Unsere letzten Tage in der Pfalz

(AR) Auch wenn wir jetzt ein paar Tage mit dem Schreiben des Blogs Pause gemacht haben, sind wir natürlich keinem bösen Tier o.ä. in unserer zweiten Nacht im Weinberg zum Opfer gefallen – auch wenn der eine oder andere schon etwas besorgt nachgefragt hat, da wir so lange nichts geschrieben haben. Das hat allerdings andere Gründe, aber der Reihe nach.

An diesem Morgen im Weinberg wurden wir nicht durch einen Traktor aufgeschreckt. Ich war allerdings trotzdem um 6 Uhr wach und meine Ohren waren die ganze Zeit außerhalb der Zeltwand auf der Lauer nach irgendwelchen seltsamen Geräuschen bis Jörg endlich gegen 7 Uhr erwacht ist. In der Nacht hatte ich alkerdings tief und fest auch ohne Ohrstöpsel geschlafen und mir keine weiteren Gedanken über komische Geräusche gemacht. Wir warteten nun aber nicht lange, sondern machten uns frisch in unserem kleinen Bad (der aufgehängte Wasserkanister gibt einem sogar das luxuriöse Gefühl von fließend Wasser) am Weinberg, packten anschließend alles zusammen und machten uns auf den Weg nach Bad Dürkheim.

Der Weg führte uns weiter durch die Weinberge, durch mehr oder weniger belebte Orte und es wurde recht warm. Wir erreichten das hübsche Bad Dürkheim am Rande des Pfälzer Waldes (liebe Grüße an Thea an dieser Stelle!). Direkt vor dem Bahnhof, umringt von Bäumen und Sitzgelegenheiten, trafen wir auf den Wurstmarktbrunnen, der mit seinen Darstellungen thematisch das größte Weinfest der Welt (Angabe aus Wikipedia) aufgreift und das in Bad Dürkheim stattfindet. Das ist so vielfältig dargestellt, dass man schon eine Weile dort verweilen kann, um alles auf sich wirken zu lassen und um sich so recht kurzweilig die Zeit zu vertreiben. Von dort aus waren es dann nur wenige Meter bis zur Fußgängerzone, wo es auch das eine oder andere Café gab, so dass auch der Mann glücklich zu stellen war. Allerdings machten wir erst einen kleinen Stadtrundgang und ließen uns dann im Schatten nieder, um etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Die schön gestrichenen Häuser, die kleinen Cafés, überall große Kübel mit Olenander und Palmen in der strahlenden Sonne… bei diesem Anblick waren wir uns schon fast nicht sicher, ob wir vielleicht doch in Frankreich, Italien oder Spanien gelandet waren. Nach der Stärkung fuhren wir noch an dem riesigen Weinfass mit einem Fassungsvermögen von rund 1,3 Millionen Litern (mit heute innen untergebrachter Gastronomie) sowie der großen Saline von Bad Dürkheim vorbei. Insbesondere die große Saline war schon sehr beeindruckend und wirkte mit dem daneben verlaufenden Bach und der geschmackvollen Bepflanzung richtig einladend, wenn man den riesigen Parkplatz zwischen diesen beiden Sehenswürdigkeiten ausblenden kann. Auf diesem Parkplatz findet übrigens der „richtige“ Wurstmarkt (Erklärung siehe oben) statt. Aufgrund der inzwischen doch recht hohen Temperaturen, aber auch da wir ja über Nacht die Akkus der Räder nicht aufgeladen hatten, haben wir davon angesehen noch weitere Sehenswürdigkeiten im Umkreis anzusehen und sind ohne Umwege bis zum Etappenziel Lambsheim gefahren.

Somit trafen wir dann – etwas zeitiger als erwartet – am frühen Nachmittag in Lambsheim bei unseren Bekannten ein, deren Einladung wir gerne gefolgt waren. Mit großem Hallo, da wir uns bereits einige Zeit nicht mehr gesehen hatten, wurden wir von Kerstin begrüßt, aber kurze Zeit später kam auch ihr Mann Uwe dazu, der vorher noch beruflich eingebunden war.

