(AR) Am kommenden Tag wurde das Auto wieder voll beladen und wir verließen Hermagor für dieses Jahr. Da Jörgs Stiefvater im Lesachtal geboren worden war, Jörg in der Kindheit nie bewusst dort war und auch unsere Wirtsleute uns den Weg zwar als länger, aber auch landschaftlich besonders reizvoll empfohlen haben, wählten wir diese Strecke in Richtung Südtirol. In der Regel führt die Hauptstraße durch ein Tal ja an der Talsohle entlang – nicht aber hier. Dieses Mal ging es in etwa halber Berghöhe über eine oft steile und recht kurvenreiche schmal Straße durch das wunderschöne Tal. Aber ganz ehrlich: wohnen wollte ich hier nicht! Immer diese eine Straße in die eine oder andere Richtung durchs Tal um irgendwo anders hinzukommen auf dieser schmalen Straße… das wäre sicher nicht mein Fall, zumal wir bestimmt hinsichtlich der reinen Fahrzeit knapp eine Stunde durchs Tal unterwegs waren.
Zwischendurch machten wir einen Stopp, da von den Bergen wieder mal unheimlich viele Paragleiter herab schwebten und auf einer Wiese in einem kleinen Bergdorf landeten. Diese Landungen wollten wir uns mal aus der Nähe ansehen. Also erst noch einen ‚Verlängerten Braunen‘ (kommt dem hiesigen Kaffee ziemlich nah) für Jörg und einen Tee für mich auf einer Sonnenterasse, wo die Paragleiter quasi über uns hinweg flogen und dann spazierten wir zur Landewiese. Bei einem Teil der Gleitschirmflieger handelte es sich scheinbar um Flugschüler, die von einem Coach per Funk Anweisungen für das Landemanöver bekamen. Es ist immer wieder spannend anzusehen wie die Schirme lautlos um einen herum gleiten! Ich hatte ja vor vielen Jahren mal einen sogenannten Tandemflug gemacht und bin immer noch begeistert davon. Hier in den Bergen ist das Paragleiten irgendwie vergleichbar mit dem Kitesurfen an der See – schon sehr schön anzuschauen.
Dann ging es weiter durch das inzwischen breiter werdende Tal und kurz darauf überquerten wir die Grenze nach Italien und waren in Südtirol. Für die Einreise musste vorher eine elektronische Einreiseanmeldung aufgrund der Pandemie erfolgen – das hatte ich bereits am Tag vorher erledigt. Von de Theorie her soll man das immer (elektronisch) bei sich haben, falls mal jemand fragt… uns hat keiner gefragt. Abgesehen davon wurden wir in Italien kein einziges Mal nach einer Impfung oder einem Test gefragt geschweige denn, dass wir uns irgendwo hätten registrieren müssen oder können. Allerdings ist das Tragen der MNB verbreiteter als wiederum in Österreich.
Nach Überquerung der Grenze fuhren wir durch das Pustatal und dann weiter in Richtung Süden. In Klausen hatten wir für vier Nächte unser unser Quartier gebucht. Klausen war unter anderen ein Tipp vom Doppelkopffreund Jörg und seiner Frau Anja (ja, die gleiche Namenskonstellation wie bei uns). Die beiden hatten wir noch vor unserer Abfahrt nach Südtirol befragt. Sie hatten dort schon oft Urlaube verbracht und auf die Tipps der beiden ist immer Verlass! Danke dafür nochmal!
(JU) Das ausgesuchte Hotel war komplett neu renoviert, besaß einen Saunabereich sowie Freizeiträume und als besonderes Schmankerl zwei Whirlpools oben auf der Dachterrasse. Praktisch waren auch die Pizzeria und Bar direkt im Haus. Allerdings gab es noch den kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Nachteil der Ortsdurchfahrt direkt vor dem Haus, welche gepaart mit dem Geräuschpegel der bis 1:00 Uhr morgens geöffneten Außengastronomie ein Schlafen bei geöffneten Fenster unmöglich machte. Wie gut, dass wir uns schon so an unsere Ohrenstöpsel gewöhnt haben. 😏
Der Ort Klausen, den wir noch am Abend erkundeten, ist mit einem wunderschönen Ortskern und den vielen kleinen Gassen voller Leben wirklich positiv zu erwähnen. Die für die Gegend typischen ‚Schlutzkrapfen‘, kleine Teigtaschen gefüllt mit Spinat und Frischkäse schmeckten uns besonders gut.
