(Ju) „Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg“ lautet der Werbeslogan der Nürnberger Versicherung, wobei das natürlich gar nicht korrekt ist, da es sich eigentlich ja um drei Burgen handelt, wie wir gelernt haben. Aber darum sollte es an unserem nächsten Vormittag gar nicht gehen. Wir wollten uns dem Thema widmen, was man einerseits gerne meidet, was andererseits aber auch nie in Vergessenheit geraten sollte, als mahnendes Zeichen es nie wieder soweit kommen zu lassen. Wir besichtigten das Reichsparteitagsgelände mit einem der größten noch bestehenden Monumentalbauten aus der NS-Zeit.
Wie schon geschrieben, liegt das Gelände etwas außerhalb von Nürnberg, wo es vor der Errichtung der Bauten als Naherholungsgebiet diente. Wir sind auf Anraten unseres Stadtführers vom Vortag mit dem Rad hingefahren und haben erst gar nicht in Betracht gezogen die Ausstellung im Dokumentationszentrum anzusehen. Wir wollten ‚nur‘ das Gelände an sich besichtigen, wo allerdings auch überall Schau- und Informationstafeln zu den einzelnen Bauten zur Verfügung standen. Schon bei der Besichtigung der Burgen hatten wir von Weitem einen Blick auf die Kongresshalle werfen können, die trotz der ca. 5 km Luftlinie gut zu erkennen war.
Aber jetzt, wo wir direkt davorstanden, wirkte dieses Projekt in seinem ganzen Größenwahn noch einschüchternder. Und als wir dann das Gebäude umfahren hatten und den dahinter liegenden Innenhof dieser Halle sahen – einfach nur beeindruckend. Fünfzigtausend Menschen sollten hier Platz finden, 70 Meter hoch sollten die Mauern werden und ein freitragendes Dach war geplant. Verwirklicht wurden nur neununddreißig Meter hohe Mauern und das Dach wurde nie gebaut, aber man kann trotzdem erahnen, wie selbst dieser unfertige Prunkbau zu damaliger Zeit auf die Menschen gewirkt haben muss.
Ein Stück weiter fuhren wir über den Bereich des Zeppelinfeldes, ein durch riesige Tribünenflächen begrenzter Bereich der ungefähr 12 Fußballfelder groß ist und zu Aufmärschen genutzt wurde. Heute ist das Gelände ein Teil des Norisrings, auf dem sowohl Motorrad- als auch Autorennen ausgetragen werden.
Eine Straße für Paraden in einer Länge von zwei Kilometern war geplant. Eine Strecke von eineinhalb Kilometer, belegt im Karo-Muster mit großen, zweifarbigen Waschbetonplatten, ist heute noch erhalten. Irgendwie fehlt nur noch die Siegessäule oder sowas wie der Arc de Triumph – zumindest gefühlt. Nach dem Krieg haben die Amis die Straße für ihre Zwecke umgenutzt und als Landebahn für ihre Flugzeuge und Hubschrauber benutzt.
Es gibt noch so viel was man zu dem Gelände erzählen könnte, aber wir können nur empfehlen, sich bei einem Besuch in Nürnberg mal ein Rad zu mieten und sich das mit eigenen Augen anzusehen. Bei passenden Wetter sicherlich ein beeindruckender und informativer Ausflug.
Wieder zurück in der Stadt haben wir uns, wie wir abends zuvor bereits beschlossen, bei ‚Bratwurst Röslein‘ eingefunden und Kaiserschmarr‘n gegessen. Bei dem Namen des Restaurants sollte man es kaum vermuten, aber die können viel mehr als Bratwurst. Neben dem schon leckeren Sauerbraten mit Lebkuchensauce und dem in der Gegend typische Schäufle am Vorabend, war das der leckerste Schmarr‘n, den wir je außerhalb von Österreich gegessen haben. Der Tipp des Kellners nur eine kleine Portion zu bestellen, falls man innerhalb der letzten zwei Tage etwas essbares bekommen hatte, war goldrichtig. Wir waren beide gesättigt bis zum nächsten Morgen.
Den nächsten Tag ging es dann von Nürnberg wirklich weiter. Es war schon fast komisch unsere Zimmerkarten nicht gegen neue auszutauschen, sondern wirklich ‚Ade‘ zu sagen.
Nächstes Ziel ist Bamberg – Weltkulturerbe und nach dem was wir bisher gelesen haben auf jeden Fall ein Anlaufpunkt, den man nicht auslassen durfte. Fürth und Erlangen liegen auf dem Weg – mal sehen was uns dort erwartet.

