(AR) Wie Jörg bereits beschrieben hat, gab es gute Gründe den Wörnitz-Radweg ‚gen Süden zu nehmen. Vor zwei Jahren waren wir ihn von Donauwörth bis zur Quelle geradelt und somit ergaben sich nun teilweise ganz andere Blickwinkel. An manchen Stellen hätten wir schwören können, dass der Weg damals anders verlaufen war. Ich war mir auch gar nicht mehr sicher, ob wir den Weg damals über Komoot selbst zusammengestückelt hatten oder ob wir, wie dieses Mal, der Ausschilderung gefolgt waren. An andere Orte bzw. andere Stellen konnten wir uns hingegen sehr gut erinnern wie zum Beispiel an das Freibad an der Wörnitz kurz hinter bzw. dieses Mal kurz vor Oettingen. Vielleicht kennt ja der eine oder andere auch das gelbliche Getränk mit weißer Krone aus dieser Stadt.
Wir genossen es, die sich im weiten Tal immer wieder dahinschlängelnde Wörnitz zu begleiten, sie größer werden zu sehen und dabei durch viel Natur zu radeln. Einen Halt machten wir kurz nach unserer Nacht in Ruffenhofen am ‚Limeseum‘. Ein Museum, das zum einen im Rahmen einer Ausstellung und zum anderen in einem großen Parkähnlichen Areal das Wirken und Leben der Römer am Limes darstellt. Es war recht wenig los an diesem Vormittag und so begaben wir uns in die interessante und auch mit Film- und Tonaufnahmen sehr anschaulich gemachte Römerzeit. Wie schon berichtet, hat uns dieses Thema ja bereits des Öfteren auf unserer Reise tangiert, so dass wir die Gelegenheit für eine Auffrischung nutzen wollten – denn reisen soll ja auch bilden, sagt man zumindest so, und dem möchten natürlich auch wir gerecht werden.
Auf unserem weiteren Weg trafen wir, wie auch schon in mehreren anderen Gegenden im Süden, unerwartet viele Störche an. Unsere Gastgeber in Ruffenhofen bestätigten uns, dass das mit den vielen Störchen erst in den letzten Jahren wieder der Fall sei. Viele Jahre hätte es wohl in Bayern keine oder nur sehr wenige Störche gegeben. Wenn wir Störche in größerer Anzahl sehen, dann müssen wir immer an unsere Radtour vor ein paar Jahren an der Oder denken, wo wir damals unglaublich viele Störche gesehen hatten.
Wir kamen durch verschiedene kleine und größere Dörfer bis die Wörnitz schlussendlich bei Donauwörth in die Donau fließt. Wir wussten ja, dass wir in Donauwörth schon einmal gewesen waren – aber zumindest ich hatte nicht mehr so ein konkretes Bild vor Augen. Ich wusste jedoch, dass es mir ganz gut gefallen hatte… traurig eigentlich, dass man dann trotzdem manches nicht mehr im Kopf parat hat. Nun ja, wir näherten uns also der Innenstadt und auf einmal wusste ich, dass ich genau diesen Weg schon mal entlang gefahren war. Dann noch um zwei Ecken und auf einmal war alles wieder da! In der Touristeninfo hatten sie uns damals so nett geholfen, dort drüben hatten wir gegessen und in jenem Hotel gegenüber der Kirche hatten wir übernachtet… Nur die Kirche hatte tatsächlich die ganze Nacht zu jeder vollen und halben Stunde geläutet9. Das war echt nervig!! Und damals waren wir nicht mit Ohrstöpseln ausgerüstet. Was waren wir froh, dass wir dieses Mal dort nicht wieder übernachteten!
Am nächsten Morgen schien es sich einregnen zu wollen. Was waren wir froh der Vorhersage vertraut zu haben und ein Zimmer (allerdings mal wieder oben am Berg) genommen zu haben. Kurz überlegten wir auch, ob wir verlängern sollten, aber ach was – es sollte auch bald trockener werden. Auch dabei behielt die Wetter-App recht. Es wurde grundsätzlich etwas trockner, aber der Tag war geprägt davon, die gerade richtige Bekleidungsvariante zu finden für eine immer wechselnde Kombination aus Regen, Sonne und Wind…. Die kurzen Hosen waren okay, aber obenrum wurde stark variiert: kurzärmelig mit oder ohne Regenjacke oder doch lieber die dünne langärmelige Bluse übers T-Shirt, denn der Wind war zeitweise kühl?! Kam die Sonne wieder raus, war das aber schnell zu warm. Dann das Langärmelige wieder aus und nur die recht windundurchlässige Weste wieder übers Shirt… Ein fast endloses Spiel, dass viel Zeit und Nerven kostete. Eine lustige Situation hingegen war an diesem Tag unser Treffen mit einem Schäfer und seiner Herde, die an einer Stelle den Weg querte. Wir stellten uns an die Seite des Radweges, an der wir vermeintlich nicht störten… jedoch sahen das die nachfolgenden Schafe scheinbar etwas anders und waren durch unseren Anblick etwas verwirrt. Sie liefen und sprangen laut blöckend um uns herum oder auch zwischen uns durch, da wir einen Abstand von 2 – 3 m hatten. Sie hopsten etwas unbeholfen zwischen uns durch – was lustig, aber zeitweise etwas seltsam war, von den Schafen fast umgerannt zu werden. Wir hatten das Gefühl nicht nur dabei, sondern direkt mittendrin zu sein!
