Wie bereits beschrieben, sah die Wetterlage mit der Aussicht auf viel Regen und Gewitter in den kommenden beiden Tagen nicht so berühmt aus und auch die Suche nach einer Unterkunft – egal ob Zeltplatz oder Zimmer – war nicht erfolgreich und bis nach Slowenien rein, wollten wir sowieso nicht unbedingt. So entschieden wir uns, die Drau nicht weiterzuverfolgen.
Am Montagmorgen hatte sich die Prognose insofern verändert, dass es erst später zu regnen beginnen sollte. Somit konnten wir doch recht entspannt das Zelt trocken einpacken und frühstücken. Aber was soll ich sagen, kaum hatten wir die Räder wieder voll beladen, kamen die ersten Regentropfen vom Himmel – die waren gar nicht angekündigt gewesen! Aber was soll’s, wir waren fertig und bald darauf hörte es auch wieder auf.
Es ging zurück nach Ferlach an der Drau entlang, dann über das Fluss-Kraftwerk und den Berg hinauf in Richtung Klagenfurt. Es waren ca. 100 Höhenmeter über eine relativ kurze Strecke zu erklimmen – aber wir haben uns gemeinsam mit den Drahteseln wacker geschlagen. Das Belastungs-EKG wäre sicher zufrieden mit uns gewesen!
Wir hatten Klagenfurt gerade erreicht, da klirrte es, es gab einen Knall und ein pfffffffffffff – und Jörg fuhr auf der Felge seines Vorderrades. Oh man, auch das noch! Der dunkle Himmel ließ auch den nächsten Regen vermuten…. Also schnell zur Tankstelle in Sichtweite geschoben und – mal eben – den Schlauch geflickt und gewechselt unter dem schützenden Dach der Tankstelle.
Dann ging es weiter zur bereits bekannten Innenstadt von Klagenfurt, denn inzwischen meldeten sich unsere Mägen – aber wie üblich etwas nach der gängigen Mittagszeit. Als Großstädter kann man es ja sowieso nicht verstehen, dass es Orte gibt, wo nicht jederzeit eine warme Mahlzeit zu bekommen ist. Aber wie man nach den langen Schließzeiten aufgrund der Pandemie einen Betrieb, bei dem wir neulich noch hervorragend gegessen hatten, in Betriebsferien zur Hochsaison schicken kann, ist uns nicht verständlich. Aber gut, das Wetter klarte auf und wir fuhren raus zum Wörthersee. Wir wollten es wagten, die neulich begonnene Strecke am See fortzusetzen (die wir ja aufgrund der abgefahrenen Bremsen abgebrochen hatten). Zuvor gab es jedoch am See eine kleine Pizzeria, die durchgehend warme Küche hatte, und so ließen wir uns beide noch einen Teller Pasta schmecken. Frisch gestärkt ging es dann über Pörtschach und Velden bis zu unserem Tagesziel Wernberg – dort hatten wir in derselben kleinen Frühstückspension wie vor ein paar Tage, ein Zimmer ergattert. Rund um den Wörthersee waren nur Zimmer zu Preisen zu bekommen, die wir nicht gewillt waren zu zahlen – und da sprechen wir von hohen dreistelligen und vierstelligen Preisen pro Nacht!!
Kurz vor Velden machten wir noch einen kurzen Stopp bei einem sehr ansprechenden modernen, kleinen Café am alten Kraftwerk. Noch einen Verlängerten Braunen für den Herrn und einen alkoholfreien Hugo für die Dame, einen kurzen Blick ins Schaukraftwerk und dann ging es auf die restlichen Kilometer an diesem Tag. Wir hatten uns für den Panoramaweg (und nicht für den Drauweg) entschieden. Nach dem lebhaften Treiben in Velden, ging es immer etwas bergan an Wiesen entlang und durch kleine Dörfer. So erreichten wir die Pension gegen Abend als die Wolken am Himmel immer dichter und dunkler wurden… gegen 22:30 Uhr fing dann das Gewitter mit kräftigem Regen und vielen Wetterleuchten an – was waren wir froh im gemütlichen Bett zu liegen!!
Am nächsten Morgen war es deutlich kühler, aber es war trocken und die Sonne setze sich gegen die Wolken durch. Nun ging es aber doch noch einmal den Berg hinunter zur Drau, da wir nicht so viel an der Straße und durch Villach fahren wollten. Noch vor dem Stadtzentrum kamen wir an den Punkt, wo die Gail in die Drau fließt und bogen dort auf den Gailtal-Radweg ab. Es war eine schöne Strecke am Fluss entlang. Irgendwann ging es auch etwas weiter von der Gail weg und ein paar Höhenmeter rauf. Dann kamen Gitterroste und kurze Zeit später fanden wir uns an einer kleinen Alm wieder. Ein paar Kühe, Ziegen und eine Unmenge von Rädern – alle wollten eine kleine Stärkung bei Lissy’s Alm! Es war auch wirklich die einzige weit und breit! Mit einem Brot gestärkt ging’s weiter durchs Bärengebiet – aber wir sind zum Glück dann doch keinem in freier Wildbahn begegnet! Wir radelten Kilometer um Kilometer und genossen den Blick aufs Tal und die Berge – es war herrlich anzusehen und die Temperaturen waren super um eine längere Strecke zu fahren.
Irgendwann kamen wir zu dem Punkt am Radweg an dem wir vor rund zwei Wochen aus der anderen Richtung kommend umgedreht waren. Den Rest der Strecke zurück nach Hermagor kannten wir also schon und freuten uns noch auf ein Stück von „Omas Apfelstrudel“ im Gartenlokal in Voderberg! „Tut mir leid, der ging die letzten Tage so gut weg, die Oma backt gerade erst neuen, der dann noch von Villach aus hergebracht werden muss…“ Oh nein, da hatten wir uns so gefreut… alternativ nahmen wir einen Joghurt mit Obst. Aber was soll ich sagen: kurz bevor wir weiter wollten, kam die Oma mit dem frisch gebackenen Apfelstrudel! Den konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen und so teilten wir uns noch ein Stück – ich kann euch sagen, es war die Sünde wert!
Die letzten Kilometer gingen fast wie von selbst, aber der Motor musste noch geschont werden, da ja noch der doch recht kräftige Anstieg bis zur Unterkunft bei Familie Jost, wo das Auto stand, zu bewältigen war…. im Nachhinein war es dann aber gar nicht so schlimm wie befürchtet – oder sollten wir inzwischen doch auch etwas besser trainiert sein?!?
Nach 72 km erreichten wir unser Ziel und freuten uns auf nochmal zwei Nächte bei der netten Familie mit dem Hund, den Eseln, Hühnern und Gänsen.















