In Ulm, um Ulm und um Ulm herum…

(Ju) Wir hatten uns auf dem Weg nach Ulm für ein Hotel entschieden, da wir ringsum keinen passenden Zeltplatz gefunden haben. Ich hätte mir in den Hintern beißen können, denn ich hatte 2 Tage vorher ein super bewertetes Hotel gefunden, wo wir für 49 Euro pro Nacht hätten unterkommen können. Aber, da wir ja eigentlich viel zelten wollten, habe ich erstmal per Mail eine Anfrage an den örtlichen Ruderclub gestellt, die auch Zeltmöglichkeiten zur Verfügung stellen – aber man musste per Kontaktformular anfragen. Am nächsten Tag gegen Mittag war immer noch keine Antwort da. Also lieber doch das Hotel buchen. Ich traute meinen Augen nicht, denn plötzlich kostete das Zimmer gleich 30 Euro pro Nacht mehr. Hätte ich doch einfach mal gebucht und nicht auf den Zeltplatz gehofft.

Wir haben natürlich noch ein günstigeres Zimmer in einem anderen ‚Hotel‘ bekommen, allerdings war es ein Ibis Budget Hotel. Was soll ich sagen – ich nenne meine eigene Wohnung, die insgesamt mal gerade 40 Quadratmeter umfasst, gerne mal ‚Wohnklo mit Kombidusche‘ aber für das Zimmer was wir hier bekamen, war selbst dieser Ausdruck noch geschmeichelt. Waschbecken neben dem Bett, die Duschtür führte direkt ins Zimmer, hatte aber anstelle des Griffs eine große Öffnung in der Glasscheibe, sodass man immer schön aufpassen musste, wo das Wasser gerade hin spritzt, damit nicht das Zimmer unter Wasser steht. Die Toilette war dagegen fast geräumig, konnte aber wegen der stehenden Luft gleichzeitig als Saunakabine durchgehen, aber immerhin hatte sie eine separate Tür. Und wenn man sich dann mal niedergelassen hatte, musste man immer irgendwie in Bewegung bleiben oder zumindest winken, damit das Männchen im Bewegungsmelder wusste – Licht muss noch angeschaltet bleiben. Klar, grundsätzlich hatten wir mehr Platz als im Zelt, aber…

Die Stadt Ulm ist wirklich sehenswert. Schon der Weg an der Donau entlang war wie eine Promenade ausgebaut und führt komplett durch die ganze Stadt. Einfach irgendwann rechts durch eines der alten Tore, schon waren wir in der Innenstadt. Viel Fußgängerzone, mehrere Fahrradstraßen, im Großen und Ganzen alles recht gut zu erradeln. Allerdings haben wir die zwei Tage, die wir in Ulm waren, das Rad eher in der Hotelgarage stehen lassen und haben die Stadt zu Fuß erkundet. Toll war die Besichtigung im Ulmer Münster, das mir wegen seiner hellen und einladenden Lichtverhältnisse total gefallen hat und wo es zurzeit mittags um 12 Uhr eine halbe Stunde Andacht mit Orgelmusik gibt. Was für ein toller Klang – irgendwie gleich mit Gänsehaut am ganzen Körper verbunden. Von ernsten bis beschwingten Tönen, von ganz sanft und leise bis zum lauten Spiel aller Orgelpfeifen, die den Körper gefühlt mit in Schwingung versetzen, alles war dabei. Das alte Rathaus ist so reichlich bemalt und verziert und man findet unzählige schön gearbeitete und mit Figuren bestückte Brunnen. Allerdings mussten wir außer Sehenswürdigkeiten zu besuchen auch ‚normale‘ Sachen erledigen, was uns in den ersten Waschsalon der Tour geführt hat. In einem Rutsch drei Maschinen Wäsche waschen und trocknen und das alles in eineinhalb Stunden – schon praktisch.

Wie Anja noch gar nicht unter Radläden und andere Radgeschichten erwähnt hatte, gähnte in Donauwörth morgens plötzlich ein Loch in einer meiner vorderen Radtaschen. Genauer gesagt, hat sich eine komplette Seitennaht der heutzutage ja nur noch verschweißten Taschen in Wohlgefallen aufgelöst. Vorteil – da passt jetzt plötzlich extrem viel rein, allerdings muss man ggf. viel nachkaufen, was sich durch die Lücke verabschiedet, was bei mir allerdings nicht der Fall war. Die Hotelmanagerin hat morgens mit Gewebeklebeband ausgeholfen – wenigstens eine vorübergehende Hilfsmaßnahme. Auf der Fahrt nach Ulm hatte sich dann meine notdürftig geflickte Tasche wieder einem gewissen Auflösungsprozess unterzogen. Zum Glück habe ich nichts verloren, und konnte das Ganze mit viel (zwischendurch sicherheitshalber neu beschafften Klebeband) beheben. Dabei ging es jetzt nicht mehr um ‚schön reparieren‘, sondern um ‚das muss durchhalten‘ bis Ulm. Insgeheim hatte ich es bereits als sinnvoll erachtet mir direkt zwei neue Taschen zu kaufen und mal wieder ein Paket nach Hause zu schicken, um nach dem Sabbatical die Reklamation in Angriff zu nehmen. Ein Mann ein Wort, Ulm hielt den passenden Laden bereit, beide Fronttaschen sind neu und alles wieder wasserdicht.

