Aufgrund der weiterhin regnerischen Wettervorhersage beginnen wir früh damit unser Zelt abzubauen. So kann es noch etwas unter unserem großen überdachten Unterstand trocknen, während wir unser Frühstück genießen und den ganzen Kleinkram, ordentlich thematisch sortiert wieder in unseren Taschen verpacken.
Die Etappe für den heutigen Tag ist mit knapp 50 km relativ kurz, aber Wind und Wetter können auch wenige Kilometer recht anstrengend machen. Zum Glück stand zu der Etappe geschrieben, dass es ausreichend viele Einkehrmöglichkeiten geben soll. Hört sich also nach heißem Kaffee und ausreichend Futterage an, womit man Regengüsse sicher überbrücken kann.
Mit einem letzten Dank für die zuvorkommende Unterstützung an das Betreiberpaar des Campingplatzes staren wir zu unserem Einstiegspunkt auf den EmsRadweg.
Im Ort Haren dröhnt ein durchdringender Ton und Lautsprecheransagen – die Schule wird gerade evakuiert. Scheint aber ein Probealarm zu sein und wird von den Schüler:innen eher belustigt aufgenommen.
Ein paar Minuten später ist das schon vergessen und wir sind auf der passenden Radroute angekommen.
Nach wenigen Kilometern fängt es wieder an zu nieseln. Anhalten, Regenjacken an und für Anja auch die Regenhose und weiter geht’s. Vorbei an einem riesigen Pferdeferienhof mit an die 200 Ponys & Pferden. Uns sind alleine ca. 50 junge Mädels von einem Ausritt entgegen gekommen – unglaubliche Dimensionen! Fragt sich nur, ob sowas wirklich noch schön ist…
Unser nächster Halt ist dann das Hotelrestaurant Lathener Marsch. Warum gerade da? Na ja, so reichlich sind die Möglichkeiten bis dahin entgegen der Angaben in der Etappenbeschreibung dann doch nicht, aber hauptsächlich fühlen wir uns anhand der Optik der Örtlichkeit angesprochen. Fazit: Für jeden, der lecker was zwischen die Zähne bekommen möchte, ein echter Geheimtipp.
Ok, der Kellner ist ein wenig schrullig skurril, mit sprödem nordischen Humor, aber mit Hilfe von Notizzettel und Stift ist er in der Lage, drei verschiedene Gerichte passend der Küche zu melden und an den Tisch zu liefern. Für die zwei Getränke fragt er dann doch vorsichtshalber nochmal nach. 🥴
Die Pastinakencremesuppe schmeckt extrem lecker, Anja findet ihren Buchweizenpfannkuchen vom Geschmack ,gewöhnungsbedürftig‘ aber ganz gut, die Spaghetti Bolognese sind mit frisch geriebenen Parmesan geschmackvoll wie beim guten heimischen Italiener. Dazu gibt es selbstgemachten Zitronen/Minze-Eistee – auch zu empfehlen. So wird aus einem angedachten ‚kurzen Stopp‘ eine ausgiebige Mittagspause.


Dann ging es frisch gestärkt und ohne weiteren Regen die Ems entlang. Viele Wiesen, kleine Örtchen und in beide Richtungen sind andere Radler unterwegs. Da die Etappe ja nicht so lang und der Wind moderat ist, nutzten wir die Gegebenheiten für eine ‚Sprint-Etappe‘ und so kommen wir bereits am frühen Nachmittag in Papenburg an. Die Oberschenkel brennen ein wenig, aber ein gemütlicher Spaziergang entlang des schön gestalteten Kanals, eingerahmt von vielen Blumenkästen und -kübeln, liefert Abhilfe und ein späteres Abendessen rundet den Tag ab.



