Die Rückreise beginnt

Am Montag, den 15.8.2022 kehren wir Sylt den Rücken und machen uns auf den Rückweg, denn schon am 19.8 wollen wir wieder zurück in Elten sein wo unsere Reise dieses Jahr begann und wo wir noch ein paar Tage Haus, Hund und Meerschweinchen hüten. Somit werden dieser und die nächsten Berichte mit etwas Verzögerung nachgereicht.

Montagvormittag geht es also mit dem 9€-Ticket für uns und Tages-Fahhradkarten für die Räder zum Bahnhof. Wir sind gespannt, wie das so mit den vollbepackten Räder klappen wird. Ob wir wohl mit der ersten Bahn mitkommen? Wie chaotisch und voll wird es werden?
Der Bahnsteig ist rammelvoll obwohl fast alle 30 Minuten ein Zug die Insel verlässt – alle fahren die gleiche Strecke, aber mit unterschiedlichen Endbahnhöfen.
Viele Menschen teils mit großen Koffern, mehrere Räder, aber nur unsere so umfangreich bepackt. Der Zug fährt ein und erstmal müssen alle raus und dann wird es spannend.
Grundsätzlich stehen wir an der richtigen Stelle am Bahnsteig, wo ein Waggon mit Fahrradabteil hält. Aber wenn man glaubt, die Bahn würde komplette Fahrradwaggons nach Sylt anhängen, hat man sich getäuscht – zumindest an unserem Zug war keiner dran. Schlussendlich haben wir Glück: gemeinsam mit uns will nur ein anderes Pärchen mit wenig Gepäck und ihren Rädern in dieses Abteil und das passt soweit auch ganz gut. Wir nehmen nur zwei Radtaschen ab, damit diese den Gang nicht so versperren. Und dann geht es auch schon los!
Der Zug ist voll, aber nicht überfüllt und es gibt auch noch vereinzelt freie Sitzplätze. Die Luft im Zug ist bei 28°C und Sonnenschein draußen nicht die beste, aber nach einem Personalwechsel auf der Hälfte der Strecke öffnet der neue Schaffner die kleinen Fenster in jedem Waggon, die nur durch ihn öffenbar sind. Wenigstens ein kleiner Luftzug!

Nach 3 Stunden endet für uns die Fahrt in Hamburg-Altona. Da wir schon zu früheren Zeiten sowohl alleine als auch gemeinsam in Hamburg gewesen sind, steht uns der Sinn nicht nach einer Sightseeingtour in der Stadt und wir schwingen uns auf die Räder und radeln direkt in Richtung Elbe, Elbstrand und Blankenese, wo wir dann mit der Fähre nach Finkenwerder übersetzen.
Da nichts anderes angeschlagen ist und es bis auf den Kapitän kein Personal an Bord gibt, gehen wir davon aus, dass das 9€-Ticket auch hierfür gilt und die Radkarten sind sowieso für den kompletten Nahverkehr für Schleswig-Holstein und Hamburg gültig – und falls doch nicht, hatten wir Glück nicht erwischt zu werden 😉.

Dann geht es durch Finkenwerder und am riesigen Airbus-Gelände vorbei in Richtung ‚Altes Land‘. An einer Kreuzungen werden wir (mal wieder) von einem anderen Radfahrer angesprochen, der gerade Feierabend gemacht hat. Da es sehr warm ist und sich unsere Wasservorräte dem Ende neigen, suchen wir eine Möglichkeit zur Einkehr oder zumindest einen Supermarkt. Es läge auf seinem Weg und er könne uns gerne den Weg zeigen. Gesagt, getan. Wir sind dankbar uns ausnahmsweise einfach mal dranhängen zu können. Das angedachte Gasthaus hat Ruhetag – klar, es ist Montag! Und so geht’s dann doch zum nächsten Supermarkt. Dort verabschiedet er sich, aber nicht ohne uns noch einen guten Tipp für unsere weitere Radroute ungefragt mit auf den Weg zu geben. Eine wirklich freundliche und unkomplizierte Begenung mit einem Süddeutschen, den es zu Airbus in den hohen Norden verschlagen hat!

Nach dem Auffüllen unserer Wasservorräte und einem kleinen Imbiss geht’s weiter in Richtung Tagesziel, immer mal wieder den Blick gegen den immer dunkler werdenden Hinmel gerichtet… Wir fahren durch große Obst-Plantagen und sind fast ein wenig entsetzt ob der vielen Sprenger, die – soweit das Auge reicht – Wasser in großen Mengen über die Apfelplantagen verteilen!
Berlin-Brandenburg versandet und viele Flüsse und Seen in weiten Bereichen Deutschlands haben deutlich zu wenig Wasser, so dass die Schifffahrt eingeschränkt ist, und hier bietet sich dieses Bild. Das erscheint schon etwas wie aus einer anderen Welt.
Nichtsdestotrotz gefällt es uns landschaftlich sehr und auch die großen Hallenhäuser sind toll! Nach einer nicht allzulangen Etappe endet der Tag mit einer Nacht im Hotel in Buxtehude – allerdings nicht bei Tante Trude (falls jemand den Film kennt 😉), sondern eher bei Hase & Igel, deren Märchen in Buxtehude spielt und die dort Stadtmaskotchen geworden sind. Insbesondere die Aktstadt von Buxtehude ist sehr hübsch mit ihren gepflegten alten Fachwerkhäusern, kleinen Fleten und einer Fußgängerzone, die zum Schlendern einlädt.

Am nächsten Tag führt uns der Weg weiter durchs ‚Alte Land‘ quer durch kleine Dörfer und durch Obst-Plantagen. Die Äpfel sind schon reif und lecker, die Birnen etwas fest und die Pflaumen leider noch nicht reif – wir machen direkt die Testung vom Baum.
Nach einer ganzen Weile führt uns der Weg in Richtung Stade wieder an die Elbe…. Und kaum am Wasser angekommen, ist er auch schon wieder da und wie üblich von vorne – unser Freund der Wind 😀. Na ja, wir nehmen es mit Humor – die Kilometer sind abzusehen!
Angekommen in Stade stellen wir fest, dass auch das ein hübsches, kleines Städtchen ist, dass durchaus etwas zum Verweilen einlädt. So machen wir also einen kleinen Stadtbummel bevor es dann noch bis zum Bahnhof nach Kutenholz geht,von wo wir unsere nächste Bahnetappe beginnen werden.
Auf der Suche nach dem richtigen Radweg wird uns von einem Mann mit Hund Unterstützung angeboten. Wir kommen ins Gespräch und er beklagt sich ein wenig, dass inzwischen so vieles zugebaut wird vom einst riesigen Heidegebiet.
Als wir besagte Stelle erreichen, wissen wir was er meint. Allerdings ist es so wie in vielen Gemeinden, dass in Außenbereichen komplett neue Wohnquartiere einschließlich neuer Infrastruktur wie Einkaufsmöglichkeiten, Kitas und Schulen gebaut werden. Für die einen sicherlich unschön und für die anderen notwendig – damit wird es wohl kein ‚richtig oder falsch‘ geben.
Trotz des Neubaugebiets fahren wir auch durch schöne Bereiche mit Wiesen und Wäldern und erreichen den Bahnsteig Kutenholz 10 Minuten vor Abfahrt der stündlich fahrenden Bahn – gutes Timing!

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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