Gengenbach

(Ju) Als wir in Karlsruhe unser weiteres Vorgehen beredet und eins gegen das andere abgewogen haben, kam der Gedanke auf, Anja den Ort zu zeigen, wo ich schon viel und gerne Zeit verbracht habe. Kennengelernt habe ich ihn über meine geschiedene Frau, deren Familie dort schon seit Ewigkeiten jedes Jahr mindestens einmal Urlaub gemacht hatte. Schnell hatte ich diesen und den Nachbarort liebgewonnen, was sicherlich auch, ein wenig beeinflusst vom ‚Familienanschluss‘, an der Gastfamilie lag. Viele Stunden haben wir dort in der Küche und am Freisitz zusammengesessen, Wein (mein Lieblingswein war der Endinger-Weißherbst), Wasser sowie diverse ‚Hausbrände’ getrunken, während Frau Sandhas die ein oder andere Köstlichkeit aus dem Backofen gezaubert hatte. Erst waren es Frau und Kinder, später fanden auch ‚meine Jungs‘ von der Doppelkopfrunde Gefallen daran dort Zeit zu verbringen. Jetzt ist es ja in einer ‚Secondhand-Beziehung‘ oft ein Problem mit Altlasten aus der Zeit davor, aber bei Anja überwog wohl die Tatsache, dass Erzählungen meinerseits jetzt mit den Live-Bildern ihrerseits abgeglichen werden konnten.

Es war das übliche geschäftige Treiben in der Stadt, aber die Einschnitte durch Corona waren nicht zu verkennen. Einige Restaurants hatten nicht geöffnet und ich fragte mich, ob die jemals in absehbarer Zeit wieder öffnen würden. War früher in der Engelgasse ein Meer von Geranien sowie anderen Blumen und Pflanzen zu sehen, die die uralten Fachwerkhäuser umrahmten und Weinreben, die an den Balken entlang und über die Straße wuchsen, so ist heute noch alles schön, aber eben etwas unscheinbarer. Wir gingen durch die verschiedenen Gassen, durch die Stadttore und zur Klostermühle, deren Mühlrad, vor Jahren noch vom Wasser angetrieben, heute als stilles Zeichen nur noch den Touristen als Fotoobjekt dient. Und trotz aller Vergleiche von früher zu heute – die Stadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Da ich mich endgültig entschlossen hatte vorsichtshalber eine neue Kette ins Ersatzteillager zu packen, und mir der nette Mitarbeiter aus dem Werkstattbereich bestätigte, dass meine Kette sozusagen ‚durch‘ ist, war die Entscheidung schon ganz richtig, auch wenn Anja dadurch wieder mal Futter für die Seite Radläden und andere Radgeschichten bekam, was ich eigentlich vermeiden wollte.

Worauf ich aber hinauswollte, der Laden lag in Berghaupten und dort lag auch der Bauernhof, wo wir immer Quartier bezogen haben. Nicht zu verkennen stand immer noch der riesige Nadelbaum mit der kleinen Bank dort wo man abbiegen musste, wenn man zu Familie Sandhas wollte, nur der große Ameisenhaufen neben dem Baum war nicht mehr da. Wir sind den Weg hinaufgefahren und nach kurzer Überlegung auch auf den Hof. Zufällig war die Bäuerin im Hof und ich begrüßte sie und erklärte ihr kurz wer ich bin. Ein paar Minuten später saßen Anja und ich in der Küche und sie erzählte ein paar Geschichten, die ihr zu Früher und zu den ihr besonders ans Herz gewachsenen Gästen aus Oberhausen eingefallen sind. Sie hat sich sichtlich über den kurzen Besuch gefreut und allen von Herzen Grüße bestellt.

Es war ein schöner Tag – für mich voller Erinnerungen, wie man sicherlich deutlich erkennen kann. Ich fand es schön, dies alles auch Anja zeigen zu können und wir haben die Zeit genossen, bis uns am frühen Abend die Bahn wieder nach Achern gebracht hat, von wo aus es ja nur noch wenige Kilometer – die aber stets bergauf – zu unserem tollen Campingplatz waren.

Übrigens am Rande: Wir haben uns entschieden ein paar Tage länger vor Ort zu bleiben, da uns der Campingplatz so gut gefällt und es hier den Vorteil der ‚Konus-Karte‘ gibt, mit der man im gesamten Schwarzwald kostenfrei mit Bus und Bahn fahren kann; auf vielen Strecken sogar inklusive Fahrrad. Und das alles für den lächerlichen Betrag von 1,50€ Kurtaxe pro Person und Tag. Wenn ich dann bedenke, wie schwer sich unsere örtlichen Verkehrsunternehmen in Verbindung mit Städten und Gemeinden tun was solche Vergünstigungen anbelangt… wie schön zu sehen, dass das auch anders geht.

Veröffentlicht von radreiseanjajoerg

Wir sind ein nicht ganz ‚normales‘ Paar, welches aber doch viele Gemeinsamkeiten hat und eine Beziehung nicht als Selbstläufer bzw. Selbstverständlichkeit sieht.

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