Spittal – Milstättersee – Wernberg

(AR) Wir ließen unser Zelt zwei Nächte auf einem kleineren Durchgangs-Zeltplatz direkt an der Drau in Spittal stehen.

Am Donnerstag machten wir einen Ausflug nach Spittal sowie zum nahegelegenen Millstättersee. Wir umrundeten den See mit dem Rad, wobei wir uns die Nordseite hätten sparen können. Zwar kommt man dort durch die kleinen Urlaubsorte, allerdings führt der Radweg direkt an der viel befahrenen Hauptstraße entlang…wirklich kein Vergnügen und die schönen Ausblicke auf den See entschädigen nicht so richtig. Die Südseite hat zwar deutliche Steigungen, führt aber durch den Wald – etwas anstrengender, aber sehr schön! Zumal wir eine kleine, leere Badebucht fanden und uns im See eine Abkühlung gönnten – herrlich!

Ich war mit meinen Eltern 1987 bereits am Millstättersee im Urlaub und wir hatten auch meine Freundin Uli mit – ich musste allerdings feststellen, dass es keinen Wiedererkennungseffekt für mich gab. Liegt vielleicht auch daran, dass ich damals nach einer Woche Urlaub ins Krankenhaus musste, da mein Blinddarm unbedingt dort bleiben wollte 😉

(JU) Wir haben Spittal dann am Freitag, den 13. verlassen. Vom Campingplatz direkt über die Draubrücke und dann durch Wiesen und Felder am Fluss entlang in Richtung Villach. Irgendwie steckte uns die am Vortag gefahrene Strecke und zusätzlich noch eine durch laute ‚Nachbarn‘ sehr unruhige Nacht in den Knochen. Erst saßen nur die Frauen vor dem Wohnwagen und beaufsichtigten das Einschlafverhalten zweier von der Fahrt und den ungewohnten Umständen völlig überdrehter Kleinkinder. Von Geschichten über Schlafstörungen, Darmverstopfung und was die eine über das Verhalten anderer zu erzählen wusste – das Repertoire war vielfältig. Irgendwie konnte man einfach nicht ‚vorbeihören’. Die Herren der Schöpfung hatten sich im Gasthaus am Eingang des Platzes wohl ein bis drei Bierchen gegönnt, gesellten sich später noch dazu. Gegen 23:30 Uhr hatte Anja dann mal die Nase aus dem Zelt gehalten und die bayrischen Labertaschen um Ruhe gebeten, irgendwie hat es geholfen. Ab kurz vor sechs morgens übernahm dann der sich ständig lautstark streitende Nachwuchs das Feld. Kinder halt, da kann man ja nichts gegen sagen – und irgendwie kennt man das auch selber von früher. Ups, kommt da schon fast wieder etwas Mitleid für die armen Eltern auf?! 😏 Wenigstens in Ruhe frühstücken konnten wir, da waren die Nachbarn schon wieder auf dem Weg mit ihrem Campungwagen um an anderer Stelle jemanden völlig ungeniert die Nerven und den Schlaf zu rauben. 🥴

Notbremsung, umdrehen, einkehren und sich wohlfühlen… Wir waren noch nicht weit von Spittal weg, da wären wir doch fast an diesem Idyll vorbeigefahren. So stellt man sich einen Hofladen vor – viele Leckereien in einem Umfeld welches perfekt in jeden ländlichen Heimatfilm passen würde. Wir kauften Joghurt und Nussschnecken, alles andere was Begehlichkeiten weckte, musste leider aus Platzmangel am Rad in den Regalen stehenbleiben. Unsere Einkäufe konnten wir uns am Tisch in dem angrenzenden netten Bauerngarten schmecken lassen und die Hofkatze genoss sowohl die Joghurtreste, als auch die ihr von Anja dargebrachten Streichel- und Krauleinheiten. Ich bin ja etwas vorsichtig bei fremden Tieren, gerade dann, wenn diese Krallen, Zähne oder Hörner haben. Fische find ich toll, aber mittlerweile auch eher im Ganzen gebraten auf dem Teller. 😇

Die Drau hatte sich verändert. Aus dem vormals schnell und stellenweise sehr quirlig fließenden Fluss in einem schmalen Bett war ein ruhiges Gewässer geworden, mittlerweile aber doppelt bis dreifach so breit. Waren im oberen Teil noch Raftingtouren angeboten worden und hatten sich nur geübte Kanufahrer ins Wasser gewagt, reicht es jetzt nur noch zur gemütlichen ‚Altherrentour‘ bei Kaffee und Kuchen.

Mittlerweile strampeln wir viel direkt neben der Schnellstraße entlang, sehen die auf hohen Pfeilern gebaute Autobahn, auf der sich urlaubshungrige ‚gen Süden die anderen in Richtung deutsche Grenze bewegen. Was geht es uns gut – wir haben Zeit, wir genießen die Langsamkeit, erfreuen uns an dem was wir zu sehen bekommen. Ok, bei über 30 Grad wäre so eine Klimaanlage natürlich was feines, aber der selbst erzeugte Fahrtwind ist auch nicht zu verachten. Bei Unterbergen, etwa 20 Kilometer vor Villach, machen wir kurz Rast an einer Seilfähre, die Fußgänger und Radfahrer vom einen zum anderen Ufer bringt. Einfach nur die Glocke läuten und abwarten. 🤗

Mittlerweile schon fast in Villach angekommen, haben wir Hunger und entschließen uns aufgrund der Zeit (natürlich macht sich der Hunger erst nach den mittäglichen Öffnungszeiten von Restaurantküchen bemerkbar) die Stadt auf dem kürzesten Weg zu durchqueren und bis Wernberg zu fahren. Unser Lieblingsgasthaus Fruhmann hat durchgehend warme Küche und ist seit je her immer eine gute Wahl, was alle meine Kinder bestätigen können. Wir genießen jeder unser Salatkörbchen mit Putenschnitzel nach Wiener Art und während wir uns wundern, wie trotz strahlendem Sonnenschein um uns herum die kleine Regenwolke sich durchkämpfen und immer größer werden, um uns etwas Abkühlung zu verschaffen.

Wir beschließen die Nacht im Ort zu verbringen und wie ich es von meiner ‚Reiseleiterin‘ gewohnt bin, organisiert sie ein entsprechendes Zimmer. Nichts gegen unseren kleinen grünen Gugelhupf, aber mal wieder ein richtiges Bett – eine Wohltat für die alternden Knochen…

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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