‚Hausarbeit‘ und Seele baumeln – das innere Gleichgewicht

Der Campingplatz in Brunsbüttel ist klein, gemütlich und irgendwie familiär – auch wenn es für Viele nur ein Durchgangsplatz für eine Nacht ist. Zumal Brunsbüttel nun auch nicht gerade der Nabel der Welt ist 😉.
Wir bleiben schlussendlich 3 Nächte und nutzen die Zeit um Wäsche zu waschen, zu faulenzen und zum Blick an die Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe.
Das ist schon beeindruckend wie drei doch sehr große Pötte, teils inklusive der Bugsierschiffe bzw. Schlepper in eine Schleusenkammer passen! Zwei nebeneinander und eins noch hinten dran. Aufgrund der Größe der Schleuse dauert so ein Vorgang dann schon mal zwischen 45 – 60 Minuten. Und dennoch bringt es eine deutliche Zeitersparnis gegenüber einer Umfahrung rund um Dänemark.
Übrigens – direkt am Zugang zum Ausssichtsbereich auf den Schleusenbereich steht ein Fischwagen, an dem wir das bisher leckerste Fischrötchen unserer Reise gegessen haben. Warmes Dinkel-Brötchen, Hering, Zwiebeln und Krautsalat – mhhh… 🫠
Ansonsten hat Brunsbüttel noch ein hübsch anzusehendes historisches Viertel mit Häusern rund um eine alte Kirche angesiedelt. Das ist allerdings nicht mit einer üblichen Altstadt zu vergleichen, da bis auf ein italienisches Restaurant, ein Hotel mit Restaurant (in beiden haben wir leckeres Essen bekommen) und eine einfache Kneipe keine weiteren Geschäfte oder Sehenswürdigkeiten vorhanden sind. Hier steht auch das älteste Haus von Brunsbüttel, welches zurzeit restauriert wird und wieder in neuen Glanz gemäß den alten Zeiten erstrahlen soll.

Das Wäschewaschen nimmt aufgrund der kleinen Maschinengröße etwas mehr Zeit in Anspruch als angedacht – aber wir haben ja keine Eile. Die Angaben/Infos zur Vorgehensweise bei der Benutzung sind nur noch nicht so ausgereift. Man kann nur 1€-Stücke einwerfen, dann hat man für 1 Stunde Strom. Wie lange die jeweiligen Programme allerdings dauern, weiß man nicht. Wir entscheiden uns beim ersten Durchgang für ein normales 40°C Programm und das dauert natürlich… Nach einer Stunde geht die Maschine einfach aus. Und nun? Einfach Geld nachwerfen und weiter geht’s – knapp über 2 Stunden. 😳 Die nächsten Wäschen machen wir mit dem Expressprogramm 40°C was nur ca. 40 Minuten dauert. Das passt ganz gut, denn wirklich dreckig sind die Sachen ja nicht, eher nur verschwitzt. Danach wird alles noch durch den Trockner geschleust, da das Wetter auch keine zügige Trocknungsmöglichkeit verspricht. Aber wir haben Zeit und es gibt in der Hütte mit der Waschmaschine auch Sitzgelegenheiten und einen Tisch, sowie ein kleines Angebot an Spielen und Lesemöglichkeiten. So vertreiben wir uns die Zeit und spielen UNO, lesen Infobroschüren und suchen schon mal ein paar schöne Hofläden oder Cafés auf unserem weiteren Weg gen Norden raus. Zwischendurch beobachten wir auch die Schwalbenvierlinge im Nest über der Eingangstür, die mal eng aneinandergekuschelt im Nest sitzen, mal alle mit Mama zum Ausflug unterwegs sind und anscheinend eigentlich alle kurz vor dem Auszug stehen. So nah haben wir sowas noch nicht beobachten können.

Der Campingplatz liegt direkt am Deich auf dem auch Schafe weiden. Es sind schon lustige Zeitgenossen! Angefasst möchten sie bitte nicht werden, aber interessiert schauen tun sie. Und das oft zu hörende MÄH gibt es in den verschiedenen Varianten – manchmal auch so energisch, laut und dunkel, dass man selbst fast versucht ist besser stramm zu stehen 😀. Wildschafe machen wohl eigentlich keine Geräusche, aber in Verbindung mit dem Menschen soll es sowohl Hunger oder Unwohlsein oder einfach soziale Kommunikation in der Herde ausmachen. Z.B. ruft die Mutter die Lämmer zum trinken und dann rennen oft zwei um die Wette, um dort – nach einer Runde um Mama – gleichzeitig anzudocken. Sehr lustig! Oder wie andere erwachsene Schafe die Vorderbeine auf halber Höhe (beim Pferd heißt es Kapalgelenk) einkicken und darauf grasend vorwärts robben und mit den Hinterbeinen schieben. Auch sehr lustig! Auch suchen sich die Schafe alle möglichen Gegenstände (Bank, Zaun, Gatter…) um sich das juckende Fell zu kratzen; teilweise mit einer Intensität und Ausdauer, dass man schmunzeln muss.
Aber man sieht leider auch immer wieder mal Schafe, die deutlich lahmen und ein Bein immer wieder entlasten. Das ist wohl leider so, wenn die vielen Tiere oft auf den Deichen längere Zeit sich selbst überlassen sind. Wenn wir durch die Deichbereich mit den Rädern unterwegs sind liegen oder stehen viele Schafe immer auf oder dicht neben dem Weg. Wir fahren echt langsam und bemühen uns mit so viel Abstand wie möglich durch die vielen Schafe zu schlängeln. Manche bleiben total entspannt liegen oder stehen ohne auch nur das Ohr zu bewegen, andere springen trotz großem Abstand hektisch auf und zur Seite und rennen am besten noch ein paar Meter zu einem anderen Kollegen um Schutz zu suchen. Manchmal hat man schon den Eindruck etwas zu stören.
Auch haben wir uns schon gefragt, was die aufgesprühte bunte Farbe auf den Tieren zu bedeuten hat – es markiert in der Regel den Besitzer. Das auf dem Foto beschriebene Stempelkissen ist uns hingegen noch nicht aufgefallen 😉.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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