(Ju) Wir haben unseren ‚Forellenhof‘ am Donnerstag verlassen, sind mit dem Zug nach Bad Mergentheim gefahren und von da aus am Nachmittag in einer kleinen Wasserschlacht bis nach Rothenburg o.d. Tauber geradelt. Die Stadt kannten wir bereits als Start und Ziel für unsere Tour durch das Altmühltal vor zwei Jahren und wo es schön ist, da kann man auch mehrfach hinfahren.
Zwei Übernachtungen hatten wir gebucht, wollten den angesagten Gewittern entgehen und die Möglichkeit nutzen, uns dem Flair der Stadt nochmals hinzugeben, wobei zwar auch viele Besucher in der Stadt sind, aber im Vergleich zu unserem letzten Besuch alles doch echt entspannt war. Corona ist natürlich auch da ein Thema, aber wie wir gehört haben, gibt es schon lange keinen ‚aktiven‘ Betroffenen mehr dort.
Ein Tag ‚Stadtleben‘ war ausreichend; es geht weiter in Richtung Ulm. Möglichst wenig Höhenmeter und möglichst schöne Landschaft, das war die Wunschvorgabe für diesen Teil der Tour und da gibt es eigentlich nur einen passenden Weg, nämlich den Wörnitz-Radweg. Kennt ja sicherlich jeder – fährt aber kaum jemand lang, wie wir aus eigener Erfahrung berichten können. Auf etwa 65 km ging es auf der heutigen Tour erst zur Quelle der Wörnitz, ins hochgelegene (was auch sonst) Schillingsfürst, wo sie ‚völlig naturbelassen‘ ihren Ursprung in einem Metallröhrchen findet und sich dann in eine Steinschale ergießt. So stellt man sich das Quellgebiet eines Flusses doch vor, oder? Von dort aus fuhren wir durch kleine Dörfer und Städte, der schnell größer werdenden Namensgeberin des Radweges folgend. Kennt es jemand von euch, wenn man über eine Landstraße fährt und Kilometer für Kilometer kommt dir kein Auto, kein Fahrrad, kein Nichts entgegen?! Selbst in den Dörfern sieht es so aus, wie ich mir das in einer Geisterstadt vorstelle, aber selbst Geisten und Gespenstern wäre da wohl zu wenig los. Anja hätte tatsächlich fast eine Feldmaus überfahren, die just genau die Sekunde des Nachmittags nutzen wollte die Straße zu queren, als Anja da entlang fuhr. Sie glaubt sogar den entsetzten und angstvoll erschreckten Blick der Maus gesehen zu haben, als das Reifenprofil sich ihr deutlich sichtbar näherte. Die Mathematiker unter euch dürfen sich jetzt mal Gedanken machen, wie hoch wohl die Wahrscheinlichkeit für Feldmäuse ist, gerade auf diese Art tragisch aus dem Leben zu scheiden. Allerdings kannte diese Maus sich anscheinend aus, drehte spontan um, verschwand wieder im Acker und wird es vielleicht morgen mit der Überquerung nochmals versuchen.
Nach einem Zwischenstopp in Dinkelsbühl wird es später und wir suchen eine Möglichkeit zu übernachten. Brauchwasser hatten wir unterwegs an der LKW-Waschanlage bereits im Kanister gebunkert, aber das Trinkwasser ging zur Neige. Entweder wir übernachten irgendwo im Zelt, oder wir suchen uns ein Zimmer. Oh man, selbst auf den kleinsten Dörfern rufen die Preise für eine Nacht auf, da haben wir in anderen ‚Metropolen‘ schon für den halben Preis genächtigt. Aber wird schon – wir versuchen erstmal Trinkwasser zu ‚erbetteln‘ und fahren fröhlich lächelnd auf einen Garagenhof auf dem zwei Männer sich anscheinend um drei Kinder kümmern. Im Gegensatz zu unserem ersten Versuch ein Dorf vorher, wo unsere Bitte nach Wasser von einem älteren Herren mit den Worten „Des geht nemma, de Tia is schoh zua’gsperrt.“ abgelehnt wurde. Hmm – hat der gute Herr wirklich verstanden worum es geht, oder will er uns möglichst schnell loswerden? Ist es hier die Gegend, wo man dürstende Vagabunden wie wir es sind einfach vor die Hunde gehen lässt? Vom Alter her könnte es aber an der vielleicht geschonten Batterie im Hörgerät gelegen haben – im Zweifel für den Angeklagten – es waren sicher die Sprachbarrieren. 😏
