Die letzten beiden Radeltage

Nach einem leckeren Frühstück und dem Besuch des Doms in Osnabrück radeln wir zurück zum Bahnhof – ja es geht schon wieder mit der Bahn weiter 😉. Keine lange Strecke mehr, aber das 9€-Ticket will genutzt werden und wir brauchen noch einen sinnvollen Startpunkt für die letzten beiden Radeltage bevor wir in Emmerich-Elten sein müssen. Somit fahren wir noch mit dem Zug nach Bad Bentheim. Dort angekommen machen wir einen kurzen Abstecher in die Stadt, deren Mittelpunkt im Wesentlichen aus einer auf dem Berg gelegenen Burg besteht.
Also ‚mal eben‘ mit vollem Gepäck den steilen Kopfsteinpflasterweg hoch… Da hilft auch keine so oft geschätzte automatische Gangschaltung bei Anjas Rad, wenn die Trittfrequenz zu spät erhöht wird. Sie rackert sich ab, aber die letzten Meter müssen geschoben werden – Dank Schiebehilfe ist das machbar! Jörg hat wie immer schneller geschaltet (im wahrsten Sinne des Wortes 😉) und kommt mit letzter Kraft radelnd oben an! Die Umhergehenden staunen nicht schlecht. Meist ältere Semester applaudieren uns 😀. Leider werden wir nicht wie erhofft von oben mit einen schönen Blick über die Gegend belohnt – der hohe Baumbewuchs steht dem entgegen. Vielleicht von ganz oben von der Burg?! Aber nur um das zu erfahren wollen wir nicht extra Eintritt bezahlen. So entscheiden wir uns, uns auf den Weg in Richtung Heimat zu machen. Es geht über Wiesen und Felder – wir folgen im Wesentlichen den ausgeschilderten Radwegen, da Anja und der Garmin (Fahrrad-Navi) heute mal wieder auf Kriegsfuß miteinander stehen und er (oder sie?!) die Arbeit eingestellt hat.
Aber es geht auch so recht gut. Es ist mal wieder landschaftlich anders als hinterm Deich wie so oft in den letzten Wochen, aber ansonsten ein unspektakulärer Weg. Kleine Orte ohne bemerkenswerte Situationen oder Sehenswürdigkeiten.
Unser Hotel für die letzte Nacht der Tour liegt im kleinen Dörfchen Ammeloe, ein Ortsteil von Vreden kurz vor der Niederländischen Grenze. Nach dem Checkin tragen wir alle Taschen ins zugewiesene Zimmer Nr. 6. Aber was ist das? Das Bett nicht gemacht? Das Bad nicht geputzt?! Wer hat aus meinem Becherchin getrunken?!? Große Fragezeichen auch in dem Gesicht des Menschen an der Rezeption. Zum Glück gibt es noch ein anderes freies Zimmer, das wir für die eine Nacht beziehen können, denn eine Hausdame gibt es um die Uhrzeit natürlich nicht mehr.
Das nun zugewiesene Zimmer Nr. 4 liegt zwar direkt zur Kirche hin, aber die stellt wohl das Läuten zwischen 22 und 7 Uhr ein; die Ohrenstöpsel können also eingepackt bleiben!

Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück geht es auf die letzten offiziellen Kilometer unseres Sabbaticals in Richtung Niederlande. Nach etwa 10 km überqueren wir die Grenze und radeln wieder entspannt über die dort typischen gut ausgebauten Radwege.
Das Navi hat seinen Dienst wieder aufgenommen, aber die Strecke wird zwischenzeitlich nochmal von Anja überarbeitet, wollen wir doch nicht so viel an der Straße entlang fahren. Anfangs ist der neue Weg super, aber dann wird er leider zur Sandpiste. Zwar schon weitgehend fester Sand, aber doch immer mal wieder mit weichen Sandlöchern – man muss höllisch aufpassen und es ist doch recht anstrengend zu fahren so voll beladen… Und dann stellt Jörg fest, dass er seine Armmanschette für den Tennisellenbogen nicht mehr hat 😞. Im Hotel liegen geblieben? Unterwegs verloren?
Im Hotel erreichen wir telefonisch erst am nächsten Tag jemanden, aber dort wurde sie nicht gefunden. Auch in allen Radtaschen ist sie nicht auffindbar. Mist – leistete sie doch oft gute Dienste als Vorbeugung gegen die Schmerzen bei einer Überbelastung des Armes.

Dann wird der Weg wieder besser und wir radeln über gut ausgebaute und asphaltierte Wege dem Ende unserer Tour entgegen. Einerseits beschwingt fast 1700 km gefahren zu sein, so viel erlebt und gesehen zu haben und andererseits auch etwas wehmütig und traurig, da die schöne Zeit sich definitiv dem Ende neigt.
Der Wind begleitet uns auch den Großteil des letzten Tages von vorne (auch ohne dass Wasser in der Nähe ist) und wir treten nochmal kräftig in die Pedalen! Vor allem haben wir den letzten Anstieg in Elten vor Augen zum Haus von Anne, welches an der Straße in Richtung Elten-Berg liegt – der Name ist sozusagen Programm. Bei der Abfahrt von dort war es lustig mit so viel Schwung abwärts in die Tour zu starten, aber am Ende des Tages und der Tour, nach einem Tag mit viel Gegenwind noch den Berg hoch?!?! Das Navi hat mit uns ein Einsehen! Der Weg führt Stückchen für Stücken immer etwas höher, so dass wir gar nicht durch den Ort unten hereinkommen, sondern schon auf halber Höhe! Somit sind dann die letzten Höhenmeter kein Problem mehr und wir werden von den Enkelkindern sowie von Anne und Gerrit mit lauten Trara und Tröten begrüßt! Was für ein schöner Empfang, was für ein Ende der Tour. 😏

24.8.22: Die anschließenden Tage seit unserer Rückkehr am 19.8.22 haben wir es uns hier gut gehen lassen, aufs Haus aufpassen sowie Hund und Meerschweinchen bespaßt bzw. umsorgt bis die vier von ihrem Städtetrip zurück sind.

Danke, dass ihr uns so lange begleitet habt und an unseren Erlebnissen teilgenommen habt! Diese enden nun an dieser Stelle. Wir sind dankbar, dass wir diese Zeit so erleben durften, wenn auch anders als ursprünglich geplant! Wir für uns sind nicht traurig oder enttäuscht, dass es nicht wie anfangs geplant 6 Monate am Stück geworden sind, sondern es sich über drei Jahre gestreckt hat – es wird komisch sein, nächstes Jahr nur ’normalen‘ Sommerurlaub von 2-3 Wochen zu machen und mit 30 Urlaubstagen übers Jahr kommen zu müssen 😉.
Wir danken auch allen, die es im Hintergrund überhaupt für diese langen Zeiten möglich gemacht haben mit gutem Gewissen unterwegs sein zu können und alles gut versorgt zu wissen!

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

Ein Kommentar zu “Die letzten beiden Radeltage

  1. Danke. dass ihr uns an eurer Tour habgt teilnehmen lassen. Es wird sicher nicht so leicht, in den normalen Alltag zurückzukehren.. Alles Gute für euch! Br uhild

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