Wir genießen unsere 6 Tage auf Sylt mit einer gesunden Mischung aus relaxen, erforderlichen Haushaltsdingen, Sightseeing sowie Sand unter den Füßen und Nordseewasser an der Haut. An einem Tag machen wir nur den Weg zum Baumarkt um eine neue Gaskartusche für den Campingkocher zu besorgen und noch etwas zu Essen einzukaufen – ansonsten lesen, rätseln, schlafen oder essen wir. Klar, wir hätten den Tag durchaus auch noch zum Strand fahren können, aber wir sind beide nicht ausreichend motiviert bei der Wärme.
Einen anderen Tag radeln wir in das sehr hübsche Dörfchen Keitum, in dem noch viele alte, aber auch neuere Friesenhäuser zu sehen sind. Durchweg alle sehen sehr hübsch und gepflegt aus. Eins der ältesten Häuser ist als Museum ausgebaut, was wir uns natürlich auch von innen ansehen. Alte Holzvertäfelungen, der Ofen in der Küche mit seinen vielen Schächten, in die die Glut eingebracht wird um die gute Stube zu heizen, das Brot zu backen, den Herd zu erwärmen oder die Suppe über dem Feuer zu köcheln. Aber auch die kleinen Schlafkojen sowie ein paar Kleidungsstücke sind zu bestaunen.





Im Anschluss geht es weiter nach Wenningstedt. Dort kehren wir bei DER Fischalternative zu dem allgegenwärtigen GOSCH auf Sylt ein: beim Fischladen Blum. Wie wir von Julia im Nachgang erfahren eine sehr gute Wahl, da es dort vermeintlich den frischesten und besten Fisch auf der Insel gäbe und auch das Restaurant ‚Sansibar‘ von dort den Fisch bezieht. Also: mal wieder alles richtig gemacht 😉! Der Fischladen Blum in Wenningstedt ist zwar mehr ein Selbstbedienungsrestaurant, aber Geschmack, Preis und Portionen stimmen.
Wenningstedt an sich ist auch ganz schön, wenn auch deutlich vom Tourismus geprägt. Beim Treiben am Strand würde man es auch glauben wenn jemand sagt, wir sind an der Costa Brava – kann man haben, muss man aber nicht 😉. Wir machen dennoch einen Spaziergang am Wasser entlang und später oben auf den Holzstegen über die Dünen wieder zurück. Die Dünen sind hier, aber auch an vielen anderen Stellen auf der Insel ungewohnt hoch. Wenn man am Strand etwas weiter als nur an den typischen Touristenmetropolen weiter entlang läuft, dann wird der Strand auch hier leerer.
In Wenningstedt sind uns zum ersten Mal die Skulpturen „Alltagsmenschen“ aufgefallen, die uns immer wieder an verschiedenen Orten verteilt auf der Insel begegnen. Sie stammen von zwei Künstlerinnen aus Witten, womit für Jörg eine Brücke in seine Heimat, ins Ruhrgebiet geschlagen ist. Natürlich haben auch wir ein paar davon auf Bildern festgehalten!












Die Nordspitze der Insel mit dem Ort List und dessen Umgebung sehen wir uns natürlich auch an. Der gut ausgebaute, asphaltierte Radweg führt uns deutlich abseits der Straße durch riesige Gebiete der Heide-Dünenlandschaft und an der einen oder anderen kleinen Wanderdüne vorbei. Das gefällt uns landschaftlich wirklich sehr gut!
In List angekommen, besteht der Ort für uns im Wesentlichen aus dem Hafen, an dem auch die Fähren von und nach der dänischen Insel Rømø fahren. Essenstechnisch ist der Hafen von GOSCH dominiert – vom Fischbrötchen bis Edelfingerfood vom Stand, über einen Shop mit Frischfrisch und GOSCH-Souveniers bis zu einem Restaurant in sehr großen Ausmaß. Das ist wirklich etwas krass für uns – nicht unbedingt einladend. Alternativ gibt es nur eine italienische Eisdiele und eine Bierkneipe… zumindest haben wir nichts anderes wahrgenommen 😉. Ob der fehlenden Alternativen gibt es hier unser erstes und gleichzeitig letztes Fischbrötchen von GOSCH – was uns nicht wirklich überzeugt hat. Ein kleines Brötchen, ein mickriges Heringsfilet, ein Salatblättchen – das war’s. Das hatten wir schon wesentlich umfangreicher und optisch schöner angerichtet für weniger Euronen an anderer Stelle auf Sylt 🥴. Aber wir haben eine sehr imposante Fischplatte mit Hummer und Muscheln gesehen, die sicher einiges gekostet hat – aber nicht uns. 😃
Hier in List hat ja wohl das GOSCH-Imperium mit dem Verkauf von geräuchertem Aal seinen Lauf genommen, von daher ist die Dominanz in diesem Hafen dann irgendwie auch wieder verständlich.
Erwähnenswert ist auch das ‚Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt‘ in List. Diese Austellung gliedert sich in die Themenschwerpunkte ‚Klima, Wetter, Klimaforschung‘, ‚Leben mit Naturgewalten‘ sowie ‚Kräfte der Nordsee‘. Uns war beispielsweise nicht bewusst, dass auf Sylt jedes Jahr aktiv im Frühjahr/Frühsommer Sand von weit draußen aus dem Meer mit Schiffen geholt wird, der dann über Rohrleitungen auf den Strand gespült wird, um so den jährlichen Sandabtrag durch die Herbst- und Winterstürme auszugleichen. Jedes Jahr werden 1 – 1,5 Millionen Kubikmeter Sand im Rahmen der Sandvorspülung bewegt! Das kostet jährlich wohl rund 6 Millionen Euro – und alles damit Sylt weiterhin wie Sylt aussieht und sich nicht wesentlich verändert. Das Museum ist mit Hör- und Ausprobierstationen sowie vielen Informationen sehr interessant gemacht und durchaus einen Besuch wert. Im angeschlossen Café haben wir dann noch ein Stück Friesenkuchen gegessen, der im Gegensatz zur Friesentorte durchaus unserem Geschmack entspricht! Ein Bleckuchen mit Streuseln, Quark und Pflaumenmus – sehr lecker! Nicht nur um die Kalorien wieder abzufahren, radeln wir natürlich auch noch zum Ellenbogen und dem nördlichsten Punkt Deutschlands. Letzterer ist gar nicht ganz so einfach zu finden, da der Strandaufgang nicht besonders gekennzeichnet ist 😉. Aber Dank Google Maps und ein paar mal vor- und zurückfahren haben wir ihn endlich erreicht! Dort, recht abgelegen und ruhig, haben wir dann auch lebende und große Quallen und Krebse gesehen.