Aber wo ging es jetzt eigentlich hin?!? Als nächstes Ziel hatten wir uns – oder vielleicht auch eher ich uns – Ulm ausgesucht. In Ulm waren wir beide noch nicht und ich hatte gelesen, dass das auch eine ganz schöne Stadt sein soll. Hinzu kommt aber auch, dass ich mal in der 7. oder 8. Klasse eine Mitschülerin Hanna hatte, die ursprünglich aus Ulm kam. Wir verstanden uns ganz gut und die lebendigste Erinnerung ist, dass wir gemeinsam eine Forelle für den Bio-Unterricht sezieren mussten und darüber ein Referat halten. Ich weiß gar nicht, ob so etwas heute noch in der Schule zulässig ist!?! Hanna hat nach ein paar wenigen Jahren die Schule verlassen und wir haben uns aus den Augen verloren. Die Geschichte mit Hanna hat natürlich nicht den Ausschlag für dieses Ziel gegeben, aber ich muss momentan oft daran denken. Ich habe die Bilder der Forellen-Aktion in der Küche unserer alten Wohnung in der Maulbeerallee eher präsent vor Augen – einschließlich meines Papas, der immer um uns rum war, um uns tatkräftig zu unterstützen :-).
Ulm sollte es nun also werden und es war recht bequem über einen Teil des Donau-Radweges von Donauwörth aus zu erreichen. Die Donau ist, wie die Wörnitz, auch eine alte Bekannte von Jörg und mir. An der Donau sind wir von Passau nach Wien geradelt. Das war die erste Radtour wieder für uns nach Jörgs Herzinfarkt. Damals noch ohne E-bikes und mit vielen Gedanken zwischendurch von uns beiden, ob wir uns da vielleicht zu früh zu viel vorgenommen hatten… Es ging alles gut und wir sind glücklich in Wien angekommen. Aber bestimmte Situationen und / oder Gefühle sind auch heute noch manchmal präsent.
Dem Stück Donau zwischen Passau und Wien hatten wir vor zwei Jahren das Stück zwischen Kehlheim (dort fließt die Altmühl in die Donau) und Donauwörth hinzugefügt und nun ergänzten wir vorerst noch den Abschnitt von Donauwörth nach Ulm. Der Weg führte uns oft direkt an der Donau entlang, die an einigen Abschnitten in den letzten Jahren sehr schön an der Uferböschung renaturiert worden ist. Die Stecke führte zwar auch durch kleinere Orte, war jedoch überwiegend sehr naturnah und es ging durch Wälder und an kleineren ausgebaggerten Kiesseen vorbei. Wäre es wärmer gewesen, hätten wir gerne auch die eine oder andere Badepause in den durchaus verlockend anzusehenden Seen gemacht, aber bei der aktuellen Wetterlage, war uns nicht danach. Nach unserem nächtlichen Zwischenstopp in Dilligen war es zwar grundsätzlich wärmer und trockener, aber trotzdem noch nicht zum Baden einladend. Immer wieder zogen dunkle Wolken auf und der Himmel grummelte ordentlich…. Zum Glück immer in ausreichender Entfernung und wir wurden auch nur einmal kurz nass. Wir stellten uns lieber ein paar Minuten unter als schon wieder die Regenjacken rauszuholen; wir waren gut in der Zeit, so dass wir uns diese zusätzliche Pause ‚erlauben‘ konnten. Wir erreichten Ulm somit nach zwei Tagen radeln an unserer alten Bekannten der Donau entlang und werden von hier aus am Donnerstag erst wieder weiterfahren.

Manchmal ist man nicht nur dabei, sondern mitten drin! 







Die renaturiert Donau… 



