(AR) Am nächsten Morgen begrüßte uns wieder die Sonne und die Regenwolken hatten sich verzogen. Nach einem leckeren Frühstück vom Hotelbufett sattelten wie die Drahtesel und ritten vom Parkplatz. Wir machten einen kleinen Bogen nach Süden über Heppenheim bevor es uns in Richtung Mainz zog, um anschließend, so die grobe Überlegung, in den kommenden Tagen den Main ein Stück hinauf zu fahren.
Heppenheim hat eine sehr schöne kleine Altstadt mit Fachwerkhäusern und kleinen Gassen. Insgesamt ist der Bereich nicht allzu groß, so dass man sich entspannt Zeit lassen kann, um durch alle Gassen zu schlendern und die Kirche am Berg anzusehen. Wenn man sich für Fabelgeschichten der Umgebung interessiert, kann man diese an den Laternen der Altstadt nachlesen, wo kleine Schilder mit Scherenschnitten zu den Geschichten befestigt sind, die abends auch noch illuminiert werden, was sicherlich nett aussieht. An ausgewählten Abenden finden dazu wohl kostümierte Führungen statt, bei denen ausgewählte Fabeln zum Besten gegeben werden. An so etwas habe ich ja immer viel Spaß und Jörg steht dem auch sehr offen gegenüber. Da solche eine Führung allerdings nicht zufällig an diesem Abend stattfinden sollte (dann wären wir vielleicht sogar noch eine Nacht geblieben), beließen wir es beim Lesen der ein oder anderen Fabel und amüsierten uns.
Seit wir tags zuvor die Ausläufer des Pfälzer Waldes verlassen hatten und damit die Weinberge im Westen liegen ließen, kamen wir wieder in die Rheinebene, die auf der östlichen Seite vom Odenwald begrenzt wurde. In diesem Bereich auf beiden Seiten des Rheins wird in erster Linie Gemüse auf den Feldern angebaut: Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Kürbisse, Petersilie, Schnittlauch…. Jörg hat das eine oder andere an diesem Tag für den abendlichen Eigenbedarf auf den Feldern „erbeutet“ und ich habe quasi „Schmiere gestanden“. Zwischen den geernteten Kartoffeln, Zwiebeln, der Petersilie und dem Schnittlauch – alles andere war noch nicht reif – lagen immer ein paar Kilometer, damit die „Last“ für unseren kleinen Mundraub auf mehrere Bauern verteilt wurde. Am späten Nachmittag haben wir in einem Supermarkt auf dem Weg zum Zeltplatz in Groß-Gerau gekauft, was die Natur nicht hergab, so dass es Kartoffeln mit Käuterquark, Lachscheiben und etwas Salat zum Abendessen gab – schmeckt gleich viel besser, wenn man selbst geerntet hat!
Ansonsten hatte Jörg für diesen Tag für mich eine kleine Schikane eingebaut: er hatte sich abends um das Laden der Akkus im Hotel gekümmert, aber meiner war leider nicht richtig geladen worden… Ich weiß nicht, was ich davon halten soll – ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass es am Tag zuvor irgendwie schlechte Stimmung gegeben hatte. Oder hatte ich etwas nicht mitbekommen? Er versicherte mir, dass zwischenmenschlich alles in Ordnung sei, und dass beide Akkus eigentlich geblinkt hatten zum Aufladen. Es könnte aber sein, dass er vielleicht dann doch nochmal ans Kabel gekommen sein könnte und sich der Stecker dabei etwas gelöst hat. Na ja, etwas Saft hatte ich noch (der Akku war ca. halbvoll), die Strecke war nicht mehr so hügelig und wir hatten ja schon eine komplette Übungsetappe fast ohne Motor gemacht – wenn auch ohne Gepäck. Auf der Strecke blies zeitweise der Wind recht ordentlich, so wie man sich das immer in der Norddeutschen Tiefebene vorstellt, dennoch probierte ich weite Strecken ohne zu fahren und Jörg bot mir zum Ausgleich seinen Windschatten an – schien also keine gewollte Schikane gewesen zu sein!
Der Zeltplatz in Groß Gerau, der als Nachtlager dienen sollte, war eher von der Kategorie „Augen zu und durch“. Die Zeltwiese glich mehr einem festen Acker, auf dem eine halbwegs ebene Fläche schwer zu finden war, und es war durch die dichte Lage an der A67 natürlich nicht so ruhig. Das hatten wir zwar vorher schon vermutet, aber es gab keinen alternativen Campingplatz in der Nähe und aufgrund des leergefahrenen Akkus war es auch keine Alternative „außerhalb“ zu übernachten. Aber für eine Nacht geht ja vieles und unser leckeres Abendessen entschädigte alles! Den Ausklang bildetet ein leckeres Fläschchen Rotwein (immer gut bei fehlender Kühlmöglichkeit) und zur Feier des Tages und als absolute Ausnahme eine Tüte Chips.






Da muss die Oma lange für Stricken…😏 
Geküsst, aber Frosch geblieben… 


Mundraub 
Die ‚Ernte‘ ist eingefahren… 


Alles was die Küche hergibt…