Wir konnten die nachfolgenden heißen Tage in der Pfalz bei und mit ihnen verbringen und waren ganz froh in dieser Hitze keine Kilometer schrubben „zu müssen“. Stattdessen legten wir zu viert am Freitag einen Tag am See ein, besuchten – es war wirklich mal wieder an der Zeit! – einen Fahrradladen (um Fett für die neu erworbenen Paralle-Sattelstütze zu kaufen) und saßen abends gemütlich beim Grillen zusammen. Dabei erzählten sie von ihrem Plan, für den Innenhof eine Doppelliege aus Paletten selbst bauen zu wollen, aber das sie bisher noch nicht dazu gekommen seien. Also vereinbarten wir kurzer Hand für den nächsten Tag das Projekt gemeinsam anzugehen. Kerstin und Uwe besorgten morgens im Baumarkt alle erforderlichen Utensilien nachdem wir beim Frühstück gemeinsam nochmal über ihre Vorstellungen und die sinnvollste Konstruktion gesprochen hatten.

Die drei haben dann fleißig gesägt, gebohrt und geschraubt und die Bauingenieurin zwischendurch nochmal um eine vermeintlich qualifizierte Meinung gefragt. Ich habe die Truppe zwischenzeitlich mit einem kleinen Imbiss verpflegt und mich um die Pflege der Oleander gekümmert. Wir hatten viel Spaß! Mit so vielen Händen und den sich während des ‚Projekts’ entwickelnden guten Ideen, war die Arbeit am frühen Abend abgeschlossen und konnte „abgenommen“ werden! Die beiden haben sich riesig gefreut, dass ihr Gedankenprojekt mit unserer Hilfe nun doch etwas schneller vor ihnen stand als erwartet – und wir hatten das Gefühl uns damit auch etwas für ihre Gastfreundschaft revanchiert zu haben. Außerdem kam das unseren Vorstellungen von ‚sich nützlich machen für eine Unterkunft‘ schon nah, auch wenn es den Kern nicht hundertprozentig traf.

Am Sonntag war es endlich nicht mehr ganz so warm, aber der angekündigte Regen blieb dennoch aus, so dass wir uns bei angenehmen Temperaturen zu einer gemeinsamen Radtour aufmachten. Es sollte noch einmal etwas weiter in Richtung des Pfälzer Walds gehen, nämlich zum Eiswoog, einem großen Stausee mit wunderschönem Wandergebiet. Da unsere beiden Gastgeber bisher Verfechter von nicht elektrisch unterstützten Rädern sind, versuchten wir die Strecke nicht ganz so intensiv hinsichtlich der zu bewältigenden Höhenmeter zu gestalten, so dass wir alle die Strecke ohne Motorisierung bewältigen konnten – zumindest so weit wie möglich. Und so mühten auch Jörg und ich uns fast die gesamte Strecke ohne die Akkus in Aktion zu nehmen – mit Ausnahme an einem sehr steilen Stück. Kerstin ackerte sich an dieser Stelle bis nach oben – unseren absoluten Respekt an dieser Stelle nochmals! -, wir nutzten unseren Motor und hätten aber ansonsten wie Uwe das letzte Stück schieben müssen. Uwe war überrascht, wie gut sich ein E-Bike auch als ‚normales’ Fahrrad bewegen lässt und ehrlich gesagt war es auch uns selber bis zu diesem Zeitpunkt nicht so bewusst, da uns der direkte Vergleich einfach fehlte. Zumindest ich hatte allerdings zwischenzeitlich das Gefühl meine Oberschenkel hätten das doppelte Volumen angenommen, um die Höhenmeter zu schaffen.

Als wir am See ankamen und einen Imbiss zu uns nahmen, klärten wir die Frage, ob auch alles wieder zurückgeradelt werden sollte oder ob wir vom nächsten Ort den direkten Zug zurücknehmen sollten. Wir entschieden uns für letzteres – auch um nicht am nächsten Tag völlig platt zu sein. Zurück in Lambsheim ließen wir den Tag bei einer Weinschorle aus den typisch pfälzischen Dubbegläser ausklingen. Bei den Dubbegläser handelt es sich um welche, mit runden Vertiefungen übers gesamte Glas, um beim teilweise etwas fetthaltigen Pfälzer Essen, nicht den Halt am Glas zu verlieren.

Aufgrund der vielfältigen und erlebnisreichen Zeit bei Uwe und Kerstin sind wir weder zum Schreiben des Blogs noch zum Bilder machen gekommen wie wir festgestellt haben – daher ein Bericht nur mit bildlichen Eindrücken aus Bad Dürkheim.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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