Sonntagvormittag, ca. 15°C, es regnet mal mehr und mal weniger… und wir sitzen unter einer Bedachung, das Zelt wenige Meter entfernt vor uns auf der Wiese. Aber der Reihe nach…
In Ootmarsum starteten wir nach einem leckeren Frühstück im Hotel. Von der am Berg – oder eher Hügel – gelegenen Unterkunft rollten die Räder die ersten 1 – 2 km quasi von alleine. Nach ein paar weiteren Kilometern wird der Radweg schmaler und ist auch nicht mehr in zwei einzelne Spuren markiert: man merkte sofort, wir haben die Grenze nach Deutschland überquert. Wir radelten durch viele Felder mal etwas an der Landstraße entlang, mal auf abseits gelegenen Radwegen. Das erste kleinere Dorf war Lage und dann folgte das größere Neuenhaus, wo ein erster Stopp für einen Cappuccino angedacht war. Der Ort ist auch verhältnismäßig groß, aber war doch irgendwie nicht so richtig belebt, eher tot…Viele leere Häuser und verwaiste Läden, wenige Menschen auf den Straßen, aber Autos waren unterwegs. Komisch, in den Niederlanden sind wir durch keinen einzigen solch tristen Ort gekommen. ‚Spiel mir das Lied vom Tod’, das Titellied aus dem gleichnamigen Film war deutlich im Hintergrund zu hören – auch nee, war doch nur der Wind.

Aus dem Cappuccino wurde nichts. 🤔 Erinnert irgendwie an unsere Touren durch den ‚tiefsten Osten’, wo wir mangels Einkaufsmöglichkeiten bei Privatleuten am Gartenzaun um Wasser betteln mussten. So radelten wir (noch) guter Dinge weiter.
Es ging durch eine Gegend in der irgendetwas aus der Erde gefördert zu werden schien… Öl?! Ja, in der Tat standen vereinzelt auf den Feldern kleine Förderpumpen und Warnschilder wiesen auf Probebohrungen für Öl hin. Texas in Niedersachsen – aber ohne J.R. Ewing, inmitten von Maisfeldern. Etwas später fuhren wir auch noch an der Aufbereitungsanlage von Exxon mobile vorbei. So etwas hatten wir hier irgendwie nicht erwartet, aber man lernt ja zum Glück nie aus!

Etwas später erreichten wir einen Bereich, wo man versucht das früher dort vorhandene Moor wieder zu beleben, aber in Zeiten des Klimawandels und mehrerer viel zu trockener Sommer auch in unseren Regionen, scheint das ein schwieriges bis aussichtsloses Unterfangen zu sein, denn von ‚Moor‘ gab es keine Spur. Eigentlich ist es aber als toller Anschauungsbereich gedacht, mit einem quer durchs ‚Moor’ gebauten Stegweg von ca. 2 km Länge. Als Fußweg gedacht, hätte sicher aber auch der eine oder andere Mountainbiker Spaß über die Holzplanken zu flitzen. Hoffentlich lohnt sich das viele Geld, was sicherlich in die Verwirklichung dieser Idee geflossen ist irgendwann und macht auch Sinn für die Natur. Vielleicht hätte man einen Kaffeeautomaten aufstellen sollen, dann hätten wir für Umsatz gesorgt und das Projekt damit unterstützt. So geht es leider ohne Kaffee oder ähnliches weiter. 🙄



Nächstes Etappenziel – Neugnadenfeld. Google sagt, es gibt ein Gasthaus und ein Steakhaus und eins von beiden wird schon offen haben. Falsch!!! Ein vor Ort befragter Einheimischer raunte: ,Das Gasthaus ist schon länger geschlossen und das Steakhaus ist auch zu.‘ Mehr muss man dazu nicht sagen… wieder wurden wir erinnert an unsere Radtour an der Oder entlang, wo ein Dorf leider auch ausgestorbener als das andere war und wir solche Aussagen, dass der Gasthof seit längerem geschlossen ist, des Öfteren gehört haben. Schade. Weiter ohne Kaffee… da wird langsam jemand unruhig. 😳
Inzwischen waren wir rund 3 Stunden auf dem Rad unterwegs und hatte ich schon erwähnt, dass es windig war?!? Wie für Radfahrer angemessen, blies der Wind kräftig, meistens von vorne, dafür zeigte sich wenigstens zeitweise die Sonne, aber ausgesprochen warm war es nicht. Ohne den blöden Wind wäre es prima Radelwetter. Aber gut, wir wissen dass wir im Norden unterwegs sind und sehen es sportlich als Einstimmung auf die Küste! Gelegentlich schaltete man ganz unauffällig mal vom Eco-Modus in den Sport-Modus – wir wollten ja die Kirche im Dorf lassen und uns nicht schon jetzt den Rest geben. 😏

