Weltkulturerbestadt Bamberg

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht, in der wir gut geschlafen haben, fuhren wir mit den Rädern ins 4 km entfernte Bamberg. Frühstück hätten wir extra dazu buchen können… ihr könnt euch vermutlich vorstellen wie froh wir waren, das nicht getan zu haben.

Wir radelten also auf gut Glück in die Innenstadt und landeten in der Nähe vom Rathaus im Café ‚Zweite Heimat‘. Das Frühstück welches wir dort bekamen war äußerst lecker! Es gab u.a. Porridge, vegetarische Pasten und leckeren Wurst- und Käseaufschnitt, der mal nicht ‚0-8-15‘ war wie in so vielen Cafés oder Restaurants. Wirklich lecker! So konnte der Tag weitergehen. Gut gestärkt machten wir uns, wie so oft, erstmal auf eigene Faust auf den Weg durch die Stadt, um uns einen Eindruck zu verschaffen und ein Gefühl für die Stadt zu bekommen.

Bamberg hat ja im Grunde drei Bereiche: die Bergstadt mit Dom, Residenz und Kloster, die Inselstadt mit seinen vielen Läden und Restaurants sowie die Gartenstadt, wo auch heute noch Gemüse und Samen angebaut bzw. verkauft werden. Die Stadtteile gehen relativ unbemerkt von einem Bereich in den anderen über und sind dennoch sehr unterschiedlich – und das Wasser ist allgegenwärtig als rechter und linker Arm der Regnitz sowie als Main-Donau-Kanal. Wir begannen unseren Fußmarsch in, oder besser zur Bergstadt und bekamen so gleich zu Anfang einen schönen Ausblick über diese noch heute etwas mittelalterlich anmutende Stadt! Wir hatten eine tolle Weitsicht und insbesondere auch über die teilweise arg krummen und schiefen Dächer der Stadt! Es sind wirklich tolle und imposante mittelalterliche Bauten, die später äußerlich in Barock ‚umgewandelt‘ wurden, um zu zeigen, dass man (stein)reich war und (vermeintlich) mit Stein bauen konnte. Das hatten wir mittlerweile gelernt – viel Stein, viel Reichtum. Nein, jetzt bitte nicht denken, dass dafür die schönen Fachwerkhäuser platt gemacht und neue Steinhäuser gebaut wurden. Es wurden ’nur‘ die Fachwerkwände überputzt und man bekam Steuererleichterungen, wenn man zusätzlich möglichst viele Fenster eingebaut hat. Ganz ehrlich, dass erinnert mich irgendwie an heutige KfW-Kredite u.ä. für energetische Sanierungen. Wenn man damals ergänzend noch eine heilige Figur (wobei manche den Begriff ‚heilig’ sehr frei auslegten) an die Fassade anbringen ließ, wurden nochmal weniger Steuern fällig… Die Stadtoberen fanden also auch damals schon Wege und Mittel die Stadt nach ihrem Gusto umzugestalten, so dass es Reichtum und Macht darstellte sowie auch Vorteile beim Handeln ergab.

Es sind im Wesentlichen die seit dem Mittelalter unveränderten Wegführungen durch die Stadt sowie die alten Gebäude, was im Weltkulturerbe der Stadt festgeschrieben ist. Bei manchen Häusern geht das sogar so weit, dass auch das Mobiliar zum Kulturerbe gehört und keinesfalls verändert werden darf. Es ist wirklich spannend mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen! Man kann schnell die verputzten Fachwerkhäuser von den echten Steinbauten unterscheiden aufgrund der Schiefheit der Wände sowie der (eventuell nicht vorhandenen) Rechtwinkligkeit und Anordnung der Fenster. Total spannend!

Die Gärtnerstadt hat mich, hinsichtlich der Höhe und Anordnung der Häuser, etwas an das Weberviertel in Potsdam erinnert. Durch die geschlossenen Häuserfronten wirkte alles zugebaut und man konnte die eigentlichen Gärtnereiflächen gar nicht erkennen – auch wenn auf dem Stadtplan große Freiflächen hinter den Häusern dargestellt waren. Diese Flächen waren anscheinend nur durch große Tore zu erreichen, waren aber halt nicht frei zugänglich Wir waren in diesen Stadtbereich mit den Rädern gefahren und konnten so einen größeren Bereich erkunden, der aber irgendwie wenig Eindruck auf uns machte.

