um endlich was zu essen. Und wie das geschmeckt hat nach rund 75 km gefühlt verdammt oft gegen den Wind!!! Es durfte sogar noch ein leckerer süßer Nachtisch sein – hatten ja reichlich Geld gespart bei der miesen Versorgungslage unterwegs. 😇

Inzwischen ist es Sonntagabend geworden und wir haben heute einen Pausentag eingelegt – Regen war und ist angesagt und die Wetter-App hat nicht gelogen. Immer wieder nieselt es oder gibt einen kurzen kräftigen Schauer, aber es regnet zum Glück nicht den ganzen Tag durch. Wir fahren nur da, wo die Sonne scheint – so war der Plan. Na ja, auch das ist verhandelbar. So waren wir heute nur zu Fuß unterwegs um das Örtchen zu erkunden und ansonsten hat ein fauler Tag im und am Zelt auch seinen Reiz. Wir haben somit noch um eine Nacht verlängert und hoffen, morgen auf etwas trockneres Wetter zu treffen.