Den Nachmittag und frühen Abend verbrachten wir in Würzburgs Innenstadt. Wir schlenderten durch die Innenstadt, die wir bereits von unserem Besuch im letzten Jahr schon recht gut kannten, vorbei an der Alten Brücke, dem Dom sowie dem Marktplatz mit der Mariekapelle, was wirklich ganz schön ist (nicht zu vergessen die über allem thronende Würzburg, zu der wir allerdings nicht noch einmal gelaufen sind) – aber das ist dann eigentlich auch schon alles schön anzusehende. Zumindest haben wir erneut festgestellt, dass uns diese Stadt nicht so wirklich in ihren Bann gezogen hat im Vergleich zu anderen Orten, die wir auf unserer Tour besucht haben.
Am nächsten Morgen war es dann also soweit. Wir bepackten ein vorerst letztes Mal unsere Räder vor dem Hotel und machten uns auf den kurzen Weg zum Bahnhof, wo wir noch einen Tee bzw. Cappuccino tranken und uns mit Brötchen für den Zug versorgten – zwei Äpfel hatten wir noch von den ‚Probierbäumen’ am Vortag. Im Hotel hatten wir auf das zubuchbare ‚To Go-Frühstück‘ verzichtet und wählten lieber selbst, was wir unterwegs essen wollten.
Dann ging es auch schon zum Gleis 11, von wo unsere Regionalbahn nach Frankfurt am Main fuhr. Der Aufzug zum Gleis war groß genug damit jeweils ein bepacktes Rad gut hineinpasste. Im Zug war es um 10:30 Uhr relativ leer, so dass es eine entspannte und ruhige Zugfahrt wurde. In Frankfurt war der Umstieg von einem zum anderen Zug ohne Hektik möglich und auch ohne Aufzugnutzung, da es sich hier um einen Kopfbahnhof handelt und sich alle Gleise auf einer Ebene befinden. Der letzte Umstieg erfolgte dann in Koblenz. Inzwischen war es rund 15 Uhr und der Bahnsteig wimmelte vor Leuten… Ab zum Aufzug – auch wieder entspannt mit jeweils einem bepackten Drahtesel – und den Bahnsteig wechseln. Wir waren froh, dass der Zug hier einsetzte, so dass wir auch hier trotz des einsetzenden Berufsverkehrs problemlos für uns und die Räder Platz fanden. Prima, jetzt nur noch bis Duisburg und dann die paar Kilometer nach Hause radeln – endlich etwas bewegen nach dem ganzen Tag im Zug.
Aber es wurde nochmal spannend zwischendurch. Der Zug hielt immer mal kurz an, fuhr dann weiter, stoppte wieder. So hangelten wir uns von Bahnhof zu Bahnhof, aber ohne dass irgendetwas Informatives dazu durchgesagt wurde. Bis kurz vor Köln sammelten sich rund 20 Minuten Verspätung an – was uns aber im Grunde nicht störte, denn die Räder standen gut und wir hatten einen ordentlichen Sitzplatz – und der Zug wurde natürlich inzwischen recht voll um diese Uhrzeit. Dann kam die Durchsage, dass der vordere Zugteil – in dem saßen wir – in Köln Deutz abgehängt wird, da er defekt sei und in die Werkstatt müsste… Es sollten doch bitte alle in den hinteren Zugteil umsteigen und es wurde dafür die Station Hauptbahnhof empfohlen. Bingo! Da hat man ja mit so einem bepackten Drahtesel die A….karte gezogen. Ihr könnt euch sicher bestens vorstellen wie das aussah und was das für ein Gerenne auf dem vollen Bahnsteig war. Und mittendrin auch noch wir mit unseren voll bepackten Fahrrädern an einem Freitagnachmittag auf dem Kölner Hauptbahnhof…! Aber man glaubt es kaum, wir haben noch ein halbwegs sinnvolles Plätzchen gefunden, zwar halb im Gang und weit weg von ‚gemütlich sitzen’, aber der Zugbegleiter hat in Bezug auf die Räder, die nun fast völlig den Weg versperrten, ein Auge zugedrückt. In Köln Deutz wurde es dann zum Glück doch noch wieder etwas leerer, da ein anderer RE mit quasi ähnlicher Strecke auf dem Nebengleis stand und gesagt wurde, dass dieser früher weiterfährt, da unser Zug durchs Abkoppeln noch etwas mehr Verspätung bekommen würde. Also sind viele umgestiegen, so dass es leerer wurde, aber losgefahren ist dann doch unser Zug früher – ein bisschen Glück muss man dann doch wieder haben ;-).
In Duisburg angekommen ging es dann das kurze Stück vom Bahnhof durch die Stadt bis wir dann schon wieder am Stadion und der Regattabahn vorbei an der ‚grünen Lunge‘ von Duisburg ankamen und vor Jörgs Wohnung standen. Vertraut und doch auch völlig unwirklich. Nun waren wir also wieder daheim: gemütlich wie immer und die „gute Fee“ hatte den Kühlschrank etwas befüllt und sogar noch einen leckeren Topf Kürbissuppe für uns vorbereitet! Auch gute Feen wissen scheinbar was Männer glücklich macht – und Frauen meistens auch ;-). Wir waren nun also zu Hause (was sich allerdings noch nicht so anfühlte und vermutlich auch noch ein paar Tage braucht) und der erste Teil des Sabbaticals ist damit für uns beendet; auch wenn Anja noch nach Berlin zurück muss und es noch ein paar Tage hin ist bis wir wieder fürs Büro tätig werden müssen.
