Rückblick auf die letzten Tage…

(AR) Wir liegen mal wieder im Bett eines kleinen Hotels. Inzwischen sind wir in Landau in der Pfalz angekommen, daher ein kurzer Rückblick.

Den letzten richtigen Tag im Schwarzwald haben wir am Sonntag mit einer Radtour nach Kehl am Rhein verbracht. In der Nacht hatte es etwas geregnet, morgens war es leicht bewölkt, aber es sollte dann aufklaren und so ließen wir uns etwas Zeit bis zum Start. Den ganzen Tag über blieb es bewölkt, aber bei angenehmen Temperaturen.

Unser Besuch in Kehl galt in erster Linie der „Passerelle des Deux Rives“ – einer Brücke über den Rhein, die mich aus konstruktiver und architektonischer Sicht interessierte. Es ist schon ein interessantes Bauwerk, das „nur“ für Radler und Fußgänger gebaut worden ist! In zweiter Linie liegt, einen Katzensprung entfernt, auf der anderen Seite des Rheins in Frankreich Straßburg. Unsere Überlegungen, ob wir in die Innenstadt von Straßburg fahren sollten, erübrigten sich in dem Moment, als wir auf der Mitte der Brücke waren und die Konstruktion bestaunten. Es fing ein kräftiger Schauer an und wir flohen – mangels unserer Regenbekleidung – in das nächstbeste Lokal. Aufgrund des eine Zeitlang anhaltenden Regens und der fortgeschrittenen Zeit entschieden wir, Straßburg eher zu irgendeinem anderen, späteren Zeitpunkt einen Besuch abzustatten. Insgesamt gefiehl es uns auf der Fahrt sehr, nochmal durch die vielen Obstplantagen zu fahren und die eine oder andere Pflaume direkt vom Baum zu futtern…

Am nächsten Morgen packten wir dann alles zusammen und nahmen zum letzten Mal den Vorzug der Konus-Karte war. Mit dem Zug ging es von Achern bis nach Karlsruhe zurück, von wo aus wir in Richtung Pfalz zur Deutschen Weinstraße radelen wollten. Es waren 30°C und nur der Fahrtwind kühlte etwas. Die Strecke durch die Stadt und bis hinter Wörth am Rhein war nicht so erbaulich und zog sich ziemlich hin. Erst danach wurde es wieder ländlicher und eine längere Strecke führte durch ein schattiges Waldstück. Die Etappe bis Bad Bergzabern über die ersten Hügel der Weinberge der Südpfalz ließen uns später als erwartet dort ankommen und uns unsere Beinmuskulatur spüren. Es gab einen Ausblick auf das, was uns die nächsten Tage „bergfahrtechnisch“ erwarten würde. Ich weiß nicht, ob von euch schon einmal jemand in diesem gar nicht mal so schönen Ort war? Er ist etwas größer, aber die Stadt ist irgendwie tot und trotzdem rufen sie für die Unterkünfte ganz ordentliche Preise auf. Es gibt zwar ein kleines Schloss im Ort, eine kleine Fußgängerzone und das war es dann auch. Vieles ist geschlossen und leicht verfallen. Wir fuhren eine Weile kreuz und quer durch den Ort und hatten Schwierigkeiten außer einer Dönerbude noch etwas anderes zu finden, wo wir etwas essen konnten. Als wir dann doch ein Gasthaus fanden, konnte man den Eindruck haben, dass ALLE aus diesem Ort dort saßen – aber das Essen war wenigstens lecker.

Der nächste Campingplatz war nochmal ein Stück entfernt und lag nicht auf der eigentlichen Strecke, aber wie schon angedeutet, die Preise für die noch verfügbaren Unterkünfte im Ort oder etwas außerhalb, waren wir nicht bereit zu zahlen. Also doch los zum Campingplatz, der circa 10 km weiter des Weges liegen und dessen Rezeption eigentlich nicht mehr besetzt sein sollte, aber man wollte uns die notwendigen Informationen und die Zugangskarte für die Sanitäranlagen im Umschlag an die Türe kleben.

