Sielhopping

Der Holtriemer Hof lag etwa sieben Kilometer von Dornum entfernt in Nenndorf und bietet und neben einem ordentlichen Zimmer (allerdings mit einem etwas knarzenden Bett) abends auch noch leckeres Essen. Für so einen kleinen Ort ist das Restaurant abends echt gut besucht und die Qualität und der Geschmack der geboten wird, unterstreicht auch warum.
Die Nacht verbringen wir in einer Art komatösen Schlaf – wie bei diesem Teil des Sabbatical bereits des öfteren. Ich kann mich gar nicht entsinnen, ob das in den letzten Jahren auch annähernd so war.
Nach dem Frühstück bepacken wir die Räder wieder und los. Heute soll es (nur) ca. 35 Kilometer direkt an der Küste entlang zu einem kleinen Campingplatz gehen, den wir über Google gefunden haben. Zwar nicht direkt am Wasser, dafür aber nicht überlaufen. Laut der in Summe positiven Rezensionen wahrscheinlich wohl genau richtig für uns.

Aber erst fahren wir nochmals nach Dornum. Um elf Uhr beginnt ein Ritterfestes mit Heerlager und angekündigtem Mittelaltermarkt, gleichzeitig bietet sich aber nochmals die Möglichkeit, einen leckeren Ostfriesentee für zwei in dem schönen Café zu genießen.
Irgendwie sind wir wohl vom Vortag noch im Gedächtnis geblieben, die Bedienung hat uns sofort als ‚Wiederholungstäter‘ erkannt. Stellt sich die Frage WARUM?! Sind wir positiv aufgefallen oder gar negativ? Da sie sich auf ein länger andauerndes Schwätzchen mit uns einläßt und uns weiterhin freundlich bedient… anscheinend alles im positiv grünen Bereich.

Von Bogenschützen und Schwertkämpfern über Wahrsager und Gaukler, alles ist auf dem Mittelaltermarkt vertreten. An den Ständen gibt es allerlei zu kaufen – teils zur Zeit passend, oft in Handarbeit gefertigt. Im Innenhof des Schlosses, um das herum das Treiben stattfindet, riecht es nach dem Rauch aus der Esse des Schmiedes, aber auch nach allerlei Leckereien. Sauerkraut und Kassler und noch ein Crêpe mit Pflaumenmus sollen für uns das Finale einläuten, bevor wir wieder zu den Rädern gehen und uns aufmachen, die vielen Dörfer mit dem Namenszusatz ‚Siel‘ abzuklappern.

So geht es über Dorumersiel, Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel bis nach Carolinensiel zu unserem kleinen, feinen privaten Campingplatz. Wir buchen uns gleich für zwei Nächte ein und verlängern dann noch für eine weitere Nacht. Den ersten Tag nutzen wir zum mittlerweile dringend notwendigen Wäschewaschen, chillen und machen einen kurzen Ausflug ans Wasser und zum historischen Hafen.
Der „Strand“ – gepflasterte Promenade nach dem Sandfeld und Plaster bis ins Wasser – spricht uns nicht wirklich an, aber der kleine Hafen ist hübsch und lädt zum Verweilen ein. Aber man merkt an den Preisen in den Cafés und Restaurants deutlich, dass man an der Küste im Urlaubsgebiet ist 😉. Haben wir in Leer noch 4,90€ für einen Ostfriesentee für zwei Personen bezahlt, kostet jetzt der Tee pro Person 5,10€ – was für eine Preissteigerung. 🙄

Am nächsten Tag machen wir dann nach einem gemütlichen Frühstück eine Radtour von rund 60 km an der Küste entlang nach Schillig, Horumersiel und Hooksiel und radeln dann quer durchs Land wieder zurück. Es ist der erste Tag an dem die Luft deutlich wärmer ist, obwohl es Vormittag durchaus erstmal bewölkt ist. Es ist sehr angenehm zu fahren.

Siel bedeutet übrigens gemäß Wikipedia: Ein Siel ist ein verschließbarer Gewässerdurchlass in einem Deich. Das Schließen erfolgt normalerweise durch höheren Druck bei höherem Wasserspiegel auf der Meerseite, das Öffnen durch höheren Druck von der Binnenseite bei niedrigem Wasserspiegel.
Durch diese Siele wird also eine automatische Entwässerung des Binnenlandes bei Ebbe erreicht, wobei bei Flut verhindert wird, dass das hinter dem Deich liegende Gelände voll Wasser läuft. Messerscharf haben wir geschlossen, dass das hier hauptsächlich an den Stellen passiert, an denen die Ortschaften das …siel auch im Namen tragen. Wenn dem nicht so ist, und wir völlig falsche Schlüsse gezogen haben – gerne über die Kommentarfunktion schlaumeiern. 😏

Die kleinen Örtchen haben aus unserer Sicht sehr unterschiedlichen Charme. Sind doch Greetsiel, Neuharlingersiel, Carolinensiel und Hooksiel sehr hübsch anzusehen und haben eine heimelige Atmosphäre, können wir den anderen Orten eher weniger abgewinnen. Aber die Geschmäcker sind ja so oder so unterschiedlich und es es schön, sich im Vorbeireisen einen Eindruck machen zu können um dann ggf. zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an bestimmte Orte zurückzukommen, oder das Bewusstsein zu bekommen „hier zieht mich nichts mehr hin“.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

Ein Kommentar zu “Sielhopping

  1. Moin,
    wie immer macht es riesig Spaß, Euch zu „verfolgen“ !! Wetter scheint ja diesmal auch passend zu sein. Und ich bin immer wieder erstaunt, wieviel Equipment in die Radtaschen passt 🙂
    Weiterhin viel Spaßund ich bin gespannt, wie es weiter geht…
    Dany

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