Was nehmen wir aus der Zeit mit…
Wir haben diese Zeit in vielerlei Hinsicht immer wieder aufs Neue genossen. Dazu gehören in erster Linie die Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten bekannten und unbekannten Menschen. Dazu kommen die ganz vielen mal mehr mal weniger beeindruckenden Dinge die wir sehen und erleben durften, aber auch die insgesamt rund 2700 Kilometer, die wir auf dem Fahrradsattel gesessen haben – bei Wind, Regen und Sonne. Wir wussten vorher ja auch nicht, ob wir nicht irgendwann vielleicht keine Lust mehr zum Radeln haben würden, ob wir zwischendurch mal größere Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden haben würden, wie es für uns ist, 7 Tage die Woche, 24 Stunden, rund um die Uhr zusammen zu sein…
Jetzt können wir sagen, dass wir immer wieder sehr gerne aufs Rad gestiegen sind, wir nicht das Bedürfnis zwischendurch hatten zwingend eine Pause zu Hause einlegen zu müssen und vor allem haben wir die gemeinsame Zeit sehr genossen ohne irgendwelche großen Meinungsverschiedenheiten; ganz im Gegenteil.
Aus diesen Gründen freuen wir uns schon jetzt auf das nächste Jahr, dass wir dann hoffentlich eine ähnliche Zeit noch einmal erleben dürfen. Aber es ist keine Frage, ob wir noch einmal mit dem Rad unterwegs sein werden, und auch das Zelt wird in jedem Fall wieder mit von der Partie sein!
Ein paar Änderungen/Anpassungen wird es sicherlich geben, z. B. werden wir von Anfang an die Besuche in etwaigen sehenswerten Städten zeitlich etwas entspannter gestalten und auch zwischendurch immer wieder länger an aus unserer Sicht schönen Orten verweilen anstatt jeden Tag packen und weiterreisen zu ‚müssen’. Wir werden ganz sicher bis dahin die leichten, kleinen Campingstühle ergattert haben – vielleicht auch mit dem dazugehörigen Tisch. Nach Möglichkeit werden wir auch unsere Auswahl an Kleidung und sonstigen Dingen etwas überdenken um möglichst keine Sachen spazieren zu fahren, die bis zum Ende der drei Monate nicht getragen werden. 🥴 Auch der Vorbereitung der Räder werden wir noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen. Vorsorglich werden bis dahin bestimmt an beiden Rädern neue Mäntel und Schläuche, neue Bremsbeläge und neue Ketten angebaut. Zudem sollen die bereits fast 10 Jahre alten hinteren Packtaschen erneuert werden. Wir lassen uns überraschen, wie die Firma auf die Reklamation unserer Fronttaschen reagiert. Mittlerweile hat auch eine von Anjas Taschen eine aufgeplatzte Naht. Wie gesagt, die alten Taschen sind vom selben Hersteller und leben immer noch.
Und, sofern es dann auch wieder sinnvoller möglich ist, werden wir vielleicht doch auch den einen oder anderen Grenzübertritt machen. Aber wer weiß schon, was morgen geschweige denn nächstes Jahr sein wird – von daher hoffen wir einfach erstmal, dass wir nächstes Jahr auch unseren 2. Teil des Sabbatical in ganz ähnlicher Art und Weise wahrnehmen können! In diesem Sinne ist an dieser Stelle erstmal Schluss und wir melden uns rechtzeitig bevor es weiter geht und ihr uns wieder ein Stück begleiten könnt wenn ihr wollt.
Wir bedanken uns nochmal beide ganz herzlich bei all diejenigen, die uns in der Zeit unterstützt haben. Die einen durch ihre aus unserer Sicht nicht selbstverständliche Gastfreundschaft, die anderen durch das positive Feedback auf unsere Beiträge, was uns natürlich ermutigt hat weiter zu schreiben und unsere oftmals sehr persönliche Sicht der Erlebnisse und Gefühle wiederzugeben.
Herzlichen Dank fürs Lesen und ‚Begleiten‘, bleibt gesund und uns gewogen… Anja & Jörg

(Ju) Ich werde jetzt erstmal die Zeit nutzen unseren eigenen Blog zu lesen und mich sicher darüber wundern, wo wir überall waren und wann was war. Ich habe irgendwann aufgehört das alles behalten zu können, da immer wieder so viel Neues auf mich eingeprasselt ist, dass ich einmal sogar morgens gar nicht sagen konnte wo ich gerade bin. Ich kann nur eines 100%ig sagen – ich bin froh, dass ich diesen ‚Traum’ in der Art und Weise leben durfte.
Willkommen zu Hause und nicht zu viele ungeduldig Stunden, bis es endlich wieder losgehen kann. Unterwegs ist es doch immer noch am Schönsten. Liebe Grüße aus Chile, M.
LikeLike
Vielen Dank, Micha, und euch weiterhin eine tolle Zeit beim Segeln! Liebe Grüße zurück nach Chile
LikeLike
Welcome back 🙂 Und vielen Dank für die laufenden Berichte – das wird mir fehlen… Freu mich auf die demnächst wieder live geführten Erlebnisberichte !!! Gutes Ankommen !!!
LikeLike