Zurück zum Garagenhof… Wir haben natürlich unsere Wasserflaschen gefüllt bekommen, während Anja die uns schon vertrauten Fragen beantwortet. Und plötzlich kommt irgendwann noch die Schwiegertochter dazu, später dann noch die Mutter. Typisch ländlicher 3-Generationen-Familienverband, aber in 2 Häusern. Kurz und gut, wir wurden eingeladen unseren grünen Gugelhupf hinter dem Haus aufzubauen, oder gleich in einem der Vorzelte der drei Wohnwagen zu schlafen, die von vorne nicht einsehbar, auf einer Wiese hinter dem Haus mit freiem Blick auf die Felder und die Wörnitz standen. Wir konnten unser Glück kaum fassen – sanitäre Anlagen standen auch zur Verfügung – und sie sahen besser aus, als auf den meisten Campingplätzen. ALLE Familienmitglieder haben mitgeholfen für uns alles für den Abend und die Nacht ‚schön‘ zu machen. Campingtisch (einschließlich einer Kerze als Lichtquelle und für die passende Stimmung) und Stühle wurden aufgestellt und von den Kindern nochmals gereinigt, die Frauen machten Vorzelthausputz und wir Männer führten ‚Fachgespräche‘.
Mit einem geschenkten kalten Radler für jeden, einem besonderen, mit alten Mehlsorten gebackenen Brot noch vom Bäcker in Wertheim, Käse, Schinken und den im Kloster Bronnbach erstandenen Waldhonig aus der Region ließen wir den Abend ausklingen, genossen den weiten Blick ins Gelände und den Sonnenuntergang. Schnell schlafen, denn morgens um acht wollte man uns schon frischen Kaffee und das Teewasser kredenzen. Den Gedanken an ein sicherlich mückenfreies Zelt schob ich nachts zur Seite, da man nicht nein sagt, wenn man so ein nettes und gut gemeintes Angebot bekommt – aber den Mücken nehme ich es krumm, dass sie unsere Lage so schamlos ausgenutzt haben.
Wir kletterten morgens aus dem Zelt – Frühstück war da! Die versprochenen Getränke sowie Kuchen hatten den Weg zu uns gefunden und wir hatten nichts davon mitbekommen. Kurz später kamen die Kinder zur Verabschiedung. Wir mussten abends noch versprechen nicht zu fahren, ohne ihren Abschiedsgruß entgegenzunehmen. Sie schauten noch interessiert zu, wie man so viel Geraffel überhaupt wieder am Rad verstaut bekommt, dann war es auch schon Zeit in Richtig Donauwörth zu starten. Wir verabschieden uns von den anderen und wurden direkt herzlich eingeladen einzukehren, wenn wir wieder mal in der Nähe wären. Es wäre schon ein ungewöhnliches Ereignis für sie gewesen und für die Kinder fast ein aufregendes Abenteuer mit so ‚Weltenbummlern’ auf dem Hof. Wie offen und nett manche Menschen doch sind – wir werden uns sicher gerne an diese besondere Begegnung erinnern.

Impressionen aus Rothenburg… 



An der Wörnitz 

Dinkelsbühl 





Frühstück am Morgen…
Ich freue mich für euch, dass Ihr die Zeit so schön genießen könnt.
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Genießen ist das eine, das andere ist die Dankbarkeit darüber, das überhaupt so erleben zu dürfen. Sowas kann dir keiner geben, aber das Erlebte kann einem auch niemand nehmen. 🤗
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Schön, dass ihr auch immer wieder auf gastfreundliche Leute trefft. Aber ihr seid ja auch immer nett, wenn man euch nicht ärgert. Weiterhin viele nette Leute, Wind von hinten und eine unfallfreie Fahrt. 😘🐈🚲
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Ja, das ist wirklich schön, solche Bekanntschaften machen zu dürfen!
Zumal die drei Jungs (ca. 9, 5 und 3) echt klasse waren und uns ewig viele Fragen gestellt haben 🙂
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