‚Zuhause’ angekommen, Gewohnheiten, Erinnerungen…

Anja hat es ja thematisiert, der Grund warum wir hier in Österreich sind ist der, dass ich wieder den Drang hatte meine alte Heimat zu sehen. Ganz komisch, aber irgendwie kann ich mich dem nicht entziehen, obwohl ‚unser Haus’ nach dem Tod meines Stiefvaters einem Parkplatz weichen musste und ich außer zu zwei oder drei Schulkollegen keine persönlichen Verbindungen mehr zu Hermagor habe – abgesehen von Erinnerungen.

Zuletzt war ich 2019 mit Anja, meinen Kindern, den Enkeln und dem Schwiegersohn hier. Jedes meiner Kinder hat aus der eigenen Kindheit, in der sie oft hier im Urlaub bzw. bei meiner Mutter zu Besuch waren,  ganz eigene Erinnerungen an die verschiedenen Örtlichkeiten hier, an bestimmte Getränke, an Vorlieben das Essen betreffend. Bei den Ekelkindern steht seit dem Besuch am Weißensee ein Mutsprung vom Geländer der einzigen Seebrücke auf der ‚Will ich unbedingt machen‘-Agenda – die nächste Generation ist sozusagen ‚angefixt‘. 😏

Der Sonnenhof Jury in Jadersdorf ist für dieses Jahr unsere Unterkunft und ein Glücksgriff. Wir haben ein neu renoviertes und ausgestattetes Zimmer mit einem großen Badezimmer und einer noch größeren Terrasse, die wir uns mit einem netten niederländischen Paar so um die achtzig teilen. Auch sie sind auf einer Tour zu den Orten, die sie vor Jahren schon besucht haben.

Unsere Vermieterin ist nur wenige Jahre älter als ich und kennt ganz viele Leute, die auch mir noch von früher in Erinnerung sind. Hermagor hatte früher 3000 Einwohner, da kannte jeder jeden und sie kennt jeden Ort zu dem man kann – aber eben aus aktueller Sicht und nicht nur aus den Erinnerungen wie ich. Wir reden viel mit ihr über alles mögliche und so verknüpft sich ‚früher‘ mit heute.

Da wir jetzt ja mit dem Auto UND den Rädern unterwegs sind, lerne ich die Umgebung nochmal ganz anders kennen. Wir fahren über Wege, die früher zu Fuss nicht meine waren. Mit dem Auto hoch zur Eggeralm, da das Auto abgestellt und die ca. 4 km zur Dellacheralm mit dem Rad vorbei an Rindern und Pferden, die sich dort frei bewegen. Einige Kilometer den Berg weiter rauf, da gibt es noch eine Alm und den Gipfel des Poludnig. Anja wollte zuerst lieber laufen anstelle ständig bergauf zu strampeln (immerhin eine Stecke von 12,5 km), aber wir haben es dann doch mit dem Rad probiert – und geschafft, auch wenn uns trotz Motor zwischenzeitlich die Puste fast ausgegangen ist. Belohnt wurde der Einsatz mit einer leckeren Bretteljause und auf der anschließenden Abfahrt mit dem Zusammentreffen mit unseren ersten freilaufenden Murmeltieren, die uns aufrecht auf dem Po sitzend beobachteten und, wenn wir zu nah herankamen, blitzartig in ihren gegrabenen Gängen verschwanden. Sowas zu sehen ist schon ein Glücksgefühl.

Den Tag darauf sind wir mit dem Auto ins Gailtal nach Kötschach-Mauten gefahren. Ehrlich gesagt hatte ich mir mehr darunter vorgestellt, aber der Ort war mit dem Rad schnell umrundet und eigentlich war nur rund um die alte Kirche etwas ‚Altstadtflair‘ zu spüren. Aber ein tolles Freibad haben sie – zumindest von außen betrachtet. Kurzerhand legten wir uns als neues Ziel die Forellenstation Zerza in der Nähe von Jenig fest. Da sollte es leckere Forellen frisch zubereitet geben und mit knapp 22 Kilometer Strecke an der Gail entlang, sollte das gut bis 13:30 Uhr zu schaffen sein, früh genug um in Ruhe zu essen, denn um 14:30 Uhr machen die dort den Laden dicht. Es war warm unterwegs, aber es war toll zu fahren. Teils auf dem Deich, der die Gail entlangführt, teils auf der schmalen alten löchrigen Landstraße durch urige Dörfer und die Forelle, die wir dann bekamen, war jeden gefahrenen Meter wert. Da werden wir sicher nächste Woche nochmal hinfahren, dann aber von Grünburg aus.

Na, was fällt euch auf? Habt ihr schön aufgepasst und die richtigen Schlüsse gezogen? Nächste Woche wollten wir entweder eine mehrtägige Rundtour starten, oder ggf weiterfahren nach Südtirol. Dieser ‚Plan‘ ist zumindest erdtmal Geschichte. Wenn hier Regen ankommt, kommt der immer aus Süd-Westen von Italien. Warum sollen wir dem Regen jetzt auch noch entgegenfahren??? Da im Sonnenhof Jury leider nichts frei war für die nächste Zeit, haben wir mit Hilfe unserer Vermieterin eine neue Bleibe in Grünburg, einige Kilometer näher an Hermagor gefunden. Zu meinem Erstaunen (ich dachte wir verlängern vielleicht bis nächsten Mittwoch oder Donnerstag) hat Anja sich für weitere neun Nächte in der anderen Pension entschieden – mir soll es nur Recht sein. 👍🏻

Um Sitzhöcker und Popo mal etwas zu schonen, haben wir am Freitag eine Wanderung durch die Weißenbachklamm direkt in der Nähe unserer Unterkunft gemacht. Auch mal schön, wenn du nur aus dem Haus, rüber zur Brücke gehen musst und schon bist du auf dem passenden und wenigstens halbwegs gut ausgeschilderten Weg in Richtung Schlucht. War es auf dem hinführendem Weg noch fast unerträglich warm, war es in der Schlucht angenehmen kühl. Das Wasser in Verbindung mit den Bäumen machte die Kletterei entlang des Weißenbaches und im oberen Teil durch das ausgetrocknete Bachbett sehr angenehm erträglich. Über den ein oder anderen schmalen Balken balancierend und über mehr oder weniger lange Holzleitern dem Wasserlauf folgend – an manchen Stellen brauchte es schon etwas Geschick und Angstfreiheit. Der Weg zurück führte dann über Forstwege und kleine Klettersteige bis fast vor unsere Pension. Schön war‘s… 😏

Und damit ihr mal seht, wie hart wir ‚unentwegt’ am Blog arbeiten…

Bei der ‚Pressearbeit‘…

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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