Nachdem uns so viele erzählt und vorgeschwärmt haben vom Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven wollten wir, wenn es sich ergibt, nochmal dorthin.
Nun sind wir auf dem Rückweg und müssen aus Zeitgründen sowieso Teilstrecken mit der Bahn zurücklegen – warum dann nicht auch über Bremerhaven!?! Somit fahren wir also vom Bahnhof Kutenholz direkt nach Bremerhaven und übernachteten dort.
Am nächsten Morgen geht es dann gleich morgens ins Deutsche Auswandererhaus. Ganz ehrlich: es hat sich wirklich gelohnt! Wir sind begeistert! Es ist eine wirklich toll gemachte Ausstellung mit wahnsinnig viel Inhalt, der bis in aktuelle politische Themen reicht. Man bekommt an der Kasse quasi eine neue Identität und wandert dann mit dieser Person selbst aus. Es handelt sich bei allen Identitäten, die man dort erhalten kann, um ‚echte‘ Auswanderer und deren Leben, die irgendwann Deutschland den Rücken gekehrt haben und in ein neues Leben, in die Ungewissheit aufgebrochen sind. Anja war 1939 im heutigen Polen geboren, zum Ende des Krieges nach Deutschland und dann 1960 nach Amerika ausgewandert. Jörg hingegen war bereits 1845 geboren und 1868 nach Puerto Rico ausgewandert. Es ist mit den vielen Zeitzeugenberichten in Bild und Ton und vor allem mit der ’neuen‘ Identität wirklich eine spannende und sehr lebendige Ausstellung.
Der große Inhalt ist allerdings irgendwie auch wieder etwas viel für einen einmaligen Besuch. Wir hörten auch schon von anderen, dass sie Wiederholungstäter geworden sind 😉. So wird es uns vermutlich auch gehen!
Zumindest werden wir sicher nochmal einen entsprechenden Abstecher machen, wenn wir im dichteren Umfeld sind!

Eigentlich hatten wir auch noch als zweiten Besuch das Klimahaus in Bremerhaven auf dem Plan – allerdings nur wenn es zeitlich und Kapazitätsmäßig reicht…
Die Kapazität reicht nicht. Der Kopf ist voll mit so vielen Eindrücke und damit beschäftigt alles zu sortieren, einzuordnen und abzugleichen. Da macht es keinen Sinn noch mehr Input ganz anderer Qualität zusätzlich in den Kopf zu holen. Da kommt das große Hafenfest vor der Museumstüre gerade recht und das Klimahaus muss auf einen nächsten Besuch warten!
Also spazieren wir nochmal den Hafen entlang, wo im Gegensatz zu vor ein paar Wochen viele große und kleine Segelschiffe liegen. Es sind vor allem viele Holzboote, die zum Fest eingelaufen sind. Manche Boote kann man (als besonders Goody zum Fest) auch kostenfrei besichtigen wie z. B. das Schulschiff Deutschland, ein Dreimastsegler, der als Museumsschiff hier liegt. Das tun wir dann auch. Und irgendwie passt das auch gut nochmal zur Ausstellung, in der es auch viel um das Transortmittel Schiff für die Auswanderer ging.
Dahinter ist während unserer Besichtigung ein größeres altes Holzschiff aus Schweden eingelaufen, das für ‚Fluch der Karibik‘ als Vorlage gedient haben könnte! Das Festmachen im Hafen ist für Zuschauer immer ein tolles Erlebnis. Die Mannschaft klettert in die Seile hoch in die Masten und vertäuen die letzten Segel. Und befestigen irgendetwas ganz oben an den Rahen. Plötzlich fängt einer ganz oben am Ausguck an zu singen und andere, die an der Reling Aufstellung genommen haben stimmen mit ein (ziemlich schief allerdings 😉) und ganz zum Schluss lassen sie lange blaue und gelbe Fahnenbänder herab. Das ist anscheinend ein Begrüßungsritual, was fester Bestandteil beim Festmachen in den Häfen ist, denn so ein Schiff wird wohl überall bestaunt und es ist wirklich unterhaltsam anzusehen – besonders das flinke Klettern in die Masten die Seile hoch!






Wir schlendern noch etwas weiter um auch Durst und Appetit zu stillen. Und der Himmel zieht sich dunkel zu. Das Regenradar sagt, es kann durchaus Regen geben oder er zieht knapp vorbei. Das Klimahaus hat einen großen runden Dachüberstand unter dem wir zwei Strandkörbe entdecken. Leer!! Der Wind frischt auf und es wird immer dunkler. Als wir beide einen Crèpes in der Hand haben, gehen wir zielgerichtet und zügig auf diese beiden Strandkörbe zu. Entspannt sitzen und essen kann nichts schaden. Wir sitzen noch nicht lange, da fängt es an zu regen und zu stürmen, aber vom Feinsten! Die Menschen rennen weg vom Hafenfest und viele suchen auch Schutz unterm großen Dach des Klimahauses; sind aber bis dahin oft vermutlich bis auf die Unterbuxe nass. Schnell bilden sich große Pfützen, ein an anderer Stelle dem Wind ausgesetzter Strandkorb (ohne Personen!) fällt um – aber wir sitzen trocken in unserem Strandkorb und beobachten alles aus der ersten Reihe. Manchmal muss man auch Glück haben!






Unseren angedachten Zug lassen wir fahren, sonst wären auch wir klitschnass bis zum Bahnhof. Der Zug fährt jede Stunde; dann wird es eben abends etwas später bis wir im Hotel sind. So fahren wir schlussendlich eine Stunde später als gedacht, dafür aber trocken, einen großen Schlag bis nach Osnabrück. Gegen 20 Uhr erreichen wir die Unterkunft mitten in der Stadt und starten noch zu einem kleinen Rundgang zu Fuß. Osnabrück hat eine wirklich große Fußgängerzone und lädt an der einen oder anderen Stelle auch in nette kleine Cafés, Kneipen und Restaurants ein. Uns gefällt was wir sehen und wollen am nächsten Morgen bevor es dann weitergehen soll, zumindest noch einen kurzen Blick in den Dom werfen.