(Ju) Was hat sich Anja nach der Wasserschlacht vom Vortag Gedanken gemacht. Was, wenn der ganze Aufwand sich gar nicht wirklich gelohnt hat, wenn Celle sich ähnlich ‚spannend‘ wie Gifhorn zeigt? Klar, als begeisterte Reiterin ist natürlich das dort beheimatete Landgestüt immer ein Anziehungspunkt und meistens ist ja mein Interesse auch da, aber NUR deshalb und nicht noch anderes Interessantes…
Ganz ehrlich, die restlichen 20 km von unserem Hotel über das sehr sehenswerte Kloster Wienhausen (ein Tipp von einer kurzen Begegnung unterwegs) bis Celle haben wir nach einer angenehmen Nacht sowie einem guten Frühstück im Nu hinter uns gebracht. An einer Stelle waren wir uns nicht sicher wo es sinnvoll weitergeht, prompt spricht uns ein älterer Herr an, ob und wie er uns denn gegebenenfalls helfen kann. Irgendwie sind hier alle total offen und freundlich – ähnlich den Rheinländern. Was soll ich sagen, der gute Mann zählte über 80 Lenze, äußerte sich nicht abfällig zu den E-Bikes, aber dafür fühlte er sich noch zu jung, da würde er später mal drüber nachdenken – wenn er alt ist. Anscheinend fit wie ein Turnschuh, bemerkte er ganz nebenbei, dass er tägliche 50 km Strecke auf dem Rad radelt und das noch lange so beibehalten wollte. ‚Bleibt gesund und viel Spaß auf der Tour‘ rief er uns noch zu und radelte dann seines Weges.
Wir erreichten die Innenstadt von Celle und waren erschlagen von dieser enormen Anzahl von Fachwerkhäusern. Echt ein toller Anblick, wenn man nicht gerade auf Bauhaus-Architektur oder irgendwelche Prachtbauten von Schinkel & Co steht und nicht zugänglich dafür ist, wo Holzbock und Borkenkäfer liebend gerne ihre Heimstatt einrichten.
Unser erster Weg führt uns zu ‚Lenas Rostlaube‘. Kein Fahrradladen, aber ein nettes Café kaum 20 m entfernt von unserem ‚Stellplatz‘ für die Räder. Der Cappuccino war super, Anjas Tee auch und dann ging es auch schon zu Fuß durch die Stadt zum Schloss. Da parkte gerade die kleine Touristen-Bahn und für 7 Euro sind wir eine Dreiviertelstunde durch die Gegend kutschiert worden und haben Dinge gezeigt und Informationen erzählt bekommen die interessant, aber auch teilweise schnell vergänglich waren. Es war nicht langweilig in Celle – und ich würde durchaus nochmals hinfahren. Danke Dany, dass du Anja diesen Floh ins Ohr gesetzt hast!
Kennt jemand 1NiteTent?! Falls nicht geht es euch so wie mir, bevor ‚meine Reiseleitung‘ mich in dieses Geheimnis eingeweiht hat. Das ist eine Internetseite, auf der Leute z.B. einen Stellplatz als mögliche Alternative zum Zeltplatz anbieten. Das kann der eigene Garten, die Streuobstwiese aber auch mal die Gartenlaube sein. Einfach erklärt – Couchsurfing für draußen.
‚Zufällig‘ gab es so jemanden auch in Celle und nach einer kurzfristigen Anfrage per Mail und einem klärenden Anruf war klar, wir bleiben über Nacht im Ort. Als wir vor dem Haus standen um zu klingeln, war mir bereits klar wer hier wohnt. Der Vorgarten war sehr ‚naturnah‘ und das entweder aus Überzeugung (also ist der Hausherr ökologisch orientiert), oder aus ‚fehlenden Möglichkeiten‘, was den Mann für mich eher Richtung der 90 Lebensjahre brachte. Die Tür wird auf Anjas klingeln hin geöffnet und wir lernen Michael kennen. Nett, offen und durchaus auf ‚gesund‘ eingestellt. Er engagiert sich ehrenamtlich im Bereich Food-Sharing, Refill Celle bzw. Deutschland (Geschäfte, die jedermann Trinkwasser für mitgebrachte Flaschen bei Bedarf zur Verfügung stellen) und noch in anderen Bereichen, macht Musik und steht unter anderem auf Frank Zappas Mucke. Habe ich in der Jugend auch gehört, aber die damalige Art des heutigen Headbanging sah bei mir wegen der elterlich vorgeschriebenen Kurzhaarfrisur gar nicht so cool aus wie bei anderen. Michael wäre den Anforderungen aber noch heute gewachsen 😉
Was wir geboten bekommen für die Nacht ist die Luxusvariante – das Zelt darf im Gartenhaus trocknen, wir dürfen im Gästezimmer im Haus schlafen – nett muss man sein, Schwein muss man haben. Abends noch ein gemeinsames Schwätzchen, morgens bekommen wir vor der Weiterfahrt ein leckeres Frühstück mit ordentlich starkem Kaffee für mich und einem Tee für Anja kredenzt. Mann glücklich… 😉
Wir strampeln vom Hof – Uelzen ist das Ziel, aber den Dank an dich, Micheal, für das uns entgegengebrachte Vertrauen und für die nette und aus unserer Sicht nicht selbstverständliche Bewirtung, lassen wir gerne in Celle.









Liebe Anja, lieber Jörg (unbekannterweise),
es macht richtig Freude, euch auf eurem Abendteuer zu folgen. Ich bin ja sooo neidisch!
Ja, die erste Nacht im Zelt – da musste ich schon schmunzeln und an mich denken – ich glaube so ist auf jeder Tour die erste Nacht im Zelt. Das legt sich und in der dritten Nacht gehts auch ohne Stöpsel 😉
Dann reitet mal fleißig eure Drahlesel weiter, aber seid brav zu ihnen 🙂
Ganz viel Freude, spannende Städte, interssante Bekanntschaften & vor allem Ruhe in der schönen Natur!
Liebe Grüße aus Berlin
Mel
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Liebe Mel, es freut uns sehr, dass Du Spaß am Lesen des Blogs hast!
Liebe Grüße – zurzeit vom Reihersee (nördlich von Lüneburg), Anja & Jörg
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