Am Morgen in Cuxhaven ist es sonnig und warm, so dass es kaum zu glauben ist, dass es spätestens zum Nachmittag regnen soll.
So verlassen wir doch etwas später als geplant den Campingplatz, bekommen sogar noch ein Abschiedsgeschenk – zum ersten Mal soweit wir uns erinnern. Das Abschiedschiedsgeschenk ist eine Dose Fisch von Appel-Feinkost, noch versehen mit einem Einkaufsgutschein für den entsprechenden Laden in Cuxhaven!
Kaum runter vom Platz geht es, wer würde es anders erwarten, weiter den Deich entlang. Einen Blick auf die Elbmündung und einen kurzen Besuch im Zentrum von Cuxhaven, dann geht es eine Strecke die Elbe aufwärts, denn wir brauchen ja eine Möglichkeit selbige zu überqueren. Die direkte Fährverbindung Cuxhaven-Brunsbüttel ist zum Ende des Jahres 2021 eingestellt worden. Aber selbst wenn sie noch bestünde, wir haben uns (anscheinend stillschweigend) die Aufgabe gestellt die GESAMTE Küstenlinie zu fahren, so dass wir erst die nächste Möglichkeit zu einer Überfahrt zwischen Wischhafen und Glückstadt nutzen wollen.


Am Himmel ziehen immer wieder mal dunkle Wolken entlang, auch wenn es eigentlich sonnig bleibt. Ab und an kommen auch mal ein paar Tropfen gefallen, aber im Grunde nicht der Rede wert. So radeln wir dem Tagesziel in Wischhafen entgegen. Natürlich auch mal mit einem kurzen Stopp hier und einer kleinen Pause dort. Um 16 Uhr, pünktlich der Vorhersage gemäß Jörgs Wetter-App geht es dann wirklich mit dem Regen los. Der Himmel hat sich inzwischen komplett zugezogen und die Farbe der Wolken lässt ahnen, dass das nicht nur ein kurzer Schauer wird. Erst überlegen wir abzuwarten, aber da stehen wir wohl noch eine Weile und einige Kilometer bis zum Hotel liegen auch noch vor uns. So halten wir an und ziehen Regenjacken und -hosen an. Es soll ja alles mal genutzt werden und zum sinnvollen Einsatz kommen, wenn wir die Sachen schon mitschleppen. Im Regen zieht sich die Strecke ganz schön oder eben auch nicht so schön, aber wir strampeln unermüdlich weiter.
Immerhin gibt es an der Strecke verschiedene ansehnliche Landhäuser und riesige Scheuenen – sogenannte Hallenhäuser -, die auch im Dauerregen wunderschön anzusehen sind! Bilder zu machen lohnt sich bei diesem Wetter allerdings leider nicht. Wir merken auch, dass wir uns in Richtung Altes Land begeben an den großen Obst-Plantagen; insbesondere Äpfel werden hier angebaut. So nehmen wir trotz des Regens einiges wahr und sind aber dennoch froh, dass es wenige Kilometer vor unserem Tagesziel – einem Landgasthof – wieder aufhört mit der Feuchtigkeit von oben. Zumindest für den Moment. Wieder einmal haben wir die richtige Wahl für die kommende Nacht getroffen.
Dienstagmorgen nieselt es noch etwas, der Himmel ist grau und es ist windig. Ordentlich windig und es ist – natürlich kein Rückenwind. Zumindest lichten sich die Wolken nach kurzer Zeit und es ist den restlich Tag trocken. So geht es mit der Fähre von Wischhafen über die Elbe nach Glückstadt.






Anfangs sind wir doch etwas enttäuscht von dem Örtchen, von dem wir so viel Interessantes gelesen hatten, aber am kleinen Hafen können wir dann doch noch ein paar positivere Eindrücke verbuchen bevor es, nun wieder die Elbe abwärts, aber immer noch gegen den Wind in Richtung Nordseeküste geht. Allerdings wird es sonniger 😏. Gegenwind – das ist trotz der E-Bikes kein Spaß – zumal wir ja auch immer versuchen mit so wenig Motorunterstützung wie möglich zu radeln. Aber heute ist es echt zäh und im Grunde völlig egal, ob wir vor oder hinter dem Deich radeln – der Wind kommt mit ca. 30 km/h daher (so die Angaben in einer Wetter-App). Dennoch halten wir gut gelaunt das eine oder andere Schwätzchen mit ‚Leidensgenossen’ oder mehr oder weniger mitleidig oder neidisch dreinschauenden Einheimischen am Wegesrand und haben durchaus noch den Blick für die ‚Pötte‘ auf der Elbe sowie auf die mittlerweile stillgelegten Atomkraftwerke Brokdorf und Brunsbüttel.
Zum Thema Wind haben wir übrigens hier eine schöne Beschreibung gefunden: Wind wird hier erst dann Wind genannt, wenn die Schafe auf dem Deich keine Locken mehr haben 🫣. Hmm – ganz viele Schafe sind allerdings gerade frisch geschoren – bleibt uns doch nur unser eigenes Empfinden.







In Brunsbüttel queren wir mit einer kostenfreien Fähre des WSA (Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes des Bundes) den Nord-Ostsee-Kanal und kommen kurz darauf an unserem kleinen Campingplatz an. Die kostenfreie Nutzung aller Fähren geht bereits auf eine Verordnung von Kaiser Wilhelm I zurück unter dem der Bau des Kanals begann bis 1949 hieß der Kanal auch Kaiser-Wilhelm-Janal und wurde erst aufgrund des Wunsches der Alliierten in Nord-Ostsee-Kanal (NOK) umbenannt.
Viele Kilometer sind es nicht gewesen, aber dennoch wissen wir sehr wohl, was wir heute in den Beinen haben.
Wir sind froh, als wir den kleinen aber feinen Campingplatz direkt hinter dem Deich erreichen und unser Gugelhupf, dieses mal mit zusätzlichen Sturmleinen gesichert, sich alsbald tapfer den Böen entgegenstellt.
Ich habe sehr über die lockenlosen Schafe gelacht. Ja, das ist ein Mysterium, dass der Wind immer von vorne kommt. Lasst es euch nicht verdrießen und habt weiterhin viel Freude bei eurer Tour! ich habe viel Freude dabei, euch zu folgen.
LikeGefällt 1 Person