(AR) Nach unserer Radtour ins Städtchen Gengenbach, das wirklich sehr schön ist und mir endlich zu Jörgs begeisterten Erzählungen Bilder beschert hat, sollte es am nächsten Tag eine Tour in die Natur geben. Wir hatten uns aus einem am Campingplatz ausliegenden Buch über die Highlights des Ortenau-Kreises die Edelfrauengrab – Wasserfälle rausgesucht. Die Geschichte dazu war etwas abenteuerlich und weckte unser Interesse, so dass wir eine Radstrecke raussuchten. Die eigentliche Entfernung waren nur rund 12 km und es kamen zwei Strecken in Frage. Eine mit ca. 370 Metern Höhenunterschied und die andere mit ca. 610 zu bewältigenden Höhenmetern. Aufgrund der uns als Flachlandtiroler fehlenden Erfahrung mit dem Radeln in den Bergen, hatten wir vor beiden Zahlen ziemlichen Respekt und waren froh, dass auf jeden Fall ohne unser zusätzliches Gepäck machen zu können.
Nachdem wir am Abend zuvor entschieden hatten erstmal mit den geringeren Höhenmetern zu starten, kamen wir morgens mit dem stets hilfsbereiten und redseligen Platzinhaber über unser Vorhaben ins Gespräch. Das wäre ein schönes Ziel und die Strecke über Sasbachwalden und dann an der alten Mühle („…die können Sie mit dem Reetdach gar nicht verfehlen..“) rechts die Straße mit den Serpentinen hoch, da hätten wir einen supertollen Blick. Muss ich noch erwähnen, dass das natürlich die Strecke mit den vielen Höhenmetern war?!? „Und wenn Sie dann an den Wasserfällen sind, laufen Sie durch das Tal bis zum Schnapshäusle (was auch immer er damit meinte) und dann noch eben zum Karlsruher Grat rauf. Da haben Sie einen tollen Blick und es ist fast schon wie in den Alpen!“
Also entschieden wir uns spontan um (wobei ich solche Entscheidungen, insbesondere was die körperliche Herausforderung anbelangt, immer Jörg überlasse) und entschieden uns für eine Rundtour: anfangs sollten es die Strapazen zum schönen Ausblick sein und danach eigentlich im Wesentlichen nur noch abwärts gehen. Nachdem das Fahrradnavi mit den Daten gefüttert war, ging es dann auch schon los.
Es waren 7 km Anstieg am Stück, wobei nach dem Navi ein Maximum von 16% Steigung zu bewältigen war. Wir waren froh, wenn sich mal die Möglichkeit ergab in eine halbwegs ebene Einfahrt/Ausbuchtung einfahren zu können, um etwas zu verschnaufen und zu trinken. Wir fuhren beide das jeweils eigene Tempo, aber ohne den anderen dabei aus den Augen zu verlieren. Was für eine Anstrengung – trotz Motor – und die Wärme tat ihr Übriges dazu, so dass der Schweiß nur so lief. Ich glaube ohne die Unterstützung und auch mit meinem anderen, leichteren Stevens-Rad, wäre das ohne Training nicht wirklich möglich gewesen, aber so kamen wir doch oben an dieser Bank mit der tollen Aussicht an! Auch wenn wir die insgesamt zu bewältigenden Höhenmeter dort noch nicht geschafft hatten, lag ein Großteil dessen bereits hinter uns.
Wir genossen unsere etwas längere Rast mit dem Blick für die Schönheit der Natur, zum Beispiel die majestätisch dahingleitenden Greifvögel, aber auch die Paraglider am Himmel zogen uns in ihren Bann.
Jetzt stand es an die nächsten Höhenmeter noch zu bezwingen. Noch einmal Zähne zusammenbeißen und dann war es auch bald geschafft und es ging wieder abwärts – nicht weniger steil und lang, so dass die guten Bremsen definitiv von Vorteil waren! Ganz ehrlich, ich weiß manchmal nicht so genau, was mir wirklich lieber ist, denn ich bin ja eher ein kleiner Schisser, wenn es so lange und recht steil abwärts geht. Jörg hingegen lässt mehr als ich rollen und scheint es zu genießen. Nach der Abfahrt und kurz vor unserer Ankunft bei den Wasserfällen, machten wir nochmal für eine Leberkäs‘-Semmel Halt.
Gestärkt ging es zu den Edelfrauengrab – Wasserfällen, die, wenn man schon durch die eine oder andere Klamm gewandert ist, doch eher recht unspektakulär daherkamen. Der Weg war aber angenehm schattig und die alternative Bewegung zum Treten in die Pedale tat zumindest meinen Beinen gut.
Aber auch hier war der Anstieg nicht ohne und wir merkten, dass wir bereits eine gewisse Anstrengung hinter uns hatten. Aber jetzt umdrehen, ohne den in Aussicht gestellte schönen Blick vom Karlsruher Grat mitzunehmen?! Wir gingen weiter und nach einer Stunde hatten wir es dann auch dort hoch geschafft. Eine wirklich tolle Aussicht bei dem herrlichen Wetter! Wir setzten uns auf die Steine, genossen es und gönnten uns und unseren Körpern eine weitere Pause.
Erst beim Abstieg bemerkten wir das vom Campinglatzinhaber beschriebene ‚Schnapshäusle‘, das wir vorher gar nicht wahrgenommen hatten. Am Berg war in der Tat ein gemauerter Kasten mit Holzladen, an denen eine Preisliste sowie ein Flaschenöffner befestigt war. Wir öffneten die Laden und mussten herzhaft lachen bei dem, was wir dann sahen: neben Kästen mit Cola, Wasser, Radler & Co, die über einen Wasserlauf stets gekühlt wurden, war eine Reihe mit den verschiedensten Schnäpsen aufgebaut mit kleinen Kunststoff Einmal-Schnapsgläsern (ökologisch natürlich nicht korrekt, aber für diesen Zweck perfekt) und ein Abfallkorb war auch nicht vergessen worden. Natürlich probierten wir jeder ein Gläschen – das ließen wir uns nicht nehmen! So etwas muss man einfach mitnehmen und das passende Kleingeld hatten wir natürlich dabei. Das war wirklich ein Spaß und der restliche Abstieg ging damit beschwingter von statten – unterstützt durch die ohnehin bereits vielfältig ausgeschütteten Glückshormonen.
Die restliche Fahrt nach Hause verlief auch im Wesentlichen abwärts nur kurz vor ‚Zuhause‘ ging es noch einmal über einen Weinberg, der zwar schön anzuschauen war als wir so zwischen den Reben durchgeführt wurden, aber die müden Muskeln wurden doch noch einmal beansprucht.
Abends gab es dann unsere erste typische (zumindest was wir uns darunter vorstellen) Campingplatz-Mahlzeit: Ravioli aus der Dose auf dem Campingkocher warm gemacht und dazu eine gute Flasche Rotwein vom Winzer um die Ecke. Wir stießen glücklich und zufrieden auf unsere erste Bergetappe an. Prost!











…oder auch ‚Schnapshäusel‘ 