Auf ungefähr halber Strecke  – es ging wieder durch die Weinberge – kamen wir an einem schönen Ausblick an, wo eine Bank in Form eines kleinen Weinfasses stand – quasi ein Pfälzer Strandkorb. Wir hielten kurz an und stellten fest, dass ein gemähter Seitenstreifen des Weinbergs zum Zelten einlud… Wildcampen ist ja in Deutschland verboten bzw. man muss den Eigentümer fragen. Gesagt getan: am Rebstock hing ein Schild des Winzers, wo ich kurzer Hand (es war inzwischen gegen 20 Uhr) anrief und unsere Situation schilderte – und wir durften bleiben! „Wenn Sie auf dem Stück bleiben, wo unsere Weinreben gekennzeichnet sind, ist das kein Problem. Da passiert Ihnen nichts.“ Ich habe mich überschwenglich bedankt und wir fuhren nochmal eben zum Discounter zurück, an dem wir 10 Min  vorher vorbeigekommen waren, um in erster Linie noch Wasser (insbesondere für die morgendliche Wäsche) zu kaufen. Anschließend schnell das Zelt wieder aufgeschlagen und uns mit den hiesigen Geräuschen vertraut machen….Das Zelt stand vom Weg durch eine Hecke getrennt, wodurch es nicht so leicht einsehbar war und dahinter war auch ein kleiner Parkplatz,  da von dort auch Wanderwege durch die Weinberge starten. Es war ein ganz idyllisches Plätzchen und irgendwann krabbelten wir ins Zelt zum Schlafen.

Am nächsten Morgen wurden wir um 6:30 Uhr vom Trecker geweckt, der ein paar Rebstöcke weiter durch die Reihen fuhr und das Laub der Weinstöcke einkürzte… ob der das immer so früh machte?!? Da wir unsicher waren, ob er auch bei uns vorbei musste oder nicht, begannen wir in Windeseile alles wieder einzupacken, denn wir wollten den Betrieb nicht aufhalten… Er war jedoch scheinbar nicht für den Bereich „unseres“ Winzers zuständig und drehte dann bevor er bei uns ankam um.

Was für eine Eile am frühen Morgen! Nun packten wir in Ruhe den Rest ein und machten uns fertig. Da wir erstaunlicher Weise am Weinberg keine Ladestation für die E-bike-Akkus gefunden hatten, mussten wir uns etwas überlegen. Also gingen wir zwei Orte weiter in einem Hotel frühstücken, das ausdrücklich mit einer „Ladestation für E-bikes“ warb. Normale, kleine Bäckereien hatten wir auf dem Weg dorthin aber auch nicht gesehen. Also frühstückten wir im Hotel ausgiebig und etwas länger, bis die Akkus wieder Kraft für ein paar Kilometer getankt hatten. Denn ohne wollten wir uns voll beladen nicht auf die nächste Etappe durch die Weinberge machen.

Dies stellte sich hinterher auch als gute Entscheidung heraus, denn auch dieses Mal war „bergauf“ wieder Programm. Es war zwar etwas bewölkt und nicht ganz so warm, dafür blies der Wind recht ordentlich… Trotz der recht kurzen Nacht und der Anstrengung genossen wir die sich immer wieder ergebenden neuen Ausblicke, wenn wir die nächste Kuppe erreicht hatten. Auch viele der kleineren Örtchen waren nett anzusehen und viele Winzer luden zu einer Weinprobe mit Schildern ein – allerdings sah es dann doch eher geschlossen aus.

Gegen 14 Uhr entschieden wir uns für heute Schluss zu machen und uns in Landau, wo wir gerade waren,  ein Zimmer zu suchen. Das fanden wir auch und konnten es zeitnah beziehen. Kaputt von der recht kurzen Nacht am Weinberg und der Radeletappe, machten wir nach einer ausgiebigen Dusche ein Schläfchen und erkundeten anschließend bei einem kleinen Abendspaziergang die Stadt. Man muss schon sagen, Dienstagabend, wenn alle Haushalte und Geschäfte ihren kompletten Müll draußen abstellen, weil am nächsten Morgen scheinbar die Müllabfuhr kommt, ist das alles nur ein mäßig schöner Anblick…

Wir genossen mal wieder das „richtige“ Bett, um heute mit frischen Kräften wieder in Richtung Neustadt und Bad Dürkheim starten zu können. Mal sehen wie weit wir heute mit den teilweise ganz ordentlichen Hügeln kommen…

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

4 Kommentare zu „Rückblick auf die letzten Tage…

  1. Das hört alles sehr toll an. Am besten gefällt mir der Pfälzer Strandkorb. Der sieht bequem aus. Ich wünsche euch weiterhin eine schöne Fahrt. LG 😘 🐈

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  2. Hallo, ihr beiden. Vielleicht schafft ihr es noch zu einer zünftigen Weinprobe beim Winzer. Aus der Gegend Herxheim, Weisenheim a.B. haben Finkelmanns und wir immer unseren Wein bestellt.
    Na, dann Prost, aber ohne Rad.
    LG 👫🍷🏕

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