Das Kampen der ‚Reichen und Schönen‘ haben wir natürlich auch angesehen – und es hat uns irgendwie nicht beeindruckt. Vielleicht haben wir auch nicht wirklich den ‚richtigen‘ Ortskern zum Flanieren und Verweilen gefunden. Bis auf dass dort noch teurere Automodelle gefahren werden und eine bestimmte Klientel, immer ein wenig eleganter oder gar overdressed gekleidet, immer etwas zu viel ‚Lametta‘ an der Figur (man zeigt was man hat), anzutreffen ist (die gibt es aber auch im schönen Keitum), konnten wir nichts besonderes feststellen. Auch haben wir keinen Promi der A- bis Z- Klasse gesehen oder erkannt 😉, obwohl der eine oder andere Privatjet bzw. das eine oder andere kleinere landende Flugzeug das hätte vermuten lassen. Na ja, vielleicht sind die Eingeflogenen direkt zur Sansibar durchgestartet.
Fehlt noch Westerland, der größte Ort der Insel! In Westerland kommen wir fast jeden Tag irgendwie vorbei, da es an Tinnum grenzt, wo der Campingplatz liegt. Westerland ist groß, hat eine recht große Fußgängerzone und viele Gebäude aus 1970er Jahre… Der Ort ist also auch schon etwas in die Jahre gekommen. Das ansehnlichste Gebäude ist wohl das Rathaus, wo auf der Wiese davor die Punks gerade ein Protestcamp aufgebaut haben. Man kann sie immer mal wieder im Stadtbild sehen, aber im Grunde unauffällig – zumindest wenn man das Bild als Großstädter sowieso gewohnt ist. Sie kühlen sich im Brunnen der Fußgängerzone ab, denn für den Strand müssten sie ja Kurtaxe bezahlen. Am Camp vor dem Rathaus hängen Plakate u.a. mit ‚Bezahlbarer Wohnraum für alle‘ und ‚Menschenzoo! Füttern erwünscht!‘. Sie fragen wie üblich auch mal um Geld oder nehmen Pfandgut gerne entgegen oder lassen sich für einen kleinen Obolus vor ihren Plakaten oder Zelten fotografieren. Ein buntes, aber friedliches Völkchen.
Die Strandpromenade ist weder sonderlich attraktiv noch lang und lädt uns nicht zum Verweilen ein. Somit fahren wir oft eigentlich nur durch Westerland durch um von A nach B zu kommen.
An unserem letzten Tag auf Sylt fahren wir noch nach Morsum und zum Morsumer Kliff. Also ‚Kliff‘ hört sich ja schon imposant an…. Was wir schlussendlich sehen verdient diese Bezeichnung unserer Meinung nach nicht unbeding. Aber nun gut – jedem das Seine 😉. Anschließend fahren wir noch ins Dorf bzw. zu einem im Sommer regelmäßig stattfindenden ‚Friesischen Ringreitwettbewerb‘. Ehrlich gesagt hatte wir auch das etwas größer erwartet, aber es fand – gefühlt – auf einer Wiese im Garten eines Restaurants statt. In Summe vermutlich so knapp 15 Reiterinnen auf ihrem Pferd mit einer lanzenartigen Stange. Es wird auf einer kurzen geraden Strecke galoppiert und versucht den Ring mit 24 – 36 mm Durchmesser (abhängig vom jeweiligen Schweregrad der Kategorie) von einem gespannten Seil auf die Lanze zu stechen. Wir sehen uns das eine Weile an und stärken uns währenddessen etwas bevor es dann wieder zurück auf den Campingplatz geht.




Insgesamt hat uns Sylt gut gefallen, es ist nicht so elitär, wie man vielleicht manchmal vermuten mag aufgrund der Berichte in den Medien über die ‚Reichen & Schönen‘, so dass wir einen erneuten Besuch nicht ausschließen.