Nach ein paar weiteren Kilometern kamen wir an einer Rasthütte vorbei und entschlossen uns, spontan ein Picknick mit unseren noch von zuhause mitgenommenen Vorräten zu machen. Es gab Knäckebrot, Käse und Marmelade, etwas aufgeschnittenen Kohlrabi und Obst. Wir ließen es uns gut gehen – auch ohne Cappuccino & Tee 😬, denn den Campingkocher holten wir nicht extra raus. Zudem war uns aufgefallen – das Kaffeepulver für den Espressokocher steht sicher verwahrt in zigfacher Auswahl in Duisburg. 😱 Aufgrund des Windes zogen wir es vor in der Hütte zu pausieren und nicht am Tisch draußen. Es war alles sehr liebevoll von der Gemeinde gestaltet. Es lagen sogar Polsterkissen auf den Holzbänken bereit und es gab auch eine Örtlichkeit mit dem schönen Namen „zum hockenden Weibe“ 😉. Ein Schild erläuterte Nutzen und Gönner der Örtlichkeit und bat um eine Spende bei Gefallen – na dem kamen wir doch sehr gerne nach, kam uns diese Hütte doch ausgesprochen entgegen!





Frisch gestärkt ging es motiviert auf die nächsten Kilometer dem Wind trotzend. Und schon querten wir mal wieder die Grenze zu den Niederlanden und irgendwie sah man es auch gleich am nächsten Örtchen, auch wenn wir hier jetzt gar nicht mehr nach einem Erfrischungspunkt Ausschau hielten. Irgendwann muss man sich einfach dem Schicksal ergeben. 🥺 Unser Tagesziel Haren (Ems) war nicht mehr so fern, aber wir hatten noch eine Strecke durch den Naturpark Bargerveener Moor vor uns. Landschaftlich toll, aber auch sehr eben ohne viele Bäume am Wegesrad. Ein super Radweg, aber Wind ohne Ende sobald wir in Richtung Norden unterwegs waren… Was waren wir froh, als es endlich wieder etwas mehr nach Osten ging und der Wind gefühlt gleich merklich nachließ!


Schließlich näherten wir uns Haren, fuhren vorbei am Baggerpark (an der Stelle liebe Grüße an die Jungs vom Doppelkopf) und steuerten erstmal einen Baumarkt (Fett für die Sattelstütze wurde gesucht) und dann den Großversorger an, wo es ‚aldi‘ günstigen Preise gibt, damit wir uns wieder besser selbst verköstigen können. Dann buchten wir eine Nacht auf dem örtlichen Campingplatz, bauten den grünen Gugelhupf auf und radelten ins Zentrum, um endlich was zu essen. Und wie das geschmeckt hat nach rund 75 km gefühlt verdammt oft gegen den Wind!!! Es durfte sogar noch ein leckerer süßer Nachtisch sein – hatten ja reichlich Geld gespart bei der miesen Versorgungslage unterwegs. 😇



Inzwischen ist es Sonntagabend geworden und wir haben heute einen Pausentag eingelegt – Regen war und ist angesagt und die Wetter-App hat nicht gelogen. Immer wieder nieselt es oder gibt einen kurzen kräftigen Schauer, aber es regnet zum Glück nicht den ganzen Tag durch. Wir fahren nur da, wo die Sonne scheint – so war der Plan. Na ja, auch das ist verhandelbar. So waren wir heute nur zu Fuß unterwegs um das Örtchen zu erkunden und ansonsten hat ein fauler Tag im und am Zelt auch seinen Reiz. Wir haben somit noch um eine Nacht verlängert und hoffen, morgen auf etwas trockneres Wetter zu treffen.

Ihr beiden grünen Laubfrösche am tristen Wasser … ich drücke die Daumen, dass das Wetter bald besser wird.
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