Von Wernberg nach St. Margareten

Nach einer langen und erholsamen Nacht ging es am Samstag bei über 30°C wieder zur Drau und an dieser entlang weiter in Richtung slowenische Grenze. Was eine erholsame Nacht trotz des warmen Wetters so ausmachen kann! Es ging immer mal wieder rauf und runter aber es fühlte sich nicht so anstrengend wie am Tag zuvor an. Wir genossen die sich immer wieder verändernde Landschaft. Die Drau wurde immer mal wieder zu größeren Seen aufgestaut und hat türkisschimmerndes, jedoch nicht so richtig klares Wasser. Man sieht viele Vögel, Enten und Schwäne schwimmen und immer wieder sehr viel Totholz aus dem Wasser ragen. Die Berge werden auf der Nordseite eher flacher wobei man manchmal in Verbindung mit den Bäumen und Pflanzen ringsum den Eindruck hat, man könnte auch in Kroatien sein, fühlt sich wie in einer Winnetou Verfilmung, halt nur auf einem Drahtesel.

Bei unserer Mittagspause in einem sehr angenehm schattigen kleinen Gartengasthaus überlegten wir noch einmal wie weit die Fahrt heute noch gehen soll. Ursprünglich wollten wir wegen der Wärme eher eine kürzere Strecke wählen, aber da es dann doch ganz gut lief, kamen ein paar Kilometer mehr in Frage. Feistritz im Rosental und Ferlach waren die beiden nächstgelegenen etwas größeren Dörfer und bei Feistritz sollte noch ein Zeltplatz direkt an der Drau bzw. am Drau-Radweg liegen, der bei Google auch recht positiv bewertet wurde. Also sollte es erstmal dort hingehen und wenn etwas frei wäre, würden wir vermutlich direkt bleiben. Gesagt, getan. Gut gestärkt ging es weiter auf unseren Drahteseln immer etwas auf und ab in Sichtweite der Drau. Was nicht in Sicht kam war der Zeltplatz oder ein entsprechendes Schild… Nach einer ganzen Weile befragten wir Google noch einmal – wir waren bereits mehrere Kilometer am vermeintlichen Campingplatz vorbei. Super… und der nächste Ort war inzwischen näher als der angedachte Campingplatz. Also radelten wir weiter. Ferlach war, wie die Karte vermuten ließ etwas größer, aber der Vorort in dem wir uns befanden dann doch auch irgendwie tot… Zwei Gasthöfe (einer davon ursprünglich auch mit einer Zeltmöglichkeit) hatten inzwischen geschlossen. (Wir haben unterwegs insgesamt mehrere kleine Gaststätten/Hotels gesehen, die keinen Betrieb mehr hatten – ob Pandemiebedingt lässt sich jedoch aber nicht sagen.) Das noch offene Gasthaus hatte kein Zimmer mehr frei und die anderen vermieteten nur Ferienwohnungen.

Okay, dann also die nächsten Kilometer weiter nach Ferlach. Was soll ich sagen, wir telefonierten alles ab – nichts zu bekommen. Der letzte Anruf galt dann wiederum einem Campingplatz weitere ca. 12 km entfernt….“Klar, kein Problem! Kommt vorbei, wir haben Platz!“ Also traten wir wieder in die Pedale und versicherten uns immer wieder mit Google Maps, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren.

Endlich angekommen fanden wir einen recht großen, aber sehr sauberen und netten Campingplatz vor. Sogar ein großer Schwimmteich sowie ein Restaurant war Teil des Platzes. Hinsichtlich des Preises klappte uns zwar erstmal die Kinnlade herunter, jedoch müssen wir sagen, dass der gerechtfertigt war! So moderne und gut durchdachte Saniertäreinrichtungen haben wir bisher noch nicht erlebt und die auch Sauberkeit war durch die mehrmals tägliche Reinigung unübertroffen. Zudem noch Waschmaschinen, Trockner, Mini-Club und Entertainment für die jüngere Generation, mehr kann man nicht erwarten.

So ist es sicher auch nicht verwunderlich, dass wir uns entschieden, den schwühlheißen Sonntag dort zu verbringen und einfach mal „Nichts“ zu tun! Herrlich! Wobei „Nichtstun“ natürlich auch nicht ganz stimmt, da wir uns mit der Frage beschäftigen mussten, wie es weitergehen soll.

Die Wetterlage sah mit der Aussicht auf viel Regen und Gewittern in den kommenden beiden Tagen nicht so erbaulich aus und auch die Quartierssuche schien nicht so einfach auf der nächsten Wegstrecke die Drau entlang und die Zeltplatzdichte nahm deutlich ab. Also was tun, wo das Wildcampen auch in Österreich nicht erlaubt ist?!

Noch während wir die verschiedenen Möglichkeiten durchsprechen, zog sich der Himmel nachmittags zu und es wurde windig und dunkel… viele Camper packen eilig ihre sieben Sachen zusammen und es war eine gewisse Aufbruchstimmung zu spüren… Und wir? Wir befragten das Regenradar, was plötzlich Regen und Gewitterzellen anzeigte, räumten alles zusammen und ins Zelt und spannten noch ein paar zusätzliche Zeltleinen. Dann krabbelten wir rein und harrten der Dinge die kommen würden. Dank eines guten WLAN Netzes streamten wir ausnahmsweise einen Film um uns die Zeit zu vertreiben. Schlussendlich regnete es etwas und Gewittergrollen war zu hören, aber das Wesentliche schien vorbeizuziehen! Hinterher war die Luft angenehm kühler, so dass wir noch einen sehr schönen Abend hatten!

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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