Unsere Tage am Wörthsee

(AR & Ju) ‚Man soll bleiben, wo es schön ist‘, sagt man glaube ich. Also entschieden wir uns bis zum Ende der Woche auf dem kleinen, feinen Zeltplatz am Wörthsee zu bleiben. Morgens gingen wir schwimmen und zum Frühstück konnten bei Bedarf am Kiosk /Restaurant auch frische Brötchen und / oder Kaffee und Tee gekauft werden. Sowieso konnte man quasi zwischen 7 und 22 Uhr dort die eine oder andere Kleinigkeit zu essen oder zu trinken erwerben, was wir insbesondere am Abend für ein Radler oder einen Hugo nutzten.

Für Mittwoch war Wind angesagt, im Norden Deutschlands mehr als im Süden, aber es sollte besonders bei uns auf jeden Fall sonnig bleiben. Also wollten wir abwarten wie es sich so entwickelte. Für den Tag hatten wir uns mit Iris und Thomas sowie ihrer Tochter Sarah aus München für ein Treffen verabredet. Mit Iris hatte ich damals in Berlin nach dem Studium angefangen zu arbeiten bis sie wieder zurück nach München ging. Die drei kamen zu uns auf den Campingplatz und wir beratschlagten, was wir machen wollten bei dem Wetter. Einfach bei uns an der Liegewiese bleiben, schwimmen, quasseln, SUP (Stand Up Paddling) fahren… oder eine kleine Wanderung von Herrschingen aus zum Kloster Andechs oder bei uns um den See laufen. Es gab viele Möglichkeiten. Schlussendlich fuhren mit ihrem Auto nach Herrschingen am Ammersee, wo Thomas den tollen Wind bei herrlichem Sonnenschein zum Surfen nutzen wollte und wir anderen gingen spazieren. Der Wind blies sehr kräftig; stärker als ich es ursprünglich erwartet hatte. Man hatte wirklich Nord- bzw. Ostsee-Feeling am Ammersee in Bayern! Die Wind- und Kite-Surfer rasten und flogen über den See, was toll anzusehen war. Es war das zweite Mal nach Fehmarn auf unserer Tour, dass wir fasziniert diesem Schauspiel zusahen. Die Boote vor Anker in der Bucht tanzten notgedrungen auf den Wellen und wir fragten uns, ob die Leute an Bord des Dampfers über den Ammersee wohl seekrank wurden. Jörg und ich machten uns zwischendurch auch so unsere Gedanken über unseren kleinen grünen Gugelhupf. Ob er wohl noch an Ort und Stelle stand und alles gut überstand?! Jörg hatte natürlich alle Heringe gut im Boden verankert, aber hielten die auch bei diesem Wind, der immer noch etwas doller zu werden schien? Wir hofften darauf, dass unsere netten Zeltnachbarn ggf. tätig werden würden… Wir spazierten durch den Ort, setzten uns in ein Café um windgeschützt Eis und Kuchen zu essen und entschieden dann, doch nicht den ganzen Weg bis zum Kloster Andechs zu machen. Wir gingen zurück, sammelten den zufriedenen, aber geschafften Thomas beim Surfen wieder ein und fuhren zurück zu unserem Gugelhupf… und natürlich stand er noch! Hier war es etwas weniger Windexponiert und insgesamt ließ der Wind zum Nachmittag nach. Wir gingen gemeinsam schwimmen und im Biergarten ein Grundstück weiter noch lecker essen. Es war ein sehr schöner gemeinsamer Tag und die drei luden uns ein, wenn wir nach München kommen wollten doch gerne bei ihnen zu übernachten. Wir freuten uns über die Einladung und so verabredeten wir uns für Freitag in München, was für uns noch den Vorteil hatte, dem für das Wochenende angesagten Dauerregen insoweit zu entgehen, dass wir nicht im Zelt schlafen müssten.

Den Donnerstag verbrachten wir im Wesentlichen entspannt bei uns am Campingplatz. Wir schrieben etwas am Block weiter, Jörg pflegte mal wieder die Fahrradkette und dank unserer Zeltnachbarn konnten wir mal Stand Up Paddling ausprobieren, was wegen der angenehmen Breite des SUP (sie nutzen das mit ihren beiden Kindern quasi als autonome Badeplattform) selbst für uns Anfänger recht einfach zu bewerkstelligen war. Ansonsten fuhren wir noch ‚kurz‘ zum Einkaufen ins nächste geschäftemäßig erschlossene Dorf, um unsere Vorräte etwas aufzufüllen, was letztendlich mal eben 22 km Sightseeing-Tour vorbei am Pilsensee und zurück quer durch die Hügel ausmachte. Abends gab es dann eine Gemüsepfanne von unserer eigenen Kochstelle und das mittlerweile obligatorische Feierabendradler auf der Kiosk-Terrasse mit Blick auf den See.

