Moin, moin

Spätestens in Emden sind wir nun in Ostfriesland angekommen, wo ein freundlichers „Moin, moin“ schon fast als geschwätzig gilt 🙃.
Nach unserem Besuch in Emden stellen wir fest, dass es dafür nicht zwingend einen ganzen Tag braucht, aber was soll’s. Wir verlängerten morgens das Zimmer um eine Nacht und fuhren mit den Rädern in die Stadt rein. Eine Fußgängerzone, verschiedene kleine und große Lokale am Marktplatz, am Innenenhafen und in den Seitenstraßen. Allerdings vermissten wir eine typische Altstadt, aber Emden wurde im Krieg damals komplett zerstört, so dass bis auf ganz wenige Häuser alles neu aufgebaut worden ist. Wir schlossen die Räder an und bummelten durch die Straßen der Innenstadt und des Hafens entlang. Nett, aber auch irgendwie nicht viel mehr. Kulturelles Highlight an diesem Tag ist unser Besuch im „Otto Hus“. Interessant sind die gesammelten Auszeichnungen vom Bambi, über die Goldene Henne bis zum Bundesverdienstkreuz um nur einen kleinen Bruchteil zu nennen. Aber auch die vielen Fotografien mit anderen Stars und Sternchen aus Film-, Musik- und Sportszene sind sehenswert. Witzig anzusehen ist auch der Zusammenschnitt aus den verschiedenen Otto-Filmen oder Filmen, in denen er mitgespielt hat. Die Ausstellung ist nicht groß und bietet sicherlich nicht wirklich viel Neues, aber es ist trotzdem ganz schön sich ein Stückweit auch in die eigene Kinder- und Jugendzeit zurückzuversetzen.

Zurück im Hotel steht die erste diesjährige Fahrradreparatur an. Irgendetwas hatte an meinem Rad angefangen zu klappern – Jörg kümmert sich. Hat sich die Kette gelockert und schlägt nun auf unebener Strecke an den Kettenschutz? Hat sich irgendwo am Schutzblech eine Schraube gelöst? Oder hat sich wieder mal in der Automatikgangschaltung etwas gelöst oder ein Steinchen eingeklemmt? Schlussendlich wird als Übeltäter das Rahmenschloss ausgemacht, bei dem sich die Befestigungsschrauben gelöst hatten. Bei dieser Gelegenheit wird auch gleich noch die Kette gefettet und etwas nachgespannt und der Getränkehalter an Jörgs Rad nochmal besser platziert.

Am nächsten Morgen geht es weiter über den Außenhafen von Emden in Richtung Nordsee. Die Windräder sind ziemlich genau so ausgerichtet, dass wir sie von hinten sehen und was bedeutet das?!? Genau, der Wind kommt geradewegs auf uns zu… Na ja, wir haben es ja nicht eilig und so geht es gemächlich los. Gleich in Twixlum, auf der anderen Seite von Emden, legen wir einen Stopp bei einem kleinen Café mit eigener Käseherstellung ein, streicheln ein kleines Kälbchen und trinken gemütlich einen 2. Tee – okay, ein Stück Kuchen für zwei ist auch dabei, aber er sah einfach so verlockend selbstgemacht aus und ist auch super lecker!

Dann geht es weiter meist gegen den Wind über Wiesen und Felder bis wir am Nordseedeich ankommen! Im Wesentlichen fahren wir hinter dem Deich; davor würden wir heute vermutlich eher rückwärts unterwegs sein. Aber irgendwann erreichen wir auch endlich DEN Leuchtturm in Ostfriesland, den rot-gelben Pilsumer Leuchtturm, Ottos Leuchtturm. Unbeschmiert wäre er sicher noch ansehnlicherlich, aber warum sollte es hier anders als woanders sein?!