Bei so viel Wasser in der Stadt mit verschiedenen Flussarmen gibt es auch bei den Bambergern einen Bereich, der ‚Kleinvenedig‘ genannt wird. Wir hatten so etwas wie ein mit Kanälen durchzogenes Areal mit Häusern, so wie in der Nähe vom Stößensee in Spandau erwartet, wo Jörg und ich mal mit Kanus durchgepaddelt sind. Aber hier war es ‚nur‘ eine Reihe von Fachwerkhäusern, ehemalige Fischerhäuser, die am Wasser stehen und vom anderen Flussufer bestaunt werden können. Na ja, trotzdem ein schöner Hingucker und ein beliebtes Fotomotiv, vor allem wenn so toll die Sonne scheint wie bei uns. Heute kann man zum Teil auch Ferienwohnungen darin mieten – und die sind sicher gar nicht mal so preiswert. 😏

Unser Rundgang gefiel uns gut, so dass wir uns entschieden, am nächsten Tag bei einer ‚professionellen’ Stadtführung mehr über die Stadt erfahren zu wollen. Aber wo sollten wir dann Montagabend übernachten? In einem anderen Hotel in der Stadt oder nachmittags noch weiterfahren?!? Eine weitere Nacht in der ‚Notunterkunft‘ schied auf jeden Fall aus! Nach Sondierung der Lage durch die amtliche Reiseleitung wurde der Vorschlag unterbreitet, nach der offiziellen kulturellen Weiterbildung auch noch etwas für die körperliche Ertüchtigung auf dem Rad zu tun und noch eine Strecke von ca. 25 km am Main entlang zu radeln (Die Regnitz und der Main-Donau-Kanal münden nämlich nördlich von Bamberg in den Main, den wir an dieser Stelle noch nicht kennen.). Der Vorschlag wurde als gut befunden und so buchten wir dort ein Zimmer in einem kleine Landgasthof – es konnte nur besser werden!

Wir verbrachten auch die zweite gebuchte Nacht in Hallstadt ohne weitere Vorkommnisse, hatten aber vorher bei unserer Wahl der Pizzeria in Hallstadt abermals nicht so viel Glück. Für Bruscetta und 2 Portionen Nudeln warteten wir in einem im Grunde leeren Landen fast eine geschlagene Stunde… Andererseits gingen jedoch diverse bestellte und dann abgeholte Pizzen über den Tresen. Die Bedienung entschuldigte sich bei unserer Kritik, aber den Chef, der wohl in der Küche stand, schien das nicht zu interessieren. Somit wird uns Hallstadt ganz sicher nie wiedersehen.

Die Stadtführung am nächsten Tag war geballtes Wissen in etwas mehr als zwei Stunden. Unser Guide sprang teilweise etwas mit den verschiedenen Zeiten, Orten und Zusammenhängen hin und her, so dass man zeitweise – als jemand wie wir, ohne die jeweiligen Hintergründe immer im Detail zu kennen – etwas Schwierigkeiten hatte zu folgen. Obwohl unser Stadtführer nicht gebürtig aus ‚Båmbersch’ stammte, machte der extreme ‚frängische’ Dialekt zusätzliche ‚Brobleme’, man musste ‚scho arch uffbasse’ um nicht an der Sprachbarriere zu scheitern. Wie gut, dass wir vor einem Schaufenster schon vorher einen kleinen Kurs fränkischer Mundart absolviert hatten. Stand doch da auf einen Einkaufs-Stoffbeutel gedruckt: ‚Mei annere Täsch is vom Lui Widdong!‘, das hatte sich irgendwie eingebrannt. Aber trotzdem war, was wir erklärt bekamen sehr interessant und wir nahmen das eine und andere mit.

Nach einem Cappuccino für Jörg und einem Tee für mich, erneut im Café ‚Zweite Heimat‘, holten wir unsere Räder und kehrten Bamberg bei herrlichem Wetter den Rücken und fuhren in Richtung Main. Entspannte Kilometer am Wasser entlang mit einem kurzen Abstecher zu einem Vogelbeobachtungsturm mit tollem Blick über die Mainauen. Zum späten Nachmittag kamen wir dann in dem gebuchten Landgasthof an und waren sehr beruhigt, wieder einmal die richtige Wahl getroffen zu haben. Aber nicht nur das Zimmer entsprach unseren Vorstellungen, es gab auch im Restaurant, wo anscheinend auch viele Einheimische essen, sehr leckere regionale Speisen UND Getränke, so dass wir es uns an diesem Abend gut gehen ließen, bevor wir zufrieden ins Bett verschwanden.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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