Am Freitag haben wir noch einmal die Möglichkeit genutzt das herrliche Wasser zu einer morgendlichen Schwimmrunde zu nutzen und dann begonnen den Gugelhupf zu verpacken. Die Sonne hatte den Morgentau auf den Planen schnell getrocknet und wir haben die Unterlegplane mal im See einer gründlichen Reinigung unterzogen. Während wir gefrühstückten, hatte auch diese noch Zeit um wieder abzutrocknen. Vor der Abfahrt nochmals einen Sprung ins Wasser, die nassen Sachen hinten auf den Taschen befestigt, damit der Fahrtwind die Trocknung übernehmen konnte.

Wir strampelten los in Richtung Starnberg. Die erste starke Steigung direkt am Beginn der Tour fiel gar nicht so schwer und als sie geschafft war, wurden wir mit dem tollen Blick über diese schöne Landschaft belohnt. Mal über kaum befahrene Landstraßen, mal über mehr oder weniger gute Radwege durch Wald und Felder sind wir fast an Starnberg vorbeigeradelt. Wir beschlossen wenigstens zum See zu fahren und nach Möglichkeit dort eine Kleinigkeit zu essen. Weißwürschtel mit Brez‘n und süßem Senf, Cola und ein ‚Russ‘ (Weisbierradler) und das alles bei einem tollen Blick auf den Starnberger See – was wollte man sich schöneres vorstellen für eine Pause. Allerdings mahnte die Uhr, wegen der angesagten Gewitter und Regenfälle doch ein wenig zu Eile – nicht ganz unbegründet wie sich später herausstellen sollte.

Thomas hatte uns morgens noch Streckenpunkte durchgegeben, die Anja dann über unsere Navigations-App Komoot zu einer Tour hat ausarbeiten lassen. OK, es war ein rot markiertes Stück dabei, was immer auf viel Steigung oder schwierigen Untergrund hinweist, aber versuchen kann man es ja. Was uns erwartete war steil, schmal UND schwierig vom Untergrund. Was noch relativ breit begann wandelte sich bald zu einem Pfad auf dem Trail-Biker wohl ihre Freude ausleben können, wo Tourenesel wie wir aber nicht mal mehr umdrehen konnten, ohne das Rad mitsamt Gepäck in den Dreck zu werfen. Augen zu und durch hieß es und dank der eingebauten elektrischen Schiebehilfe kamen wir auch irgendwann auf einem schönen breiten Feldweg wieder aus dem Waldstück heraus und wurden von einer Herde Pferdchen, die gleich neugierig an den Zaun kam begrüßt. Und da war dann bei Anja gleich alle Anstrengung vergessen. Was das ‚Nase streicheln‘ von Pferden so alles bewirkt…

Irgendwann zweigte der Weg wieder in den Wald ab und wir starteten unseren zweiten Teil der Geländegängigkeitsprüfung unserer Räder. Es kam die Frage auf, ob da wirklich Tourenrad und nicht Mountainbike in der APP angegeben war bei der Planung. Wir begegneten Bikern und Wanderern – zwischen staunenden bis hin zu ‚die sind total bescheuert‘ Blicken, sprachen die Augen Bände. Irgendwie verständlich, aber ich würde ja auch nicht auf einer Motocross-Strecke ’nen VW-Bulli mit Dachgepäckträger erwarten. Wir lächelten das einfach weg und taten so, als ob das unsere Standardstrecken wären – nur keine Schwäche zeigen. Als wir dann endlich das Flüsschen Würm erreichten, dem wir weiter in Richtung München folgen wollten, waren wir echt froh – auch dass das alles unfallfrei abgelaufen war. Die nächsten Kilometer waren eine echte Erholung und man hatte mal wieder dieses Gefühl – ‚Wie geil… – das ist so toll zu erleben.‘ Es machte wieder bewusst, wie richtig die Entscheidung zu diesem Sabbatical war.

Unser Ziel bei Iris, Thomas und Sarah erreichten wir, auch wenn es mittlerweile etwas zu regnen begonnen hatte (übrigens 2 Stunden früher als die Wetter-APP angab) noch rechtzeitig. Wir wurden herzlich empfangen, stellten unsere Räder ab und fanden gerade noch halbwegs die Zeit die Taschen abzunehmen und schon mal unter den Dachüberstand zu stellen, da prasselte es schon heftigst auf die Stadt hernieder. Wie schön, wenn man dabei das Rad in die Garage schieben kann und daran denkt, wie doof es wäre, wenn man jetzt nicht schon am heutigen Ziel angekommen wäre. 😏

Ammersee, die Nord-/Ostsee des Südens… 😏
Nach der ‚Cross-Strecke‘ an der Würm entlang…

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

Ein Kommentar zu “Unsere Tage am Wörthsee

Hinterlasse einen Kommentar