(AR) Wir verließen am Freitag dann doch unsere liebgewonnene Unterkunft in Nürnberg und es ging wieder auf Tour – grobe Richtung Bamberg. Auf das Frühstück im Hotel hatten wir – wie auch in den letzten Tagen – verzichtet. Beim Check-in hatte die Mitarbeiterin auf unsere Nachfrage zur Qualität des extra zu bezahlenden Frühstücks leise abgeraten. Also machten wir uns auf ins ca. 10 km entfernte Fürth. Auch wenn wir in der Innenstadt frühstückten, haben wir auf dem Weg nichts gesehen, was unsere Aufmerksamkeit in dieser Stadt gefesselt hätte. Wir steckten jedoch auch nicht viel Energie in die Suche nach schönen Ecken, sondern wir setzten unsere Fahrt fort, wobei wir doch noch an einem Viertel mit ein paar schön aussehenden Fachwerkhäusern vorbei kamen.
Von Nürnberg nach Fürth waren wir parallel zur Pegnitz gefahren, die in Fürth in die Regnitz mündete und an deren Ufer wir nun weiter fuhren. Es war ein entspanntes Radeln durch breite Wiesen in Sichtweite des Flusses und am Horizont rückten nach und nach die Ausläufer vom Steigerwald ins Blickfeld. Die Sonne lachte vom Himmel und wir genossen es wieder so vor uns hin zu radeln.
Als nächster größerer Ort lag Erlangen am Wegesrand und wir beschlossen, die Radkilometer hier für diesen Tag zu beenden, um die Stadt etwas genauer zu erkunden und auf uns wirken zu lassen. Viele Studenten, großer sichtbarer Einfluss von Siemens, ein schöner Botanischer Garten, das Schloss (heute von der Uni genutzt) einschließlich Schlossgarten mitten in der Stadt und eine ganz hübsche Innenstadt mit recht vielen Cafés und Restaurants. Es war ein schöner Stadtbummel – wenn auch nicht mit lauter „Oh’s“ und „Ah’s“ verbunden. Wir ließen den Abend in einer kleinen, feinen Trattoria bei einem Glas Wein ausklingen und machten uns dann auf den Weg zurück zum Hotel.
Unser Fazit zu Fürth und Erlangen: Fürth muss man nicht auf seine Reiseliste setzen und auch keinen Stopp einplanen – auch wenn uns die eine oder andere besonders schöne Ecke vielleicht bei unserer Durchreise entgangen sein sollte. Für Erlangens Innenstadt lohnt sich durchaus mal ein Abstecher von der Autobahn für eine etwas längere Pause.
Bei der Abfahrt aus Erlangen am nächsten Morgen folgten wir dem Wasser weiter in Richtung Norden. Der Weg verlief mal an der Regnitz und mal am parallel verlaufenden Main-Donau-Kanal entlang. An der Regnitz fielen uns Wasserräder am Fluss mitten in den Wiesen auf, was mich etwas erstaunte. Etwas weiter des Weges erläuterte eine Tafel, dass diese Räder bereits 1413 urkundlich erwähnt worden sind und für die Bewässerung der Felder vom 1. Mai bis 30. September benutzt werden durften.
Tagsüber waren es wieder angenehme Temperaturen, aber wenn die Sonne nachmittags tiefer stand wurde es recht schnell kühl und nachts war es schon empfindlich frisch. Somit wird unsere Campingplatz-Saison für dieses Jahr vermutlich beendet sein – aber wer weiß. Zumindest liegt unsere Hauptaugenmerk momentan nicht auf dieser Übernachtungsoption. 😏 Für Bamberg hätten wir das allerdings vielleicht doch noch einmal in Erwägung ziehen sollen…
Wir hatten uns aufgrund der Preisgestaltung in Bamberg für ein Hotel im angrenzenden Hallstadt entschieden. Die Bamberger rufen Zimmerpreise auf… fällt einem nichts zu ein. Aber letztes Jahr waren wohl über 6 Millionen Besucher in der Stadt, da kann man sich das auch erlauben – auch wenn man dieses Jahr nicht annährend diese Zahl erreichen wird. Also radelten wir direkt zum Hotel durch, das wir gleich für zwei Nächte gebucht hatten mit der Option einer weiteren Verlängerung, denn wir wollten etwas Zeit für Bamberg einplanen. Daher wollten wir abends Hallstadt einen kurzen Besuch abstatten und uns erst am kommenden Tag den Sehenswürdigkeiten von Bamberg widmen.
Was soll ich sagen – das Hotel was uns erwartete untertraf alle unsere Erwartungen. Die sprachlich zugeordnet anscheinend aus Ostblockstaaten stammenden Männer die vor dem Hotel saßen, rauchten und Bier tranken, machten einen etwas seltsamen Eindruck und wirkten nich unbedingt sympathisch – aber gut, da kann man zur Not mit leben. Die Zugangsdaten hatten wir per E-Mail übermittelt bekommen, so konnten wir mit Zahlencodes die Eingangs- und die Zimmertür öffnen; die Rezeption war nur morgens zwischen 6 – 11 Uhr besetzt. Unser Zimmer lag im Souterrain (man könnte es auch Keller nennen) und war über einen müffelnden Flur zu erreichen, der alles andere als einladend aussah.
Das Zimmer mit den neuen Möbeln und dem recht modernen Bad entsprach im Wesentlichen den Bildern im Internet und war grundsätzlich als sauber zu bezeichnen. Dennoch lagen vor dem Fenster – also für uns in Augenhöhe im Souterrain – auf dem Rasen Zigarettenkippen und alte Wasserflaschen rum und der Vorhang zum Verdunkeln hing nicht mit allen Rollen in der Schiene. Das muss man doch als Reinigungspersonal sehen und sich drum kümmern, oder!?!
Für uns war es kein Ort zum Wohlfühlen. Sollten wir doch etwas anderes suchen? Stornieren ging nicht mehr kostenfrei und es war auch telefonisch keiner erreichbar, um ggf. ein anderes Zimmer zu bekommen… Also was tun?! Wir entschieden uns zum Bleiben und die Kröte zu schlucken – man kann auch nicht immer Glück mit der Unterkunft haben auf so einer langen Reise. Somit: Augen zu und durch.
Hallstadt an sich ist nicht sehr groß und da tobt auch nicht das Leben, aber bei der Kneipe am Fußballplatz haben wir abends noch lecker Fisch gegessen – bevor wir wieder in unsere ‚Notunterkunft‘ verschwunden sind. Beim Zubettgehen hofften wir auf eine ruhige Nacht und auf eine schöne Zeit in Bamberg, die für dieses Quartier etwas entschädigen konnte.



