(Ju) Wie bereits geschrieben, haben wir die letzten Tage in der Pfalz und bei unseren Bekannten genossen und genutzt, um neue Eindrücke zu sammeln. Aber alles hat irgendwann ein Ende und wir wollten weder die Gastfreundschaft über die Maße beanspruchen noch wollten wir unseren ‚Plan‘ völlig aus dem Blick verlieren. Da kam es uns auch gelegen, dass Kerstin und Uwe ab Montag den Weg zurück in den beruflichen ‚Regelbetrieb‘ einleiten mussten. Unser regelmäßiger Alltag sieht ja zurzeit etwas anderes aus, aber wir haben uns beide auch wieder aufs Radeln gefreut.
Anja hat mich ja völlig im Glauben gelassen, dass wir ad hoc entscheiden wie und wohin es weiter geht, aber ich denke sie hat sich schon vorher zumindest gedanklich einen Plan im Kopf zurechtgelegt welche Ziele angefahren werden (könnten). So haben wir uns schon am Abend zuvor von Uwe verabschiedet; von Kerstin erst am Morgen denn sie fing etwas später an zu arbeiten. Dann haben wir in Ruhe die letzten Sachen gepackt und die Türe hinter uns zugezogen.
Der erste Weg führte uns zur Post, denn ich hatte die Zeit genutzt um nicht benötigten bzw. überschüssigen Kram auszusortieren und in einem Paket unterzubringen, welches ich zu mir nach Hause schicken wollte. Zu unserem Erstaunen standen dann 5,5 kg auf der Waage. Dieses Gewicht stört die nächsten Wochen schon mal nicht mehr. Aber irgendwie hoffe ich auch darauf, dass ich nicht doch noch irgendetwas davon neu kaufen muss, da irgendwann der Fall der Fälle eintritt, wo man etwas benötigt, was jetzt in dem Paket schlummert.
Nach einem guten Frühstück in der Lambsheimer Bäckerei, übrigens auch gleichzeitig im Augenblick die einzige vor Ort, ging es dann los in Richtung Worms, die geschichtsträchtige Stadt mit ihrem Dom, vielen Kirchen und der Nibelungenbrücke. Es waren ‚nur‘ 25 km, aber wir merkten auch noch unser Debüt der Tagesetappe „(fast) ganz ohne Motorunterstützung“ vom Vortag, wo ja mal wieder einige Höhenmeter vorgekommen sind. Gedanklich wuchs nochmal der Respekt für die Leistung von Kerstin und Uwe, die ja gänzlich ‚ohne’ unterwegs waren (auch auf dem steilsten Stück, wo Anja und auch ich ohne ‚motorische’ Hilfe völlig aufgegeben hätten). Wie es denen und deren Oberschenkeln wohl zurzeit ergeht, wenn selbst wir, als schon einigermaßen Geübte, noch schwere Beine haben?!?
In Worms haben wir die Räder wie üblich ‚geparkt‘ und erstmal den Dom besichtigt, der übrigens nicht in West-/Ostachse ausgerichtet ist wie alle bisher besichtigten Kirchen, oder mein Kompass in der Uhr war völlig verpeilt. Ein Modell der früher mal bestehenden Kirche und der umliegenden Gebäude machte deutlich, wie wenig der ehemaligen Bausubstanz überhaupt noch erhalten ist. Zudem hat man wohl zwischendurch um Erhaltung und Pflege der ehemaligen Optik nicht viel gegeben und neuere, damals als modern geltende Bauten, sehr nah im Umfeld angebaut, sodass der Dom einem recht eingezwängt ins Stadtbild vorkommt. Ansonsten wirkte alles auf uns recht unspektakulär, obwohl viele Hinweise auf die Nibelungensage und auf Martin Luther zu finden waren, wir aber nicht unbedingt auf einen Besuch im Museum aus waren. Wir machten uns auf zum Rhein denn den mussten wir auf dem Weg nach Lorsch eh überqueren. Lorsch deshalb, weil wir uns dort die Überreste des alten Klosters ansehen wollten. Und dann fährst du nicht nur über den Rhein, sondern durch das Tor des Nibelungenturm hindurch, welches genau betrachtet auch eines der vielen Tore und Türmchen der Zauberschule Hogwarts aus ‚Harry Potter‘ hätte sein können.
Das Kloster Lorsch ist Weltkulturerbe – da stellt man sich ja schon was ganz besonderes vor, was sich für mich nicht unbedingt auf den ersten Blick so darstellt. Die Umrisse der nicht mehr vorhandenen Gebäude sind auf der Rasenfläche dargestellt und ich mache mir eher Gedanken darüber wie man das Gras so schön gemäht bekommt, und ob die wohl hier einen eigenen Green-Keeper wie auf dem Golfplatz beschäftigen. Ja, nennt mich ruhig Kulturbanause, aber ich kann nichts für meine Gedankengänge. Sehen kann man genau genommen dann die vier einfach gehaltenen Außenwände der ehemaligen Klosterkirche, eine Scheune und die Königshalle. Leider war Montag, so dass keine Führungen angeboten wurden, die sicherlich viel Interessantes beinhaltet hätten. Also machten wir uns auf eigene Erkundungstour soweit dies möglich war bis langsam dunklere Wolken am Himmel aufzogen. Das über das Handy abgefragte Regenradar wies für den Abend und die Nacht dann Dauerregen aus, so dass wir uns für ein Hotel entschieden… und das war auch gut so! Ein tolles und befriedigendes Gefühl, wenn es draußen langanhaltend regnet und man sicher sein kann, am nächsten Morgen kein nasses Zelt einpacken zu müssen… wir hatten – mal wieder – alles richtig gemacht!