Am nächsten Morgen haben wir gepackt, eben das Paket mit den Radtaschen sowie den nicht mehr als benötigt erachteten Schuhen zur Post gebracht und sind dann gegen 12 Uhr los. Eigentliche die perfekte Zeit nochmal die Orgel spielen zu hören, aber wir entschieden uns beide für ein leckeres Eis.

Eigentlich auf dem Weg zu Urmel, Jim Knopf und Co endete der Tag für uns nach knapp 40 km auf einem schönen Campingplatz mitten im Wald an einem Natursee, auf dem wir auch den nächsten Tag noch verweilen wollten, um der angesagten Hitze zu entgehen. Das Thema Radläden etc. fand auf dem Weg dorthin in Günzburg seine Fortsetzung. Für Anjas Rad sollte es ein neuer Schlauch für vorne sein, da an den Tankstellen für diesen Reifen permanenter Luftmangel angezeigt wurde, und ich habe mir einen neuen und stabilen Radständer gegönnt, nachdem mein Rad nur noch mit Hilfe eines Holzkeiles halbwegs stabil zum Stand kam. Bei der Reparatur des Schlauches unterzog ich auch den Bremsen an Anjas Rad einer Kontrolle – die neuen, bereits in Bremen vom fachkundigen Personal rausgesuchten ‚passenden‘ Beläge sollten zum Einsatz kommen, passten allerdings nicht. Oh man, das kommt davon, wenn Fachleute was raussuchen und den Kunden augenverdrehend genervt anschauen, der interessiert nachfragt, warum gerade die es sein sollen und woran man das erkennt, dass das die richtigen sind. Fazit – Anja muss noch bis Augsburg mit den fast komplett abgefahrenen Belägen fahren und wir haben zweifach Beläge der Marke Shimano (GS03S) inklusive Federn und Splinte abzugeben. Genaue Beschreibung dazu stellt Anja sicher als Bild ein, interessierte dürfen sich gerne melden. Bei Mehrfachmeldungen entscheidet das Los. 🤪 Der Austausch des Mantels wurde zur klassischen Vorführung dessen, worauf man achten sollte, wenn man einen Schlauch wechselt. Obwohl ich den Mantel untersucht hatte, hatte ich wohl einen Dorn übersehen, der im Mantel steckte und somit den neuen Schlauch direkt an derselben Stelle ‚gelocht‘ hat, wie es der inzwischen gefickte ‚alte’ schon war. Sicher wird Anja, sollte sie selbst mal in eine solche Notlage geraten, diesen Fehler nicht machen.

Den heißen Tag haben wir im Schatten der Bäume sitzend gut überstanden. Die netten Dauercamper von nebenan haben uns mit 2 Campingstühlen und sogar einem kleinen Tisch ausgeholfen und so konnten wir unsere Nudeln mit Pesto mal ‚normal‘ genießen. Ich frage mich, was fanden die Römer so bequem daran im Liegen zu futtern, wie es auf vielen Bildern so zu sehen ist. Für das nächste Jahr sind mit Sicherheit 2 leichte und kleine Stühle mit auf Tour und als Tisch wird mir schon was einfallen.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

2 Kommentare zu „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum…

  1. Ulm – Günzburg -Augsburg -> die Tour hatte ich vor einigen Jahren per Auto :-)))) Wirklich sehenswert alles. Und die Augsburger Puppenkiste war damals leider geschlossen. Schaut einmal für mich mit !! Das ist auch noch ein must have auf meiner Liste. Weiterhin viel Spaß und erträgliches Wetter. Hier in der Heimat ist endlich mal ein bißchen Regen gefallen und die Temperatur auf ein erträgliches Maß gesunken…
    Liebe Grüße von Dany

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    1. Alles bei der Puppenkiste ist leider momentan wegen Corona geschlossen 😦 von daher werden auch wir nochmal wiederkommen müssen. Es regnet sich leiser gerade komplett ein, so dass wir die Tagesetappe wohl doch eher mit der Bahn machen werden, da 3s auch nicht wirklich besser werden soll… schön, dass es bei euch wieder kühler ist! Liebe Grüße von uns

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