Am Morgen werden wir recht unsanft von Menschen mit benzinbetriebenen Laubbläsern und Freischneidern geweckt. Latschen da doch tatsächlich um viertel vor sieben ein paar Leute der Stadtreinigung, dezent orange gekleidet, durch die Innenstadt. Tageslosung: „Unser Dorf soll (lautstark) schöner werden.“
Hallo, liebe Stadtfuzzis und Tourismusplaner, Gäste gibt es in Papenburg um diese Jahres- und Uhrzeit wohl nicht?! Allein in unserer unmittelbarer Nähe sind allein 3 Hotels!
Na ja, nach einem sehr leckeren Frühstück mit Rührei, Obst, Joghurt und Brötchen mit Aufschnitt geht es aber für uns auch schon wieder los.
Raus aus der Stadt, einen kurzen Blick in Richtung Meyer Werft, wo die ganz großen Schiffe gebaut werden, zurzeit aber keines ausgeschifft im Außendock zu sehen ist, weiter die Ems entlang, wo wir den nächsten Stopp in dem hübschen, kleinen Städtchen Leer machen. Anfangs haben wir fast das Gefühl, dass es uns zu viel Gewusel, zu viele Menschen in der Fußgängerzone sind. Allerdings verläuft es sich in den kleineren, schönen Gassen der Altstadt dann doch etwas. In einem kleinen, feinen Antik Café nehmen wir unseren ersten richtigen Friesentee zu uns: Kluntjes in die Tasse, Tee darauf und ein paar Tröpfchen Sahne gegen den Uhrzeigersinn am Rand in den Tee geben – NICHT umrühren! So kann der Tee in drei Stufen genossen werden: 1. Tee mit Sahne (schmeckt irgendwie nach Karamell), 2. den Tee an sich und 3. den gesüßten Tee. Uns schmeckt es sehr lecker, so dass das wohl nicht der letzte hier in Ostrfriesland gewesen sein wird 😀. Auch beschließen wir, diesem Städtchen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal einen Besuch abzustatten.



Nun wechselt der EmsRadweg auf die andere Seite und wir fahren in erster Linie am Deich und immer wieder an Schafen und deren Weideflächen vorbei. Wenn es mal durch Dörfer geht, sind dort meistens kleine Entwässerungsgräben um die für uns teilweise riesig anmutenden Grundstücke mit teils parkähnlichen Gärten herum angelegt. Auf den Wiesen tummeln sich allerhand Federvieh, aber auch eine sich in der Sonne putzende kleine (leider fotoscheue) Bisamratte haben wir schon zu sehen bekommen.
Wir erreichen irgendwann Ditzum. Endlich, das erste Fischbrötchen so fast an der Küste – mmmhh, das schmeckt gleich nochmal besser! Wobei, Jörg bleiben die Happen fast im Hals stecken, als ich feststelle, gleich geht unsere Fähre auf die andere Emsseite – ansonsten erst in einer Stunde wieder! Also schnell runter mit Brötchen und Alsterwasser, in der Hektik viel zu viel bezahlt und ab zur Fähre. Geschafft! Dann noch ein nettes Pläuschchen auf der Fähre mit anderen Radlern aus dem Ruhrpott (Castrop-Rauxel), die seit 6 Tagen an der Ems unterwegs sind. Mit diesem Völkchen kommt man immer ins Gespräch 😉. Einer der drei ‚Jungrentner‘ hätte der Bruder des leider schon verstorbenen Comedian Dr. Ludger Stratmann sein können. Nicht nur optisch, sondern auch von der Stimme und den trockenen Kommentaren her quasi eine Wiedergeburt. 🤗



Für heute Nacht haben wir uns für ein Domizil in einem Landgasthotel kurz vor Emden entschieden. Da der nächste Campingplatz erst 15 km hinter Emden liegt, wir uns aber für die Stadt etwas mehr Zeit nehmen wollen, haben wir uns dafür entschieden, morgen einen entspannten Tag in Emden zu verbringen bevor es dann weitergeht. Das hotelansässige Restaurant hat heute gut an uns verdient. Nicht nur die Fischteller waren total lecker, auch Wein, Bier und Baileys waren nicht zu verachten, aber ob wir heute wirklich so viel geradelt waren, dass diese Rechnung kalorientechnisch zu Null aufgeht?!? 😬
Zumindest schlafen, werden wir vermutlich gut!