Wir verbrachten die Zeit von Freitagnachmittag bis Montagvormittag in München. Wir durften bei Iris, Thomas und Sarah übernachten, deren Gastfreundschaft wir wirklich geschätzt haben. Wir hatten den Luxus eines eigenen großen Zimmers (da kann manches Hotel nicht mithalten) mit Toilette und Waschbecken – und herrlich flauschige Handtücher! Solche hatten wir auf der ganzen Fahrt bisher nicht und haben es sehr genossen. Unsere Mikrofaserhandtücher sind praktisch und nehmen wenig Platz weg, aber ein gutes Gefühl beim Abtrocken hat man damit nicht wirklich. In den Hotels und Pensionen unterwegs sind die Handtücher mal dünner und mal dicker, aber die kuschelig dicken bei Iris, schienen der Perwoll – Reklame entsprungen. Vielen Dank an dieser Stelle für die wirklich herzliche Gastfreundschaft.
Am Freitagabend war schon alles zum Grillen vorbereitet; auch die drei hatten damit gerechnet, dass der Regen etwas später beginnen sollte. Aber es gibt ja ein Vordach bei der Eingangstür, welches Thomas bei seiner Aufgabe geschützt hat, während Jörg ihm Gesellschaft leistete. Als Spezialität gab es ‚Ochsenfetzen‘, hauchdünne, besonders marinierte Fleischscheiben vom Ochsen, die nur ganz kurz auf dem Grill liegen – wirklich ein Genuss! Wir quasselten viel und gerade bei Iris und mir wurde es abends länger…
Am Samstag machten Jörg und ich uns auf den Weg München etwas näher zu erkunden. Bei Jörg ist der letzte längere Besuch ca. 40 Jahre her und ich war die letzten Jahre immer mal dort, bin aber auch immer wieder nur an den üblichen Punkten vorbeigekommen. Aufgrund des Regens entschieden wir mit den Öffentlichen – und ausgestattet neben unseren Regenjacken mit geliehenen Regenschirmen – in die Stadt zu fahren und den Rädern eine Pause in der trockenen Garage zu gönnen. Unsere Sightseeingtour startete am Marienplatz und führte uns u.a. über das Rathaus, die Frauenkirche, die Kirche St. Peter, den Odeonsplatz, am Hofgarten vorbei zum Univiertel und wieder in Richtung City zum Isartor. Dort kehrten wir bei Globetrotter ein, um unser Equipment doch um zwei bestimmte Campingstühle der Firma Helinox zu erweitern. Abweichend von der Angabe im Internet, hatten sie nur die etwas schwereren, aber damit auch etwas höheren Stühle. Auf Nachfrage scannte die Verkäuferin in der Abteilung das Preisschild und aufgrund des geringeren Preises als die eigentlich ausgeguckten Stühle, entschieden wir diese trotzdem zu nehmen, auch wenn es bei dem mittlerweile kühleren und regnerischen Wetter fraglich ist, wie viel wir wohl in den restlichen Wochen des ersten Teils unseres Sabbaticals überhaupt noch zelten würden… Aber für nächstes Jahr werden sie ja sowieso benötigt, denn die Entscheidung in diese Richtung ist gefallen. Also stellten wir uns in die lange Schlage im Kassenbereich an, waren etwas genervt von den beiden hinter uns, die uns doch immer wieder auf die Pelle rückten weil sie so fasziniert von den Angeboten im Wartebereich zu sein schienen. Irgendwann waren wir dran und zufrieden, dass die Warterei jetzt, aber vor allem auch das Essen auf dem Boden neben unserem Gugelhupf bald sein Ende haben sollte! ‚Welchen Preis haben Sie gerade gesagt? Das kann nicht stimmen. Ihre Kollegin oben hat einen genannt, der pro Stuhl 20€ günstiger ist.‘ sagten wir. Es ist und bleibt ein Rätsel, weshalb in einem und demselben Laden, aber vor allem auch beim Scannen von einem und demselben Etikett unterschiedliche Preise angezeigt werden. Wir entschieden uns dann gegen die Stühle, da es ja im Grunde nicht die waren, die wir eigentlich wollten und der Preisunterschied uns dann einfach zu dem uns genannten zu groß, zu den von uns favorisierten zu gering war. Schweren Herzens ließen wir die Objekte der Begierde dann doch im Laden, aber auch etwas aus Prinzip, um so ein Geschäftsgebaren nicht zu unterstützen. Also werden wir weiter auf die Jagd nach ‚unseren Komfortmöbeln‘ gehen!
Der weitere Weg führte uns durch das Gartenviertel sowie über den alten, mittlerweile unter Denkmalschutz stehenden Südfriedhof, der sehr ‚naturnah’ bewachsen ist und seine ganz eigene verwunschene Atmosphäre hat. Dort liegen viele regional, aber auch überregional bekannte Menschen begraben, jedoch ließ das Wetter und unsere knurrenden Mägen es nicht zu, dass wir uns auf eine längere Suche nach ihren Gräbern begaben. Zudem waren wir mit unseren drei Gastgebern zum Essen im Paulaner Bräuhaus verabredet. Dort ergriffen wir dann die Gelegenheit uns zumindest mit der Einladung zum Essen etwas für die Gastfreundschaft zu revanchieren. Mit Sarah hatte ich mal wieder jemanden mit dem ich über die Pferdeleidenschaft fachsimpeln konnte, da sie diesen tollen Tieren auch verfallen ist und seit 1 1/2 Jahren auch schon Reitunterricht nehmen darf. Natürlich habe ich sie, aber auch ihre Eltern nach Berlin eingeladen, damit sie auch Mary mal persönlich kennenlernen kann.