Aber auch das nur ca. 13 km entfernte Brixen, wo uns die morgendliche Radtour hinführte, reiht sich nahtlos ein in die schön anzusehenden Innenstädte. Wesentlich größer als Klausen, lädt dieser Ort ebenfalls mit einer tollen Altstadt und vielen Straßencafés und kleinen Geschäften zum Bummeln und Verweilen ein.
Es war schon Nachmittag geworden als wir, von der Radtour nach Brixen längst wieder zurück, mit dem Auto in Richtung Bozen fuhren. Großstadt und trotzdem sehr heimelig, wir fühlten uns sofort sehr wohl. Da wo auch die Einheimischen verweilen, setzen wir uns zu einem kleinen fruchtigen Aperitif und ‚schauten Leute‘. Das kostenlos dazu gereichte Gebäck, Fischpaste und Oliven schmeckten toll und auch unser Spaziergang durch die vielen kleinen, bunten Gassen und vorbei an den kleinen Geschäften unter den Arkaden… Südtirol hatte uns gefangen. Wie gut, dass wir uns entschieden hatten uns noch diesen abendlichen, kurzen Überblick zu verschaffen, denn somit war klar: Bozen wird sicherlich nochmals unser Ziel sein in den nächsten Tagen.
Am nächsten Tag stand Meran auf dem Plan, aber der Wochenendstau durch an- und abreisende Urlauber verstopfte die Hauptverkehrsadern im Tal. So landeten wir durch eine spontane Planänderung in Oberbozen (auch ein ‚Doppelkopf-Jörg-Tipp‘). Die Wegstrecke dorthin war wieder mal nur was für magenresistente Bergziegen und gekennzeichnet von Straßen, wo zwei Autos nur an speziellen ‚Ausweichstellen‘ aneinander vorbeifahren können. Bezeichnenderweise trafen wir, endlich dort oben angekommen, auf eine Herde Alpakas und Lamas, mit denen man an einer Wanderung teilnehmen konnte. Wir entschieden uns nach einer Runde durch das Bergdorf aber weder für die Lamas, noch für die historische Eisenbahn mit der man am Berg entlang bis zum nächsten Ort fahren konnte, sondern für eine Godelbahn, mit der man für 10 € pro Person eine Hin- und Rückfahrt nach Bozen buchen konnte. So genossen wir einen Blick von oben über die Umgebung, insbesondere auch auf die Dolomiten und auf Bozen. Wie ließen die Stadt und ihr Treiben abermals auf uns wirken bevor des dann wieder zurück auf den Berg ging. Wir waren zufrieden mit unserer Planänderung!
(AR) Tagsdarauf ging es dann doch noch in Richtung Meran. Es war zwar für den Nachmittag Regen und Gewitter angesagt, aber bis dahin wollten wir die Zeit nutzen. Die Altstadt von Meran ist trotz ähnlicher Arkaden wie in Bozen dennoch ganz anders als Bozen und Brixen. Teilweise etwas weitläufiger und insbesondere durch die breite (Kur-)Promenade am Fluss entlang mit den vielen mediterranen Bepflanzungen einfach anders. Ich wollte unbedingt mal diesen Ort sehen, wo meine Oma, kurz bevor ich damals das Licht der Welt erblicken sollte, einen Schlaganfall erlitten hatte, der sie infolge bis zu ihrem Tod rund 10 Jahre ans Bett gebunden hatte. Irgendwie zog uns dieser Ort trotz seiner teilweise sehr schönen Jugendstilelemente und Bepflanzungen nicht so in seinen Bann, wie es die anderen Orte getan hatten – warum auch immer.
So erkundeten wir anschließend noch ein paar kleinere Ort in der Umgebung, gleichzeitig auf der Suche nach einem Restaurant was eine durchgehend geöffnete Küche zu bieten hatte, wurden aber nirgendwo fündig. So machten wir uns, auch aufgrund des beginnenden Regens wieder auf den Rückweg, um unsere wunderbaren Tage in Südtiol in unserem gemütlichen kleinen Ort Klausen, bei dem uns bereits bekannten Restaurant und traditionellen Speisen ausklingen zu lassen.




