Nach einem kurzen Fotostopp geht es auch schon weiter. Immer noch den Wind meistens von vorne. Greetsiel ist dann einer der nächsten Orte, den wir durchqueren und der uns gut gefällt mit seinen alten Fischerhäusern, dem Straßenmusiker auf der kleinen steinernen Brücke am kleinen Hafen und den kleinen Lädchen. Sehr schön anzusehen, aber wir wollen noch ein paar Kilometer schaffen heute. Entlang des Störtebekerkanals geht es weiter in Richtung Norden, im wahrsten Sinne des Wortes.

Irgendwann ziehen graue Wolken auf. Mmhh, bis zum Campingplatz in Norddeich sind es noch einige Kilometer und der Wind hat sich ja noch nicht so recht verzogen. Was tun? Ein Schild „Wohnmobile 100 m“ bedeutet uns einen Weg rechtss rein. Ob da eventuell auch Platz für ein Zelt ist? Es ist ein Privatgrundstück und wir klingeln. Ja einer der Stellplätze ist frei, Strom und Wasser können wir auch nutzen, ach ja, und einen Brötchenservice würden sie auch anbieten. Sagt, getan, wir bleiben. Wir sind 15 € für alles zusammen los und der Regen beginnt – zum Glück nicht von langer Dauer und so können wir unseren Gugelhupf noch halbwegs trocken aufbauen bevor immer mal wieder ein Regenschauer vorbeischaut. Aber dank des Sonnen- ähh Regensegels, dass wir ja für ähnliche Zwecke vor 2 Jahren auf Fehmarn erstanden hatten und was natürlich auch wieder on Tour ist, können wir noch trocken sitzen und einen warmen Tee sowie einen kleinen Abendimbiss aus unseren Vorräten genießen. Recht früh verziehen wir und dann jedoch ins Zelt. Immerhin stehen wir dort windgeschützt und gut festgezurrt, so dass wir diesbezüglich keine Bedenken haben müssen.

Die Wetter-App hat mal wieder recht: kaum sind wir aus dem Zelt gekrabbelt und fürs Frühstück bereit, kommt der nächste Regen. Der Tee und die frischen Brötchen schmeckten trotzdem und wir sitzen trocken unter unserem Regensegel. Hatte ich schon erwähnt, was für tolle, leichte Campingstühle inkl. kleinem Tisch wir seit Ende unserer Tour 2020 unser Eigen nennen?!? Auch die sind in diesem Jahr wieder mit dabei und haben sich wirklich schon bezahlt gemacht! Wie toll ist es, nicht mehr zwingend auf dem Fußboden sitzen zu müssen! Überhaupt staunen wir schon manchmal, was sich so alles in den Fahrradtaschen verbirgt und wieviel Kram, das alles so ausgebreitet ist – aber zusammengepackt am Rad ist es dann doch alles gar nicht so schlimm 😉.

Irgendwann hört der Regen auch wieder auf und es soll bis zum Abend nur noch ein Schauer durchziehen. Wegen der Schauer am Abend und in der nöchsten Nacht haben wir uns bereits früh für ein „richtiges Zimmer“ für die kommende Nacht entschieden. Die Strecke führt uns über die Städtchen Norden und Norddeich wieder zum Deich und an ihm entlang. Dieses Mal allerdings zeitweise auch vor dem Deich. Es ist zwar nicht windstill, aber heute kommt der Wind häufig von hinten – so darf es bleiben! Zum Nachmittag wird dann der Wunsch nach einem gemütlichen Tee, Kaffee und vielleicht einem leckeren Stück Kuchen lauter. Aber wie das so oft ist, wenn man sich etwas wünscht: es lässt auf sich warten, so dass MANN schon fast etwas unleidlich wird 😉. Aber dann ein Schild „historische Altstadt Dornum“: hübsche, Häuschen, ein Wasserschloss und ein hübsches, kleines Café! Angehalten, Platz gesucht und leckeren Kuchen in der Sonne genossen! Danach haben gerade vor diesem kleinen Kaffee noch einen Arbeitskollegen von Jörg, seinen früheren Chef, getroffen – wie klein die Welt manchmal ist! Die restlichen Kilometer bis zum festen Schlafplatz waren danach nur noch ein Klacks.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

Hinterlasse einen Kommentar