Der Regen im Süden sollte die nächsten Tage anhalten, so stellte sich die Frage, wohin es nach München mit unserer Fahrradtour weitergehen sollte, denn auf eine erneute Wasserschlacht waren wir nicht scharf. Eigentlich hatten wir in Erwägung gezogen nach München doch noch etwas im Süden zu bleiben und uns in Richtung Oberammergau / Garmisch auf den Weg zu machen. Andererseits war ja auch eine ‚Vorgabe‘ dort zu fahren, wo es trocken war. Also orientieren wir uns wieder etwas gegen Norden; Hannover kam mal wieder ins Gespräch und es gibt auch 1x täglich eine durchgehende IC Verbindung von München aus – also online buchen – so dachten wir. Bis zum ‚jetzt bezahlen‘ – Button ging alles glatt, wir konnten sogar auch unsere Gutscheine einlösen, drückten den Button und… ‚Die Buchung ist mit den Fahradtickets nicht möglich‘. Können die das nicht irgendwo vorher anzeigen?!? Ich weiß, dass es in anderen Buchungsvorgängen schon früher angezeigt wurde, aber erst dann, wenn man sich durch diesen langen Buchungsprozess durchgequält hat – wirklich ärgerlich! Abgesehen davon hatten wir ja, glaube ich, schon früher mal unser Unverständnis darüber geäußert, warum man nicht einfach nach Verbindungen mit freien Fahradstellplätzen suchen kann. Also führte unser erster Weg am Sonntagvormittag ins DB-Reisezentrum am Hauptbahnhof. Die arme Kundenberaterin suchte auf unseren Wunsch hin, die nächste Möglichkeit für uns und die Räder nach Hannover. Es ist wirklich unverständlich, dass nicht mal bei denen im Programm eine entsprechende Abfragemöglichkeit besteht. Liebe Deutsche Bahn, die Info ist doch in der Datenbank vorhanden und es kann doch nicht so kompliziert sein, eine entsprechende Abfrage einzubauen – gerade in heutigen Zeiten und wenn schon nicht für eure Kunden, dann doch wenigstens für eure Mitarbeiter! Das Ergebnis nach geschlagenen 15 – 20 Minuten: „Sie können am 12.9.2020 mit den Rädern fahren…“ Wir haben ungläubig gelacht und uns für ihre Bemühungen bedankt, sie kann ja auch nichts dafür. Etwas frustriert zogen wir von dannen und machten unseren zweiten Sightseeing-Tag über den alten botanischen Garten, den Stachus, die Kirche St. Michael, über den Viktualienmarkt, an der Isar in Richtung Norden entlang bis zum Eisbach, wo die Wellenreiter bei jedem Wetter surfen. Das ist wirklich toll anzusehen, wie die auf dem schmalen Bach mit ihren Brettern hin und her tanzen.
Anschließend fuhren wir mit Bahn und Bus zum Schloss Nymphenburg, wo Iris und Sarah wieder zu uns stießen. Wir spazierten noch eine Weile durch den Schlossgarten bevor wir dann in eine Osteria einkehrten, wo es wirklich ausgefallene und sehr leckere Pizzen gab. Das war wirklich kein Vergleich in Hinsicht Preis-Leistung zu Jörgs und meiner Mittagspause in einem Restaurant am Hofgarten am Tag zuvor. Dort waren die Speisen deutlich hochpreisiger, aber qualitativ war es das nicht wert gewesen. Aber die Pizzen hier waren wirklich toll und ausgefallen hinsichtlich ihrem Belag, aber auch zum Beispiel hinsichtlich des Teigs, wo Pizzen aus alten ‚Urmehlen‘ im Steinofen gebacken wurden.
Wir entschieden uns im Laufe des Tages dafür, am nächsten Tag mit der Regionalbahn zumindest ein erstes Stück in Richtung Norden zu fahren. Die Wahl fiel auf Nürnberg. Es gab eine durchgehende Linie, die mehrmals am Tag fuhr und dort wollen wir dann entscheiden, wann und wohin es dann weiter geht. Sollte der Regen doch etwas nachlassen, könnten wir mit dem Rad weiter oder doch noch eine weitere Strecke mit der RB fahren. Mal sehen wie es sich entwickelt!
Trotz des vielen Regens, der allerdings zwischendurch auch immer mal Pausen gemacht hat – insbesondere am Sonntag – haben wir bei unseren Stadtbummeln insgesamt rund 28 km zu Fuß zurückgelegt und einen doch sehr viel intensiveren und umfassenderen Überblick über die Stadt bekommen. Natürlich hätten wir den Regen auch in den verschiedenen Museen überbrücken können, was aber gerade in Corona-Zeiten nicht so spontan möglich ist und wir die frische Luft doch auch vorziehen. So verließen wir nach einem gemütlichen Frühstück die sehr gemütliche, private ‚Pension‘, wie Sarah es nannte, und machten uns mit den wieder gepackten Rädern auf in Richtung Bahnhof um nach Nürnberg zu fahren.

Rathaus München und Marienstatue 
Turm altes Rathaus 
Brunnen am Viktualienmarkt zur Erinnerung an Liesel Karlstadt 
Das ‚moderne‘ München zeigt Flagge 😏 
Bayrisches Nationalmuseum 
Schloss Nymphenburg